Terrorverlag > Blog > CHUCK RAGAN, SKINNY LISTER, TIM VANTOL > CHUCK RAGAN & THE CAMARADERIE – SKINNY LISTER – TIM VANTOL

Konzert Filter

CHUCK RAGAN & THE CAMARADERIE – SKINNY LISTER – TIM VANTOL

150405-Chuck-Ragan-0

Ort: Münster – Skaters Palace

Datum: 05.04.2015

Da hatte der Wettergott zu Ostern doch noch ein Einsehen. Nachdem wenige Tage vorher Sturmtief Niklas noch für Chaos bei der Bahn und reichlich Regen gesorgt hatte, kam pünktlich zum Osterwochenende doch noch die Sonne raus und dem traditionellen Abbrennen der Osterfeuer stand nichts mehr im Wege. Man konnte sich aber auch einfach völlig witterungsunabhängig auf den Weg nach Münster machen, denn dort wartete ein ganz besonderes Schmankerl auf die Freunde handgemachter Musik. CHUCK RAGAN machte nämlich Station im Skaters Palace und die Vielzahl der Autokennzeichen am Dahlweg ließ darauf schließen, dass entweder viele Feiertagsheimkehrer den Gig für eine kleine Familien-Auszeit genutzt hatten oder manch einer einen etwas längeren Anfahrtsweg in Kauf genommen hatte, um den HOT-WATER-MUSIC-Fronter gemeinsam mit seiner Zweitkapelle THE CAMARADERIE zu sehen. Dazu gab’s zwar bereits im letzten Herbst Gelegenheit, aber ganz offensichtlich bestand noch dringender Bedarf, denn die Konzertstätte präsentierte sich mit annähernd 1.500 Besuchern nahezu ausverkauft.

Leider sind in solchen Fällen die Sichtverhältnisse im Skaters Palace alles andere als optimal. Gut möglich, dass nicht wenige den Opener des Abends nicht gesehen haben, wenn sie in einem ungünstigen Winkel zur Bühne standen oder schlicht noch gar nicht da waren, als TIM VANTOL zu ungewöhnlich früher Stunde die Stage betrat. Um 23.00 Uhr sollte bereits wieder zur Konservenmusik abgezappelt werden – man muss die Feste schließlich feiern wie sie fallen und so startete der Amsterdamer Singer-Songwriter mit Hang zu Folk und Punk seine gute halbe Stunde bereits gegen 19.15 Uhr. Schon im vergangenen Jahr war Tim mit seinem erklärten Vorbild CHUCK RAGAN gemeinsam auf Tour, zudem freute er sich, wieder einmal in Münster gastieren zu können, wo auch seine Plattenfirma Uncle M ansässig ist. Dort wurde 2014 die zweite Solo-Platte „If We Go Down, We Will Go Together!” veröffentlicht und zum Abschluss der Show gab’s auch noch diesen Titelsong auf die Mütze. Daneben waren auch Songs vom Debüt „Road Sweet Road“ aus 2010 zu hören, die in gleicher Weise gut beim Publikum ankam. Das aufmerksame Auditorium spendete für den rauen Folk-Punk, der vermittels Akustikgitarre und kräftiger Stimme vorgetragen wurde, nicht nur freundlichen Applaus, sondern sang auch mit. Etwa bei „Nothing“, mit dem Vantol im Zusammenhang mit dem Germanwings-Flugzeugabsturz in den französischen Alpen mehr Respekt und weniger Sensationsgier forderte. Für das sentimentale „Bitter Morning Taste“ fand sich ein Gast mit Mundharmonika auf der Stage ein: CHUCK RAGAN unterstützte die traurige Ballade über die manchmal einsamen Schattenseiten des Tourlebens, bevor es mit „Hands Full of Dust“ rhythmusbetont weiter ging. Blieb noch das bereits erwähnte „If We Go Down, We Will Go Together!”, das abermals zum Mitsingen einlud. Ein knackiger Abschluss eines gelungenen Einstandes. Wer noch mehr hören möchte, hat im September im Münsteraner Gleis 22 die Möglichkeit dazu.

Setlist TIM VANTOL
Caged Birds?
Apologies, I Have Some
Broken Mirror?
Dirty Boots
Neuer Song
Nothing
Bitter Morning Taste
Hands Full of Dust
If We Go Down, We Will Go Together!

Da SKINNY LISTER ihr Equipment im Vorfeld schon in Stellung gebracht hatten und TIM VANTOL sein Zeug schnell von der Bühne geräumt hatte, konnte kurz vor 20.00 Uhr bereits die zweite Band ihr Können zeigen. Es handelte sich um SKINNY LISTER aus London, die sogleich in die Vollen gingen und für gute Laune sorgten. Seit 2009 hat sich die Combo dem Folk-Punk verschrieben, den sie energiegeladen an den Mann und die Frau zu bringen wussten. Apropos Frau: Sängerin Lorna Heptinstall war heuer die einzige Dame auf der Stage, die jedoch ihre Jungs eindeutig im Griff hatte und sich zudem Freunde mit einem großen Krug machte, der auch ins Publikum gereicht wurde. Über den Inhalt kann an dieser Stelle nur spekuliert werden, passend zur Mucke müsste es jedoch Whiskey gewesen sein. Meinetwegen auch englisches Ale, auf jeden Fall wähnte man sich alsbald in einem Pub auf dem britischen Eiland, in dem eine ausgelassen Stimmung herrschte. Dafür sorgte nicht nur Miss Heptinstall, sondern auch die vielseitige Instrumentalfraktion, die neben Schlagzeug und Gitarre auch Kontrabass, Mandoline, Konzertina und Akkordeon umfasste. Gesungen wurde im Übrigen gern auch mehrstimmig, etwa wie bei „Cathy“ vom 2014er Album „Down On Deptford Broadway“. „What Can I Say“ rückte im Folgenden mit etwas ruhigeren Klängen dann jedoch die Sängerin in den Mittelpunkt, ehe mit „Trouble On Oxford Street“ Highspeed auf dem Programm stand. „John Kanaka“ vom Langspiel-Debüt „Forge & Flagon“ aus 2012 entpuppte sich als A-cappella-Sauf- und Mitgröl-Nummer, während „Rollin’ Over“ mit der Aufforderung zum Hüpfen verbunden war und tatsächlich zügig ins Bein ging. Zu „Seventies Summers“ unternahm Michael Camino mitsamt seinem Kontrabass ein Bad in der Menge und ließ sich von den Münsteranern crowdsurfend auf Händen tragen, während auf der Stage Jon Gaunt von den CAMARADERIE seine Fidel zum Leben erweckte. Die SKINNY-LISTER-Folk-Punk-Party war auf ihrem Höhepunkt angekommen und wurde von „This Is War“ zudem noch weiter angefeuert. Schnell machte Lorna von ihrem Auditorium, das brav Gläser und Fäuste nach oben reckte, ein Foto, dann markierte das ausgelassene „Forty Pound Wedding“ auch schon das Ende der rund 45-minütigen Show. Wer jetzt noch nicht auf Betriebstemperatur war, hatte sich offensichtlich verlaufen und hätte sich wohl besser an einem Osterfeuer aufgewärmt.

Setlist SKINNY LISTER
Raise A Wreck
George’s Glass
Colours
Cathy
What Can I Say
Trouble On Oxford Street
John Kanaka
Rollin’ Over
Seventeen Summers
This Is War
Forty Pound Wedding

Kurz nach 21.00 Uhr war es dann endlich so weit: CHUCK RAGAN & THE CAMARADERIE enterten die Stage! Mit „Something May Catch Fire“ hatten sie nicht nur den passenden Osterfeuer-Track im Gepäck, sondern auch das Zeug für einen grandiosen Auftakt eines wunderbaren Konzertes. Mit „Vagabond“ schloss sich ein weiterer energiegeladener Song vom letztjährigen Longplayer „Til Midnight“ an, bevor es mit „Nomad By Fate“ zum 2011er „Covering Ground“ zurückging. Ich bin immer wieder begeistert vom ganz speziellen Sound der Truppe. Dazu zählt natürlich ganz wesentlich die Reibeisenstimme des 40-jährigen Fronters, aber auch das Zusammenspiel der Instrumente ist ein Traum – insbesondere Jon Gaunts Geige und Todd Beenes Pedal Steel Guitar sind bei den Songs nicht wegzudenken. Joe Ginsberg hatte seinen Kontrabass diesmal leider nicht dabei, machte jedoch auch am elektrischen Stahlsaiter eine hervorragende Figur, was in gleichem Maße für George Rebelo an den Fellen galt. Mit „You Get What You Give“ ließen es die bärtigen Herrschaften für einen Moment etwas ruhiger angehen, während es mit dem „Whistleblowers Song“ und „Non Typical“ in bewährter und beliebter Weise wieder gewaltig knallte. Ab ging’s nach „Rotterdam“ (vom 2009er „Gold Country“), wo klar Chucks Stimme im Zentrum stand. Im Sommer soll ein neues Album erscheinen und als kleinen Vorgeschmack gab’s jetzt schon das gefühlvolle „Flame In The Flood“ auf die Ohren. Die Nummer ist gleichzeitig auch Teil des Soundtracks des gleichnamigen Videospiels – viel wichtiger war jedoch, dass dieses Lied einem krebskranken Freund gewidmet war. Für „Valentine“ agierten die Herren Ragan und Gaunt allein und wurden mit reichlich Applaus bedacht, bevor Chuck das emotionsgeladene „Drag My Body“ solo performte. Gleiches galt für das CORY-BRANAN-Cover „Survivor Blues“, das aufs Wesentliche reduziert zu Herzen ging. Mit seiner Mundharmonika rief der Hauptprotagonist des Abends schließlich seine Band zurück an ihre Arbeitsplätze und nach einem getragenen „Wake With You“ nahm „Bedroll Lullaby“ erneut Fahrt auf. „Revved“ stand dem in nichts nach und auch das eingängige „Gave My Heart Out“ wusste unbedingt zu gefallen. „Nothing Left To Prove“ begann zunächst mit sphärischen Gitarrenklängen, die in knackige Akkorde übergingen. Insgesamt blieb dieser Track, welcher der arbeitenden Bevölkerung gewidmet war, ein bisschen getragener und mit „Right As Rain“ war dann gar Feuerzeug-Stimmung angesagt. Ein toller Song, bei dem Violine und Pedal Steel Guitar absolut Erwähnung finden müssen! Dass Gänsehaut und krachende Gitarren kein Widerspruch sein müssen, bewies „The Boat“ vom 2007er „Feast Or Famine“ und mit „California Burritos“ verwandelte sich das Skaters Palace kurzfristig in einen Hexenkessel. Leider bedeutete dieses Stück um 22.30 Uhr das Ende des regulären Sets, doch es gab noch einmal Nachschlag.

Dafür erschien zunächst CHUCK RAGAN allein mit Gitarre und Mundharmonika auf der Bühne, lange dauerte es aber nicht, bis auch der Rest der Mannschaft wieder zur Stelle war und gemeinsam wurde sehr druckvoll „For Broken Ears“ abgeliefert. Blieb noch „Gathering Wood“, das als gemütvolle Verabschiedung taugte, die dann jedoch noch einmal in die Vollen ging. Es war ein fabelhafter und extrem kurzweiliger Abend mit drei vorzüglichen Musik-Acts. CHUCK RAGAN & THE CAMARADERIE haben ihre Supports gut gewählt und selbst eine Show abgeliefert, die kaum Wünsche offen ließ. Dass Einzige, was man bemängeln könnte, haben die Jungs aus Gainesville/Florida auf jeden Fall nicht zu verantworten, denn das liegt in der Bauweise der Halle begründet. Deren vertikalen Stahlträger sind für eine ungehinderte Sicht auf die Bühne einfach eine Katastrophe, auch wenn das Skaters Palace ansonsten eine nette Location ist. Vielleicht kommen Chuck und seine Mannen mit der neuen Platte einfach mal in den Osnabrücker Hyde Park – ich würde mich freuen!

Setlist CHUCK RAGAN & THE CAMARADERIE
Something May Catch Fire
Vagabound
Nomad By Fate
You Get What You Give
Whistleblowers Song
Non Typical
Rotterdam
Flame In The Flood
Valentine
Drag My Body
Survivor Blues (CORY-BRANAN-Cover)
Wake With You
Bedroll Lullaby
Revved
Gave My Heart Out
Nothing Left To Prove
Right As Rain
The Boat
California Burritos

For Broken Ears
Gathering Wood

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Alle markierten Felder (*) müssen ausgefüllt werden.

Mehr zu CHUCK RAGAN auf terrorverlag.com

Mehr zu SKINNY LISTER auf terrorverlag.com

Mehr zu TIM VANTOL auf terrorverlag.com