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COBRA KILLER

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Ort: Bielefeld - Forum

Datum: 04.02.2005

Spontane Wochenendgestaltung – Nachdem ich kurz das Bielefelder Konzertangebot überflogen hatte, entschied ich mich für das Berliner Duo COBRA KILLER, welches im Rahmen des Honky Tonk Kneipenfestivals eine Stippvisite in Ostwestfalen abgeben wollte. So wirklich wusste ich nicht, was mich erwarten würde, obwohl ich ein paar Facts zusammengetragen hatte. Gina V. D’Orio gehörte mal zu den LEMONBABIES und Annika Trost war mit einem gewissen SHIZUO unterwegs, angeblich sind beide im Ausland ziemlich angesagt, wo man auch die ersten beiden Alben veröffentlichte und mit SONIC YOUTH tourte. 2004 erschien dann die erste CD auf einem deutschen Label, mit dem Namen 76/77 (das Album, nicht das Label), wo man wiederum dem Elektroclash frönte. Aber was ist eigentlich Elektroclash? Wir werden es auch nach diesem Abend nicht wissen…

Um 23 Uhr sollte es eigentlich losgehen, und das Forum war zu diesem Zeitpunkt auch schon sehr gut mit vorwiegend studentischem Publikum gefüllt. Sicher nicht unbedingt Fans des zu erwartenden Acts, aber immerhin neugierig und gut gelaunt. Beim Honky Tonk zahlt man einmal 12 Euro, um dann in diversen Bielefelder Lokalitäten unterschiedlichen Bands zuhören zu dürfen/ können. Es dauerte aber noch bis kurz vor 12, als endlich Leben auf die Bühne kam, die lediglich mit 2 Mikrophonständern und ein paar elektronischen Geräten im Hintergrund ausgestattet war. Die Musik kommt bei den Hauptstädterinnen nämlich ausnahmslos vom Band, was zählt ist die Performance, und die hielt so einige Überraschungen bereit. Allein das Outfit war bereits bemerkenswert: Frau Trost im knielangen Kleid, welches Erinnerungen an die Mädels von CLIENT wachrief, während Gina in einer Art Ballettoutfit mit sehr kurzem Röckchen auflief, welches mehr zeigte als verbarg. Dazu extrem gefährlich anmutende Stöckelschuhe, die in Verbindung mit dem ausufernden Rotweinkonsum zu einigen (gewollten?) Schlitterpartien führten. Zu „Let’s have a problem“ wurde fast militärisch gedanced, während später immer mehr die Chaostheorie herrschte, auch bei den Ansagen. Völlig zusammenhanglose Worte zwischen Kult und Katastrophe sorgten für den einen oder anderen Lacher, bevor man sich mit Rotwein übergoss und immer mal wieder auf den Forumsboden warf. Aber dabei blieb es nicht, so sprang man auch schon mal unmotiviert auf ahnungslose Besucher und so hatte ich plötzlich Frau Trost in den Armen. Meine Leibesfülle verhinderte ein Umkippen, was vielleicht gar nicht so schlecht gewesen wäre, denn den Kollegen zu meiner Rechten ritt die gute Dame danach leidenschaftlich. Da muss ich erst auf ca. 921 Konzerte gehen, um einmal angesprungen zu werden, die Rotweinflecke werden mich an das Ereignis erinnern. Nach ein paar Songs wie etwa „Ledercouch“, welches wie eine Mischung aus 80er Mucke und der MEDIENGRUPPE TELEKOMMANDER daherkam, wurde erst mal die Bühne gefegt, bevor frau dann mit 2 Hula Hop Reifen zurückkehrte. Annika beherrschte die Dinger trotz fortschreitender temporärer Demenz auch erstaunlich gut. Nach einer Ode an eine „deportierte Katze“ wurden schließlich die Besucher aufgefordert, ihre Handys auszuschalten, um die elektronischen Geräte nicht zu stören und nach „Needle Sharing“ war dann auch fast schon Schluss. Zu einem improvisierten „Bye Bye Bielefeld“ begaben sich die Damen unters Volk und verabschiedeten sich von einigen per Handschlag oder –kuss.

45 Minuten währte der Spuk und trotz lebhafter Versuche gab es keine Zugabe mehr, die beiden befanden sich zu diesem Zeitpunkt sogar schon am Merchandise Stand. Ein Kollege meinte zu mir, das hier wäre mal wieder ein Berlin Hype, während Quentin Tarantino sicher der Bandname gefallen würde. Einigen wir uns auf eine kultige Performance mit dilettantischem Charme, welche über die relative Bedeutungslosigkeit der Musik hinwegtäuscht. It’s just Showbiz!

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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