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COVENANT – AESTHETIC PERFECTION

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Ort: Hamburg – Markthalle

Datum: 14.09.2013

Am 6. September ist das achte Album der schwedischen Electro-Institution COVENANT erschienen. „Leaving Babylon“ heißt der Silberling und natürlich fieberte die schwarze Gemeinde nicht nur der Konserve entgegen, sondern auch der Tour, welche die Schweden Eskil Simonsson (Gesang & Kompositioen), Daniel Jonasson (Keys & Vocoder) und Andreas Catjar (Keys & Gitarre) an einem regnerischen Samstag in die Hamburger Markthalle führte. Der vierte Mann im Bunde, Gründungsmitglied und Wiedereinsteiger Joakim Montelius, beschränkte sich derweil auf die Unterstützung im Studio und überließ den Kollegen die Bühne, die zuvor von AESTHETIC PERFECTION in Beschlag genommen wurde.

Das Ami-Dreigestirn enterte pünktlich um 21 Uhr die Stage, wo die Arbeitsplätze von Tim van Horn (Drums) und Elliot Berlin (Keys) parallel zueinander aufgebaut waren, so dass die Musiker nicht dem zahlreich erschienenen Publikum, sondern sich selbst gegenüberstanden. In der Mitte hielt sich Fronter und Mastermind Daniel Graves auf, der sich anders als seine Live-Mitstreiter nicht auf weiße Gesichtsbemalung beschränkt hatte, sein Antlitz zierte zusätzlich eine schwarze Hand . Das Outfit bestand erneut aus weißen Hemd, Fliege, Weste und Hut, man war heuer chic auf der Bühne und legte nach einem Intro mit „Antibody“ auch gleich einmal druckvoll los. Das Auditorium wusste dies zu schätzen und spendete freundlichen Applaus, bevor es mit „Inhuman“ mit viel Tempo und Schmackes weiterging. Mr. Berlin verabschiedete sich an dieser Stelle auch gleich von seiner Jacke; das ständige Rumgeturne auf Keyboardständer und Monitorbox ließ den Schweiß in der sowieso kuscheligen Konzertstätte fließen und auch das Auditorium kam ins Schwitzen, animierten Songs wie „The Siren“ und „The Ones“ doch zum Tanzen, während der gute Daniel seine Schreihals-Qualitäten unter Beweis stellte. Das dank der Schießbude sehr organisch wirkende „One And Only“ wurde mit Beifall geradezu überschüttet und überhaupt kam der Aggrotech des flotten Dreiers sehr gut an. Die Stimmung in der Markthalle war bestens und AESTHETIC PERFECTION zweifellos ein hervorragender Einheizer, der 45 Minuten sehr tanzbar Vollgas gab. So auch beim finalen „Spit It Out“, bei der die Anwesenden ein wenig brauchten, um die Aufforderung zum Schreien zu verstehen und auch entsprechend umzusetzen. Ein gelungener Auftakt des Abends, der noch lange nicht vorüber war.

Nachdem die diversen Tasten- und Knöpfe vom Equipment der Herren Jonasson und Catjar in Stellung gebracht worden waren, konnte es 20 Minuten später mit dem Hauptact in die Vollen gehen. Wobei ich gestehen muss, dass der Auftakt für mich zunächst ein wenig zäh wirkte, das Intro zog sich fast fünf Minuten mit eher ermüdendem, denn Spannung erzielendem Pling-Pling hin, dann startete „Leaving Babylon“ endlich mit den bereits erwähnten Instrumentalisten, ehe auch Eskil die Bühne betrat. Zumindest konnte man selbiges in den düsteren Nebelschwaden erahnen, denn Licht sollte in den nächsten Stunden eher nebensächlich sein. Zwar wurde eine wenig mit farbigen Lichteffekten und den LED-Installationen im Hintergrund gespielt, zum Leidwesen der Fotografen lagen die Hauptprotagonisten jedoch überwiegend mehr oder weniger im Dunklen. Dafür gab’s mit „Ritual Noise“ gleich den ersten Smasher vom 2006er „Skyshaper“, der allerdings von einem kurzen Technik-Ausfall unterbrochen wurde, bevor der smarte Sänger fast über die zahlreichen Kabel am Rand der Stage gestolpert wäre. „Prime Movers“ war in weiterer neuer Song, der mit Stakkato-Sounds gefiel, doch so richtig gut wurde die Stimmung bei bekannten Stücken wie „Bullet“ (vom „Northern Light“-Album aus 2002), das umgehend ins Bein ging und auch kräftig mitgesungen wurde. Lichtblitze lösten wenig später das grüne Bühnenlicht ab, um dem treibenden „Voices“ vom 1994er Debüt „Dreams of A Cryotank“ die passende optische Untermalung zu verpassen. Vom gleichen Longplayer stammte auch „Edge of Dawn“ mit seinen technoiden Beats, während mit „I Walk Slow“ neues Material auf dem Zettel stand. Neben allerlei Elektro-Gefrickel kam hier (wie später noch vielfach) auch eine Gitarre zum Einsatz, die Andreas bearbeitete, indem sie vor ihm auf seinem Arbeitstisch lag. Die Nummer hatte vergleichsweise ruhige Passagen mit allerlei Dissonanzen, die durch die laute Geräuschkulisse im Zuschauerraum ein wenig gestört wurden. Nun war dieser Track auch nicht unbedingt leichte Kost, da kamen die Hamburger mit einer „Großstadt-Symphonie“ (O-Ton Eskil) eindeutig besser klar. Gemeint war mit „20 Hz” ein weiteres grandioses Highlight der COVENANT-Discografie. Blinkende LEDs und grummelnde, tiefe Töne begleiteten derweil „Get On“, ehe das neue „The Kingdom Come“ mit Akkorden überraschte, die nach dem Einsatz eines Spinetts klangen (was man der Elektronik doch für unterschiedliche Sounds entlocken kann), für meinen Geschmack insgesamt jedoch ein wenig zu pathetisch ausgefallen waren. Ebenfalls neues Futter gab’s mit dem sich anschließenden „Ignorance And Bliss“ auf die Ohren, das mich im Refrain an die Filmmusik „The NeverEnding Story“ erinnerte. Richtig rund ging’s schließlich mit dem COVENANT-Hit „Stalker“. Zunächst konnte man den Song im ausführlichen instrumentalen Vorgeplänkel nur erahnen, doch dann war’s keine Frage mehr, womit die Markthalle hier beschallt wurde. Die Nummer vom 1996er „Sequenzer“ ließ keine Wünsche offen und wurde entsprechend gemeinsam abgefeiert. Und natürlich war die aktuelle Singleauskopplung „Last Dance“ keineswegs die letzte Tanzmöglichkeit des Abends, auch wenn sogar Andreas diesen mitreißenden Song nutzte, um über die Stage zu tänzeln, statt wie sonst üblich in kaum Rücken schonender Weise über sein Arbeitsgerät gebeugt zu stehen. Als nächstes stand „Call The Ships To Port“ auf dem Programm. Quittiert wurden die ersten Töne des Band-Evergreens mit einem begeisterten Aufschrei und schon verwandelte sich der Laden in einen wahren Hexenkessel. Ein großartiges Ende des regulären Sets nach rund 90 Minuten Spielzeit, aber natürlich noch lange nicht das Ende des Konzertes.

Also folgte mit dem emotionalen „Prometheus“ der erste Nachschlag, bevor für das knackige „Lightbringer“ Daniel über weite Teile den Gesang übernahm. „We Stand Alone“ war zweifellos nicht das Motto des Abends, stattdessen ging man in der Markthalle gemeinsam steil – auch wenn Eskil am Ende des Liedes ziemlich sang- und klanglos verschwand. Aber die drei Schweden kamen ja noch einmal zurück, nachdem man die leere Bühne bereits mit dem „Leiermann“ beschallte. Ein weiterer Höhepunkt der Show, die mit „The Men“ ihre sehr tanzbare Fortsetzung fand. Zuvor hatte Herr Simonsson gefragt: „May I have this dance with you?“ und natürlich sagte da niemand der Anwesenden nein. Etwas überfordert war allerdings ein männlicher Gast in den ersten Reihen, als urplötzlich Daniel vor ihm stand und ihm das Mikro hinhielt. Auch Eskil ging auf Tuchfühlung mit seinen Fans und suchte deren Nähe, bevor mit „Figurehead“ noch mal amtlich Tempo gemacht wurde, bis schließlich die LEDs den Schriftzug „Leaving Babylon“ präsentierten und der Dreier wieder im Off verschwand. Doch die Hanseaten hatten sich noch eine Zugabe verdient, die schließlich mit „Dead Stars“ in die Tat umgesetzt wurde. Mit diesem Hammer verabschiedete sich das Trio dann allerdings endgültig nach 140 hochenergetischen Minuten, doch wer wollte, konnte noch über Stunden zur Konservenkost weiterfeiern, wie Eskil ausdrücklich erwähnt hatte.

Für mich war an dieser Stelle jedoch Schluss, wohingegen die Schwarzkittel weitere Neuankömmlinge begrüßten. Wer nicht beim COVENANT-Gig dabei war, hatte auf jeden Fall ein grandioses Konzert verpasst. Schon der Support AESTHETIC PERFECTION wusste zu überzeugen und auch die Schweden ließen keinen Zweifel daran, dass sie aus gutem Grund zur ersten Liga der dunklen Electro-Fraktion zählen. Die neuen Songs brauchen vielleicht noch ein bisschen, um ihn den Ohren der Fans anzukommen, haben aber mit Sicherheit auch das Potenzial, Hits zu werden. Und selbige gab’s an diesem Samstag in der Markthalle jede Menge zu hören.

Setlist COVENANT
Leaving Babylon II (Intro)
Babylon Dawn (Intro)
Leaving Babylon
Ritual Noise
Prime Movers
Bullet
Voices
Edge of Dawn
I Walk Slow
The Beauty And The Grace
20 Hz
Leviathan
Get On
The Kingdom Come
Ignorance And Bliss
Stalker
Last Dance
Call The Ships To Port

Prometheus
Lightbringer
We Stand Alone

Leiermann
The Men
Figurehead

Dead Stars

Copyright Fotos: Sandra Dürkop

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