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CRISIS – PINOREKS

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Ort: Leipzig - Hellraiser

Datum: 08.03.2018

Für einen musikalischen Hochgenuss zieht es uns heute weit hinaus in den Leipziger Osten. Die einzige uns bekannte Zufahrt über eine Brücke ist natürlich noch gesperrt und so sehen wir noch ein Leipzig, das mehr an Dorfidylle erinnert als an Großstadt. Doch irgendwann schaffen wir es doch zum Hellraiser und sind erstaunt über die vielen Autos davor. Doch schnell stellt sich heraus, dass es auf der zweiten Bühne ein weiteres Konzert gibt. Nichts für uns, aber der Großteil der Angereisten scheint lieber zur Konkurrenz zu gehen. Denn so nach und nach trudeln hier nur großzügig geschätzt 100 Leute ein. Da sind auch der Wochentag und die abgelegene Location keine Ausrede, denn die Angereisten kommen auch aus vielen Teilen Deutschlands. Und sie können sich auf zwei großartige Konzerte freuen.

Den Auftakt machen PINOREKS aus Potsdam. Über die Wavepunk-Band lässt sich nicht viel finden, außer dass die Bandmitglieder Megel, Axel, Utschmann und Achim heißen, 1998 ihr Debüt auf einem Kassettensampler hatten und bisher drei Alben veröffentlicht haben, zuletzt 2015 „Behind and beyond“, die nach dem Auftritt allesamt ihren Weg in meine Plattensammlung gefunden haben. Der Sänger wurde trotz Sonnenbrille von der zahlreich anwesenden Neofolk-Gemeinde als ein Künstler von SONNE HAGAL erkannt. Doch während er da eher angemessen zurückhaltend ist, so wird er bei PINOREKS zum richtigen Entertainer mit Tanzeinlagen, Interaktion mit dem Publikum und einer ordentlichen Show. Die Songs machen richtig Spaß, obwohl die fast fröhliche Musik im Widerspruch zu den Texten steht. Und schon nach dem ersten Hören hat man das Gefühl, man kennt die Songs und kann zahlreiche Hits ausmachen. Ein gelungener Auftakt einer tollen Band.

Kommen wir jetzt zu Urgesteinen der britischen Punk-Szene. Als sich CRISIS gegründet haben, war ich gerade 1 Jahr alt. Das war 1977. Nach einigen Veröffentlichungen mit Hits wie „White Youth“, „Holocaust“ oder „Alienation“ und Auftritten unter anderem als Support für BAUHAUS oder MAGAZINE war dann 1980 auch schon wieder Schluss, nicht aber ohne Spuren in der Musikwelt hinterlassen zu haben. Da es weder meine Zeit noch meine Musik war/ ist (auch wenn ich dem Punk nicht grundsätzlich abgeneigt bin), liegt der Grund der Betrachtung heute abend vielmehr in den einzelnen Musikern. Denn das waren in der alten Besetzung keine Geringeren als Douglas Pearce (DEATH IN JUNE) und Tony Wakeford (SOL INVICTUS) und damit zwei Wegbereiter und Ikonen des Neofolk. 40 (!!!) Jahre nach Gründung entschied sich Wakeford 2017 für eine Wiederbelebung von CRISIS. Neben Tony am Bass besetzen jetzt Sänger Lloyd James (NAEVUS), Clive Giblin (ALTERNATE TV) an der Gitarre sowie Drummer Igor Olejar (AUTOROTATION) den Krisenstab. Alles alte Hasen, die ihr Handwerk verstehen und das auch eindrucksvoll auf der Bühne demonstrieren. James zeigt sich als ehrwürdige Neubesetzung, ist man jetzt nicht gerade Fan der ersten Stunde, hat man das Gefühl, er sei schon immer dabei. Rechts von ihm steht bzw. sitzt ein erfreulich gut und frisch aussehender Tony mit einer Menge Kilogramm weniger. Da sag noch einer, Punk sei nicht gut für das Wohlbefinden. Alle Hits finden sich im Repertoire und schließlich bildet sich auch noch ein kleiner aber feiner Moshpit vor der Bühne, das habe ich ewig nicht mehr mitgemacht. Ein riesiges Dank an Tony, dass auch die U60-Generation noch in den Genuss eines CRISIS-Auftrittes kommen darf.

Auch an den Veranstalter Electric Avenue Music geht ein großer Dank, zwei großartige Bands nach Leipzig geholt zu haben.

Copyright Fotos: Kai-Uve Altermann

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