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CULT OF LUNA – ABRAHAM

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Ort: Hamburg - Knust

Datum: 17.01.2013

Rechtzeitig pilgerten die Jünger ins Knust, denn es ging an diesem Abend darum, den CULT OF LUNA zu zelebrieren. Doch bevor die Anhänger sich der Musik der Schweden hingeben konnten, traten die Schweizer ABRAHAM die Bürde des Supports an. Mit dem Intro stellte sich Renzo an die Keys und begann mit growlenden Gesang, um kurz darauf von Drummer David gesanglich unterstützt zu werden. Mit Vervollständigung der Band auf der Bühne ergoss sich ein musikalisches Gewitter über die Menge im Knust. Man hatte das Gefühl, die Band explodierte in ihrem Chaos und das hardcore-artige Geschrei in Kombination mit den tiefen Growls verlieh den einzelnen Stücken eine extreme Härte. Als Support schlagen ABRAHAM den gleichen musikalischen Pfad ein wie CULT OF LUNA, doch wirken ihre Stücke ungeschliffener und sie verlieren sich in ihrem Klangchaos. Da es sich bei den Eidgenossen um eine relativ junge Band handelt, ist zu hoffen, dass das musikalische Potential noch nicht ausgeschöpft ist. Das gleichförmigen Soundgewitter und auch die fehlenden Spannungsbögen innerhalb der Songs ließen, trotz oder wegen der Härte, Langeweile beim Zuhören aufkommen. Vermutlich gingen die wenigen eingestreuten musikalischen Feinheiten in dem schlechten Sound im Knust unter. Nicht nur schlechter Sound beschnitt die Leistung der Musiker, auch die kleine Bühne zwängte den Bewegungsdrang der sechs Musiker in ein Korsett. Ausbrechen zwecklos. Als Übersprungshandlung rieb Renzo seinen Unterkörper an den Körper des Bassisten der Band.

Die Stärke der Supportband im Vergleich zu CULT OF LUNA lag in ihrer Bühnenpräsenz, so suchte doch hin und wieder Bassist Verde den Kontakt zum Publikum und man hatte das Gefühl, von der Band registriert zu werden. Hier kommt auch schon das einzige Manko von CULT OF LUNA zu Tage: sie wirken unnahbar, in ihrer Musik vertieft, dem Kult des Zuhörens frönend. Bei dem Auftritt der Schweden lag der Nebel dicht und schwer in der Luft und Gegenlicht ließ oft nur die Silhouetten der Musiker sichtbar werden. Düster schleppender Sound mit ruhigen Passagen bahnte sich – wie der Nebel – seinen Weg zum Publikum, das nur auf den einsetzenden Sprechgesang von Klas wartete, um ins Headbangen/ -wippen zu verfallen. Auch die Musiker schwebten und schwelgten in ruhigen Soundpassagen, um dann mit dem Einsatz des Shoutings von Klas Rydberg aus der Ruhe hervorzupreschen und ein tobendes Inferno zu inszenieren. Man merkte: Hier sind Perfektionisten am Werk, die nicht nur ihre Instrumente perfekt beherrschen, sondern es durch Feingespür schaffen, Spannungsbögen in ihre epischen Werke einzubauen. Würde zwischen den einzelnen Stücken das Bühnenlicht nicht kurz erlöschen, so wäre es schwer herauszuhören, ob man bereits einem neuen Song lauscht, denn CULT OF LUNA boten ein fast nahtloses Gesamtkonzept aus mehreren Schaffensphasen an. Der unverkennbare Auftakt zu „Ghost Trail“ erübrigte den Licht An/-Aus -Effekt, aber im Großen und Ganzen erleichterte es dem Zuhörer das Zurechtfinden in den Klangwelten, zumal COL auf Ansagen verzichteten. Gitarrenteppiche bauten sich in vielen Schichten auf und man möchte meinen, es wären nicht nur drei Gitarristen am Werk gewesen. Während ihres Spielens drehten sie an den Wirbeln ihrer Instrumente, um den Sound zu verzerren. Zum nächsten Stückwechsel erfolgte dann ein kompletter Austausch der Gitarren. Schade, dass auch CULT OF LUNA Qualitätseinbußen auf Grund der Sounds im Knust zu beklagen hatte, so kamen einige Effekte kaum zur Geltung.

Mal erklang ein Glockenspiel aus der Ferne, dann hört man Klanghölzer heraus. Ein anderes Mal stand in einer Musikpassage der Klaviersound im Vordergrund, um im nächsten Moment vom Sprechgesang zerstört zu werden. Beide Bands setzten den Sprechgesang nur spärlich ein, wobei CULT OF LUNA auch Gesangsparts von Fredrik Kihlberg als ein weiteres Stilmittel in einige Stücke einbauten und somit ihr Klangrepertoire bereicherten. Den gesamten Abend über waren die Musiker eingehüllt in Nebel und Musik. Unnahbar gaben sie sich ihren Klangkonstruktionen hin, da passte eine spontane Zugabe wohl nicht mehr ins Gesamtkonzept, zumal diese gleich wieder mindestens eine Spielzeit von 8-10 Minuten aufweisen würde.

Selbst das Bierflaschenklopfen an den Monitor als Taktgeber für das Zugabeklatschen ließ die Meister der epischen Werke unberührt, vielleicht schwebte die Band schon in den nächsten Klangsphären davon… zurück auf die Bühne kamen sie an diesem Abend nicht mehr.

Setlist CULT OF LUNA
The One ( Intro)
I: The Weapon
Ghost Trail
Finland
Mute Departure
Vicarious Redemption
Owlwood
Passing Through
Disharmonia (interlude)
In Awe Of

Copyright Fotos: Sandra Dürkop

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