Terrorverlag > Blog > DAVID GARRETT > DAVID GARRETT

Konzert Filter

DAVID GARRETT

141019-David-Garrett-0

Ort: Halle (Westf.) - Gerry Weber Stadion

Datum: 19.10.2014

Der letzte angenehm-sommerliche Sonntag sollte von einem Konzertereignis abgerundet werden, das nicht alle Tage in unserem schönen Magazin Erwähnung findet. DAVID GARRETT alias David Christian Bongartz hatte sich zum wiederholten Male im Gerry-Weber-Stadion angekündigt, und die Besucher dankten es ihm offensichtlich. 7300 Zuschauer, mehr als bei ELTON JOHN oder JAMES BLUNT an gleicher Stelle, das führte zu einem ordentlichen Verkehrsaufkommen auf den Zufahrtsstraßen, doch dank guter Planung standen wir rechtzeitig im Reigen des buntgemischten Völkchens zwischen feierlicher Festtagskleidung und lockerem Casual Wear. Der Mann begeistert offensichtlich alle Altersstufen, wobei sicherlich die Damenwelt einen nicht unerheblichen Teil seiner Anhängerschaft ausmacht. Das ist ja auch der ursprüngliche Crossover-Gedanke, dem David mit seiner Tour bereits im Namen Rechnung trägt. Mit einem rundum erneuerten Programm im Gepäck legte der Zopf-tragende Beau kurz nach 19 Uhr los, als er zum dramatischen „Also sprach Zarathustra“ von hinten ins Stadion einmarschierte, wie ein Boxer vor dem großen Kampf.

Und „groß“ war hier einiges an diesem Abend. Neben der Stammband von Herrn Garret, allen voran sein langjähriger Mitstreiter Franck van der Heijden, hatte er noch die Neue Philharmonie Frankfurt als klassisches Fundament und beizeiten auch Teile des deutschen Fernsehballetts am Start. Ganz zu schweigen von den riesigen Leinwänden im Hintergrund und einigen „dramatischen“ Effekten. Setlisten-technisch war das Ganze eine Mischung aus populären Titeln mit unterschiedlicher musikhistorischer Relevanz und eingestreuten Klassik-Stücken, die man zur Allgemeinbildung zählen dürfte. Sicherlich nicht das, was ein vergeistigtes, Kultur-beflissenes Auditorium schätzen würde, aber hallo, wir sprechen hier von Mainstream, von Menschen, die einfach mal abschalten wollen und für ihr gutes Geld eine gute Show erwarten. Und die ward ohne Zweifel geboten. Dass Herr Garrett sein Instrument bedienen kann, ist unbestritten, zudem verfügt er über eine gewisse Ausstrahlung (Jacket meets Jeans – sein Outfit bringt es auf den Punkt), wenngleich er in seinen zahlreichen Ansagen hin und wieder etwas selbstverliebt rüberkommt. Aber so ist das vielleicht mit „Wahl“-New Yorkern, immer etwas unverbindlich, immer etwas larger-than-life. Seine vielen kleinen Anekdoten, garniert von entsprechenden Bildern, wollen nicht immer zu den Songs passen und dienen oft als Transportmittel für Selbstbeweihräucherung, doch die Besucher reagieren so oder so enthusiastisch. Wir erfahren, dass er Single und die Butter in seinem Kühlschrank abgelaufen ist. Dass er auch mal melancholisch sein kann, wenn er aus seinem Hotelzimmer in graue Wolkenkratzer-Schluchten starrt und dass er 7 Stunden Schlaf benötigt, auch wenn ihn angesagte House DJs davon abhalten wollen. Doch ich schweife ab…

Nach der WILLIAMSchen Devise des Abends („Let me entertain you“) folgte ein erstes Highlight mit SPRINGSTEENs „Born in the USA“, garniert von einer sehr ansehnlichen Lightshow und sich immer wieder überlappenden Bildern des Künstlers auf den diversen Leinwänden. Beschaulicher dann die folgende Eigenkomposition „Ma Dove Sei“, bei dem ANDREA BOCELLI den Gesangspart übernahm, freilich nur auf der Leinwand und nicht live, aber dennoch recht stimmungsvoll. Übrigens das einzige Stück mit Vocals an diesem Abend. „New York, New York“ von Herrn SINATRA machte sich der gebürtige Aachener dann ebenfalls zu Eigen, als Hommage an die Stadt, in der er sein Handwerk letztendlich perfektioniert hatte. MOZART, METALLICA und ABBA hintereinander? Was sich zunächst etwas abenteuerlich anhört, funktioniert auf der Violine ganz vortrefflich, wobei die Bearbeitung von „Fuel“ dem ziemlich nahe kam, was APOCALYPTICA seit Jahren auf der Bühne praktizieren. Dazu noch ein paar wenig bekleidete, als Rock Chics verkleidete Tänzerinnen, und der Herzschlag der Ostwestfalen konnte nach oben gehen. ABBAs „I have a dream“ begleitet am Piano ließ dann wieder Zeit zum Atemholen. Mit dem „guilty shame“ „Living on a prayer“ von Power Locke BON JOVI (Soundtrack zu Garretts erstem Auto, einem VW Golf) ging es dann in eine halbstündige Pause, die zu den üblichen Tätigkeiten genutzt wurde. Zwischendurch hatte draußen ein ordentlicher Schauer eingesetzt, der die Stimmung aber nicht trübte.

Kurzum: Auch der zweite Part konnte im Rahmen der Erwartungen zufriedenstellen, vor allem ein junges Mädel namens Fiona dürfte den Abend nicht so schnell vergessen. Sie durfte auf einem Stuhl vorne auf der Bühne Platz nehmen und wurde von Davids Interpretation des ELTON JOHN-Schmachtfetzens „Your Song“ musikalisch wie menschlich umgarnt. Es gab Feuerfontänen wie bei RAMMSTEIN, Konfettikanonen schleuderten güldene Papierfetzen in die bestuhlten Mittelreihen und QUEENs „We are the champions“ wurde zu einer Weltmeister-Ode mit einem Haufen Deutschland-Fahnen auf der Bühne. Van der Heijden war dementsprechend not amused, but sorry you are dutch… Nachdem auch die musikalischen Mitstreiter ausreichend vorgestellt und gewürdigt worden waren, bog das Konzert auch schon auf die Zielgerade ein. Garrett würdigte den MILEY CYRUS-Klopper „Wrecking Ball“ als tolle Komposition, mir wäre ihre persönliche Anwesenheit allerdings lieber gewesen, COLDPLAYs „Paradise“ sorgte noch mal für Emotionen, und den Abschluss der zweiten Halbzeit bot ein vierteiliges Medley, das erstmals die Zuschauer von den Sitzen riss. Die einzige Zugabe, „You are always on my mind“ (im Original von King ELVIS, bekannt auch in der PET SHOP BOYS-Variante) beendete gegen 21 45 Uhr das Schauspiel unter donnerndem Applaus. Die Meute sollte also mehr als zufrieden gewesen sein, woran hoffentlich auch die SEHR schleppende Abfahrt nichts geändert hat.

DAVID GARRETT mag sein Talent verschleudern, wie es manche Kritiker formulieren, aber als Abendunterhaltung für die Massen funktioniert er mit seinem Crossover-Programm ganz vorzüglich. „Brot und Spiele“ im Stile einer jüngeren Ausgabe von „Siegfried und Roy“ ohne Ecken und Kanten, dafür mit dem großen Event-Approach, etwas keimfreier Boygroup-Erotik und perfekter Fidelei ohne jedweden eigenen Stilwillen. Die Zuschauerzahlen geben dem Künstler Recht und zumindest wir hatten 2 Stunden lang durchaus Spaß beim Ritt durch die Musikhistorie…

Setlist
RICHARD STRAUSS “Also sprach Zarathustra”
ROBBIE WILLIAMS “Let me entertain you”
GYPSY KINGS “Baila me”
BRUCE SPRINGSTEEN “Born in the USA”
DAVID GARRETT feat. ANDREA BOCELLI „Ma Dove Sei“
FRANK SINATRA „New York, New York“
DAVID GARRETT/ FRANCK VAN DER HEIJDEN „Fantasia Soundtrack“/ “Serenity”
TRADITIONAL “Babooshka”
W.A. MOZART “Lacrimosa (Requiem)”
METALLICA “Fuel”
ABBA “I have a dream”
CARL ORFF “O Fortuna Carmina Burana”
BON JOVI “Living on a Prayer”

DEEP PURPLE “Well Dressed Guitar”
DAVID GARRETT/ JOHN HAYWOOD “Lost Memory”
QUEEN “We are the champions”
L.V. BEETHOVEN “ Sonata Pathétique”
ELTON JOHN “Your Song”
GIUSEPPE VERDI “Requiem Verdi”
TRADITIONAL “La Bamba”
MILEY CYRUS “Wrecking Ball”
COLDPLAY “Paradise”
MEDLEY: HANS ZIMMER “Fluch der Karibik-OST” / MICHAEL JACKSON “Smooth Criminal”/ NIRVANA “Smells like teen spirit”/ AEROSMITH “Walk this way”

ELVIS PRESLEY „You are always on my mind“

Copyright Fotos: Karsten Thurau

5 Kommentare

  1. Petra sagt:

    Hallo, danke für den Bericht und die Setlist. Allerdings hat sich ein kleiner Fehler eingeschlichen: der Sänger von “let me entertain you” heisst Robbie Williams. Robin ist leider kürzlich verstorben….

    • Karsten Thurau sagt:

      Oha. Ja das passiert, wenn man noch Mitternacht Texte reinstellt. Wird natürlich korrigiert. Sehr schade übrigens um den aussergewöhnlichen Schauspieler

  2. Vielen Dank fuer einen einmal erfrischend guten und objektiv zusammengestellten Artikel; von jemandem der verstanden hat, worum es David Garrett bei den Crossover Konzerten geht. Allerdings verschwendet David Garret dabei sein Talent nicht, wie von Ihnen, Herr Thurau, und einigen anderen ungenuegend informierten Kritikern befuerchtet, da erstens die meisten der Crossover Stuecke musikalisch sehr anspruchsvoll fuer den Violinpart arrangiert sind, und David Garrett ausserden, zum Ausgleich sozusagen, mindestens ebensoviele rein klassische Konzerte pro Jahr auffuehrt. Bei den aufgenommenen Tontraegern ueberwiegen die Klassischen sogar vor denjenigen des Crossover. Sehr zu empfehlen z.Bsp. die letzte klassische CD “Garret vs. Paganini” fuer die David Garrett einen weiteren Echo am kommenden Sonntag in Empfang nehmen wird, und die ab morgen neu erscheinende, ebenfalls klassische CD “Timeless”, eingespielt mit dem renommierten Israelischen Philharmonischen Orchester unter der Leitung von Zubin Metha (dessen Name fuer sich selbst spricht). Es scheint allem Anschein nach keine “Gefahr” zu bestehen, dass mit den Crossover Konzerten ein aussergewoehnliches Talent verschleudert wuerde; die Welt kann aufatmen… oder wenigstens die paar Rezensoren, die Solches befuerchtet haben!

  3. Melanie sagt:

    Toller Bericht! Danke! …und super, dass es eine Setlist zum Bericht gibt! Aber kleine Anmerkung: Das Musikstück “Fantasia Soundtrack” heißt eigentlich “Serenity”. Das Stück hat David bei den letzten Konzerten immer so vorgestellt, auch in Halle ;-)

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Alle markierten Felder (*) müssen ausgefüllt werden.

Mehr zu DAVID GARRETT auf terrorverlag.com