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DER FAMILIE POPOLSKI

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Ort: Osnabrück – OsnabrückHalle

Datum: 16.11.2011

Es ist schon lange kein Geheimnis mehr, dass so ziemlich jeder Hit eigentlich aus Polen kommt. So gut wie alles, was an Ohrwürmern im Radio läuft, stammt im Grunde aus dem Hause POPOLSKI, denn Opa Pjorek Popolski hat allein 128.000 Top-Ten-Smasher geschrieben. Tragisch nur, dass ein windiger Gebrauchtwagenhändler ihm diese Songs für einen Appel und ein Ei abgeluchst hat und seither die ganzen Polka-Kracher nach Strich und Faden von irgendwelchen Möchtegern-Stars verhunzt werden. Seit sich seine Nachfahren 2008 in den WDR gehackt haben, kann die Welt jedoch vor diesem Unrecht nicht mehr die Augen verschließen und immer mehr Fans strömen in die Konzerte der musikalischen Sippe, die sich im gut gefüllten Europasaal der OsnabrückHalle eingefunden hatten, um ihre neue Show zu präsentieren.

Was bei dieser Gelegenheit natürlich nicht fehlen durfte, war die Familienhymne „Ras Popolski“, die einst unter dem Titel „Back In The USSR“ von den BEATLES verwurstet wurde. Damit – und mit einer Rutsche Wodka für alle – startete der Abend, ehe „Hello Again“ in Highspeed auf dem Programm stand. Familienoberhaupt Pavel an der Schießbude stellte gemeinsam mit seinen Brüdern Mirek (Gitarre), Danusz (Gesang und Keys) und Janusz (Bass & Gesang), sowie den eineiigen Zwillingen Henjek und Stenjek (aka The Dobrze Horns) und Cousin Marek am Schifferklavier unmissverständlich klar, wie der von HOWARD CARPENDALE zum Schmachter veränderte Track tatsächlich zu klingen hat und erklärte auch, was es mit dem polnischen PÜV (Polkaüberwachungsverein), der Polka-Prüfung und den gewerkschaftlich vorgeschriebenen Wodka-Pausen auf sich hatte. Wie man bei unseren östlichen Nachbarn den Schnaps zu trinken pflegt, war in Theorie und Praxis ja bereits gemeinsam mit dem Auditorium geübt worden und wem dabei noch nicht warm geworden war, heizte wenig später Cousineschka Dorota ein. Lasziv hauchte sie ihr „Dance With Somebody“ ins Mikro und strafte mit der Tango-Polka das Geschrammel der schwedischen Lümmel von MANDO DIAO ab. Die „rote Dorota“ (14mal in Folge Miss Zabrze!) war natürlich wie immer auf Männerfang und unterstrich mit ihrem Medley auch gleich, welche Vorzüge die Herren mitbringen müssen: Mit viel Groove flötete sie davon, was sie täte, wenn sie einmal reich wäre, besang sich als „Material Girl“ und präsentierte die wahre und recht jazzige Seite von „Money Money Money“, mit dem sich ABBA eine goldene Nase verdient haben. Der heiße Feger im feuerroten Fummel brauchte auch anders als ALOE BLACC keine Dollars, sondern Zlotys. Wobei diese Währung laut Pavel eh die einzig stabile Währung in Europa ist. Wenn man allerdings alles richtig machen will, legt man sein Geld hochprozentig an – in polnischen Wodka natürlich, den es auch am Merchandising zu kaufen gab. Aus dem Mund des blinden Danusz klang das traurigste fröhliche Lied aller Zeiten tatsächlich äußerst melancholisch. „Ein bisschen Spaß muss sein“ in schwermütiger Slow Motion inklusive Gebläse der Dobrze Horns hätte auch ROBERTO BLANCO die Locken glatt gezogen und Tränen in die Augen getrieben. DER FAMILIE POPOLKSI hatte im Vorfeld ordentlich Geld in die Hand genommen und präsentierte aufwändigste polnische Technik (u.a. der Firma Sonezki), vermittels derer es Bilder von der Bühne, dem Publikum und Familienfotos auf der großen Leinwand zu sehen gab. Darunter auch ein paar Aufnahmen des jüngsten Sprosses, der gemeinhin als die „trubste Tasse“ gilt; die Zähne nicht auseinander bekommt und deshalb immer ein wenig versteckt im Hintergrund seinen Stahlsaiter zupft. Das war auch an diesem Mittwochabend an der Hase nicht anders und so brauchte es einige Aufmunterung durch die Geschwister und die Zuschauer, bis er seine frühen Kompositionen „Das Lied der Schlümpfe“ und „Alle meine Entchen“ zum Vortrag brachte. Dabei ist der schüchterne Jungspund erklärter Liebling der Damen, von denen sich im „historischen Festzelt der OsnabrückHalle“ einige als Dorota-Double entpuppten. Die bekamen alsbald eine knackige Performance von Henjek und Stenjek zu sehen, die unter anderem zu „Thriller“ und „Billy Jean“ eine atemberaubende Tanzeinlage ablieferten, bei der MICHAEL JACKSON vor Neid noch ein wenig blasser geworden wäre. Blieb noch die Lehrstunde im polnischen Massenschunkeln, die zu „I’m Outta Love (von ANASTACIA gemops) abgehalten wurde, um dann im Anschluss in eine 25-minütige Wodka-Pause zu gehen.

Wie nicht anders zu erwarten, kam die Truppe natürlich hackedicht aus der Garderobe zurück und es war wohl besser, dass sich Danusz und Mirek in diesem Zustand erst einmal gesetzt haben. Flankiert von den eineiigen Zwillingen gab’s „Sweet Child ’O Mine“ in der aufs Minimum reduzierten Akustikvariante mit Gitarre und Harmonika statt des lärmenden GUNS’N’ROSES-Plagiats und auch in das Latin-Rumba-Original von HEINTJEs „Mama“ toppt die billige Kopie um Längen. Ganz zu schweigen vom jazzigen „Hey Baby“, an dem sich unlängst ein gewisser DJ ÖTZI versucht hat. Neu war mir, dass sich Anthony Kiedis von den RED HOT CHILI PEPPERS seinen Schnauzbart für Dorota zugelegt hat. Abserviert hat sie ihn trotzdem, genauso wie Lothar Matthäus (in dessen Beuteschema sie aber auch nicht wirklich passte) und als sie gemerkt hat, dass zu Guttenberg seine Liebesbriefe alle abgeschrieben hat, wurde Karl-Theodor auch ganz schnell in die Wüste geschickt. Nicht nur ANDREA BERG wurde tausendmal belogen, auch Dorota hat’s nicht leicht mit den Männern, dafür rockt’s bei ihr aber umso mehr! Natürlich durfte auch ein kulturell höchst anspruchvoller Teil nicht im Repertoire DER FAMILIE POPOLSKI nicht fehlen, weshalb die Polka-Opera „Janusz und der Wolf“ als nächstes annonciert wurde. Ein surreales Unterfangen, bei dem auch ein Lamm mit von der Partie war, das ein lautes „Hurz!“ von sich gab. Hape Kerkeling ließ grüßen und zufällig war seinerzeit der gleiche Mann am Klavier, der heuer am Schlagzeug durch den Abend führte: Pavel Popolski aka Achim Hagemann. Im Übrigen hatten die musikbegeisterten Osteuropäer in der Stadthalle ihren Cousin Bogdan wiedergefunden. Fünf Jahre war er im Heizungskeller der OsnabrückHalle verschollen – okay, in dem maroden Gemäuer, dem der Abriss droht, gab es für „Bogdan den Baumeister“ natürlich auch allerhand zu tun. Der Mann im blauen Overall erklärte nicht nur den Polka-Schlenderschritt, sondern besang auch sein kleines Malheur, das ihm widerfuhr als er versehentlich nicht den Schlesischen Tower, sondern die Chinesische Mauer eingerissen hat. Die Chinesen waren nicht eben amüsiert, bekamen aber nur ein zackiges „Don’t Sorry, Be Happy“ auf die Mütze. Im roten Show-Overall gab’s dann seinen Baumarkt-Hit „Über sieben Brücken musst Du gehen“ zu hören, wofür er Pavels Platz an den Drums einnahm und vermittels visueller Untermalung die polnische Baumarktkette OBEK ein wenig Schleichwerbung platzieren konnte. „Lets Get The Party Started“ forderte die rassige Dorota wenig später im knappen Outfit (natürlich nicht in PINK sondern in rot) und verwandelte mit der Hochgeschwindigkeits-Polka den Saal in einen Hexenkessel. Auf dem Höhepunkt wurde noch mal mit vereinten Kräften geschunkelt, dann verabschiedeten sich die POPOLSKIS von ihren Fans, die den Clan jedoch schnellstens auf die Stage zurückbeorderten.

Immerhin musste Janusz ja auch noch seine Polka-Prüfung absolvieren, durch die er bereits zweimal gerasselt war, womit er nunmehr das AAA-Polka-Rating der gesamten Verwandtschaft gefährdete. Mit seinem gestammelten „I Gotta Feeling“ (BLACK EYED PEAS) war tatsächlich kein Blumentopf zu gewinnen, aber nach ein paar kräftigen Schlucken aus der Flasche ließ der Junge alle Hemmungen (und auch Teile der Oberbekleidung) fallen und wurde bei seiner „Cheri Cheri Lady“ zum Tier. Knackiger Nu Metal statt schäbigen MODERN-TALKING-Sound – für diese Leistung ist die Ausstellung des Polka-Ausweises nur noch eine Formsache. Keine Frage, dass Janusz und Dorota auch ihren rappigen Lobgesang auf „Lubin“ deutlich cooler hinbekamen als JAY-Z und ALICIA KEYS den New-York-Ablatsch „Empire State of Mind“. Nach einer zweiten „Ras Popolski“-Durchgang ließen es die POPOLSKIs hier noch mal ordentlich krachen, um sich um 22.45 Uhr mit zahlreichen Verbeugungen in aller Form von ihrem Osnabrücker Publikum zu verabschieden. Ein großartiger Abend!

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