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DER FAMILIE POPOLSKI

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Ort: Bielefeld – Ringlokschuppen

Datum: 07.03.2014

„Ausverkauft!“ hieß es schon im Vorfeld des letzten POPOLSKI-Konzertes in der Leineweberstadt. Die musikalische Großfamilie aus Zabrze in Polen ist auf großer Abschiedstournee, denn inzwischen weiß die Welt, von wem die großen Hits der Popmusik stammen: Von Opa Pjotrek Popolski nämlich, der in seinem Leben allein 128.000 Top-Ten-Hits geschrieben hat und natürlich von seinen Enkeln, die sein Werk mit viel Liebe zur Polka fortführen. „Polka’s Coming Home“ heißt deshalb auch das Best-of-Programm, mit dem sich Pavel, Mirek, Danusz, Janusz, die eineiigen Zwillinge Henjek und Stenjek, Marek, Bogdan der Baumeister, Cousineschka Dorota und der schöne Andrzej in der Polka-Hometown Bielefeld von ihren 2.500 Fans verabschiedeten.

Für die wenigen, die noch nicht mit der tragischen Familiengeschichte DER FAMILIE POPOLSKI vertraut waren, startete der Abend um kurz nach 20.00 Uhr mit einer kleinen Diashow, ehe die Clan-Hymne „Ras Popolski“ musikalisch übernahm und Bogdan der Baumeister im roten „Blaumann“ ein groovendes „I was born as a Popolski“ schmetterte. Im Anschluss enterte Andrzej – der Botschafter der Liebe – die Stage, doch bevor er die blitzschnelle Original-Version von „What’s Up“ (wer erinnert sich schon noch an dieses One-Hit-Wonder 4 NON BLONDES?) zum Besten gab, wurden die Anwesenden erst einmal mit den hohen Weihen der Wodka-Verkostung vertraut gemacht – natürlich nicht nur theoretisch, sondern mit dem hochprozentigen Getränk. Drummer und Familienoberhaupt Pavel warnte noch davor, etwas zu verschütten, um keine Löcher in den Steinboden zu ätzen und verwies sogleich auf die gewerkschaftlich vorgeschriebene Wodka-Pause, die alle 20 Minuten einzuhalten sei und vom polnischen PÜV (Polka-Überwachungsverein) überprüft werde. Was folgte, war ein Potpourri der guten Laune, gespickt mit allerlei Erinnerungen: Wer denkt nicht gern an die bizarre Entstehungsgeschichte von „We Will Rock You“ zurück? Oder an Frau Tripczewinski, die es gar nicht witzig fand, wenn die POPS um 5.30 Uhr in der Plattenbausiedlung mit ihren dünnen Wänden mit den Proben begannen? Um sie ein wenig zu besänftigen, hatte der blinde Danusz seinerzeit die bezaubernde Ballade „Schöne Maid“ geschrieben, die ebenso auf der Setlist stand wie der Song, der die drei magischen Töne innehatte, mit dem jedes Lied zum Hit werden muss und der zudem eines der Instrumente in den Mittelpunkt rückte, das in der Rockmusik am meisten unterschätzt wird: die Kesselpauke! Die australische Kapelle CC/CC, die sich dem Opa zu Ehren in AC/DC umbenannt hat, kannte schon mal einen dieser Töne, das „C“, lernte vom alten Kirchenkantor noch die beiden fehlenden „C“ und „D“ und dankte es ihm mit der bereits erwähnten Namensänderung. „Another One Bites The Dust“ und „Whole Lotta Polka“ rückten schließlich das Potenzial der Kesselpauke unter Pavels Schlägen ins rechte Licht, der im Anschluss zunächst einen kräftigen Schluck Wodka nahm, um seinen Vitamin-W-Haushalt wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Viele wissen ja gar nicht um die heilsame Wirkung des Wodka-Vitamins, das Wachstum und Wohlbefinden verspricht. Für Wohlbefinden sorgte natürlich auch die rote Dorota, die nicht nur 14-mal in Folge Miss Zabrze geworden ist, sondern mit ihrem dahin gehauchten „Dance With Somebody“ (was haben diese Rüpel von MANDO DIAO nur aus der Tango-Polka gemacht?) auch den Männern den Kopf verdrehte. Miss Popolski ist ja immer noch auf der Suche nach dem richtigen Mann mit dem passenden Bausparvertrag, aber es ist für die Herren wohl nicht so einfach, mit einem Feger wie Dorota klar zu kommen. Sie ist halt einfach „polkalicious“. Gut, fast hätte sie mal einen gewissen Johnny geheiratet, aber der wollte nicht ihren Familiennamen annehmen und „Dorota Depp“ – das ging ja mal gar nicht! Was dafür umso besser klappte, war das gemeinsame Schunkeln zu „I’m Outta Love“, das nicht nur auf der Bühne perfekt vorgemacht wurde, sondern im Saal auch ebenso gekonnt umgesetzt wurde. Man merkte einfach, dass die Botschaft der Familie inzwischen angekommen ist und so konnten die POPOLSKIs um 21.15 Uhr unbesorgt in ihre verdiente Pause gehen, die 20 Minuten später mit dem grandiosen „Insomnia“ (wer war noch mal dieser FAITHLESS?) und Mirek am Banjo endete. Vor dem Break hatte der Gitarrist noch seine geliebte dreihalsige Stratocastri vorgeführt, jetzt war Bogdan, der nicht umsonst in der Heimat „Der Baumeister“ genannt wird, mit seiner selbstgebauten Rhythmus-Dusche am Start – die übrigen Instrumente, die er entwickelt hat, waren schlicht zu groß, um sie mit auf Tour zu nehmen, wurden jedoch via Leinwand-Projektion den staunenden Zuschauern vorgeführt. Lauthals wurde dann auch das Trinklied „Nastruvko“ mitgesungen. Übrigens eine Nummer, an der sich die BEATLES unter dem Titel „Hey Jude“ ebenso vergangen haben wie an der Familien-Hymne, die bei den glücklosen Engländern die Namen „Back In The USSR“ erhalten hatte. Im Anschluss präsentierte der gefühlvolle Danusz seine Jazz-Interpretation von „Ganz(s) in weiß“, bevor der leiseste Popsong aller Zeiten mit dem bezeichnenden Namen „Let’s Get Loud“ und quasi pantomimischen Gitarrenspiel an der Reihe war. Um bei den Superlativen zu bleiben, wurde daraufhin das traurigste Lied ever annonciert. Es stammte abermals aus der Feder des Großvaters, der den Track ersonnen hatte, nachdem er in Polens größter Disco weinend auf der Tanzfläche gestanden hatte. Die Rede ist natürlich von „Crying At The Discotheque“, das von Dorota und Danusz wohlgefällig in Szene gesetzt wurde. Was die rassige Cousinetschka für die Männerwelt war, symbolisierte Andrzej für die begeisterten Damen, die gar nicht böse waren, dass der Mann mit der Lockenpracht in der Badewanne die Zeit vergessen hatte und nur mit einem Handtuch bekleidet, selbiger entstieg. Dass Pavel im entscheidenden Moment, als die letzten Hüllen fallen sollten, das Licht löschen ließ, mag die eine oder andere Lady hingegen sehr bedauert haben, dafür gab es den ehemaligen Erotik-Darsteller jedoch wenig später im sexy Bademantel zu sehen, während er sein „Porn To Be Alive“ ins Mikro schmachtete und den Blutdruck der holden Weiblichkeit durch seinen gekonnten Hüftschwung in Wallung brachte. „Polka’s Coming Home“ intonierte die Großfamilie am Schluss ihres regulären Sets, doch natürlich konnten die POPOLSKIs nicht gehen, ohne den jüngsten Spross der Familie ans Mikro zu lassen.

So kam es dann auch, dass Janusz den Zugabenblock gegen 22.30 Uhr eröffnen durfte. Inzwischen ist der steht ein wenig verlegen wirkende Bengel gar nicht mehr soo schüchtern und brauchte deshalb im Vorfeld auch gar keine halbe Flasche Wodka, um seine Ode an die schöne Kirschenverkäuferin zu intonieren. „Cheri Cheri Lady“ war zweifellos auch an diesem Freitagabend wieder der absolute Höhepunkt der Show und Dieter Bohlen muss sich wirklich in Grund und Boden schämen, was er auch diesem High-Energy-Song, der in der gebührenden Ausführlichkeit zelebriert wurde, gemacht hat. Nach einer weiteren „Ras Popolski“-Polka verschwanden die Polen abermals im Off, kehrten jedoch für weitere Singspielchen mit ihrem Publikum zurück, das gemeinsam mit Andrzej „Sex Bomb“ abfeierte, um schließlich dem schönen „Zabrze“ zu gedenken. Übrigens hat HERBERT GRÖNEMEYER seinen Track seinerzeit auf seine Heimatstadt Bochum umgedichtet – natürlich längst nicht so tiefgründig, wie das Original vorlegt.

Mit dem guten Gefühl, ihre Botschaft in den Welt getragen zu haben, verabschiedete sich DER FAMILIE POPOLSKI schließlich um 22.45 Uhr und hinterließ ein sichtlich beglücktes Auditorium, dem die Musikindustrie nichts mehr vormachen kann. Nicht nur Bielefeld kennt die Wahrheit und wird sie weiter verbreiten. Und wir sind gespannt, was Pavel Popolski (der sich auch schon einmal Achim Hagemann nennt) und der Rest der Family für die Zukunft vorgenommen haben. Vielleicht kommt die Sippe ja auch irgendwann auch die „Buhne“ zurück – genug Hits haben sie ja auf jeden Fall noch! In diesem Sinne: Nastruvko!

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