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DER TAG DER BEFREIUNG IST NAH!!! (22) – CELEBRATING 10 YEARS OF RAUBBAU

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Ort: Berlin - Slaughterhouse

Datum: 21.04.2018

THOROFON – TREPANERINGSRITUALEN – EX.ORDER – SANCTUM – INADE

Bereits zum 22. Mal feiert Raubbau sein Mini-Festival „Der Tag der Befreiung ist nah!!!“ und dieses Mal damit gleichzeitig den zehnten Geburtstag des Berliner Labels. Das Line Up ist eines Jubiläums würdig, auch wenn es kurzfristig zu Planänderungen kam. Ursprünglich sollte NORDVARGR spielen, aber aus nicht näher genannten Gründen, musste er das erste Mal in 30 Jahren einen Auftritt absagen. Stattdessen kommen INADE, beziehungsweise sie sind ja sowieso schon da. Das zieht natürlich eine weitere Änderung mit sich. Die mit Spannung erwartete neue Kollaboration von NORDVARGR und TREPANERINGSRITUALEN mit dem noch unaussprechbareren Namen DET KÄTTERSKA FÖRBUND, was so viel heißt wie „Der ketzerische Bund“ findet ebenfalls nicht statt. Dafür spielt Ekelund eben solo. Mit dem Slaughterhouse in Berlin Moabit wurde eine treffende Location gefunden, die auch in ihrer Größe exakt zur Anzahl des angereisten Publikums passt. Etwa 150 Zuschauer finden sich ab 20 30 Uhr ein, auch viele Weitgereiste, und wie es immer so bei „unserer“ Randgruppen-Musik ist, kennt man gefühlt die Hälfte. Und das ist auch sehr angenehm so.

21 30 Uhr fangen dann pünktlich die Konzerte an. Aufgrund einer immer noch andauernden Vollsperrung des Hauptbahnhofes in punkto Nahverkehr anlässlich eines Bombenfundes am Vortag, haben wir es leider erst zum Ende von INADE geschafft. Die beiden Leipziger haben ihr 1996er Werk „Aldebaran“ gespielt, welches unlängst erstmalig auf Vinyl erschienen ist und wie irgendwie alle INADE-Veröffentlichungen ein Dark-Ambient-Meisterwerk ist, an dem keiner vorbeikommt.

Wesentlich druckvoller geht es nach einer kleinen Pause weiter. SANCTUM ist eine der legendären Power Electronics/ Industrial-Formationen aus der Cold Meat-Familie der 90er Jahre, wobei ihnen, zumindest meiner Meinung nach, nie die gebührende Aufmerksamkeit zuteilwurde. Seit 2004 gibt es, abgesehen von einem Live-Tape, kein neues Material, dafür zeigen sich Håkan Paulsson und Jan Carleklev immer wieder als kraftvoller Live-Act. Interessant bei SANCTUM ist der Wechsel von ruhigen, melodiösen, teils fast harmonisch-poppigen Augenblicken mit druckvollen, aggressiven Momenten, die auch das Slaughterhouse in einen Hexenkessel verwandeln, teilweise live übertragen auf der Leinwand. Zwei beeindruckende Herren mit noch beeindruckenderen Stimmen. Ein großartiges Konzert.

Hinter EX.ORDER stehen mit den beiden Leipzigern René Lehmann und Knut Enderlein die gleichen Personen wie bei INADE. Während INADE seit Jahren für gelungenen Dark Ambient steht, geht es bei EX.ORDER in Richtung Power Electronics. Lehmann ist hier der Mann, der live auch mal in den Vordergrund tritt und zum Mikro greift. Ansonsten gilt das gleiche wie bei INADE, eine unvergessliche Show – großes TamTam auf der Bühne gibt es nicht, die Leipziger legen Wert auf den perfekten Sound, und der kommt nicht vom Rumtanzen sondern aus der elektronischen Armada vom hinteren Teil der Bühne. Ganz großer Krach von ruhigen Gemütern.

Thomas Martin Ekelund ist ein Tier von einem Mann, groß, breit, zerzaustes Haar und voller Bart. Auch ohne NORDVARGR ist er mit TREPANERINGSRITUALEN seit ein paar Jahren eine Art Heilsbringer des Death Industrial, und mit seiner Live-Show überzeugt er auch das geneigte Publikum. Allerdings ändert sich an der Show nicht viel, und wer den Schweden schon live in Aktion gesehen hat, weiß, was ihn erwartet. Und das ist durchaus auch mehrmals sehenswert. Zum Beginn des Auftritts streift Ekelund maskiert durch das Publikum, auf der Bühne steht sein kleiner Altar, im Hintergrund laufen Videosequenzen ab. Dann öffnet sich die Hölle und haut den Zuschauern ordentlich was um die Ohren. Irgendwann lässt Ekelund die Verhüllung fallen, offenbart sein schweißgebadetes und blutverschmiertes Gesicht und gibt dem Publikum den Rest. Zum Schluss dann der finale Abgang durch den Saal. Dieses Mal hätte ich mir die Songauswahl allerdings etwas abwechslungsreicher gewünscht. Dennoch war TREPANERINGSRITUALEN wieder ein gelungener Auftritt.

Völlig zu Recht war THOROFON der Höhepunkt des Abends. Angefangen als Power Electronics-Act in den 90er Jahren haben sich Daniel Hofmann und Geneviève Pasquier mehr in Richtung Angst-Pop entwickelt. Für diesen Abend war ein Set mit altem Material angekündigt und wurde so auch umgesetzt. Das Publikum zeigte sich begeistert und honoriert das mit einem fast durchgehenden Moshpit, in dem auch Hofmann immer wieder verschwindet (sofern er nicht gerade auf der Bühne eskaliert), während die Grand Dame des Industrial hinter einem Turm aus Elektronik charmant lächelt. THOROFON spielen ein Brett nach dem anderen, und spätestens nach „Riotdictator“ verschwand auch ein zweifelnder Kumpel im Gerangel. Geneviève Pasquier kommt auch einmal vor ans Mikro. Ein hammerharter Auftritt voller Old School-Kracher.

Gegen drei Uhr sind dann die Konzerte leider schon vorbei. Hinter uns liegt ein sehr abwechslungsreicher musikalischer Abend mit vielen Highlights. Statt einer After Show-Party gibt es leider nur „unmoderated smalltalk and more drinks“ und so leert sich der Saal relativ schnell. Was bleibt, ist die Erinnerung an einen großartigen Abend.

Copyright Fotos: Kai-Uve Altermann

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