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DEVIL SIDE FESTIVAL 2012 – TAG 3

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Ort: Oberhausen - Turbinenhalle

Datum: 22.07.2012

Es ist ein eigenartiges Gefühl, den dritten Tag eines Festivals frisch geduscht und ausgeruht in Angriff zu nehmen. Als ich dank ungeahnter Baustellen leider etwas später als geplant gegen Mittag zum zweiten Mal den Eingangsbereich des Devil Sides passierte, breitete sich vor mir schon die obligatorische Apokalypse fast befremdlich aus: das zuvor genutzte Festivalgelände stand so gut wie leer, die meisten Menschen, ob geschlaucht oder lebendig, versammelten sich vor dem Eingang der Turbinenhalle, in der das Wochenende nach zwei ereignisreichen Tagen seinen Ausklang feierte. Man hätte es bedauern können, denn das Wetter zeigte sich ausnahmsweise wieder von seiner besten Seite. Doch die beiden Bühnen hatten ihren Dienst geleistet und wurden von einer Horde emsiger Bühnenarbeiter bereits abgebaut, während sich in der dieses Jahr unter anderem auch schon von den zwei Tage zuvor aufgetretenen Headlinern IN FLAMES bespielten Konzerthalle die Bands des Endspurts noch ein letztes Mal für das Oberhausener Publikum ins Zeug legten. Den Anfang hatten OCTOBER FILE, KELLERMENSCH und KISSIN‘ DYNAMITE bereits gemacht.

WE BUTTER THE BREAD WITH BUTTER

Pünktlich um Eins hagelte es Weckrufartig Breakdowns und Gebrunfte der Lübbener Deathcoreler WE BUTTER THE BREAD WITH BUTTER aus den Boxen, die mit „Der Tag an dem die Welt unterging“ eröffneten. Als Studenten-Duo, das sich vornehmlich auf die Neuinterpretation deutscher Kinderlieder stürzte, hatten sie es wohl nicht zwingend darauf angelegt, ernst genommen zu werden, konnten dennoch einen immensen, kontrovers diskutierten Hype um ihr Konzept kreieren. Mit dem zweiten Album, so schien es, versuchten sie an Authentizität zu gewinnen, sie traten fortan als ganze Band auf und allmählich verblasste auch der Hype… nicht aber der Eindruck, dass sich die Zielsetzung in irgendeiner Weise verändert hätte. An Pyrofontänen, Konfettiregen und künstlich generiertem Gedudel vom Band ergötzten sich hauptsächlich die Mädels im Bereich 14+, hier und da auch schon ein sich warm rudernder Hardcorer, die zusammen ungefähr das erste Drittel der Halle füllten. Brutalisierte Kinderklassiker wie „Schlaf, Kindlein, Schlaf“, „Alle meine Entchen“ oder auch „Breekachu“ bildeten neben einer Handvoll Eigenkreationen das Hauptaugenmerk, aber wen wundert’s? Ihre kaum aus den Kinderschuhen entstiegenen Jünger fuhren komplett darauf ab, der Rest war vielleicht einfach schon zu alt, um daran Gefallen finden zu können.

DEEZ NUTS

Für die eben angesprochenen Hartschalen setzte sich das Programm mit den aktuell weit vorne rangierenden Revivalisten der Oldschool-Schiene aus Melbourne fort, deren Texte manch einem sicherlich zu sehr mit Straßenlyrik und Obszönitäten gefüttert sind, sich doch aber von Anfang an in ihrer Manier weitaus besser präsentieren konnten als die deutschen Youngster. Nachdem sich endlich auch der drückende Bollerbass richten ließ, knallte der Vierer um den lockeren Fronter JJ Peters ein Mosh- und 2Step-Highlight nach dem anderen aus der Hüfte. Getreu dem Titel des vor nicht allzu langer Zeit erschienenen Neulings „Fuck the world“ verlief die Raplastige Ghettotour ganz nach Belieben der Australier, es wurde reichlich gebollert, gewitzelt und mit kurzer gesanglicher Unterstützung eines mir Unbekannten auch das letzte Bisschen Blech in der Bude zerdeppert. Natürlich verwies Peters noch auf den anstehenden Auftritt BIOHAZARDs, die sicherlich zu den Ikonen eines jeden New York HC-Veteranen zählen sollten. Selbige dürften sich angesichts solch ambitionierter Nacheiferer wohl irgendwann einmal in Frieden zur Ruhe setzen können. „Like there’s no tomorrow“ tönte es noch zum Schluss, und obwohl erst früher Nachmittag, überzeugten DN mit diesem Motto voll und ganz.

EVERLAST

Dann kam der rabiate Break, der mich schon beim Lesen der Running Order fasziniert hatte: vom zuvor Bühnenumspannenden HC-Gefetze ließ das weiter vorn angesiedelte kleine Podium nichts übrig. Es handelte sich dabei nicht etwa um den Schauplatz einer metallisch aufbereiteten Lesung, die zwei mit Akustikgitarren bewaffneten Männer waren fester Bestandteil des musikalischen Programms. Rechterhand saß die zentrale Figur, Erik Schrody, „Whitey Ford“ oder eben EVERLAST. Unter letzterem ist der ehemalige MC der US-amerikanischen Rap-Monumente HOUSE OF PAIN seit Jahren schon erfolgreich solo als Crossover-Artist unterwegs und konnte sich dementsprechend seiner Spartenübergreifenden Bekanntheit sicher sein. Und so entpuppte sich die akustische Zwischenmahlzeit nicht als bloßer Ausrutscher in angrenzende Genres, sondern als herrlich erfrischender, eigenständiger Programmpunkt, der alle Anwesenden zu begeistern schien. Sei es das verwegene „Black Jesus“, ein anmutiges „White trash beautiful“ oder das grandiose „What it’s like“, Schrodys wohltuend rauchige Stimme prickelte im Einklang mit dem von Country und Blues bis Balladesk reichenden Saitenspiel in allen Gefühlslagen Gänsehautartig auf der Haut. Ganz groß auch die Darbietung von CASHs legendärem „Folsom prison blues“, der, wie auch die Stücke generell, durch den Verzicht auf weitere Instrumente keineswegs abgespeckt erschien. Völlig zurecht trug man den gebürtigen Iren, der sich so ruhig und bescheiden, wie er die Bühne betrat, auch wieder verabschiedete, und seinen „Partner in crime“ daher nach einer guten halben Stunde mit reichlich Applaus davon.

AGAINST ME!

Von der akustischen Tal- stieß man mit den Amerikanern AGAINST ME! direkt wieder zur Bergfahrt vor. Man musste nicht zwingend auf die alternative Presse zurückgegriffen haben, um mit dem derzeitigen Rummel um Sängerin Laura Jane Grace konfrontiert zu werden. Die zuvor noch als Tom Gabel von Fans idolisierte Musikerin hatte sich vor wenigen Monaten in einem großen Interview mit dem „Rolling Stone“ zu ihrer jahrelangen Geschlechtsidentitätsstörung bekannt und seitdem ihr Leben als Mann aufgegeben, obgleich ihr die essentiellen OPs noch bevorstanden. Entsprechend zeigte sie sich auf der „Devil’s Turbo Stage“ mit Top und langen Haaren, doch sie präsentierte sich selbstbewusst genug, um nicht als skurriler Blickfang neben ihren unveränderten Kollegen zu enden. Stimmlich allerdings hatte ich anderes und vor allem mehr erwartet. Nun tendierte sie bereits zu Gabel-Zeiten zum schreiartigen Gesang, der an dieser Stelle teils jedoch in Krächzen endete. Das muss aber nicht unbedingt, wie viele schon befürchteten, mit ihrem Geschlechtswandel zu tun haben. So rangierte man zumindest viel näher am ungeschliffenen Punk-Schema, als das höchst gelobte Neuwerk es suggerierte, bot dennoch eine energetische Show, bei der sich vor allem der Drummer ganz zu verausgaben schien, und bescherte zwischen „I was a teenage anarchist“ und „Turn those clapping hands into angry balled fists“ eine kompakte Palette des bisherigen Schaffens, durch die sich Grace als wütende Spitze völlig Ansagenlos hangelte. Dass die treuen Anhänger sich neben Größen wie Brian Fallon stellen, sich nicht um das Geschlecht scheren und ihre Unterstützung förmlich greifbar machen, hätte sie meiner Ansicht nach vielleicht ein bisschen enthusiastischer stimmen sollen. Ich hoffe, ihre Fans werden mit den nächsten Studioaufnahmen entlohnt.

BIOHAZARD

Gut drei Stunden nach den Hardcore-“Jünglingen” aus Down Under durften endlich auch die New Yorker Originale, die bereits drei Jahre nach ihrer Auflösung anno 2005 wieder Blut geleckt hatten, ihr mächtiges Können unter Beweis stellen. Dass die Altherren dazu noch heiß und vital genug waren, stand von Beginn an außer Frage. Der Vierer, der sich bis auf den durch Scott Roberts ersetzten Gründer Evan Seinfeld in Originalbesetzung präsentierte, konnte aus dem Stand heraus die Kraft der ungestümen Anfangstage reaktivieren, ohne Altersmüdigkeit oder rostige Gelenke. Stattdessen stürmte Billy Graziadei brüllend und in die Saiten prügelnd, souverän, aber völlig ungebremst über die Bühne und zauberte mit Leichtigkeit ein vorzügliches Pit-Süppchen, in dem sich das reife mit dem jungen Gemüse zu einem (un-) gesunden Cocktail vereinte. Als Kraft spendende Nahrungsgrundlage wurde vorzugsweise die altbewährten Kochbücher der 90er hervorgekramt, allen voran das in jede gut sortierte Kochbuchsammlung gehörende „Urban discipline“, während das jüngst veröffentlichte „Reborn in defiance“ die wohlschmeckende Henkersmahlzeit abzurunden wusste. Dass von selbigem eine gebührenfreie Kostprobe auf Facebook kursiert, ist übrigens weitaus mehr als bloße Gerüchteküche, wie Graziadei lauthals verkündete. Von einem kollektiven High Five waren es nur noch „Five blocks to the subway“, und mit dieser Ausgangslage konnte der Hardcore-Olymp des Abends mit einem Katzensprung erklommen werden. Von vorne bis hinten eine klasse Darbietung der kantigen Oldschool-Väter von BIOHAZARD. Der goldene Kochlöffel ist vergeben!

POWERWOLF

Kraftvoll animalisch setzte sich der Abend fort, vereinten die Vollblut-Metaller POWERWOLF doch gewissermaßen beide Attribute schon im Namen. Schwarz-weiß geschminkt, überwiegend langhaarig und absolut obertönig entfesselte die deutsche Formation um die Brüder Matthew und Charles Greywolf, beide an der Langaxt, eine Power -Metal-Kaskade, die dem zahlreichen Fußvolk das stählerne Herz in Windeseile weichspülte. Durch den fehlenden Bassisten etwas arm in den tiefen Tönen, dafür umso voluminöser in den oberen, schipperte man locker im orchestralen Bereich. Organist Falk Schlegel, der fast häufiger animierend über die Bühne stolzierte als an den Tasten zu sitzen, der klassisch ausgebildete und damit ohne jeden Zweifel glänzende Sänger Attila Dorn und das pompös hervorragende Bühnenbild beschworen dazu gemeinsam dieses spirituell durchwachsene Klima herauf, welches für das Gesamtwerk der Wölfe bezeichnend zu sein schien. Wer sich in so herrlichem Klischeemetal gerne mal verlieren konnte, erwachte hier wahrlich im Schlaraffenland: wehende Mähnen, Blutgelüste, männliche Blicke, schwenkende Fahnen und Singalongs, die einem fast die Tränen in die Augen trieben… wer sollte denn bei „Raise your fist, evangelist“ auch seine Faust still halten können? Während ich mir noch nicht sicher war, ob diese Darbietung auf einem einzigen Haufen Ironie fußte, fuhr der rumänische Barde mit noch einem (dieses Mal offensichtlichen) Witzchen auf und erkundigte sich nach dem allgemeinen Stand der morgendlichen Erektionen. Wer hätte gedacht, dass er damit zu „Resurrection by erection“ überleiten wollte? Wer sich jetzt noch nicht auf die eine oder andere Weise hypnotisieren lassen konnte, durfte sich beim abschließenden „Lupus Dei“ tatsächlich eine kräftige Ladung Weihrauch einverleiben. Kein Stereotyp blieb am Ende unerfüllt und, so oder so, konnten POWERWOLF mächtig unterhalten… ganz unabhängig vom Grad der Begeisterung für diese Band.

FRANK TURNER AND THE SLEEPING SOULS

Nach knapp vier Stunden Vorwärtsdrang starteten die Verantwortlichen des Festivals noch einmal den Versuch, mit akustischer Abwechslung die letzte Etappe etwas ruhiger angehen zu lassen. Bei EVERLAST war es ihnen geglückt, aber wie sollte es um FRANK TURNER stehen, der nach einer Überdosis Metal und direkt vor den sehnlichst erwarteten THIN LIZZY denkbar unvorteilhaft platziert war? Doch wer den sympathischen Iren und großartigen Entertainer schon einmal live erleben durfte, wusste erstens, dass er eine Bühne nie alleine und ohne seine SLEEPING SOULS betreten würde, und dass er es zweitens irgendwie immer geschafft hat, die Leute mitzureißen. So und nicht anders trug es sich zu, als er im Angesichte Oberhausens „If I ever stray“ im Alleingang anstimmte und sich seine Kollegen vollendend in dieses herrliche Stück Folkrock einreihten. Voller Enthusiasmus strahlte sich der „Wessex boy“ auch durch punkiges Handwerk wie dem AGAINST ME! gewidmeten „Reasons not to be an idiot“, das sich nur zu gut mit dem heimatlich irischen Singer/Songwriter-Flair verstand. „Glory hallelujah“ gestaltete sich mit schönem Mitsingpart als Selbstläufer, und nicht nur in den ersten Reihen hing man dem fröhlichem Sänger durchweg an den Lippen. So machte es auch nichts, dass ihm die Akustische zeitweise versagte und er es gar nicht merkte. Wer dieses Jahr bereits, etwa auf dem Hurricane, Zeuge des TURNERschen Treibens werden durfte, hatte mit keinen Überraschungen zu rechnen. Zum brandneuen Stück „Four simple words“ wurde erneut der eigens geschaffene „Eurovision Dance Contest“ ausgerufen, bei dem die Oberhausener die Gelegenheit bekamen, den einst von Deutschland gehaltenen Titel der am besten tanzenden Europäer zurück in die Heimat zu holen. Dennoch bot auch hier die überwiegend pogende Menge ein wirklich vorzügliches Bild. Nur die abschließenden Hymnen „I still believe“ und „Photosynthesis“, lauthals gesungen und genießend in die Länge gezogen, konnten das natürlich noch übertreffen. Großes Kino von FRANK TURNER und seinen SLEEPING SOULS!

Setlist FRANK TURNER AND THE SLEEPING SOULS
If I ever stray
The road
Peggy sang the blues
Reasons not to be an idiot
Glory hallelujah
Wessex boy
Long live the Queen
Four simple words
Try this at home
I still believe
Photosynthesis

THIN LIZZY

Ein ungewohntes, aber zu erwartendes Bild bot sich, als die Umbaupausen für einen der größten Acts des gesamten Wochenendes anrollten: die Halle war von vorne bis hinten voll, und alle warteten auf THIN LIZZY. Und sie warteten. Und warteten… aber es passierte nichts. Immer wieder wurden Mikros und Instrumente geprüft, doch der Sound schien den Verantwortlichen anscheinend nie wirklich zu passen. Unter lauter werdenden Pfiffen und verärgerten Rufen entschuldigte sich einer der Soundmänner immer wieder für die Verspätung… er war wirklich zu bemitleiden. Dann endlich, nach knapp einer Stunde, der kompletten eingeplanten Spielzeit also, erhielt das irische Kultobjekt vollbemannt Einzug auf der Oberhausener Bühne. Der Ärger war vergessen, die Leute völlig aus dem Häuschen. Immerhin konnte man als Fan der ersten Stunde ein wahres 70er/80er-Revival feiern, denn nach der Auflösung `83 hat das am laufenden Band Mitglieder verschleißende Kollektiv kein neues Werk veröffentlicht. Von der ursprünglichen Besetzung war nunmehr kaum etwas übrig, Gründer und Kernfigur Phil Lynott verstarb `86 und kam natürlich neben dem erst vergangenes Jahr von uns gegangenen Gary Moore zu Ehren. Ex-THE ALMIGHTY-Sänger Ricky Warwick hatte vor zwei Jahren das stimmliche Ruder übernommen, bewies sich aber vor allem auch im Posen, und das nicht zu sparsam. Mitmachaktion, Geklatsche, alles in bekannter Rockstar-Manier, aber immerhin fasste man sich mit Ansagen kurz. Langsam fragte ich mich schon, ob die Veranstalter am Ende noch eine Band unter den Teppich kehren würden, Zapfenstreich war für Mitternacht angesetzt. Aber man konnte ja schließlich keine Band wie THIN LIZZY auf die Bühne stellen, ohne sie etwa „Whiskey in the jar“ oder gar „The boys are back in town“ spielen zu lassen… ein, zwei Songs werden sie höchstens gestrichen haben. Dass ich dem Ganzen letztendlich nichts abgewinnen konnte, darf durchaus meinem fehlenden Alter und der falschen Generation angerechnet werden.

ROYAL REPUBLIC

Heillos verspätet mussten nun auch die schwedischen Alternative-Durchstarter ROYAL REPUBLIC vor die verbliebenen Gäste des Devil Sides treten. Immerhin: der Andrang war weiterhin hoch. Als Tourbegleiter für die DONOTS und zuletzt gar BLINK-182 hatten sich die vier Jungs aus Malmö schon beweisen können, und auch Airplay hatte das Hit-starke Debüt „We are the royal“ bis dato reichlich. Kein Wunder, dass die Masse sich vom ersten Song an in einen euphorischen Freudentaumel steigerte, tanzte und sprang. Auch die Herren selber hatten so viel Energie zu bieten, dass es dem vor Müdigkeit trägen Augen langsam schon schmerzte. Besonders Frontsau Adam Grahn verstand es, mit Charme und köstlich trockenem Humor die letzten Reserven der Menge hervorzulocken. Ob er nun selbstverliebt seinen Bart kraulte, die Muskeln spielen ließ oder seine mageren Deutschkenntnisse auf die Probe stellte („Können Sie mir bitte eine Taxi bestellen?“), er brachte die Leute immer zum Johlen. Da reichte es auch schon, „Full steam space machine“ beim Namen zu nennen, um den Jubel auf ein Neues zu entfachen. Selbst neues Material vom im August erscheinenden zweiten Album „Save the nation“ stand hoch im Kurs. Vorzüglichste Unterhaltung, die hier in den letzten Zügen dieses überwiegend metallischen Wochenendes geboten wurde, und das von einer Band, die dem einen oder anderen Metaller wohl im Vorfeld sauer aufgestoßen sein mag. Vielleicht ließen die sich ja noch vom angespielten „Battery“ besänftigen, dem man mit einem „Enter sandman“-Auszug glatt noch den nächsten METALLICA-Klassiker aufsetzte. Keineswegs gekünstelt, sondern mit voller Inbrunst schmetterte man dieses Intermezzo, bevor es mit dem eigenen Dauerbrenner „Tommy-gun“ dem Schluss entgegen ging. Mit absichtlich guttural verstimmten Gegröhle forderte der unersättliche Grahn zu diesem Anlass noch einmal vollste Aktion, und da ihm die Crowd absolut zu Füßen lag, servierten die springenden Körper ein wirklich schönes Bild, um das persönliche Fotobuch der Devil Side-Impressionen zu schließen. Großartiger Abschluss!

Die als letzter Act des Abends angekündigten US-Hardcorer IGNITE müssen an dieser Stelle wertungslos bleiben, da mich nach dem Wochenende, wider aller Erwartungen, früh die Arbeit rufen sollte und aufgrund der immensen Verspätung nicht vor Zwölf mit einem Beginn zu rechnen war. Schade drum, aber immerhin durften sie noch auftreten.

Abgesehen von dem späten Fauxpas der Technik erlebte das Devil Side im neuen Fahrwasser eine wirklich angenehme Jungfernfahrt, die den Weg für weitere Bootsreisen geebnet haben sollte. Die Bandbreite des musikalischen Angebots hat die Grenzen des reinen Metal-Festivals eindeutig gesprengt, was für reichlich Unmut bei den einen, Freude jedoch bei den anderen gesorgt haben sollte. Den Besucherzahlen wird es sicherlich nicht geschadet haben. Dabei war das Gelände nie zu voll, die Stimmung allgemein friedlich und das Wetter absolut prächtig. Die Lautstärkediskussion hat man zumindest Sonntag mit der Verlagerung in die Turbinenhalle angemessen gelöst, nur zugunsten der beiden Open Air-Tage sollte man die ominösen „Nachbarn“ noch einmal ins Gebet nehmen. Auf der Seite des Teufels sollten die Oberhausener schließlich mit mehr als ein paar mickrigen Dezibel feiern können. Spätestens in einem Jahr, denn nach der überwiegend positiven Bilanz sollte dieses Mal schon 2013 mit der nächsten Auflage zu rechnen sein.

Copyright Fotos: Karsten Rzehak

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