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DE/VISION – IRIS

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Ort: Rostock - Mau-Club

Datum: 13.04.2006

In regelmäßigen Abständen beehren die Elektropop-Pioniere DE/VISION die Hansestadt Rostock mit ihren stimmungsvollen Auftritten und natürlich, um ein neues Album vorzustellen. So auch in diesem Jahr, in dem das neueste Werk „Subkutan“ erschienen ist. Ebenso reizvoll wie die durchweg guten Kritiken zum Album gestaltete sich auch die Tatsache, dass die texanischen Electro-Synthie-Popper IRIS das Publikum anheizen durften. Beide Bands kennen sich ja bereits von der damaligen „Devolution-Tour“.

Vor dem düsteren Club angekommen, konnte man schon die ersten Klänge von „Lands of Fire“ vernehmen. Das hieß, IRIS hatten schon begonnen, obwohl es laut Homepage erst später losgehen sollte. Bereits gut gefüllt aber eher locker verstreut standen die Gäste herum, so dass wir noch eine sehr gute bühnennahe Position bekamen. Auffallend an IRIS war das doch eher schlichte Alltags-Outfit, was wenig zum schwarzgewandten Publikum passte. Das schien aber niemanden zu stören, und so wurde eher andächtig dem Sound gelauscht, mit dem Kopf gewippt und teilweise mitgesungen. Es gab Songs von allen drei Alben zu hören, aber am meisten überzeugen konnten die des aktuellen Werkes „Wrath“. Die kräftige und klare Stimme des Sängers Reagan und die teilweise kräftig rockenden Passagen beispielsweise in „It generates“ faszinierten. Auch „Appetite“ mit seinem einnehmenden Sound und den genialen Arrangements konnte überzeugen. Ein wenig Smalltalk von der zufriedenen Band gab es ebenfalls zu hören, so waren die Texaner ganz begeistert von den Schiffen im Rostocker Stadthafen, die sie nach dem Aufstehen erblickten. Zur Abwechslung wurden die schönsten Balladen präsentiert, darunter „No one left to lose“ und „In Spite“. Das Set beendete der Kracher „Sorrow Expert“, und ein gebührender Applaus folgte aus dem Publikum. Einziger Kritikpunkt: die Tatsache, dass Sänger Reagan wie festgetackert hinter seinem Mikrofonständer verweilte und sich kaum bewegte, ja sich fast ein wenig versteckte. Positiv aufgefallen sind die Jungs nach dem Konzert, wo sie sich bereitwillig unterhaltungswütigen alten und neu gewonnenen Fans stellten.

Nach einer genial kurzen Umbaupause erklang schon das Intro und DE/VISION Keyboarder Thomas, Live-Drummer Achim und Live-Gitarrist Lars betraten die Bühne. Noch war der Beifall verhalten, doch als Sänger Steffen die Bühne betrat wurde laut gejubelt. Die Band war sichtlich gut drauf, trotz des straffen Tourplans mit keinen bzw. wenigen Off-Days. Steffen in sehr legeren Outfit mit Turnschuhen, Jeans, Workershirt und modischer Kopfbedeckung. Letzteres gefiel einigen weiblichen Fans offenbar nicht, hörte ich als leise Kommentare aus meinem Umfeld… Mit zwei Titeln vom neuesten Album ging es auch gleich tanzbar los. Das trancige „Subtronic“ nutzte Steffen, um sich warm zu tanzen und beim mitreißenden „Obey your Heart“ dann richtig abzugehen, in seinem ganz eigenen Tanzstil aus Hüpfen und hin und her Trippeln. Auf jeden Fall sah es lustig aus und animierte auch das Publikum ordentlich mitzugehen. Etwas ruhiger ging es dann mit „I´m not enough“ von der letzten CD „6 Feet Underground“ weiter, welches die Stimmung wieder etwas dämpfte. Zwischen den Songs alberte Steffen viel mit Gastmusiker und Gitarrist Lars herum, beide machten Witzchen, die dem Publikum leider vorenthalten wurden. Die Interaktion fiel allgemein eher gering aus. Ein erster Stimmungshöhepunkt gelang mit „Try to forget“, wo schon die Anfangsklänge wahres Gejubel auslösten. Gesang im Publikum, Steffens Tanz und auch Thomas bewegte sich bemerkenswert gut hinter seinem Keyboard und kam richtig ins Schwitzen. Traumhaft melancholisch folgte mit „In Dir“ wieder ein Song zum Abkühlen. Eigentlich schade, denn so ein Livekonzert lebt doch irgendwie von der Stimmung und die ist nun mal bei Balladen eher verhalten. Die hört man sich gerne zu Hause, gemütlich auf dem Festivalrasen sitzend oder eben in einem bestuhlten Konzertsaal an. Vielleicht mal ein Gedanke, den DE/VISION aufgreifen sollten? Trotzdem ist „In Dir“ ein wirklich sehr gefühlvoller und intensiver Song, der endlich mal wieder in deutschem Text verfasst wurde. Von einem Traum in den anderen gehoben begann „Endlose Träume“, wo wohl jeder den Text kannte, mitsang und zu den spacigen Electro-Beats abtanzte. Vor dem nächsten Klassiker wurde schnell die Ballade „My own worst enemy“ eingeschoben. Aber dann folgte er, der Alltime-Klassiker „Your hands on my skin“, wo vorrangig das Rostocker Publikum sang. Steffen brauchte nur kurz anstimmen und schon ging es los, immer und immer wieder. Was für ein Spaß für alle Anwesenden! Leider wurden in jeder Pause zwischen den einzelnen Song die Rufe nach „Blue Moon“ und „Foreigner“ laut, so dass sich Steffens Laune mit der Zeit zusehends verschlechterte. Er betonte, dass diese Songs an diesem Abend nicht ins Set gehörten und trotzdem ließen einige nicht von den Rufen ab, was andere Zuschauer auch mehr und mehr nervte. Nochmals balladesk mit „Aimee“ und dann wieder schneller mit „I regret“ erholte sich die Band von der kleinen Unstimmigkeit. Der rockige Tanzflächenfüller „The End“ begeisterte alle und zeigte, wie viele schöne abwechslungsreiche Songs mit „Subkutan“ gelungen sind. Das reguläre Set ging zu Ende und die Band von der Bühne.

Keiner der Anwesenden verließ auch nur einen Zentimeter seinen Platz, alle forderten lautstark die Zugabe. Mit dem Kommentar „Jetzt könnt Ihr tanzen, hier kommen die schnellen Songs“ eröffnete Steffen den ersten Zugabenblock mit dem experimentellen „E-Shock“, danach das wunderschöne „Deliver me“ vom 98iger Album „Monosex“, gefolgt vom Rausschmeißer „The Day´s not done“, welcher kurzeitig melancholische Abschiedsstimmung aufkommen ließ. Wieder verließen die Jungs unter Beifall die Bühne. Nur kurz, denn für das finale Stück, die ausgefeilte Pop-Hymne „Addict“ ließen sie sich richtig feiern, bis das Licht endgültig ausging und der Konzertabend beendet war.

Es ist klar, dass man als langjähriger Fan seine favorisierten Stücke hören möchte, doch sollte man der Band doch etwas Freiheit in der Songauswahl lassen. Zu diesem Thema gab es auf der DE/VISION Homepage vor Beginn der Tour eine Abstimmung, wo man seine Wünsche äußern konnte, die in der Songauswahl berücksichtigt wurden. Wie soll eine Band, wie DE/VISION die es seit 18 Jahren gibt, ALLE Hits live präsentieren? Meiner Meinung nach haben sie einen schönen Querschnitt aller Alben, in einer schon außergewöhnlich langen Spielzeit von ca. 2 Stunden geboten. Und jedem sollte klar sein, dass so eine Tour unter anderem zum Bewerben eines neuen Albums dient.

Setlist IRIS
Lands of Fire
Sentimental Scar
In Spite
Vacant
No One Left To Lose
Waves Crash In
It Generates
Hells Coming With Me
Appetite
Sorrow Expert

Setlist DE/VISION
Subtronic
Obey Your Heart
I´m not enough
New Drug
Digital Dream
Not made of Gold
Star Crossed-Lovers
Breathless
Try to Forget
In Dir
Endlose Träume
My own worst Enemy
Your Hands on My Skin
No Tomorrow
Aimee
I regret
The End
Still unknown

E-Shock
Deliver Me
The Days not done

Addict

Copyright Fotos: Cath Niemann

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