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DIE ANGEFAHRENEN SCHULKINDER

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Ort: Osnabrück – Haus der Jugend

Datum: 11.12.2013

Bekanntermaßen ist die Vorweihnachtszeit durch allerlei Bräuche geprägt. In Osnabrück gehört seit vielen Jahren eine ganz besondere Tradition dazu, die allerdings nicht besonders besinnlich ist: die Weihnachtsshow der ANGEFAHRENEN SCHULKINDER! Der Brachial-Humor von Heaven, Dr. Ignatz Ignaz und den Gebrüdern Charlie und Jo Granada ist seit Jahrzehnten legendär und so war es selbstverständlich, dass das Haus der Jugend an zwei aufeinanderfolgenden Tagen wieder gut gefüllt war.

Üblicherweise bleibt bei Auftritten der SCHULKINDER aus Sicherheitsgründen ja zumindest die erste Reihe frei, weil man nie so genau weiß, was einem von der Bühne unter Umständen womöglich entgegen fliegt. Zumindest an diesem Mittwoch gab es jedoch jede Menge Mutige, die sich freiwillig in diese Gefahr begaben und auch sonst zeigten sich die Anwesenden sehr zutraulich und auch durchaus erfahren, was den Ablauf eines Abends mit den ANGEFAHRENEN SCHULKINDERn angeht. Da brauchte es bei der immer wieder grandiosen PETER-MAFFAY- und UDO-LINDENBERG-Persiflage von Charlie und Jo kaum noch eine Aufforderung, damit der Saal geschlossen auf den Stühlen stand und auch Textpassagen wie „piss mich an“ kamen dem Publikum locker über die Lippen. Zuvor stand im weitesten Sinne traditionelles Liedgut auf dem Programm, doch ließ bereits Heavens Flokatimantel erahnen, dass „Alle Jahre wieder“ bei dieser Kapelle, die im Übrigen von den beiden Ur-Schulkindern Marcus Praed (Gitarre) und Deko Pellmann (Drums & Percussion) sowie Bassist Andreas „Helmet“ Müller verstärkt wurde, deutlich mehr Groove mitbrachte als das Original. „Kommet, ihr Hirten“ erhielt gar karibisches Calypso-Flair und dass „Kacken im Winterwunderland“ eher nicht zu den Klassikern der Christmette zählt, dürfte sich allein schon durch den Titel erschließen. Wenn die Jungs auf der Bühne stehen, wird’s ganz einfach unflätig und genau dafür lieben die Fans sie. Da fallen die Weihnachtsgedichte dann auch einfach eine Spur derber aus und in der Weihnachtsgeschichte geht es halt um einen Geistlichen, der sich auf Ministranten-Porno-Seiten im Internet vergnügt. Sehr zur Freude der Zuschauer, sich ebenso ihren Spaß an der Benefizveranstaltung der Firma Westfleisch hatten – gleichfalls ein Evergreen in der SCHULKINDER-Historie, bei dem neben den Magic Butchers auch Hansi Eidelmann mit seinen singenden Glocken und der stets gut gelaunte Ecki mit dem Samba-Express mitwirkten, wie uns Moderator Peter Henis mit leichten Sprachstörungen erörterte. Der Höhepunkt vor der Pause war jedoch zweifellos Jos Gang ins Publikum, der wie üblich mit allerlei Beschimpfungen der Anwesenden verbunden war. Natürlich war alles nur Spaß, wie Herr Granada mehrfach beteuerte, auch wenn Heaven wie in jedem Jahr wieder eingreifen musste, weil nicht vernünftig mitgesungen oder die La-Ola-Welle ohne aufzustehen praktiziert wurde. Wer zu diesen Krawall-Brüdern geht, will eben auch was auf die Zwölf bekommen – zumindest symbolisch.

Das gab’s dann auch mit einem Hardcore-„Morgen, Kinder wird’s was geben“ und „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ im Kopfnicker-Modus inklusive Gitarrenzerstörung, bevor Märchenonkel Wolfgang das letzte Stück für die jungen Gäste präsentierte. Gut, auch hier ging es deftig-kräftig zur Sache – ebenso wie bei der sich anschließenden Büttenrede von Werner „Tipptopp“ Weverling, der sich gewaltig in Rage redete und an seinen Musikerkollegen verzweifelte, die permanent den Tusch zum falschen Zeitpunkt brachten. Außerdem mit von der Partie: Stargast Peter Glatt, der den Fivties-Rock’n’Roll aufleben ließ und sich dabei ein wenig in seinen Mikros verhedderte, bevor das Alltime-Highlight von Jo und Charlie auf dem Programm stand: UDO LINDENBERG und PETER MAFFAY in concert! Auch wenn man es schon unzählige Male gesehen hat, ist es doch immer wieder ein Fest, das heuer im Auditorium sogar mit Wunderkerzen zelebriert wurde! Als Nachschlag wurde das krachende „Pudel Rain“ serviert und bei der Granate „Tötet Onkel Dittmeyer“ hielt es dann endgültig niemanden mehr auf den Sitzen – sofern die Betreffenden denn überhaupt wieder von ihren Stühlen geklettert waren. Mit „Marina“ (und Heaven an der Clarina) verwandelte sich das Haus der Jugend schließlich komplett in einen Hexenkessel, sodass die SCHULKINDER noch mit dem ruhigen „Gestern“ nachlegen mussten, um die erhitzten Gemüter zu beruhigen.

In der Vorweihnachtszeit brauche ich weder Adventskalender, noch Kerzen, Selbstgebackenes, Dominosteine oder Nikolaus und Christkind, doch ohne den schönen Kult der SCHULKINDER-Weihnachtsshow gäbe es am Jahresende nur halb so viel zu feiern. Im nächsten Jahr sehen wir uns unbedingt wieder und dann sind ja vielleicht auch die heiß geliebten Samson, Tiffy und Lilo mit am Start. Der Dezember ist einfach der Monat der Traditionen und da dürfen die ANGEFAHRENEN SCHULKINDER mit ihrem sehr speziellen Brauchtum schlicht nicht fehlen!

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

1 Kommentar

  1. michi sagt:

    Herrlich!!!

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