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DOG EAT DOG – FALLAWAY

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Ort: Bielefeld - Triebwerk

Datum: 05.02.2004

Wo man keine Erwartungen hat, kann man nur positiv überrascht werden. Diese abgegriffene Weisheit bestätigte sich an diesem viel zu warmen Februar-Abend auf eindrucksvolle Weise. 2 Bands hatten sich angekündigt, zu denen ich ein besonderes Verhältnis habe. FALLAWAY aus Rheda-Wiedenbrück, deren Drummer der Sohn einer Arbeitskollegin ist und DOG EAT DOG, die mir meine Jugend mit ihrem eigenwilligen Crossover-Sound versüsst haben. Das Triebwerk (die ehemalige Hechelei) war mit ca. 250 Leuten gut gefüllt, die meist eher dem jüngeren Semester zuzurechnen waren. Allerdings wurde der niedrige Altersdurchschnitt des EMIL BULLS-Konzert in der Vorwoche nicht erreicht…

FALLAWAY waren mehr als glücklich, den Support Slot für die Jungs aus New Jersey ergattert zu haben, dafür musste man ihnen dann auch ein Drum Kit organisieren, keine besonders schwere Aufgabe. In Ostwestfalen hatte das Quintett natürlich ein Heimspiel und so waren viele persönliche Bekannte anwesend, die für ordentliche Stimmung sorgten. Schnell wurde klar, dass ihre Nu Metal/ Nu Rock-Mischung live funktioniert und dass Sänger Patrick über eine hervorragende Stimme verfügt, die mit Shouts und emotionalen Parts gleichermassen gut zurecht kommt. Ein wenig müssen die Jungs zwar noch an ihrer Personality arbeiten, aber das muss man knapp 20jährigen auch noch zugestehen. Instrumental arbeitet man jedenfalls engagiert und absolut professionell. Um die 40 Minuten haute man alte und brandneue Stücke in die Menge, die sehr wohlwollend mitging und teilweise sogar einen kleinen Pit bildete. Dabei spielte man natürlich auch Stücke des 4-Track Demos, welches man nachher an willige Fans verschenkte, für Marketing hat man in OWL einfach ein Gespür. Jedenfalls werde ich den weiteren Werdegang der Hopefuls nicht aus den Augen verlieren…

Nach einer angemessenen Pause war es soweit, eine Legende kehrte zurück, eine Legende des Crossover. 5 Jahre lang hatte man nichts bis wenig von den Amerikanern gehört, die noch in den frühen 90ern fester Bestandteil jeder Alternative-Party waren. Stefan von FALLAWAY hatte mir erzählt, dass es kein Saxophon mehr im Line up gibt, was mich doch einigermaßen nervös machte. Wie würden die alten Klassiker ohne dieses Instrument, welches doch immerhin die Melodielinien prägte, funktionieren? Als eine Art Ersatz hatte man Hosea ” Heartbeat” Williams mitgebracht, Sohn eines bekannten Gospel Sängers und seines Zeichen Percussionist. Damit erlebten die Ostwestfalen eine Premiere, denn die bereitgestellten Bongos wurden zum ersten mal bei der laufenden Tour eingesetzt. Schon nach der ersten Ansage von Urgestein John Connor war klar: Das hier war keine satte Altherrentruppe, diese Jungs wollten es wieder richtig krachen lassen! Und das Publikum ging in einer Art und Weise mit, wie ich es in Bielefeld noch selten erlebt habe. Connor erklärte, dass jeder auf die Bühne kommen könne und stagediven solle, hauptsache alle haben Spass und niemand wird verletzt (entsprechend einer altbekannten DED-Textzeile). Bassist Dave Neabore machte seinem Hobby – dem Sammeln von Horror Devotionalien – alle Ehre, indem er mit einem feinen Zombie-Shirt in Gedenken an George A. Romero auftrat.

Im folgenden spielte man sich durch die Highlights der drei Longplayer, liess es sich aber auch nicht nehmen, einige aktuelle Songs einfließen zu lassen, die logischerweise kaum bekannt waren. Das kann aber jeder für sich ändern, indem er sich die Teile auf der offiziellen Fan-Site www.dogeatdog.nl herunterlädt. „Who’s the king?“ war ganz vorne im Set und die jugendliche Meute feierte begeistert ab. Immer wieder suchte John den Kontakt ins Publikum, liess die enthemmte Bande die Refrains ins Mic brüllen. Ein riesiger Moshpit entstand, in dem die Heranwachsenden ihr Aggressionspotenzial auf positive Art und Weise ausleben konnten. Wahlweise verwandelte sich das Triebwerk aber auch in eine Hüpfburg. Das fehlende Blasinstrument fiel überhaupt nicht ins Gewicht, wütende Gitarren und Heartbeats tribalmässige Unterstützung sorgten für einen mehr als befriedigenden Ersatz. Immer wieder brachte Connor „Gütersloh“ ins Gespräch, welche geheime Verbindung sollte es zwischen meinem Wohnort und den Crossover-Pionieren geben? Die Lösung heißt: Claus Grabke! Wer jetzt über Bildungslücken klagt, dem sei gesagt, dass Grabke Shouter der ehedem recht erfolgreichen THUMB war (ist?) und nun zusammen mit den „Hunden“ ein musikalisches Projekt verfolgt, wir werden das weiter beobachten. In der Zwischenzeit ballerte man Hits wie „Isms“, „If these are good times“ oder den Knaller „Expext the unexpected“ von der Bühne, die mittlerweile immer mehr einem Hexenkessel glich. Selbst harmlos wirkende Mädels verwandelten sich in Furien und zwischen Band und Zuschauern kam es zu einem unnachahmlichen Energieaustausch. Heartbeat beschränkte sich nicht nur auf seine Instrumental-Tätigkeiten, er kam auch des öfteren nach vorn, um abzurocken bzw. rappen, dabei konne man dann auch seine imposante Statur bewundern. Gegen Ende des Sets postierte sich sogar Drummer Brandon Jay Finley am Bühnenrand, der ebenfalls seine Sangeskünste spielen liess. Derweil nahm der Roadie (und „nebenberuflich“ GOOD WITCH OF THE SOUTH Drummer!) seinen Platz hinter dem Kit ein.

Die Hymne „No Fronts“ beendete schließlich den regulären Set, wobei eigentlich kein richtiger Übergang zu den Zugaben erfolgte, man blieb einfach oben und alberte noch mehr rum, mittlerweile auch nicht mehr „ganz“ nüchtern. Dazu passend spielte man dann auch die Ode an die gepflegte Gerstenkaltschale „More Beer“ (im Original von FEAR, wenn ich mich nicht irre) und versorgte den Pit mit dem gesunden Nass, auf die Köpfe versteht sich! Es begann die Zeit der Cover Versionen und Hommagen, METALLICA und SLAYER wurden kurz angespielt, bis man dann den SINATRA-Klassiker (nebenbei Abspann-Musik von „Stirb Langsam“) „Let it snow“ in einer punkigen Verpackung herausrotzte, auch dieses Stück gibt es zum Download auf der HP. Den Abschluß bildete stilecht der Track „Dog eat Dog“ von der „Warrant“-EP aus dem Jahre 1993, damals ja eine Verarschung auf die Band WARRANT, die wiederum ein Stück namens „Dog eat Dog“ im Gepäck hatte. Aber das interessierte kurz vor Mitternacht natürlich niemanden mehr, alle lagen sich in den Armen, man (und Frau) waren ausgepowert ohne Ende aber glücklich. DOG EAT DOG haben bewiesen, dass mit ihnen wieder zu rechnen ist und dass sie auch beim heutigen Nachwuchs riesig ankommen. Bald soll dann auch wieder eine Studio-Scheibe heraus kommen, auf die ich schon jetzt mehr als gespannt bin. Ein geiler Abend!

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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