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DREAM THEATER – RIVERSIDE

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Ort: Esch-Alzette - Rockhal

Datum: 15.06.2007

“Wow!” – Zu weiteren Äußerungen wäre ich wohl direkt nach dem DREAM THEATER Konzert in der Rockhal in Esch-Alzette, Luxemburg nicht in der Lage gewesen, hätte man mich sofort gefragt, “Uuund, wie war’s?!”! Erst mal alles verarbeiten, Hirn entknoten und Kinnlade wieder vom Boden aufsammeln.

Als wären DREAM THEATER allein nicht schon eine weitere Anfahrt wert, hatte man noch die Progger von RIVERSIDE aus Polen mit ins Boot geholt. Auch wenn sie den allermeisten wohl noch kein Begriff sein sollten, dürften sich die Polen Progger in progressiveren Kreisen schon einen gewissen Namen erspielt haben und hatten nun also die Ehre den Konzertabend für DT zu eröffnen. Wer sein Publikum derart mit wunderbaren und ergreifenden Stücken verzaubern kann, hat auf alle Fälle noch einiges mehr an Beachtung verdient! So war es auch etwas schade, dass RIVERSIDE recht zeitig auf die Bühne mussten und nicht wenige Zuschauer noch immer am Einlass standen. Ob sich einige die Band vielleicht sogar entgehen ließen, weil sie sie nicht kannten, weiß ich nicht. Fest steht nur, dass sich einige, die erst später dazustießen, geärgert haben. Live wirkten Songs wie “Out Of Myself”, “Second Life Syndrome” oder “The Curtain Falls”, welches sie als letztes Stück gespielt haben, einfach noch viel intensiver als auf Platte. Sänger Mariusz versteht es einfach das Publikum mit seiner Stimme in den Bann zu ziehen. Leider muss man sagen, dass wohl auch einige mit dieser Band nichts anfangen konnten, was zugegebenermaßen in der Tat etwas schwierig ist, wenn man die CDs nicht kennt. Dennoch sollten RIVERSIDE an diesem Abend den ein oder anderen Fan gewonnen haben.

Um kurz nach 9 war es dann auch endlich so weit und nach einem – scheinbar nicht enden wollenden – klassischen Intro kamen die Proggötter (wie manche sie doch gerne bezeichnen) auf die Bühne. Der Blickfang schlechthin war natürlich Mike Portnoys absolut wahnsinnige Schießbude. Wie viele Arme muss ein Mensch eigentlich haben, um auf diesem Drumset spielen zu können?! Könnten Kinnladen wirklich zu Boden fallen, hätte man ein hundertfaches Klirren vernehmen können. Auch wenn man solche Gerätschaften vielleicht schon häufiger gesehen hat, es ist ein imposanter Anblick, ein Drumset von dem Wert eines Kleinwagens vor sich stehen zu sehen. Einfach irre, was der Kerl wieder abgezogen hat und damit dürfte er nicht nur die Drummer unter den Zuschauern beeindruckt haben. Selbst Laien verstehen, dass da ein Wahnsinniger (im positiven Sinne natürlich!) zu Gange ist. Wer einhändig spielt und nebenbei etwas trinkt, muss irre sein. Die Drumstick-Wurf-und Jonglage Einlagen mal nicht zu vergessen… Dazu noch ein Basser wie John Myung und ein weiterer Flitzefinger namens Jordan Rudess hinter dem Keyboard. Dies glich übrigens eher einem Kontrollzentrum aus einem Raumschiff und war obendrein noch dreh- und schwenkbar, so dass man dem Herrn auch ab und an auf die Finger schauen konnte… wer kann da noch viel sagen? Besonders bei den wahnwitzigen Solos habe wohl nicht nur ich mich des Öfteren gefragt ob und warum der Kerl immer noch keine Knoten in den Fingern hatte. John Petrucci (Gitarre) möchte ich natürlich auch nicht vergessen, bei DREAM THEATER sind einfach Musiker am Werke, die ihre Instrumente mit schlafwandlerischer Sicherheit beherrschen. Auf der Bühne herrscht also, wenn man es mit dem Titel des aktuellen Albums sagen möchte “Systematic Chaos”. Auch James LaBrie war stimmlich in Topform und selbst Zuschauer, die DT schon einige Male zuvor gesehen hatten und ihm die Gesangleistung früher eher negativ angekreidet hatten, mussten in Luxemburg zugeben, dass es hier nichts zu meckern gab. Da lag wohl auch der Vor-sowie Nachteil der gekürzten Spielzeit. Waren DREAM THEATER doch bisher als eine Band bekannt, die das Publikum für gut und gerne 3 Stunden in ihren Bann zog, so waren es in der Rockhal nur knappe 2 Stunden – allerdings verdammt intensive und beeindruckende 2 Stunden.

Ich war schon recht erstaunt so wenige Songs vom aktuellen Album “Systematic Chaos” zu hören, andererseits gab es auch nette Überraschungen wie z.B. “Metropolis Pt.I” und Lieder wie “I Walk Beside You” und “The Spirit Carries On” wurden vom Publikum begeistert aufgenommen und voller Inbrunst mitgesungen. Zum Mitklatschen mussten die Herren auch nicht allzu oft auffordern, das ging ob der guten Stimmung fast wie von selbst. Sehr schön zu sehen war auch das sehr gemischte Publikum. Von alt über jung waren alle Altersschichten vertreten, Metaller und genauso Leute, die überhaupt nicht nach Metal aussahen. DT verstehen es einfach die breite Masse zu begeistern oder einfach alle, die mit anspruchsvoller Musik etwas anfangen können. Das Konzert lässt sich eigentlich fast in die Sparte “perfekt” stecken, von der Stimmung her war es dies auch ohne Zweifel. Beim Sound gab es einige kleinere Schnitzer, so musste James dem Mischer zwischendurch Zeichen geben und schien etwas verärgert, Petrucci spielte an einer Stelle zu schnell und zog so einen irritierten Blick von Portnoy auf sich. Aber wenn man mal ehrlich ist, sind es gerade diese kleinen Fehler, die eine Band doch sympathisch machen. Für mich gibt’s es nichts schlimmeres, als eine Band, die ihr Liveprogramm derart perfekt, ja geradezu steril runterspielt. Da zeigen einem doch gerade solche kleineren Makel, dass auch dort, trotz aller Genialität und Versiertheit an den Instrumenten immer noch Menschen am Werke sind. Auch einem Petrucci oder Portnoy seien Spielfehler gestattet. Und aus eben diesem Grund war das Konzert für mich persönlich – und wahrscheinlich viele andere auch – perfekt.

Mein Fazit also: Ein nicht völlig makelloses Konzert ob des nicht ganz sauberen Sounds an manchen Stellen und kleineren Spielfehlern. Man sollte dieses Konzert einfach, wie es LaBrie irgendwann einmal erwähnt hatte, als eine Art “Warm-Up” für die im Herbst kommende Tour sehen. Dann werden DT nämlich wieder Deutschland mit ihrer Anwesenheit beehren, dann mit SYMPHONY X im Schlepptau. Man darf gespannt sein, vor allem werden sie dann sicherlich mehr Songs der aktuellen Scheibe im Gepäck haben. Warum allerdings auf Konzerten in Italien und dem einen Tag später stattfindenden Konzert in Bonn das komplette “Images & Words” gespielt, “Take Me As I Am” auch nicht vergessen wurde und dies in Luxemburg nicht der Fall war, ist mir immer noch ein Rätsel. Außerdem hätte man wohl kaum eine passendere Band als RIVERSIDE finden können, die wirklich ein mehr als würdiger Opener waren! Eines steht jedenfalls fest, DT kommen zurück nach Deutschland und wer die Chance hat hinzugehen, sollte sich dieses Konzerterlebnis nicht entgehen lassen!

Setlist DREAM THEATER
Intro
Overture 1928
Strange DejaVu
Take The Time
Constant Motion
The Dark Eternal Night
Surrounded
Never Enough
Endless Sacrifice
Forsaken
I Walk Beside You
Home
The Spirit Carries On

Metropolis Pt.1

Copyright Fotos: Cornelia Wickel

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