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DROPKICK MURPHYS – BOUNCING SOULS

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Ort: Düsseldorf - Mitsubishi Electric Halle

Datum: 06.02.2012

Deutschland fest im Griff der Kaltfronten, Temperaturen um die minus 15 Grad und dennoch: Einen Ort gab es, da brannte die Luft und der Schweiß floss in Strömen. In der Mitsubishi Electric Halle in Düsseldorf fanden sich 5000 Fans ein, um gewohnt frenetisch den Auftritt der Bostoner Folk-Punker DROPKICK MURPHYS zu feiern.

Angekündigt war das Konzert für 20 Uhr, doch als wir kurz nach 19.30 Uhr die bereits gut gefüllte Halle betraten, war der Auftritt des ersten Supports, der Kölner SEWER RATS, bereits im vollen Gange, ja fast schon vorbei. Sehr ärgerlich, denn die letzten Songs, die wir noch mitbekamen, ließen durchaus einen netten Gig erahnen. Die SEWER RATS spielen punkigen Rock´n´Roll mit großem Kontrabass und machten durchaus Spaß. Unverständlich warum man den Beginn des Konzertes dann nicht einfach mit 19 Uhr angekündigt hat, wenn man schon lokalen Bands eine Auftrittsmöglichkeit vor großer Kulisse ermöglichen möchte. Zumindest die überpünktlichen Besucher kamen in den Genuss der SEWER RATS, die um 19.45 Uhr die Bühne unter anerkennendem Applaus wieder räumen mussten.

Nach einer kurzen Umbaupause standen dann pünktlich um 20 Uhr die BOUNCING SOULS auf der Bühne und bretterten gleich amtlich los. Die bereits 1987 gegründete Punkband aus New Jersey ist somit im 25. Jahr unterwegs und brachte ein Stück Punkrock-Geschichte nach Düsseldorf. Wie viele an diesem Abend anwesende Fans nun wirklich Lust auf diese Art Geschichtsunterricht hatten, ließ sich leicht am leider recht verhaltenen Applaus erahnen. Das Publikum war an diesem Abend bzw. wie bei Konzerten der DROPKICK MURPHYS eigentlich obligatorisch, bunt gemischt. Alle Altersklassen waren ebenso vertreten wie der Punk mit buntem Iro, der Metalfan, der Skin mit Hosenträgern und der ein oder andere Bankangestellte. Soviel Abwechslung gab es bei den getragenen Shirts nicht, denn da bestimmten die der MURPHYS das allgemeine Erscheinungsbild, überwiegend in grün. Somit war klar, was das Publikum an diesem Abend wollte und weshalb man in die Mitsubishi Electric Halle gekommen war – und einen dementsprechend schweren Stand hatten die BOUNCING SOULS. Dass das nicht nur in Düsseldorf und nicht nur an diesem Abend so war, ist naheliegend und erklärt vielleicht ein wenig den doch recht lahmen Auftritt der Band. Denn auch im 25ten Jahr des Bestehens sollten Punkrocker durchaus mehr Feuer im Arsch haben. Gerade Sänger Greg Anttonito schlich über die Bühne und erinnerte in seinem Auftreten eher an eine Mischung aus Frank Sinatra und Robbie Williams, was so gar nicht zur Musik der Combo passen wollte.

Und an der war ebenso wenig auszusetzen wie an der Songauswahl. Auch wenn die BOUNCING SOULS gerade im Vergleich mit anderen Punkbands sicher nicht zu den veröffentlichungsfreudigsten Bands gehören, kann der Vierer dennoch auf eine ganze Reihe Hits zurückgreifen und bot an diesem Abend eine bunten Mischung ihres Schaffens. Songs wie „Hopeless Romantic“, „Private Radio“ oder das großartige „Never say die“ wurden dann auch zumindest direkt vor der Bühne lauthals mitgesungen. Das heruntergebretterte „East coast fuck you“ ließ die Hardcore-Herzen höher schlagen und zauberte dem einen oder anderen dann doch ein breites Grinsen ins Gesicht. Bei dem Song wurde wahrscheinlich am deutlichsten, warum der Bass von Brien Kienlen (stilvoll im DESCENDENTS-Shirt) bereits bis tief ins Holz runtergeschreddert war. Insgesamt boten THE BOUNCING SOULS eine Dreiviertelstunde netter Unterhaltung, das Publikum hinter dem Sicherheits-Wellenbrecher ließ die zu zaghaften Bemühungen jedoch kalt, dafür war die Band an diesem Abend zu „harmlos“, das Publikum zu ignorant oder als Kompromiss eine Mischung aus beidem.

Kaum hatten BS die Bühne verlassen, erschallten lauthals die ersten „Let´s go Murphys, let´s go“ Schlachtrufe und die Spannung wuchs merklich an. Umgehend war dann auch der Bereich vor dem Wellenbrecher an der Bühne gefüllt. Diese Sicherheitsvorkehrung sollte im Laufe des Konzertes doch etwas spaßbremsend wirkend, aber da die Sicherheit ja nun einmal vorgeht und ein wenig Vorsicht bei 5000 durchdrehenden DROPKICK MURPHYS Fans vielleicht doch geboten ist, war es ein vergleichbar kleines Übel. Nach einer halbstündigen Umbaupause und einem zumindest unendlich lang wirkenden Intro fiel mit einem Knall der schwarze Vorhang und die Band aus Boston Massachusetts stürmte auf die Bühne und legte mit „The Irish Rover“ fulminant los. Mit „Time to go“ und „Sunday hardcore matinee” ging‘s in gleicher Geschwindigkeit weiter und spätestens nach den ersten 20 Minuten dürfte niemandem mehr kalt gewesen sein. Stillstehen kam für die DROPKICK MURPHYS ebenso wenig in Frage wie für ihre Fans. Überall, sei es vor oder hinter dem Wellenbrecher, auf den seitlichen oder auch auf der hinteren Tribüne (unnötig zu erwähnen, dass die Fans auf den Tribünen ab dem ersten Akkord aufgesprungen waren) wurden die Fäuste in die Luft gestreckt und die Songs lauthals mitgegrölt.

Die DROPKICK MURPHYS sind ein Phänomen und haben sich in den letzten 15 Jahren konsequent den Arsch abgetourt und sich stetig eine immer größere Fangemeinde erspielt, um von Tour zu Tour in immer größeren Hallen aufzutreten, bis man letztendlich am heutigen Abend in der Mitsubishi Electric Halle angekommen war. Zeit zum Ausruhen gab es in der ersten Dreiviertel-Stunde wenig, nicht bei „Going out in style“ und ebenso wenig bei „Flannigans Ball“. Sänger Al Barr bewies erstaunlich gute Deutschkenntnisse und dankte seinen Fans recht herzlich für ihren Support. Er fragte, wer in der Nacht zuvor den Super Bowl gesehen habe, bemerkte, die Band sei über dessen Ausgang sehr traurig, relativierte das aber sogleich wieder, indem er beteuerte wie glücklich man dennoch sei heute und hier mit Freunden zusammen feiern zu dürfen. Um ein wenig die irre Geschwindigkeit aus dem Auftritt zu nehmen, spielten die DROPKICK MURPHYS beginnend mit „The Warriors Code“ die nächsten 4 Songs im Sitzen als Akustik-Versionen. Das klang insgesamt folkiger als die vorherigen punkrockbetonteren Lieder, passte hervorragend und kam auch beim Publikum bestens an. Schade war es lediglich gerade um „TWC“, das in der Normalversion eine noch größere Power entfaltet hätte.

Nach dem kleinen Ausflug in die Akustik-Gefilde ging es mit (wie die Band betonte) Rock´n´Roll in vorher bewährter Geschwindigkeit weiter. Nach ungefähr 75/ 80 Minuten erklangen die ersten Riffs von „I´m shipping up to Boston“ und zeitgleich fiel das große Backbanner und enthüllte ein neues mit Totenkopf und gekreuzten Säbeln. Mit diesem Song verließen die MURPHYS ihre Fans, doch wurden mit den bereits vielfach geprobten „Lets go Murphys“ Sprechchören natürlich wieder zurück beordert. Als Zugabe gab’s dann erwartungsgemäß „Kiss me, I´m shitfaced“ und „Skinhead on the MBTA“, bevor nach 90 Minuten und mit dem AC/DC Cover „Dirty deads done dirt cheap“ als dann doch noch kleine Überraschung endgültig ein großartiger Konzertabend zu Ende ging.

Setlist DROPKICK MURPHYS
The Irish Rover
Time To Go
Sunday Hardcore Matinee
Deeds Not Words
Heros From Outr Past
Climbing A Chair To Bed
Never Alone
Going Out In Style
Shark
Flannigan’s Ball
Barroom Hero
Fields Of Athenry
Warrior’s Code (Acoustic)
Take ‘Em Down (Acoustic)
Devil’s Brigade (Acoustic)
Boy’s On The Docks (Acoustic)
The State Of Massachusetts
Frankie’s Gonna Be Alright
Peg ‘O My Heart
Broken Hymns
Johnny, I Hardly Knew Ya
I’m Shipping Up to Boston

Kiss Me, I’m Shitfaced
Skinhead On The MBTA
Dirty Deeds Done Dirt Cheap (AC/DC)

Copyright Fotos: Karsten Rzehak

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