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DROPKICK MURPHYS – FRANK TURNER & THE SLEEPING SOULS – CRYSSIS

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Ort: Hamburg – Alsterdorfer Sporthalle

Datum: 25.01.2013

An diesem kalten Freitagabend traf man in der nahezu ausverkauften Alsterdorfer Sporthalle nicht nur vergleichsweise viele Träger von Schiebermützen, auch irische Embleme und Devotionalien gab es reichlich zu bestaunen. Dabei kam der Hauptact doch gar nicht von der Grünen Insel, sondern aus Boston/Massachusetts. Wenn man allerdings weiß, dass es sich um die DROPKICK MURPHYS handelte und dass Boston die größte Ansammlung von irischstämmigen Menschen außerhalb Irlands beherbergt, dann war klar, wo der Zusammenhang zu suchen war und dass man sich auf eine ausgelassene Party freuen durfte, insbesondere weil das Septett mit dem jüngsten Longplayer „Signed And Sealed In Blood“ wieder einmal einen erstklassigen Soundtrack für allergrößtes Live-Vergnügen abgeliefert hat. Um den Konzertabend vollends zum Erfolg zu führen, reist außerdem der begnadete FRANK TURNER mit seinen SLEEPING SOULS mit durch die Landen. Damit nicht genug, haben die Bostoner für die Deutschland-Termine noch CRYSSIS verpflichtet, die um 20.00 Uhr den knackigen Reigen eröffneten.

Wer sich dachte, er habe den CRYSSIS-Drummer schon mal irgendwo gesehen, dem seien DIE TOTEN HOSEN ins Gedächtnis gerufen, dort sitzt Vom Ritchie nämlich seit 1998 an der Batterie, weshalb der gebürtige Engländer als Wohnort seit geraumer Zeit auch Düsseldorf zu Protokoll gibt. Außerdem ist noch Gitarrist und Sänger Trip Tom von KIND IM MAGEN? aus Bochum mit von der Partie sowie am Bass Tommy Snide und am Mikro und Sechssaiter Dick Yorn, womit das Quartett mit zwei Londonern komplettiert wurde. 2011 erschien die erste Langrille „Simple Men“, von der es in Hamburg einiges zu hören gab, wobei laute Gitarren und eingängige Melodien den Ton angaben. Etwa beim treibenden „London“ oder dem zunächst etwas verhaltender beginnenden „Could It Be“, das im weiteren Vortrag wieder ordentlich Gas gab. Trotz dezenter Reggae-Anleihen präsentierte sich auch „Playing With My Heart“ sehr straight. Am 08. Februar soll das zweite Album „Kursaal Nights“ erscheinen und selbstverständlich gab es bereits heute ein paar Kostproben. Wie z.B. „Just A Kiss“, das vereinzelt schon ins Bein ging und vom ebenfalls brandneuen und unverbrauchten „Never Forget“ abgelöst wurde. Den anwesenden Damen war das schwungvolle „Girls Like You“ gewidmet, das auch artig beklatscht wurde, um auf der Zielgeraden noch einmal die Arme zu recken, als sich CRYSSIS nach einer halben Stunde Spielzeit mit viel Tempo und Wumms verabschiedeten.

Die Betriebstemperatur in der Konzertvenue war auf diese Weise spielend erreicht worden und die Anwesenden brauchten auf die nächste Kapelle auch gar nicht lange zu warten – mehr als ein Pausenbier war da kaum drin, denn nur 15 Minuten später enterten FRANK TURNER und seine SLEEPING SOULS die Stage. D.h. zunächst einmal erschien Bandleader Frank mit seiner Akustikklampfe bewaffnet allein auf der Bühne und begann sein wunderbares „If Ever I Stray“ zu performen, ehe Ben Lloyd (Gitarre), Matt Nasir (Keyboard), Tarrant Anderson (Bass) und Nigel Powell (Schlagzeug) ebenfalls mit weißen Hemden gekleidet hinzu stießen. Nicht nur bei den Herren Musikern ging es ab diesem Zeitpunkt gewaltig zur Sache, auch das Auditorium ließ es amtlich krachen und so war man auf beiden Seiten des Fotograbens bester Stimmung und stets in Bewegung. Songs wie „The Road“, „Peggy Sue Sang The Blues“ oder auch „Reasons Not To Be An Idiot“ waren aber auch ganz hervorragend zum Mitsingen geeignet. Gleiches galt auch für „Glory Hallelujah“, das nach einer deutschsprachigen Ansage durch Herrn Turner, der versprach, seine Sprachkenntnisse durch ausgiebiges Touren zu verbessern, eifrig mitgeklatscht wurde. Bei „Four Simple Words“ war das Tanzvermögen der Hanseaten gefragt, die beweisen sollten, dass sie in den Hüften beweglicher sind als die Skandinavier, die FRANK TURNER gemeinsam mit den DROPKICK MURPHYS in den letzten Tagen beehrt hatte. Zunächst einmal legte der Song vergleichsweise ruhig los und animierte einige, die Feuerzeuge zum Einsatz zu bringen, um dann wenig später temporeich in den Tanzmodus zu wechseln. Ob die abgelieferte Leistung besser war als in den nördlicheren Gefilden, wurde nicht näher kommentiert, auf jeden Fall war das Publikum Frank im Anschluss bei „I Still Believe“ anfangs nicht laut genug. Das konnten die Hamburger jedoch ändern und so konnte es gewohnt treibend inklusive Mundharmonikaspiel des Gitarrenroadies weitergehen. Mit Vollgas und der Aufforderung „Try This At Home“ begaben sich der sympathische FRANK TURNER und seine spielfreudigen SLEEPING SOULS auf die Zielgeraden und verabschiedeten sich dann nach 45 Minuten von ihren Fans, deren Zugaberufe leider nicht erhört wurden.

Setlist FRANK TURNER & THE SLEEPING SOULS
If Ever I Stray
The Road
Peggy Sang The Blues
Reasons Not To Be An Idiot
Glory Hallelujah
?
Four Simple Words
Photosynthesis
I Still Believe
Try This Hat Home

Jetzt hieß es noch einmal eine halbe Stunde zu warten, eventuelle Flüssigkeitsverluste auszugleichen und die Kräfte für die MURPHYS zu mobilisieren, die um kurz vor 22.00 Uhr schon einmal den DROPKICK-MURPHYS-Gesängen des Auditoriums irisch anmutenden weiblichen Gesang vom Band hinzufügten, um schließlich mit der Feststellung „The Boys Are Back“ die Stage zu entern. Der Vorhang, der bislang den großen DM-Backdrop verborgen hatte, fiel bei dieser Gelegenheit und mit ihm auch etwaige Hemmungen der Zuschauerschaft, womit aus der eher schmucklosen Sporthalle alsbald ein wahrer Hexenkessel wurde. Auch Aufforderungen wie „sing it loud, sing it proud“ bei „A Few Good Men“ wurden umgehend in die Tat umgesetzt. Lichtkaskaden begleiteten derweil „Your Spirit’s Alive“, das mitsamt Dudelsack und Piano ruhig startete, um wenig später wieder die volle Irish-Punkrock-Breitseite abzufeuern. Gleiches galt für den brandneuen „Prisoner’s Song“ und natürlich wurden Klassiker a la „The Irish Rover“ oder der herzerweichende Mitgröler „Forever“ nach allen Regeln der Kunst abgefeiert. Die beiden Herren an den Mikros, Bassist Ken Casey und Al Barr, wechselt sich dabei regelmäßig ab bzw. machten auch schon mal gemeinsame Sache, wobei Al gern die Nähe zum Publikum suchte und auch ein paar Brocken Deutsch in petto hatte, mit denen er das treibende „Jimmy Collins’ Wake“ ankündigte. Beim hymnischen „Fields of Athenry“ waren wieder die Sangeskünste des einzig verbliebenen Gründungsmitglied aus 1996 gefragt, der beim blitzschnellen „The Battle Rages On“ erneut vom Kollegen Barr abgelöst wurde, während die Zuschauer steil gingen und das beschwingte „Out of Our Heads“ mit seinem dezenten irischen Unterton ein wahres Massenhüpfen auslöste. Zum brachialen Rock’N’Roll von „Surrender“ klatschte Al die Fans in der ersten Reihe ab und auch „The Gangs All Here“ ging direkt auf die Hüften und machte ebenso wie „Rose Tattoo“ amtlich Laune. Dieser Track vom jüngsten Silberling hat zweifellos das Zeug zum Evergreen und wurde entsprechend abgefeiert, während im Hintergrund der Backdrop seine Optik änderte und aus dem DROPKICK-MURPHYS-Schriftzug mehrere Kirchenfenster wurden. Mit viel Drive ging es auf der Bühne musikalisch in „Captain Kelly’s Kitchen, ehe mit „I’m Shipping Up To Boston“ mein persönliches Highlight auf dem Zettel stand. Dieser Song ist auch auf Martin Scorseses Film „Departed – Unter Feinden“ vertreten und fand auch in der Hansestadt größte Zustimmung, denn zu diesem Zeitpunkt hielt es auf den Rängen kaum noch jemand auf den Sitzen. Für den „Worker’s Song“, der nach einer guten Stunde das Ende des regulären Sets markierte, holten sich die DROPKICK MURPHYS FRANK TURNER auf die Stage, um es gemeinsam krachen zu lassen.

Das konnte es natürlich noch nicht gewesen sein und so hob der Dudelsack von Tin-Whistle-Spieler Scruffey Wallace für den „Barroom Hero“ ein weiteres Mal an, um in Höchstgeschwindigkeit zu rocken, bevor zum rührseligen „End of The Night“ guten, alten Traditionen folgend einen Haufen Mädels auf die Bühne zu holen. Währenddessen nahm Ken noch einmal ein bad in der Menge, um schließlich mit „Skinhead On The MBTA“ noch einmal in die Vollen zu gehen und die Stage im Rahmen ihres Fassungsvermögens auch für die Herren zu öffnen, die wenig später das AC DC-Cover „Dirty Deeds Done Dirt Cheap“ anstimmen durften. Blieben nur noch die Stakkato-Sounds von „Citizen C.I.A.“ und schon waren 90 Minuten DROPKICK MURPHYS wie im Fluge vergangen.

Es war wieder eine wunderbare Irish-Punkrock-Party, welche die Bostoner in der Alsterdorfer Sporthalle zelebriert haben. Wer nach den drei energiegeladenen Combos des Abends nicht in Wallung geraten ist, hatte ganz klar was falsch gemacht – an den Bands lag’s auf jeden Fall nicht. Insbesondere natürlich der Headliner, die MURPHYS, aber auch der Opener CRYSSIS und der von mir hoch geschätzte FRANK TURNER und seine SLEEPING SOULS haben alles getan, um die Stimmung anzuheizen. Immer wieder gern!

Setlist DROPKICK MURPHYS (ohne Gewähr)
The Boys Are Back
Burn
Johnny, I Hardly Knew Ya
Going Out In Style
The Gauntlet
A Few Good Men
Your Spirit’s Alive
Prisoner’s Song
The Irish Rover
Forever
Blood And Whiskey
Jimmy Collins’ Wake
Fields of Athenry
The Battle Rages On
Out of Our Heads
Surrender
The Gang’s All Here
Rose Tattoo
Captain Kelly’s Kitchen
I’m Shipping Up To Boston
Worker’s Song

Barroom Hero
End of The Night
Skinhead On The MBTA
Dirty Deeds Done Dirt Cheap (AC/DC-Cover)
Citizen C.I.A.

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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