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EISHEILIGE NACHT 2009

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Ort: Osnabrück - Halle Gartlage

Datum: 26.12.2009

Alle Jahre wieder findet in Osnabrück am 26.12. das traditionelle Weihnachtsfestival „Eisheilige Nacht“ statt. 2009 waren neben der Hauptband SUBWAY TO SALLY noch die LETZTE INSTANZ, RAYNEKE, COPPELIUS, RAPALJE, RAGNARÖEK und OMEGA LITHIUM am Start. Bereits kurz nach 15 Uhr hat sich eine Riesenschlange am Eingang gebildet, an dem groß das Schild „Ausverkauft“ prangt. Unter den geduldig Wartenden ist ein Grüppchen Jungspunde aus NRW, die schon merklich angedüselt in Festivalstimmung sind. Wie sie erklären, eine Folge einer alten westfälischen Tradition namens „Stephanus steinigen“ (kennt jeder Münsteraner, Anm. der Red.), die angeblich jeden echten Westfalen spätestens um 18 Uhr ins Nirvana befördert haben müsste.

Was zweifelsfrei schade wäre, denn dann hätten die Jungs OMEGA LITHIUM schon nicht mehr erlebt, die eine musikalische Mischung aus LACUNA COIL und OOMPH! darstellen, einen guten Gig hinlegen und vom hervorragenden Osnabrücker Publikum mit mehr als nur Höflichkeitsapplaus bedacht werden. Auf dem Mittelaltermarkt in der Vorhalle steht Simon von SUBWAY bereits gegen 18 Uhr mit Fans in lockerem Plausch zusammen und auch Ingo Hampf ist bereits das eine oder andere Mal zu sehen, obwohl SUBWAY ja erst um 23:00 an der Reihe sind. Eric Fish stellt sich indes den Fragen des Verfassers, hoffend, dass ihn die Beantwortung der Fragen nicht den Rest seiner erheblich angeschlagenen Stimme kostet. Nachdem die Niederländer RAPALJE mit ihrem akustischen Folk für reichlich Stimmung im Publikum gesorgt haben, u. a. mit einer gelungenen Coverversion von MANOWARs „The Crown and the Ring“, entern die zylindrierten Herren von COPPELIUS um kurz nach 20 Uhr die Bühne. Zwar ist die Musik, die mit der Instrumentierung Klarinetten, Cello, Kontrabaß, Schlagzeug dargeboten wird, Geschmackssache, Tatsache ist allerdings, dass das Bühnenbild die Zuschauer in die Epoche Mitte des 19ten Jahrhunderts versetzt und mit antiken Laternen/ Lampen originell geschmackvoll und bisher einzigartig ist. Passend dazu ist auch das Outfit der Musiker, die mit perfekter Choreographie kompetent ihre Instrumente beherrschen. Das organisierte Chaos auf der Bühne kommt dann zum Höhepunkt als Eric Fish in der Zugabe um 21 Uhr die Bühne entert um zusammen mit COPPELIUS „Rightful King“ zu singen. Die Jungs können definitiv was.

Um 21:30 ist es dann Zeit für DIE LETZTE INSTANZ, die als erste Band des Tages einen druckvollen, differenzierteren Sound fahren kann. Den Anfang macht „Mein Engel“. Sänger Holly ist gut zu hören, erfreut das Publikum mit gut gelaunten Ansagen und macht seiner Erleichterung Luft, dass Weihnachten nun fast vorüber sei. Benni Cellini lässt an seinem Cello sitzend unaufhörlich die bunten Dreads kreisen und zieht damit genauso die staunenden Blicke auf sich, wie die anderen sehr bewegungsfreudigen Bandmitglieder. Es folgen „Flucht ins Glück“, „Tanz“, das den gesamten Innenraum zum Springen bringt, und natürlich darf auch „Das Stimmlein“ nicht fehlen. Aber ansich ist es egal, welchen Song die Truppe spielt, das Osnabrücker Publikum ist mittlerweile nicht mehr zu bremsen. Dabei unterstützen natürlich noch die geschickt eingebauten Zitate von EUROPEs „Final Countdown“ und BLURs woo-hooigem „Song2“. Rundum eine super Sache, wie auch das oft mit einbezogende Publikum auf den Seitenrängen zu würdigen weiß.

Setlist LETZTE INSTANZ
Intro & Engel
Flucht ins Glück
Tanz
Kalter Glanz
Der Garten,
Finsternis
Komm!
Das Stimmlein

Mein Todestag
Wir sind allein
Rapunzel

Als dann um 23 Uhr die „Julia und die Räuber“-Chöre immer lauter werden, lassen sich SUBWAY TO SALLY nicht mehr lange bitten und entern unter den Klängen des von EISBLUME gesungenen Intros zu „Komm in meinen Schlaf“ unter tosendem Beifall die Bühne. Es folgen „Aufstieg“ und „Knochenschiff“ in fettem Sound. Eric holt von Anfang an alles aus seinen angeschlagenen Stimmbändern und geht total in der Musik auf. Diesen Mann MUSS man wenigstens einmal von den vorderen Rängen erlebt haben, seine Mimik, die mal wütend, mal wie in Agonie leidend seine Performance zusätzlich veredelt. Unterstützt wird er von einer tight spielenden Band und einem permanent gut gelaunten Simon, stets prüfend, ob jeder Einzelne der sichtbaren Besucher auch anständig mitmacht und auch dann grinsend, wenn er mal versucht, finster dreinzublicken. Kontakt zum Publikum wird bei SUBWAY offensichtlich auch nach fast zwei Dekaden Bandbestehens groß geschrieben. Es folgen „Unsterblich“, bei dem Eric einen Schrei hinlegt, dem ihm seine Kehle unmöglich verziehen haben dürfte, das Osnabrücker Publikum aber weiter im Begeisterungszustand hält. Osnabrück liebt SUBWAY – diese gehen verantwortungsvoll mit der langjährig entgegengebrachten Euphorie um und feuern Songs wie „Judaskuss“ oder Klassiker wie „Liebeszauber“ samt Feuersäulen gen Innenraum. Mittlerweile wird auch im Akkord gecrowdsurft und gerade diese jüngeren Fans lassen wieder ein wenig Hoffnung auf die Musikkultur der heutigen Jugend. Ein Lob gebührt auch der Security, die stets bemüht und teilweise auch von der Band aufgefordert ist, Wasser an die erhitzten ersten Reihen zu verteilen. Nach dem „Veitstanz“ wird es Zeit für ruhige Klänge und der komplette (!) Innenraum setzt sich nach einer Ansage Erics zur akustischen Version von „Kleid aus Rosen“ hin, dies versetzt die schon an einiges gewohnte Band in Staunen. Die obligatorische Rose bekommt Eric diesmal von einem männlichen Fan überreicht was klarmacht, dass Gleichberechtigung im Hause Fish großgeschrieben wird ;-) Dann wird es Zeit für das heavy pumpende „Die Trommel“ gefolgt von „Eisblumen“, bei dem es in der Halle anfängt zu schneien. Passend dazu meldet sich dann Erics Erkältung unbarmherzig zurück, denn er muss immer öfter husten. Das Publikum stachelt ihn aber in allerbester Partylaune zu Höchstleistungen an und trägt ihn über die restliche Distanz bei Songs wie „Falscher Heiland“, Mephisto“ oder „Sag dem Teufel“, bei dem Eric Feuer spuckt. Das mit temporärem Doublebass-Teppich unterlegte „Ohne Liebe“ zeigt, dass die Band mit Simon Michael nicht nur einen kommunikativen Berichterstatter verpflichtet hat, sondern in erster Linie einen Drummer aus dem Metal-Genre, der auch älteren Songs öfter zusätzlichen Drive verpasst. Der reguläre Teil dieses durch und durch gelungenen Gigs, für denabsoluter Respekt vor der Leistung der vom Touren erschöpften Band und ihrem erkälteten Fronter Pflicht sein muss, ist nun vorbei.

Natürlich werden SUBWAY nicht von der Bühne gelassen, bis weitere Zugaben wie „Tanz auf dem Vulkan“ oder „Sieben“ mit standesgemäßer Pommesgabel-an-der-Finger-Abzählweise vom Publikum ganz nach SUBWAY-Etikette folgen. Endlich dann das stets geforderte „Julia und die Räuber“ und nachdem die letzten Klänge zum endgültig schließenden „Vater“ um kurz nach 01:00 Uhr verklungen sind, begibt sich das Publikum auf den Weg nach Hause von der Halle Gartlage glücklich wissend, dass auch nächstes Jahr Weihnachten wieder etwas ganz Besonderes auf sie wartet.

Setlist SUBWAY TO SALLY
Intro
Komm in meinen Schlaf
Aufstieg
Besser Du rennst
Knochenschiff
Unsterblich
So fern So nah
Judaskuss
Liebeszauber
Veitstanz
Kleid aus Rosen
Die Trommel
Einsam
Eisblumen
Falscher Heiland
Alle Psallite Cum Luya
Mephisto
Sag dem Teufel
Tanz auf dem Vulkan
Auf Kiel

Ohne Liebe
Sieben
Julia und die Räuber
Vater

Copyright Fotos: Jasmin Liebig

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