Terrorverlag > Blog > KORPIKLAANI, LORD OF THE LOST, LORDI, SUBWAY TO SALLY > EISHEILIGE NACHT 2013

Konzert Filter

EISHEILIGE NACHT 2013

131227-Eisheilige-Nacht-0

Ort: Fürth – Stadthalle

Datum: 27.12.2013

Eisheilige Nacht – so heißt die mittlerweile im vierten Jahr stattfindende Traditions-Tour der deutschen „Volks“metaller SUBWAY TO SALLY, welche die alljährlich hektische Phase rund um winterlich-romantische Festivitäten ein klein wenig frostiger macht und die Welt mit herrlich „skurrilen“ Klängen und Szenerien verzaubert.

Eben jene macht am 27.12.2013 auch Halt im beschaulichen Fürth und verwandelt das kleine Städtchen im Speckgürtel Nürnbergs in das Zentrum mittelalterlicher Barden, die lange, Ösen- und Widerhaken-verzierte Röcke und (behaarte) freie Oberkörper mit Trinkhorn kombinieren. Diese seltsam eisenharten Völkerschichten dürfen sich heute über ausgesuchte und exotische Köstlichkeiten freuen. Denn erstmals mit am Start sind die Goth-Glam-Rock-Durchstarter LORD OF THE LOST und die Altmeister des Shock-Rock LORDI, bevor es mit KORPIKLAANI und den abschließenden Platzhirschen SUBWAY TO SALLY wieder in die metallisch-folkloristischen Vollen geht.

Pünktlich um 19 Uhr begrüßt das Intro zu “We Are The Lost” mit orchestral-theatralischem Schmackes die gut gefüllte Halle: LORD OF THE LOST-Time! Der charismatische Frontsänger Chris “The Lord” Harms und seine dunklen Gefährten sind seit Veröffentlichung ihres Debut-Albums “Fears” im Jahr 2010 ausgiebigst live unterwegs, die Sympathien im Publikum entsprechend groß. LORD OF THE LOST bewegen sich in der stilistisch massentauglichen elektronisch progressiven Dunkelzone zwischen MANSON, HIM, END OF GREEN oder den 69 EYES – Bühnenoutfit-technische Ähnlichkeiten inklusive. Ein gelungenes Rund-um-Sorglos-Paket erwartet den gemeinen Franken, der zu melodiösen Nummern wie “Break Your Heart”, “Sex on Legs” vom zweiten Album “Antagony” und “Dry The Rain” Arme, Haare und zuletzt Schweißtropfen schwingt. Dass LORD OF THE LOST auch für überzeugende Coverversionen zu haben sind, wurde unter anderem mit “Bad Romance” schon unter Beweis gestellt. Doch was wäre eine erfolgreiche Metal-Band ohne eigene Hymne? Richtig! Mit “Credo” und dem abschließenden obligatorischen Fan-Foto beenden LORD OF THE LOST gegen 19:30 umjubelt einen hochprofessionellen Gig.

Setlist LORD OF THE LOST
Intro “We Are The Lost”
We Are The Lost
Break Your Heart
Black Lolita
Dry The Rain
Sex On Legs
Credo

Zeit für ein echtes fränkisches Bier und einen Blick auf die im Vorraum aufgebauten Stände mit allerlei (verstaubten) Mittelalter-Tand bleibt jedoch wenig, denn schon um 19:50 stehen mit LORDI fünf finnische Kostümhelden in Headliner-Manier am Start. Entsprechend kuschelig wird es vor der Bühne. Kunstblut im Gesicht und Nebel in der Nase – so ein Spektakel will sich hier kein Franke entgehen lassen. Der Opener “We’re Not Bad For The Kids (We’re Worse)” hält den Unterhaltungswert, den das Bühnenbild verspricht. Gekonnt stolziert der Herr der Untoten Tomi “Mr. Lordi” Putaansuu auf seinen Plateauschuhen über die Bühne und versetzt die ersten Reihen mit seinen langen Klauen in Angst und Schrecken, während Gitarrist und Quoten-Mumie Jussi “Amen” Sydänmaa mit Basser-Biker-Zombie Samer “Ox” el Nahhal trotz imposanter Kostümierung federleicht über die Bühne posen und zocken. Der gute Sound inkl. eingängiger Hooklines etwa bei “Who’s Your Daddy” sorgt für gute Stimmung unter den sing- und feierwütigen Anhängern metallisch-musikalischer Künste. Gezuckt werden darf trotzdem, als Mr. Lordi mit Beil und Kreissäge bewaffnet sein Date zu “The Chainsaw Buffet” kurzerhand zum Hauptgang erklärt und das gruselige Entertainment-Süppchen zum Überschäumen bringt. Umso versöhnlicher fällt das anschließende “It Snows in Hell” aus. Ein als Weihnachtsmann verkleideter Zombie bietet schließlich ein außerordentlich cooles Gig-Pic. Viel Zeit für die richtige Foto-Einstellung bleibt nicht, schon folgt der Hit-Epiilog im Rock-Theater: “Devil Is A Looser”, gefolgt vom allseits bekannten und leider Contest-verseuchten “Hard Rock Hallelujah” knallen durch die Boxen, bevor die kostümierte Meute vor der Bühne zu “Sincerely With Love” Fingergymnastik betreiben darf. “Would You Love A Monsterman” – diese rhetorische Frage beantwortet der gemeine metall-bewehrte Fürther nach diesem professionellen und mitreißendem, knapp einstündigem Auftritt ohne Wenn und Aber: Alle lieben die Monstermänner rund um Keyboarderin Hella.

Setlit LORDI
We’re Not Bad for the Kids (We’re Worse)
Get Heavy
This Is Heavy Metal
Who’s Your Daddy?
Fire in the Hole
The Chainsaw Buffet
It Snows in Hell
Devil Is a Loser
Hard Rock Hallelujah
Sincerely With Love
Would You Love A Monsterman?

21:15 schlägt der Fürther Glockenturm. Im Rahmen der Eisheiligen Nächte Tour ist es nun an der Zeit für wein- und bierselige Schunkelei und ordentlichen Humppa-Metal. Moment mal . WAS? Humppa-Metal – noch nie gehört? Tja, dann bitte den finnischen KORPIKLAANI andächtig lauschen und entweder in extreme Ekstase oder eine Schockstarre verfallen. Auch der gemeine Fürther Metalhead ist sich da noch uneins. Das verlustige Sextett hat nach einem gut gefüllten Festival-Sommer noch immer ordentlich Dampf in der Quetschkommode. Mit traditioneller Volksmusik hat das, was die Folk-Metaller rund um Sänger Jonne Järvela, Akkordeon-Virtuose Sami Perttula und Violinist Tuomas Rounakari da oben abhalten, nur noch bedingt zu tun. Einzige Gemeinsamkeit: Mitgrölen ausdrücklich erwünscht! Denn Party ist gesetzlich vorgeschrieben! Bier hilft bei der Ausführung der gewünschten Aktivitäten ungemein. Die folgenden knapp bemessenen 60 Minuten gestalten sich leider nicht ganz nach KORPIKLAANIS Geschmack: Moshen, Pogen, Crowdsurfen, dazwischen noch ne Polonaise einschieben und natürlich Mitgrölen, was bei finnischen Songtexten eine echte Herausforderung darstellt. Diese Standardreaktion auf finnische Extroversion mag sich im eher zurückhaltenden Metal-Franken jedoch nicht ganz einstellen. Komisch! Am mangelnden Bierkonsum, der allerorts aus Trinkhörnern genossen wird, kann das nicht liegen. Die mehrfach erpropte Mischung der Songs vom aktuellen Longplayer “Ruumiinmultaa”, “Rauta”, und “Sumussa hämärän Aamun” bis hin zu den Hits wie “Wooden Pints” oder “Vodka” will nicht so richtig zünden. Nix da mit in bierseliger Laune schunkelnden, tanzenden und springenden Langhaarigen Rockträgern. Schade, denn die finnischen Kollegen geben ihr letztes Hemd und noch mehr. Fazit: Eine Stunde finnischen volksmetallischen Rock’n Roll kann man immer mal mitnehmen, ein gewisser Promille-Pegel vorausgesetzt.

Setlist KORPIKLAANI (keine Gewähr)
Tuonelan tuvilla
Ruumiinmultaa
Metsämies
Juodaan Viinaa (HECTOR cover)
Sumussa Hämärän Aamun
Vaarinpolkka
Viima
Petoelaimen Kuola
Uniaika
Uni
Vodka
Ievan polkka
Rauta
Wooden Pints

SUBWAY TO SALLY zählen zu den bekanntesten und beliebtesten Mittelalter-Rock-Bands Deutschlands und durften ihr 20-jähriges Bestehen schon 2012 ordentlichst befeiern. Die Potsdamer kombinieren melodiöse Folk- und Metal-Elemente unter vorranging deutschen, in der Vergangenheit sogar lateinischen und gälischen, aber auch englischen Textsubstanzen – So die Theorie! Mitgrölen können heute trotzdem alle, haben SUBWAY TO SALLY doch ausschließlich die größten Hits Ihrer 11 Studioalben zu Hause ein und auf der Bühne wieder ausgepackt. Und vielleicht darf der eifrig lauschende Fürther-Volksmetaller sogar schon ein paar Töne des neuen Albums „Mitgift“ erhaschen, welches ab dem 14. März 2014 neues tanzwütiges Material liefern wird. Die auch heute hier in Fürth gefeierte Eisheiligen-Tradition entstand aus dem schon seit Jahren jeweils am 30.12. stattfindenden Gig im Potsdamer Lindenpark, der bereits Monate im Voraus ausverkauft war und sich so großer Beliebtheit erfreute, dass die Idee, aus dem kleinen Abschlusskonzert eine ausgedehnte republikale Festival-Tour zu entwickeln, zwangsweise umgesetzt werden musste! Im Rahmen früherer Eisheiligen Nächte waren die Musiker rund um Michael “Bodenski” Boden auch schon mit Bands wie SALTATIO MORTIS, LETZTE INSTANZ, DUNKELSCHÖN, MONO INC. MEGAHERZ, FIDDLER‘S GREEN, TANZWUT und FEUERSCHWANZ in(vor)weihnachtlich-musikalischer Mission unterwegs. Im Rahmen der bisher stattgefundenen Eisheiligen Nächte 2013 wurde mit „Die Schwarze Seide“ bereits ein Song des kommenden Albums uraufgeführt. Vielleicht auch jetzt hier und heute in Franken?

22:30 – Wellen von Kunstschnee fluten zu den ersten Klängen von „Schneekönigin“ die Stadthalle mitsamt ihrer ungewöhnlichen Gästeschar und sorgen kurzweilig für andächtige Stimmung. Doch schon knallt die Pyro, wie es sich für einen SUBWAY TO SALLY GIG gehört, dessen Funkenflug Frontsänger Eric Fish zu „Schlag die Glocken“ immer wieder gefährlich nahe kommt. Weitere Ohrwürmer wie „Sieben“ oder „Das Schwarze Meer“ brechen sich Bahn durch den Dunst der Nebelmaschine, den im Feuerwerk versenkten Kunstflocken sowie dem Abtanz-Schweiß der ersten Reihen, zu denen Fish stagedivend die Nähe sucht. Zwischen all dem bewährtem Liedergut gibt es mittig im Set platziert wie angedeutet was neues auf die Lauscher: „Die Schwarze Seide“ nimmt die feiernde Meute pelz- und trinkhornbesetzter langhaariger Feiernder genauso enthusiastisch auf wie nachfolgende „Schlager“, darunter „Die Ratten“, „Feuerland“ oder „Kleid aus Rosen“. Irgendwie auch schön, zu wissen, was einen erwartet. Denn nach „Tanz auf dem Vulkan“ verlassen die Kollegen Fish, Bodenski, Ingo Hampf, Frau Schmitt, Sugar Ray und Simon Michael unter eindringlichem „Julia und die Räuber“-publikanischem Chorgesang gemeinsam die Bühne. War das jemals anders? Gitarre und ein Mikro – Ingo Hampf und Eric Fish brauchen kein Feuer, keine Lichtshow oder künstliche Flocken, um die begeisterte Menge mit „Maria“ reichlich melancholisch zu stimmen, nur um mit dem anschließendem „Veitstanz“ das Spektakel auf den vorerst finalen Höhepunkt zu treiben. Doch was wäre ein SUBWAY TO SALLY GIG ohne „Julia Und Die Räuber“? Band und Menge geben alles, um auch dieser Eisheiligen Nacht nach guten 90 Minuten einen würdigen Abschluss zu verpassen! Und ja – das wummst!

Sound: stadthallengemäß sehr ordentlich
Publikum: Haare – zu viele Haare – Haare überall
Vom Konzert gelernt: Filmen UND GLEICHZEITIG hüpfend tanzen, ist weder technisch noch anatomisch professionell durchführbar.

Setlist SUBWAY TO SALLY
Schneekönigin
Sieben
Schlagt Die Glocken
Das Schwarze Meer
Wo Rosen Blüh’n
Die Schwarze Seide (vom neuen Album “Mitgift”)
Feuerkind
2000 Meilen Unterm Meer
Judaskuss
Feuerland
Die Ratten
Kleid Aus Rosen
Nichts Ist Für Immer
Tanz Auf Dem Vulkan

Maria
Veitstanz

Julia Und Die Räuber

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Alle markierten Felder (*) müssen ausgefüllt werden.

Mehr zu KORPIKLAANI auf terrorverlag.com

Mehr zu LORD OF THE LOST auf terrorverlag.com

Mehr zu LORDI auf terrorverlag.com

Mehr zu SUBWAY TO SALLY auf terrorverlag.com