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ELECTRONIC PLEASURES FESTIVAL 2011

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Ort: Berlin - K17

Datum: 01.10.2011

Nach einer längeren Pause von nunmehr 4 Jahren hat es sich eine um die Szene bemühte Gruppe um Dennis Schober (SOLITARY EXPERIMENTS) zur Aufgabe gemacht, einem in der Hauptstadt einst sehr beliebten Festival wieder neues Leben einzuhauchen. Nach den programmmäßig für uns eher unspektakulären Sommerfestivals mit doch sehr ähnlichem Programm, bot dieses kleine wie feine Line-Up Anlass genug, als Terrorteam vor Ort zu sein. Mit dem Veranstaltungsort K17 lag man, was Größe und Publikum anging, schon mal 100% richtig.

Den Abend starteten pünktlich die Newcomer ELECTRONIC FREQUENCY aus dem brandenburgischen Guben. Das im Frühjahr 2010 gegründete Electro-Duo hatte das aktuelle Album „Kampfraum Guben“ im Gepäck und gab dem leider noch sehr spärlich vorhandenen Publikum entsprechend auf die Ohren. Zum Song „Terrorism“ gaben sich auf zwei Leinwänden die Twin-Towers und Sadam Hussein die Klinke in die Hand. Alles in allem sehr stimmig und passend. Christian Kossat (Vocals) und Daniel Piepenburg (Keys) gestalteten das Warm-Up überraschend routiniert und so wurde es ein durchaus härterer, manchmal an [:SITD:] erinnernder Einstieg in einen noch langen Abend.

Setlist ELECTRONIC FREQUENCY
Intro
Diary of Death
Deprived Area
Pädophil
Kampfraum Guben
Terrorism

Einen internationalen Hauch verpassten CONTROLLED COLLAPSE mit Dark-Electro aus Polen dem Abend. Zu ihrem Deutschland-Debüt hatten sich die Jungs um Wojciech Król aka kr-lik ein zwar schwer in die Gänge kommendes aber doch interessiertes Publikum ausgesucht. Musikalisch bewegt sich CONTROLLED COLLAPSE zwischen einigen Szenegrößen und auch Frontmann kr-lik ließ hier und da seine Vorliebe für COMBICHRIST in Mimik und Gestik durchblicken. Das alles wurde aber mehr als sympathisch rübergebracht und mit Gitarren und Drums noch entsprechend instrumentalisiert, so dass man über die eine oder andere Ähnlichkeit zu bekannten Bands gerne hinwegsah. Mir hat das ganze gut gefallen und so wurde im Anschluss noch der 2010er Longplayer „Things come to pass“ inklusive Remix-CD „Time Travel“ zum schmalen Taler erworben. Herzlichen Dank für ein mehr als gelungenes Debüt auf deutschem Boden. Kommt bald wieder Jungs!!!

Setlist CONTROLLED COLLAPSE
Things come to pass
Inject
Liar
The same
Halloween
Trust (takes time)
Scream and shout
Selfless
Insane asylum
Prisoner
Without me

Wenn zwei Norddeutsche (Rostock) mit einem Schweizer musizieren, erwartet man nicht unbedingt rheinischen Frohsinn auf der Bühne. Tatsächlich etwas zurückhaltend begann das Elektroprojekt SLEEPWALK mit seinem Programm. Mit zunehmender Spieldauer kam die erhoffte Bühnenpräsenz aber immer mehr zum Vorschein, was nicht nur von den mitgereisten Fans entsprechend gewürdigt wurde. Das K17 füllte sich mehr und mehr und einige begaben sich zum Tanze direkt vor die Bühne. Die Jungs darauf, insbesondere Frontmann Andy, tauten auch sichtlich bei jedem weiteren Song auf. Mich persönlich überraschte die hohe Qualität der Arrangements und Eigenständigkeit der Titel, was ja nicht unbedingt szenetypisch für Bands der „hinteren Bänke“ ist. Einen sehr schönen Moment gab es, als Mitveranstalter Dennis Schober zu „Two Worlds Collide“ mit auf die Bühne kam und dem laut Auskunft von Sänger Andi nur 3mal während des Soundchecks geprobten Titel eine besondere Note gab. Als erste Band des Abends durften SLEEPWALK mit einer lauthals geforderten Zugabe ihr Programm würdig beenden. Ein gelungener Auftritt und die absolute Empfehlung einmal in die aktuelle EP „Revenge of the Lost“ reinzuhören.

Setlist SLEEPWALK
Last Exit (Intro)
Leaders In Front
Control
Man Machine
Deliverance
Life As A Gift
Dig Your Grave
Blindness
Two Worlds Collide (feat. Dennis Schober)
On The Run

Hackerstate

Nachdem PRAGER HANDGRIFF nach unserem Geschmack schon für eines der wenigen Highlights auf dem Wave-Gotik-Treffen in Leipzig gesorgt hatten, war die Vorfreude auf diese Band schon groß. Scheinbar ging dies vielen an diesem Abend so, denn die Location füllte sich zunehmend und sollte an diesem Abend auch nicht mehr voller werden. Immerhin war der Club sehr gut gefüllt und die Stimmung dank der „Prager“ auf dem Höhepunkt. Gefühlt sind PRAGER HANDGRIFF (gegründet 1990) ja fast Gründungsmitglieder der Szene, hören sich aber nicht zuletzt durch das letzte Album „Arbeit Sport und Spiel“ aktueller denn je an. Aus diesem wurde sich auch zu gut der Hälfte des Sets bedient. Das alles klang auch live dermaßen fett und grundsolide, dass es eine wahre Freude war. Sänger Stefan Schäfer ließ sich nicht lumpen und ballerte nicht nur für ihn schweißtreibend einen Kracher nach dem nächsten raus. Auch dem immer wieder mitsingenden (der Mann braucht ein Mikro) Volker Rathmann an den Keys sah man die Freude über das gut mitgehende Berliner Publikum an. Die hier und da auftretenden technischen Problemchen der Location wurde routiniert weggesteckt und mit Gesangseinlagen über ein in der Hand von Frontman Stefan verschwindend kleines Megaphon überbrückt. Wenn man musikalisch wie auch stimmungsmäßig an das obere Ende der Skala kommt, ist es ein Sahnehäubchen, einen Auftritt dann auch noch mit anspruchsvollen Texten und Aussagen zu garnieren. Nicht nur was für die Beine, nein auch was fürs Köpfchen. Wenn es doch nur öfters so wäre. Eine Hammer-Auftritt, der fast klassisch mit dem SAMANTHA FOX-Cover „Touch me!“, das vom Publikum immer wieder gefordert wurde, ein großartiges Ende fand.

Setlist PRAGER HANDGRIFF

Elektrorepublik
Bilder meiner Angst
Vorwärts
Schwermetall
Bis an das Ende der Welt
Schlagende Wetter
Im Westen nichts Neues
Schindluder
Der Aufschwung
Arbeit Sport Und Spiel
Frontal
Deutschland?

Touch Me!

Zum Abschluss gaben sich dann die Haudegen von E-CRAFT die Ehre. Wir mussten allerdings wie einige Andere der schwülen Sommerhitze (ja im Oktober in Berlin) nach wenigen Songs Tribut zollen und verabschiedeten uns nach draußen. Leider verpassten wir dabei den zweiten Gastauftritt von Herrn Schober. Das orangene Outfit mit Guantanamo-Aufdruck erinnert doch leider zu sehr an die hiesige Müllabfuhr und verfehlt damit zumindest für uns eine guten optischen Eindruck. Fans von E-CRAFT interessierte dies jedoch wenig, entsprechend wild ging es in den vorderen Reihen zur Sache.

Neben einer großzügigen Verlosungsaktion zwischen den Acts blieb vor allem ein abwechslungsreiches Programm von lokalen Newcomern und Szenegrößen in Erinnerung. Schön war es zu sehen, dass solch ein Line-Up zumindest bei den Höhepunkten entsprechend gewürdigt wurde und so vielleicht weiteren ELECTRONIC PLEASURE-Festivals in Berlin Tür und Tor geöffnet werden. Den Veranstaltern kann man hierfür nur die Daumen drücken. Ton, Licht und Drumherum waren absolut stimmig, was bisher in dieser Location auch nicht immer zum Standard gehörte. Die anschließende Aftershowparty mit einigen Szene DJs ließen wir wie gewohnt ausfallen, um die tollen Eindrücke des Abends auf dem Heimweg entsprechend wirken zu lassen.

Copyright Fotos: Cathie Niemann

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