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ELEMENT OF CRIME – MAIKE ROSA VOGEL

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Ort: Osnabrück - Rosenhof

Datum: 26.08.2011

Tagsüber unter schwülen 30 °C ächzen und abends zum Saunieren in den Rosenhof? Warum nicht, wenn in dem ehemaligen Kino an der Großbaustelle Rosenplatz ELEMENT OF CRIME aufspielen? Dann muss es auch mal ohne Air Condition gehen, auch wenn in der ausverkauften Location der Schweiß bei subtropischen Temperaturen in Strömen rann. Da war es dann auch gar nicht so verkehrt, dass sowohl der Support MAIKE ROSA VOGEL als auch die gestandenen Herren von EOC eher zum Zuhören als Mittanzen aufforderten.

Insbesondere MAIKE ROSA VOGEL schlug zur Akustikgitarre oder Mundharmonika ruhige Töne an und präsentierte im Singer-/ Songwriter-Gewand inhaltsschwere Lieder über das Leben und die Liebe. Bereits Anfang des Jahres war die gebürtige Frankfurterin mit Wohnsitz in Berlin mit ELEMENT OF CRIME auf Tour und auch heuer ließ es sich Sven Regener nicht nehmen, seine „Entdeckung“ selbst anzukündigen. Inzwischen ist neben ihrem 2008er Debüt „Golden“ auch der Nachfolger „Unvollkommen“ erschienen, der teilweise von Regener produziert worden ist. Auf dem Programm standen in Osnabrück Songs von beiden Alben, die vom Publikum freundlich aufgenommen und artig beklatscht wurden. Auch dank ihrer angenehm-samtigen Stimme erlebten die Anwesenden einen hörenswerten Einstieg in den Abend, dem zügig der Hauptact folgte.

Einen großen Change-Over brauchte es nach der melancholischen Einzeltäterin nicht, sodass nur ein paar Minuten später die EOC-Herrschaften auf der Bühne standen. Live wurden Sven Regener (Gesang, Gitarre und Trompete), Richard Pappik an den Drums, Gitarrist Jakob Friderichs und Bassist David Young wie gewohnt von Christian Komorowski an der Violine verstärkt, der sein Instrument nicht nur mit dem Bogen bearbeitete, sondern auch mit den Fingern zupfte. Den Anfang machte das ruhige „Don’t You Ever Come Back” vom 1989er „The Ballad of Jimmy & Jonny” – nach Svens eigenem Bekunden Rock’N’Roll, bei dem kein einziger Tropfen Schweiß fließen müsse. Ein Umstand, den er für den Fortgang des Abends allerdings nicht garantieren könne. Kein Wunder, schickte er als nächstes doch gleich die „Straßenbahn des Todes“ (vom vergoldeten „Mittelpunkt der Welt“ aus 2005) auf beschwingte Fahrt. Bei „Deborah Müller“ vom ersten Top-Ten-Album der Hauptstädter, die 24 Jahre auf diesen Erfolg warten musste, bis er ihnen 2009 mit dem wunderbaren „Immer da wo Du bist bin ich nie“ verdientermaßen zuteil wurde, griff Sven zum ersten Mal zu seiner Trompete, ehe beim gefühlvollen „Am Ende denke ich immer nur an dich“ wieder die Gitarren dominierten. „Immer unter Strom“ („Weißes Papier“ – 1993) bewegte das Publikum zu stakkatoartigen Akklamationen und der Bandleader riss seine Arme hoch, um ein „Romantik!“ rauszuhauen, ehe „Im Himmel ist kein Platz mehr für uns zwei“ mit schönen ruhigen Klänge bezauberte. Auch das folgende „Rein gar nichts“ mit seinem ausdrucksvollen Längäxten blieb getragen, bevor Richard Pappik seinen Arbeitsplatz hinter der Schießbude verließ und im vorderen Bühnenbereich auf einer Drumbox Platz nahm, um den jaulenden Sechssaitern, die in Slow Motion „Über dir der Mond“ präsentierten, den richtigen Rhythmus mit auf den Weg zu geben. „So wie du“ legte derweil wieder einen Zahn zu, während Herr Regener sich im Vorfeld von „Seit der Himmel“ über sich selbst und seine Musik kaputt zu lachen schien. „Eigentlich ist das ja alles das Gleiche“ hieß es da mit einem breiten Grinsen im Gesicht – überhaupt wirkt der gebürtige Bremer schon seit geraumer Zeit weniger grantelig als in der Vergangenheit. Mit „I’ll Warm You Up“ schloss sich ein flotter Song aus den englischsprachigen Anfangstagen der Kapelle an, ehe „ Bitte bleib bei mir“ ebenso wie „In mondlosen Nächten“ zu Herzen ging. Ihre Besessenheit vom ÖPNV leben ELEMENT OF CRIME im Auswendiglernen von Fahrplänen, Streckenstilllegungen und Routenvorschlägen aus. Oder in einem knackigen philosophischen Diskurs, der auf den Namen „Alle 4 Minuten“ hört und ebenfalls auf der Setlist stand. Des 70. Geburtstag von BOB DYLAN gedachten EOC derweil mit dessen gefühlvollen Kracher „It’s All Over Now, Baby Blue“, bevor zum Blechinstrument und „Kaffee und Karin“ geschunkelt werden durfte. Auch der Titeltrack des letzten Studio-Longplayers (neben dem 2010er Sampler „Fremde Federn“) „Immer da wo du nicht bist bin ich nie“ ging ins Bein und beendete nach rund 90 Minuten das reguläre Set, dem nach fast nicht enden wollendem Beifall ein umfangreicher Zugabenblock folgte.

Los ging’s auf der in blaues Licht getauchten Bühne mit den coolen Sounds von „Don’t Smile“ und einem fetten Bläser-Part, worauf dann die liebevolle Hommage an „Delmenhorst“ auf dem Programm stand. In diesem Zusammenhang musste Sven allerdings klar stellen, dass er bei der Ansage „kleine Stadt in Niedersachsen“ nie wieder ein „Bielefeld“ aus dem Auditorium hören möchte – dabei wird doch eher Osnabrück den Westfalen zuschlagen als die Puddingstadt den Niedersachsen. Wie auch immer: bei der Nummer stand die Slide Guitar einmal mehr im Mittelpunkt und nach einem weiteren kurzen Abgang ging es mit „Weißes Papier“ emotional weiter, um schließlich an das tighte „Blaulicht und Zwielicht“ vom ersten deutschsprachigen Longplayer „Damals hinterm Mond“ aus 1991 abzugeben. Einmal verschwand der Fünfer noch im Off, um mit viel Groove „Alten Resten eine Chance“ zu geben, bevor der Abend „Über Nacht“ seinen melancholischen Ausstand gab.

„Und so ist das!“ sagte Sven Regener zum Abschied und wünschte seinen Fans, die ähnlich wie er selbst doch langsam in die Jahre gekommen sind, eine gute Nacht. Auf diese Weise ging nach gut zwei Stunden ein tolles Konzert zu ende, bei dem ELEMENT OF CRIME einmal mehr bewiesen haben, wie zeitlos ihre Musik und ihre Texte sind. Wenn Sven dann schließlich bei „Euro und Markstück“ auch noch zum Schluss in gewohnter Pose seine Arme in die Höhe wirft und „Euro!“ ruft, sollen wir das auch ruhig als politische Aussage betrachten. Zu sagen hat der Herr, der auch als Schriftsteller („Herr Lehmann“) glänzt, ja eh eine Menge und ihm und seiner Truppe zuzuhören, ist einfach jedes Mal aufs Neue ein ganz großes Vergnügen. Danke dafür!

Setlist ELEMENT OF CRIME
Don’t You Ever Come Back
Straßenbahn des Todes
Deborah Müller
Am Ende denk ich immer nur an dich
Immer unter Strom
Im Himmel ist kein Platz mehr für uns zwei
Rein gar nichts
Über dir der Mond
So wie du
Seit der Himmel
I’ll Warm You Up
Bitte bleib bei mir
In mondlosen Nächten
Alle Vier Minuten
It’s All Over Now, Baby Blue (BOB-DYLAN-Cover)
Kaffee und Karin
Euro und Markstück
Immer da wo du bist bin ich nie

Don’t You Smile
Delmenhorst

Weißes Papier
Blaulicht und Zwielicht

Alten Resten eine Chance
Über Nacht

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