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EMPYRIUM – DUNCAN EVANS

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Ort: Berlin - Passionskirche

Datum: 22.11.2013

Wir schreiben den 22. November 2013. Ein kalter, nasser Herbsttag. Ich breche auf, um in Berlin an der ersten Vorstellung der neuen Songs des kommenden EMPYRIUM-Albums „The turn of the tides“ teilzunehmen. Nass, kalt, nebelig. Eigentlich müsste noch Schnee fallen, um das Wetter passend zum Stil der Natur-Mystiker rund um Schwadorf (Stock) und Helm zu halten. Gegen 17 Uhr treffe ich dann in der Location ein, wo einige ausgewählte Vertreter von Presse und Fanclub die sieben neuen Stücke hören dürfen, eine Kirche in Berlin. Eine Kirche? Ein recht ungewöhnlicher Ort. Aber er ist warm und trocken und deshalb gerade an diesem Tag irgendwie sympathisch.

Gegen 17:30 begrüßt uns ein Vertreter des Labels. Da an dem Abend auch das einzige Live-Konzert EMPYRIUMs in Deutschland bis zum Jahresende stattfindet, ist die Band leider nicht zugegen. Der Soundcheck geht vor. Im Hörraum herrscht gespannte Stille, als die ersten Töne erklingen. Mein Blick wandert über die uns ausgehändigte Info zu „The turn of the tides“. Die ersten vier Songs sollen ein loses Konzept über die vier Jahreszeiten bilden, ergänzt durch drei weitere Kompositionen. Also dieses Mal kein komplettes Konzeptalbum. Und was soll ich schon sagen: Die Umsetzung der Idee der vier Jahreszeiten mag zwar nicht neu sein, wird aber durch EMPYRIUM erheblich düsterer inszeniert, als es wohl sonst der Fall ist. „Saviour“ kokettiert mit dem Altweibersommer, ein Stück über die pure Schönheit, „Dead winter ways“ kuschelt mit dem Frost und dem Tod, klingt düster und kalt, „In the gutter of the spring“ lässt die Natur wieder erwachen und „The days before the fall“ verfällt wieder in Melancholie während der letzten schönen Tage, bis der Herbst wieder mit Regen und Kälte über uns hereinbricht. Nun folgt mit „We are alone“ ein Zwischenspiel, welches zum einen den Jahreszyklus abrunden soll und zum anderen einen Übergang zu den beiden folgenden Songs bildet. Zum einen wäre da „With the current into grey“, einem wirklich deprimierenden Stück über Entfremdung und Distanzierung, und schließlich dem Namensgeber „The turn of the tides“. Über all den Stücken thront das melodieverliebte Spiel der Band und verweist eindeutig darauf, dass EMPYRIUM reifer geworden sind. Zum einen fällt deutlich auf, dass die Musiker nun mit mehr Einflüssen arbeiten. Popelemente, Doom, Metal, Klassik, etwas Folk… hier wird scheinbar bunt gemischt, um eine passende Melange zu bilden. Zum anderen wirken die Stücke erheblich griffiger als die früheren Werke. Ich persönlich bin auf das finale Album gespannt und glaube, dass es wirklich groß wird. Leider stand zur Listening-Session der Releasetermin noch nicht fest.

Wie ich erwähnte, hat die Band noch einen Live-Auftritt in Berlin. Und so mache ich mich auf, um im Nieselregen zur Passionskirche zu laufen. Schon wieder eine Kirche? Auf Nachfrage bei Markus Stock erklärt er mir direkt: „Weil es vom Ambiente her passt. Es hat etwas Spirituelles. Auch die Akustik ist wie gemacht für diese Art von Musik.“ Dem ist nichts hinzuzufügen. Übrigens, neben dem Aspekt eines Konzertes in einer Kirche gibt es hier noch zwei Besonderheiten. Zum einen ist das komplette Oratorium bestuhlt und jedem Gast wird ein Platz zugewiesen, zum anderen ist sogar die Empore der Kirche mit Sitzplätzen versehen (dort befindet sich auch mein Platz). Gegen 20:30 endet die Beschallung aus der Konserve (ich glaube, das war ausschließlich PINK FLOYD) und der Opener, DUNCAN EVANS, betritt die Bühne. Selbige ist im Übrigen der Bereich, in dem sich sonst der Pastor aufhält, vor dem Hintergrund des Altars samt Kruzifix. Ich muss gestehen, ich habe vor dem Konzert zwar einige Sachen von DUNCAN EVANS gehört, war aber nicht sonderlich begeistert. Irgendwie wirkt das Material für mich nicht auf Konserve. Was allerdings die Live-Qualität angeht, bin ich von der Performance der zwei Musiker (Gesang/ Gitarre und ein Akkordeonspieler!) begeistert. Ihr Set umfasst sechs Stücke (u. A. auch „Girl on the hill“) und begeistert die Zuschauer. Es ist schon interessant mit anzusehen, wie ein Mann mit Akkordeon headbangt, während Duncan (manche kennen ihn vielleicht unter dem Namen Henry Hyde Bronsdon) auf seiner Akkustikklampfe spielt, als gäbe es kein Morgen. Unwillkürlich fange ich an mitzuwippen und habe einfach Spaß an der ungewöhnlichen, aber dennoch tollen Performance. Den lautstarken Applaus nach gut 45 Minuten haben sich die Künstler redlich verdient.

Während der nun folgenden kurzen Umbauphase hallt wieder PINK FLOYD aus den Boxen. Doch als sich dann langsam das Licht dimmt und EMPYRIUM die Bühne entern, bricht ein Sturm los! Die gut gefüllte Kirche bebt unter dem Applaus. Die Band jedoch steigt ohne Umschweife direkt mit einem der neuen Stücke ein: „Days before the fall“. Und das Publikum schweigt und lauscht andächtig. Was soll ich sagen? Markus hat Recht. Die Akustik in der Kirche ist perfekt für diese Art Musik. Nun folgt mit „The Franconian Woods in Winter’s Silence“ eines der bekannten Stücke. Und gerade hier, bei dem klassischen, beinahe sakralen Gesang, bekomme ich schon etwas Gänsehaut. Das Gleiche gilt im Übrigen auch beim folgenden „Where at Night the Wood Grouse Plays“. Ich finde es beeindruckend, wie diese Art der Musik live wirkt. Sei es bei „Heimwärts“ oder auch „Mourners“. Die sanften Streicher klingen sauber, das Schlagzeug kracht und der Gesang ist für Live-Verhältnisse verständlich. Selbst das Duett von Piano und Violine bei „Fossegrim“ kommt toll rüber. Und das Publikum scheint das auch so zu sehen. Jedes Stück wird mit frenetischem Applaus gefeiert. Egal ob es härter oder eben beinahe Klassik. Hier stimmt einfach alles. Und nach „Die Schwäne im Schilf“, „Dead winter ways“ (einem neuen Stück) ud final „Der Weiher“ wollen EMPYRIUM auch schon ihre Setlist schließen. Doch das Publikum sieht das anders und klatscht und feiert laut. Die Band lässt sich zum Glück nicht zweimal bitten und stimmt ihre Zugaben an. „Many moons ago”, gefolgt von “With the current into grey” (dem dritten neuen Stück an diesem Abend) und schließlich “Das blau-kristallne Kämmerlein“. Und auch wenn das Publikum stehend applaudiert und nach weiteren Zugaben ruft, die Band verbeugt sich und verlässt schließlich die Bühne.

Ich für meinen Teil gehe hinaus in die Nacht. Es nieselt noch immer. Es ist noch immer kalt und herbstlich. Aber irgendwie stört mich das nicht. Es war ein toller Abend. Musik, Melancholie und das Gefühl etwas Besonderes erlebt zu haben. Nur eine Frage bleibt offen? Wer ist eigentlich der glühende PINK FLOYD-Verehrer?

Setlist EMPYRIUM
Days before the fall
The Franconian Woods in Winter’s Silence
Where at Night the Wood Grouse Plays
Heimwärts
Mourners
Fossegrim
Die Schwäne im Schilf
Dead winter ways
Der Weiher

Many moons ago
With the current into grey
Das blau-kristallne Kämmerlein

Copyright Fotos: Katrin Kropf | Rockzoom.de

2 Kommentare

  1. TonLotte sagt:

    1. Sehr fein geschrieben ;) Danke !!!
    2. es war nicht nur Pink Floyd, Opeth wurde auch gespielt :)
    3. Der “glühende” Verehrer war ich, sorry ;)

    Liebe Grüße vom Tonmann von Empyrium :)

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