Terrorverlag > Blog > ERIC BIBB > ERIC BIBB

Konzert Filter

ERIC BIBB

131207-Eric-Bibb-0

Ort: Jena - Volksbad

Datum: 07.12.2013

Es gibt sie, die gewissen Konzerte, auf die ich mich „etwas mehr“ freue. Manche, weil die Musik mich schon ewig begleitet, andere wiederum haben seit dem erstmaligen Hören der Band Eindruck hinterlassen. ERIC BIBBs Musik gehört für mich in letztere Kategorie. Und so ließ ich mich nicht zweimal bitten, als ich die Chance bekam, vom Konzert im „Volksbad Jena“ zu berichten. Dieses ehrwürdige Gebäude wurde zwischen 1907 und 1909 erbaut und hat viel miterlebt. Ursprünglich als öffentliche Badeanstalt gedacht wurde sie mehrfach umgebaut, Ende 2007 wieder eröffnet und dient seither als Veranstaltungsort. Der große Innenraum, in dem wohl das Schwimmbecken war, hält dabei als Konzertsaal her.

Als ich den Saal betrete, schweift mein Blick durch den sehr hohen Raum mit dezenter Weihnachtsdekoration. Auf der Bühne stehen verlassen etliche Gitarren, Mandoline, Mandola, Steel-Gitarre, Weissenborn-Gitarre sowie (wenn ich mich nicht irre) eine Autoharp. Ich habe das Vergnügen, ganz vorn sitzen zu dürfen, beobachte, wie sich der Saal stetig füllt und rede etwas mit meinem mir bis dato unbekannten Sitznachbarn. Und als es dann 20 Uhr wird, ist das Volksbad sehr gut gefüllt. Bestens gelaunt kommen ERIC BIBB und seine zwei Mitstreiter (HAKALA und HAAVISTO) auf die Bühne und begrüßen das laut applaudierende Publikum. Es wurde noch kein Ton gespielt und das Schwimmbad kocht schon. Nach einigen Worten ERICs kämpft er etwas mit dem Gitarrengurt und seinem Hemd. Er lächelt und erklärt, dass der Gurt halt unter dem Kragen sein soll, da das Hemd doch so schön sei und das Licht ihm schmeichle. Das Publikum lacht. Als jedoch die ersten Töne von „Saucer ‚n’ cup“ ertönen, kehrt sofort Ruhe ein. Ich bin vom ersten Saitenanschlag an von Akustik und Klang begeistert. Die Lautstärke ist perfekt, der Sound transparent und die Stimme des Bluespredigers glockenklar und deutlich. Und dem restlichen Publikum geht es wohl genauso. Laut wird am Ende des Stücks applaudiert. Eric erzählt eine kleine Anekdote zum nächsten Song und stimmt dann direkt „New home“ an. Und als auch dieser Titel – mit viel Spielfreude vorgetragen – endet, feiert das Oratorium die Musiker. Der Künstler lässt seinen Blick schweifen und meint grinsend „Wow!“, ehe er „Troubadour“ vorträgt. Zum wiederholten Mal wechselt er sein Arbeitsgerät und kommentiert das ganz trocken: „Warum ich die Gitarren wechsle? Weil ich es kann.“ Das Publikum versteht seine Ansagen und seinen Humor und lacht. Die Temperatur steigt indessen weiter im Volksbad. Es folgen „Shingle by shingle“, „Turner station“ und „Goin’ down the road feelin’ bad“. Die Musiker spielen dabei, als gäbe es kein Morgen. Oft musiziert ERIC beinahe gedankenverloren mit geschlossenen Augen, den Rhythmus mit den Füssen stampfend, während HAKALA zeigt, wie melodisch Mandoline und Mandola sein können und auch HAAVISTO sich als Meister seiner Steel-Gitarre erweist. Und ich werde das Gefühl nicht los, dass die Männer noch mehr Spaß auf der Bühne haben, als wir Zuschauer davor. Mit „Needed time“ kommt eines der wohl bekanntesten Stücke BIBBs. ERIC fordert das Publikum auf, mitzuklatschen und zu singen, und das lässt sich die Menge nicht zweimal sagen. Ich glaube, es ist ganz gut, dass im Becken unter uns kein Wasser mehr ist, sonst wäre spätestens jetzt das Volksbad eine Sauna, denn auch bei „On my way to Bamako“ feiert die Menge mit. Der Virtuose gibt sich im Anschluss eine kurze Pause und beschwert sich abermals, dass sein Hemdkragen heute rebelliert. Nachdem er ihn gerichtet hat (der Gitarrengurt muss unter den Kragen – s.o.), wird der Musiker etwas nachdenklicher. Er hält einen kleinen Nachruf auf den unlängst verstorbenen Nelson Mandela und zitiert ihn: „The world is a place for everyone.“ Passend dazu stimmt HAKALA auf der Mandoline „Connected“ an und das Publikum klatscht mit.

Nun folgen noch „New world coming through“ und schließlich „With my maker I am one“. Die drei Musiker erheben sich und ERIC witzelt erneut, er gehe nun auf das Sprungbrett. Spätestens jetzt wird deutlich, dass sich der Herr über den Veranstaltungsort informiert hat. Es folgt „Movin’ up“. Am Ende des Stücks wechselt der Multiinstrumentalist auf seinen Zwölfsaiter. Und da er nicht recht mit den Tönen zufrieden ist, stimmt er die Gitarre neu, kommentiert von: „Ein Witz: Wie lang dauert es einen Zwölfsaiter zu stimmen? Das weiß niemand so genau.“ Nun folgt „I’ll farm for you“, erneut von einer kleinen Anekdote eingeleitet. Das reguläre Set beschließt dann „I want Jesus to walk with me“, natürlich musste Bibb den Zwölfsaiter erneut stimmen, und bemerkt: „Der Witz wird lustiger.“ Anschließend verneigen sich die drei Künstler und verlassen die Bühne. Das Oratorium sieht den Abend aber noch nicht als beendet an und gibt stehenden Beifall. Und der zeigt Wirkung. Nicht nur, dass die drei Mannen erneut die Bühne entern, ERIC holt mit BIG DADDY WILSON auch noch einen namhaften Künstler mit zu sich und singt mit ihm gemeinsam „Don’t ever let nobody drag your spirit down“. Die Halle feiert sowohl Band als auch den Überraschungsgast frenetisch. Und auch Wilson hat seinen Spaß. Abschließend erklärt Eric noch einmal den „schweren“ Refrain von „Needed time“ und fordert die Menge zum Mitsingen und -klatschen auf, während die Musiker auf ihren Instrumenten zaubern. Nun scheint es aber wirklich Zeit zu sein, das Konzert zu beenden. Das dachten sich wohl die Mannen und verließen erneut die Bühne. Aber was können 3 Menschen schon gegen eine feiernde Meute ausrichten? Nicht viel. Und so kamen sie erneut auf die Bühne und stimmten nach dem Kommentar BIBBs „So viele Songs und so wenig Zeit“ „The cape“ an. Ein würdiger und leicht melancholischer Abschluss. Und während die Drei nach Verbeugung und standing Ovations nun die Bühne ein letztes Mal verlassen, geht langsam das Licht im Volksbad an. Uns hingegen wird klar, dass wir (nach Blick auf die Uhr) ungefähr zwei Stunden Konzert hinter uns, und vor allem etwas erlebt haben, dass nicht alltäglich ist. Und selbst ERIC BIBB scheint das so zu sehen. Er kommt ohne groß zu warten zu seinen Fans, gibt bereitwillig Autogramme und plaudert etwas. Ich ergreife die Möglichkeit, um mit BIG DADDY WILSON einige Worte zu wechseln. Er erzählt mir, dass der Gastauftritt eigentlich gar nicht geplant war. Spontan sei die Entscheidung gewesen, einfach, weil es Spaß macht. Und das hat es nicht nur ihm.

Die Nacht ist schon längst über Jena hereingebrochen. Es liegt ein Hauch von Weihnachten in der Luft. Vom Weihnachtsmarkt her rieche ich Speis’ und Trank. Und mit einem Lächeln auf den Lippen, vielen tollen Eindrücken im Kopf und dem Gefühl etwas Besonderes erlebt zu haben, mache ich mich auf den Heimweg.

Setlist (ohne Gewähr)

Saucer ‘n’ cup
New Home
Troubadour
Shingle by shingle
Turner Station
Goin’ down the road feelin’ bad
Needed time
On my way to Bamako
Connected
New world coming through
Goin’ down slow
With my maker I am one
Movin’ up
I’ll farm for you
I want Jesus to walk with me

Won’t ever let nobody drag your spirit down (Gaststar BIG DADDY WILSON)
Needed time

The cape

Copyright Fotos: Reiner Schmidt

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Alle markierten Felder (*) müssen ausgefüllt werden.

Mehr zu ERIC BIBB auf terrorverlag.com