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FEUERTAL FESTIVAL 2017

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Ort: Wuppertal - Waldbühne Hardt

Datum: 25.08.2017 - 26.08.2017

TAG 1

Zum vierzehnten Mal findet das beliebte Festival in diesem Sommer bereits statt. In traditioneller Weise wird es von Eric Fish, dem Frontmann der Gruppe Subway to Sally, eröffnet. STS war eine der ersten Bands, die bei diesem Festival auftraten, was dazu führte, dass Eric Fish dem Festival so wohlgesonnen war, dass er im Laufe der Zeit zum Moderator der Veranstaltung geworden ist. Ebenso traditionell stimmt er meist mit einem Lied auf die bevorstehenden zwei Tage und das jeweils nächste Konzert ein.

Das Tal ist inmitten eines Naherholungsgebietes (Botanischer Garten, Elisenhöhe) von Wuppertal gelegen und von einer Felsformation sowie bis in den Himmel ragenden Bäumen umsäumt. Eine wunderbare Location, wie gemacht für Mittelalter-Festivals. Ein kleiner Markt zwischen dem Eingang zum Steinbruch und der Bühne, versehen mit den Merchandising-Ständen, denen mit Mittelalter-Accessoires und Gewandung sowie der Gastronomie sorgt für ein Wohlgefühl bei den Gästen.

Immer wieder faszinierend empfinde ich das Gemisch der Zuschauer, was die Altersgruppen betrifft. So gibt es Gäste mit ’nem Schnuller im Mund genauso wie solche, die ihren Rentnerporsche durch die Gegend schieben.

MILA MAR

Dieses Quartett schafft mit Synthesizer, Samples, verschiedenen Flöten, Geige, Djembes und allerlei Percussion eine Klangwelt mit ausgeprägten Ethno-Einflüssen, vornehmlich aus der skandinavischen, afrikanischen und orientalischen Musik. Sie bringen einen Sound auf die Bühne, der teilweise mystisch, Angst einflößend, aber auch harmonisch und auf jeden Fall verträumt klingt. Mit Schlagwerk, Violine, Keyboard und Gesang werden bombastische Töne über die Lautsprecher gejagt, dass man nicht umhinkommt, diese Musik für besinnliche Stunden vorzumerken. Die melancholische Grundstimmung wird durch den teils orientalisch anmutenden Gesang unterstützt und macht ein Dahingleiten in andere Welten spürbar. Ich freue mich, diese Formation kennengelernt zu haben.

LACRIMAS PROFUNDERE

Diese Band hat sich kurz zuvor für ihr Fernbleiben aus persönlichen Gründen entschuldigt und tritt nicht auf. Das verschafft den nachfolgenden Bands mehr Luft für die Umbaupausen und ihre Gigs.

D’ARTAGNAN

Eric Fish kündigt die noch recht junge Band mit einem Lied aus der Zeit Ludwigs XIV., des Sonnenkönigs, an. Das war die Zeit der Musketiere und die Gruppe hat ihren visuellen und musikalischen Stil darauf abgestimmt. Als drei Musketiere auf der Bühne stehen Ben Metzner (bekannt auch als Prinz Hodenherz von FEUERSCHWANZ), Tim Bernard und Felix Fischer. Ihre Lieder aus der Musketier-Zeit erzählen von großen Taten, Heldenmut und schönen Frauen, mit denen sie aber auch ihre ganz persönlichen Werte dem Publikum vorstellen.

Die drei Akteure bringen von Anbeginn viel Stimmung auf die Bühne. Mit drei weiteren Musikern im Hintergrund spielen sie hauptsächlich das Repertoire ihres ersten Albums, dazu einen kleinen Vorgeschmack auf das im September startende zweite Werk und einige Folklore-Titel. In der fast eineinhalbstündigen Bühnenshow schaffen sie es immer wieder, die Zuschauer zum Mitmachen zu animieren. Es wird geklatscht, gesungen, gesprungen und gebrüllt, es herrscht aufbrausende Stimmung. So bleibt es nicht aus, dass sie eine längere Zugabe spielen. Ein kleiner Garderobewechsel erfolgt für das Lied “Für immer Dein” über die letzten Gedanken eines sterbenden Soldaten auf dem Schlachtfeld. Bluttriefende Hemden und Verbände um den Kopf unterstreichen dieses spezielle Lied.

LORD OF THE LOST

Diese Dark-Metal-Band besteht seit zehn Jahren und hat sich mittlerweile zu einer der bekanntesten Größen der internationalen Metal-Szene hochgearbeitet. Die Hamburger spielen seit vielen Jahren in nahezu fester Bandbesetzung mit Chris Harms (Gründer, Gesang, Gitarre), Class Grenayde (Bass), Bo Six (Gitarre), Gared Dirge (Piano, Synths, Percussion, Gitarre) und Tobias Mertens (Drums). Als Markenzeichen dient ihnen ein wilder Ritt durch die düster-musikalischen Genres, was von einer martialischen Bemalung und Kostümierung unterstrichen wird, in welcher sie die Bühne betreten.
Auch diese Band wird wieder von Eric Fish mit einem Song anmoderiert. Dem Genre entsprechend geht es metallisch zur Sache, dröhnende Bässe und röhrende Gitarren. Der teils growlige Gesang tut den Rest. Wenn zuvor die Stimmung extrem gut war, so scheint sie jetzt noch eine Windung weitergedreht. Immerhin sind die Zuschauer noch euphorischer dabei. Während des gesamten Konzertes steigt dunkler Rauch über der Bühne empor. Die Nebelmaschinen sind im vollen Einsatz. Ebenso hagelt ein Blitzlichtgewitter auf die Bühne hernieder und der Frontmann zeigt körperlichen Einsatz, indem er auf die Lautsprecher-Säulen steigt.

FIDDLER’S GREEN

Bereits seit 1990 bieten die Musiker aus Erlangen ihrem Publikum ihre ganz eigene Variation von Irish Folk an, die sich Speedfolk nennt. Die sechs Musiker genießen einen hervorragenden Ruf als stimmungsvolle Live-Band, was sich nicht zuletzt aus ihren über 1.700 Konzerten in Europa ableiten lässt. Nicht zu Unrecht ist diese Band der Headliner für den ersten Tag des Festivals. Die Zuschauer haben sich während der einstündigen Umbaupause ausgiebig erholt und sind zu neuen Aktionen bereit. An verschiedenen Stellen in den Zuschauerrängen wird zu dem Speedfolk entweder pärchen- oder gruppenweise getanzt. Die Setlist der Band besteht aus einer bunten Mischung all ihrer Alben und populären Songs. Balladen genauso wie ja…. speedige Titel. Die Zuschauerränge bilden ein Lichtermeer an Smartphone, Feuerzeug und Leuchtstäben, während die Musiker ihre sanften Balladen präsentieren. Bei dieser Band kam die Lichtshow der Bühnenscheinwerfer so richtig zum Tragen, als letztes Konzert des ersten Tages bricht die Dunkelheit über das Feuertal herein.

Eine Besonderheit bei diesem Konzert ist der Acapella-Gesang von Frontmann Albi zusammen mit Eric Fish. Wie Albi zuvor erklärte, machen sie dies gelegentlich dort, wo es sich anbietet und wo sie sich über den Weg laufen. Grundsatz dabei ist: Es wird vorher nicht geübt. Gemeinsam performen sie ein Volkslied aus dem 19 Jahrhundert.

TAG 2

Auch am zweiten Tag strömen die Menschen schwarz gewandet in Richtung Feuertal. Regen ist nicht angekündigt. Gute Stimmung kann also nicht vermiest werden. Zum Starten des heutigen Tages befinden sich wesentlich mehr Zuschauer auf dem Gelände, was sicherlich daran liegen mag, dass der zweite Tag ein Samstag ist und das Programm möglicherweise noch ansprechende.

STONEMAN

Den Opener macht die aus der Schweiz stammende Heavy-Metal-Band STONEMAN. Es geht also sehr bassig und „hart“ zu. Musikalisch bewegt sich die Band etwa in einem Stil von RAMMSTEIN. Sie gelten als die Rock-Newcomer des Jahres! Ihre Melodien können bittersüß sein und werden mit chromglänzende Metallriffs garniert. Nach der Anmoderation durch Eric Fish geht es also gleich mit aller Härte musikalisch zur Sache. Wer noch langes Haar trägt, zeigt sein Headbangen, alle anderen schütteln nur den Kopf. – Im Rhythmus der Bässe natürlich.

IGNIS FATUU

Die Band ist zwar einerseits eine typische Mittelalterformation, was sie mit ihren Instrumenten gerne zeigt: Dudelsack, Flöten und Drehleier sind fester Bestandteil. Andererseits sind sie sich nicht zu schade, über den Tellerrand dieses Genres hinauszublicken. Seit elf Jahren stehen die Musiker als Formation auf der Bühne und fühlt sich dem Mittelalterrock verbunden.

Die Band stellt ihr erstes Konzeptalbum vor, welches Albrecht Dürer gewidmet wurde, der ebenfalls wie sie selbst aus Nürnberg stammt. Die Rhythmen sind schnell und rockig. Bereits beim Aufbau heizen die Musiker die Zuschauer zum Mitmachen an. Abwechslungsreich wird die Musik durch Irenes weibliche Stimme. So manche Sequenz klingt deshalb lieblicher, als es sonst bei Rock der Fall ist. Begleitet wurde Band von einem Drehteam, um für das neue Album noch Live-Videos zu produzieren.

MR. HURLEY & DIE PULVERAFFEN

Die dritte Band dieses Tages wurde passend mit einem Seemannslied angekündigt. Mr. Hurley ist die angesagteste Piratenband aus dem karibischen Osnabrück, bekannt von unzähligen Mittelalterfesten und dem Wacken Open Air. Entsprechend gewandet betreten die Musiker die Bühne und holen die Gäste mit gehöriger Stimmung ab. Wegen der Liveübertragung ins Internet wurden die Gäste im Laufe des Nachmittags mit Piratenhüten ausstaffiert. Ein Bild für die Götter, so viele Piraten in den Zuschauerrängen zu sehen. Einen Bonus bei diesem Konzert stellt zweifelsohne das Gastspiel von Thomas Lindner (SCHANDMAUL) dar, der einen Song zusammen mit Mr. Hurley performt.

Der Beifall scheint bei den Piraten nicht enden zu wollen. Und sie quittieren dies anschließend mit einem ausgiebigen Bad in der Menge auf dem Mittelaltermarkt und stehen jedermann für Fotos zur Verfügung.

MONO INC.

Voll im Zeitplan starteten die Steampunker von MONO INC. Die seit dem Jahr 2000 präsente Band aus Hamburg bringt einen Genre-Mix aus Alternative- und Dark-Rock. Dunkle melancholische Lyrics werden gepaart mit schnellen Takten, häufig tanzbarenRhythmen, die es in Konzerten dem Publikum leicht machen, mitzutanzen.

Ihr Programm wird mit Feuersäulen und Rauch gestartet. Die Powerfrau Katha Mia am Schlagwerk legt sofort mit dem rasanten, für die Band so charakteristischem Takt los. Sie scheint während der nächsten eineinhalb Stunden nicht müde zu werden und zeigt immer ein Lächeln auf den Lippen. Mit dem Tempo der Songs geht es durch das Programm der Gruppe, welches sich an dem aktuellen Album “Together Till The End” orientiert. Übrigens ist das Titel, mit dem sie starten. Auch ist in der Setlist eine Cover-Version des Liedes “Always On My Mind” nach Art von Mono Inc., die den Pet Shop Boys recht nahekommt. Unentwegtes Rollen und Stampfen verbunden mit eingängigen Refrains sorgen dafür, dass es in den Zuschauerrängen bis zum Schluss in allen Gliedmaßen rotiert.

SCHANDMAUL

Die seit 1998 Folk- und Mittelalter-Rock präsentierenden SCHANDMAUL bilden den diesjährigen fulminanten Abschluss des Festivals. Mit ihrem unverkennbaren Sound, der Vorbild bzw. Ausgangspunkt für so viele nach ihr folgenden Epigonen war und ist, ziehen sie immer wieder das Publikum in ihren Bann. Ihr Konzert bettet sich ein in ihre „Leuchtfeuer-Tour“, zum im letzten Herbst erschienenen gleichnamigen Album, mit dem sie ihren Zuhörern die Möglichkeiten geben wollen, dem Alltag zu entfliehen.

Wie am Tag zuvor bricht während des Auftritts dieser Band die Dämmerung über das Tal herein, weshalb die Lichteffekte und die Bühnenshow einen besonderen Glanz erhaltem, nachdem die beiden Musikerinnen mit Drehleier und Dudelsack links und rechts auf erhöhtem Podest die Show gestartet haben. “Vor der Schlacht” als ersten Titel zu präsentieren hat so etwas von “Mut fassen” für die nächsten eineinhalb Stunden. Als Headliner kommt diesen Musikern eine besondere Bedeutung zu und die Umbauphase zuvor zeigte, dass immer noch neues Publikum aufs Gelände strömt. Die Hände der Gäste sind fast ununterbrochen in der Höhe, um den rockigen Sound der Band zu unterstützen.

Fazit

Ein fantastisches zweitägiges Festival mit hervorragenden Bands, das sich zu Recht einen ansehnlichen Platz in der Szene erobert hat. Der Wettergott spielte mit. Die Versorgung des Publikums war bestens organisiert. Wer Rock und Mittelalter-Musik mag, sollte dieses Festival nicht missen!

Copyright Fotos: Regina Knut

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