Terrorverlag > Blog > FRONT 242, PSYCLON NINE, ROTERSAND > FRONT 242 – PSYCLON NINE – ROTERSAND

Konzert Filter

FRONT 242 – PSYCLON NINE – ROTERSAND

070526-Front-242-0.jpg

Ort: Leipzig WGT agra-Halle

Datum: 26.05.2007

Nach unserem ersten Schlendrian durch die Verkaufsstände der agra kamen wir gerade rechtzeitig, um den drei Herren von ROTERSAND bei der Verrichtung ihrer Arbeit beizuwohnen. Rasc (Gesang), Krischan (Elektronik) und Gun (wechselweise Gitarre/ Keys) sind im Electro Zirkus mittlerweile eine feste Größe, dementsprechend laut wurden sie auch bejubelt. Auf dem WGT stellten sie zu anderer Zeit bei einem Prelistening erstmals Titel ihres neuen Werks „1023“ (die Nummer eines Hotelzimmers in Detroit) der Öffentlichkeit vor, live vertrauten sie hingegen erwartungsgemäß zunächst ihren alten Krachern wie „Merging Oceans“ oder „Exterminate Annihilate Destroy“. Als besondere Überraschung holten sie bei Track 4 die befreundeten [:SITD:]ler Tom und Francesco auf die Bühne, um mit ihnen gemeinsam zu musizieren. Damit die beiden Herren nicht einfach auf lau ihre Gästeliste genießen könnten – So Rascs ironische Interpretation. Schließlich stellte uns der Hüne noch vor die Wahl, ob wir einen alten oder brandneuen Track bevorzugen würden, eine rhetorische Wahl, denn ROTERSAND hatten sich schon entschieden, neues Material in Liveform zu testen. Während dies wunderbar funktionierte, fiel beim abschließenden „Undone“ ein Keyboard aus, so dass die Musiker das Intro einfach stimmlich improvisierten. Gute Leistung, die Appetit auf den anstehenden Longplayer machte.
(TK)

Dieser Samstag wird dem nächsten Act PSYCLON NINE sicher als Festtag in Erinnerung bleiben, bildete er doch den gelungenen Abschluss einer 11-tägigen Europa-Tour, welche die Jungs aus den USA für zehn Konzerte in sechs verschiedene Länder geführt hatte. Nachdem tags zuvor bereits ein kleines Festival in Budapest gespielt worden war, nun also das große WGT und die noch immer gut, wenn auch etwas weniger als noch zuvor bei ROTERSAND gefüllte Halle sollte vermutlich die größte Crowd sein, vor der P9 bislang aufgetreten sind. Streiten konnte man sicher über die Frage, ob PSYCLON NINE an diesem Tag so richtig in das Agra-Programm passten, jedoch brachte das eben die komfortable Position direkt vor FRONT 242 mit sich, worüber man sich eigentlich nicht beschweren kann. Offenbar sah die Band dies genauso, präsentierte sich daher äußerst spielfreudig und machte von Beginn an richtig Dampf. Obwohl, wie wir im Vorfeld mitbekamen, die Zeit für einen Soundcheck nicht mehr gereicht hat, war der Sound nicht zu beanstanden, und zwar trotz des erfreulichen Umstandes, dass hier im Gegensatz zu manch anderen Kollegen alles live intoniert wurde. Für den entsprechenden Druck aus den Boxen sorgten nicht zuletzt die teilweise bis zu drei Keyboarder, von denen zwei wahlweise auch zur Gitarre griffen und den Mann am Bass lärmtechnisch unterstützten. Dies war möglich, weil eben jener sturmhaubenbedeckter Basser – hinter der Kopfbedeckung verbarg sich übrigens der speziell für einige Gigs eingeflogene Ex-Kollege Eric Gottesman – das Line-Up im Vergleich zu beispielsweise dem Hannover-Gig auf insgesamt sechs Personen schraubte. Dementsprechend wurden kurzerhand gleich sämtliche Tracks, auch der überwiegende, im Studio gitarrenfrei gebliebene Teil, saitenmäßig veredelt. Den Anfang machte „Better than suicide“, gefolgt von „Resurrekt“. Fronter Nero ging mächtig ab und schreckte auch vor kleineren Klettertouren in die seitliche Traverse oder auf das Schlagzeug bzw. Keyboard nicht zurück. Nur mit seinem beliebten Circle Pit wollte es im Publikum noch nicht so ganz klappen. Das tat der Stimmung aber während der 45 Minuten keinen Abbruch und die Psychies wurden wohlwollend aufgenommen, unabhängig davon, ob weitere neue Stücke wie „Visceral holocaust“ und „Parasitic“ oder älteres Material in Form von „Divine Infekt“ aus den Lautsprechern dröhnte. Das volle Brett gab es auch abschließend mit „Crwn thy frnicatr“, bei dem sogar eines der Keyboards zertrümmert wurde und die Überreste dann dem Publikum als Souvenir überlassen wurden. Die Jungs hatten also definitiv ihren Spaß, das zeigte sich auch darin, dass vor Verlassen der Bühne noch ein paar Erinnerungsfotos geschossen wurden.
(gerrit [pk])

Nachdem mit PSYCLON NINE eher die etwas jüngere Generation bedient wurde, kam jetzt auch die Ü30 Elektrogarde (so wie ich) zu ihrem wohl persönlichen Highlight dieses WGTs: FRONT 242. Zum zweiten Mal nach 2001 verwandelten sie die überquellende Agra-Halle in ein tobendes Inferno. Los ging’s gleich mit einem absoluten Highlight, welches ich auf ihren Jubiläumskonzerten 2006 in Brüssel schmerzlich vermisst hatte: “Funkahdafi”, Richard betrat die Bühne und intonierte ins Mikro: “Make some noise”, was postwendend umgesetzt wurde. Im weiteren Verlauf setzten FRONT 242 deutlich auf die Frühphase ihres Schaffens (81-85), welches sich in Songs wie “Body to Body”, “Lovely Day” oder dem immer wieder Gänsehaut erzeugenden “Commando” widerspiegelte, hier verwandelte sich die Bühne in ein undurchdringbares Meer aus Kunstnebel und zum Großteil war außer Richards Stimme nichts zu vernehmen bzw. erkennen. Ihre künstlerisch wohl angesehenste Platte “Official Version” wurde völlig ignoriert, während der Hauptfocus mit vier Stücken auf der “Front by Front” lag. Mit “7Rain”, “Together” und Load” wurde auch ausgiebig ihren letzten beiden Outputs Tribut gezollt, obwohl eher ruhig und wohl nicht ganz so bekannt kamen auch diese Songs sehr gut an. Ein kleines Schmunzeln konnte ich mir nicht verkneifen, während auf allen alten Touren maximal je ein Song entweder von Richard oder Jean Luc intoniert wurde, kamen wir hier oft in den „Genuss“, nur einen von beiden zu erleben. Da sie nun schon weit in den Vierzigern sind und bei dem Tempo, welches sie hier immer noch vorgeben, sei es ihnen gegönnt. Noch mehr als “Headhunter” war “Im Rhythmus bleiben” ein absolutes Highlight ihrer Show, welche Sprengkraft dieser Song hat, zeigt sich sicherlich auch daran, dass er genau wie die absoluten Klassiker “Headhunter” und “Welcome to paradise” seit 1989 noch nie im Liveprogramm fehlte. Auch die beiden Zugaben “Kampfbereit” und vor allem das treibende “Punish your Machine” boten noch mal große Klasse. Ein paar Minuten länger als vorgesehen dauerte ihr Gig, der wieder eindrucksvoll untermauerte, dass hier eine der wohl intensivsten EBM-Bands der Szene zu Gange war. Eigentlich wie immer erlebte ich den Gig mit einem lachenden und weinenden Auge, einerseits Freude, diese Liverpäsenz zu erleben, auf der anderen Seite der Frust, dass sie einfach nicht mehr den “Arsch hochkriegen” und was neues raus bringen.
(MS)

Copyright Fotos: Karsten Thurau ausser FRONT 242 (15-25) Ulf Jacob

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Alle markierten Felder (*) müssen ausgefüllt werden.

Mehr zu FRONT 242 auf terrorverlag.com

Mehr zu PSYCLON NINE auf terrorverlag.com

Mehr zu ROTERSAND auf terrorverlag.com