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GARBAGE – SUPERBUS

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Ort: Köln – E-Werk

Datum: 26.11.2012

Das letzte Mal waren GARBAGE vor sieben Jahren mit ihrem vierten Studioalbum „Bleed Like Me“ auf großer Tour. Damals wurden ziemlich überraschend die letzten Termine für Frankreich, Großbritannien und Belgien ersatzlos gestrichen und Auflösungsgerüchte machten die Runde. Sängerin Shirley Manson versuchte zwischenzeitlich eher erfolglos solo ihr Glück und schließlich fanden die Schottin und die drei Amerikaner Duke Erikson (Gitarre & Keys), Butch Vig (Drums & Percussion) und Steve Marker (Gitarre) wieder zusammen. Als Folge der erneuten Kollaboration erschien im Mai die fünfte Langrille „Not Your Kind of People“ und nach einem ersten Live-Gig beim Hurricane bzw. Southside standen im Rahmen der aktuellen Welt-Tour auch zwei Deutschland-Termine im Kalender der seit 19 Jahren agierenden Alternative Rocker, die sich fragen, wann sie mal an den Rhein kommen und der Dom ist nicht eingerüstet. Nun, dies wird wohl auch in den nächsten 19 Jahren nicht passieren, aber GARBAGE dürfen sich gern häufiger als in der jüngeren Vergangenheit selbst ein Bild machen, wenn damit eine ähnlich energiegeladene Show verbunden ist, wie sie die Zuschauer des rappelvollen E-Werks erleben durften.

Den Anfang machten jedoch zunächst SUPERBUS aus Frankreich, die in ihrer Heimat durchaus eine große Nummer sind, mir bislang jedoch noch nicht untergekommen waren. Die Franzosen sind in ähnlicher Besetzung wie GARBAGE unterwegs; will sagen, dass der Frontfrau Jenn Ayache vier Herren an den Instrumenten zur Seite stehen, von denen der Gitarrist und Backgroundsänger Pat Focone sogar der deutschen Sprache mächtig ist, während die in Hotpants agierende Jenn ihre immerhin sehr brav vorgetragenen deutschen Brocken auswendig gelernt hat, wie uns ihr Kollege wissen ließ. Mit ihrem temporeichen Opener „Lola“ blieben SUPERBUS zunächst einmal ihrer Muttersprache treu, bevor’s mit dem knackigen „Radio Song“ im international besser verständlichen Englisch weiterging. Beim eingängigen, nicht ganz so schnellen „Whisper“ waren die Rheinländer dann auch endlich warm geworden und übten sich im Mitklatschen, ehe sich „Mrs. Better“ treibend anschloss. Der verspielte Titeltrack des 2009er Longplayers „Lova Lova“ hatte ein bisschen was von Chanson und Polka, während sich „Butterfly“ druckvoll und sehr tanzbar präsentierte. Für das LANA-DEL-REY-Cover „Video Games“ erhielt Mademoiselle Ayache eine große Trommel, die sie bisweilen mit viel Inbrunst bearbeitete – eine wirklich gelungene Interpretation des Songs! Nach diesem Ausflug in ruhigere Gefilde ließen es SUPERBUS mit ihrem finalen „Travel The World“ noch einmal krachen und brachten mit „Du hasst mich…“ sehr zur Freude des Publikums sogar noch ein kleines RAMMSTEIN-Zitat unter. Belohnt wurde der Fünfer für seinen stimmigen, gut 30-minüten Auftritt mit freundlichem Applaus, der absolut verdient war.

Setlist SUPERBUS
Lola
Radio Song
Whisper
Mrs. Better
Lova Lova
Butterfly
Video Games (LANA-DEL-REY-Cover)
Travel The World

Eine weitere halbe Stunde später war die Stage wiederum für GARBAGE präpariert und während das Intro „Time Will Destroy Everything“ durch das dunkle E-Werk hallte, nahmen die Herrschaften an ihren Instrumenten Aufstellung, bis schließlich auch Miss Manson ihren Arbeitsplatz am Mikro erreicht hatte. Die Dame zeigte viel Bein und begann die Show gleich mit einem alten Kracher, der auf den Namen „Queer“ hörte. Im Hintergrund gab es derweil auf dem riesigen Backdrop diverse Videosequenzen zu sehen, während die Bühne allenthalben in buntes Licht getaucht wurde. Von SUPERBUS in Stimmung gebracht, sparten die Kölner jetzt auch nicht mehr am Beifall und bekamen im Anschluss das druckvolle „Automatic Systematic Habit“ vom aktuellen Silberling auf die Ohren. Auch das neue Material wurde gebührend abgefeiert. „Shut Your Mouth“ befahl Shirley wenig später, nachdem sie sich ihres Blazers und des – nennen wir es mal – transparenten Ponchos entledigt hatte, bevor es mit „Why Do You Love Me“ ab durch die Mitte ging. Ein besonderer Moment war die Performance von „Metal Heart“, da die Schottin diese Nummer ihrer Mutter widmete, die heute ihren Todestag hatte. Mit viel Tempo schloss sich unter gelbem Licht der Klassiker „Stupid Girl“ vom selbstbetitelten 1995er Debüt an und auch „Vow“ ließ mit seinem Highspeed-Finale nichts anbrennen. „I Hate Love“ zählt ebenfalls zum Output der letzten Studioarbeit und wurde mit Videountermalung und jeder Menge Schmackes ins Rennen geschickt, ehe es mit „The Trick Is To Keep Breathing“ erneut weit in der Bandgeschichte zurück ging. „Version 2.0“ war 1998 die zweite Langrille, von der auch der Überhit „I Think I’m Paranoid“ stammte, der als nächstes auf der Setlist stand und natürlich standesgemäß abgefeiert wurde. Allerdings erst, nachdem Steve seine Fotos gemacht und Shirley ihren schottischen Whisky gekippt hatte. Auch das flotte „Special“ hat bereits 14 Jahre auf dem Buckel, aber nichts von seinem Charme verloren. A capella wurde der Übergang zum fetten „Blood For Poppies“ zelebriert und auch „Cherry Lips (Go Baby Go!)“ sowie „Battle In Me“ überzeugten mit knackigen Gitarren und Drums. Für die Ballade „Cup of Coffee“ griff Duke in die Tasten, um beim ins Hirn kriechende „Push It“ wieder an den Sechssaiter zu wechseln. Nach einem ruhigen Start ging auch „Only Happy When It Rains“ wieder in die Vollen und lieferte ein amtliches Brett ab, während „You Look So Fine“ erneut zunächst leise Töne anschlug. Spätestens als Frau Manson selbst zur Gitarre griff, war’s mit der Ruhe vor dem Sturm jedoch vorbei und GARBAGE ließen es noch einmal richtig jucken, ehe sie sich um 22.35 Uhr ins Off verabschiedeten.

Natürlich konnte das Quintett nach so langer Bühnenabstinenz nicht so sang- und klanglos verschwinden – zumal lautstark Zugaben verlangt wurden. So kehrte zunächst die 46-jährige Fronterin ins Rampenlicht zurück, wo sie flankiert von ihren Mitstreitern erklärte, man habe eigentlich nur zwei Zugaben geplant, sei aber verhandlungsbereit. Bis mit dem Auditorium ausdiskutiert war, welche Lieder gespielt werden sollten, gab sie allerdings zunächst allerlei Synonyme für das weibliche Genital zum Besten, stellte fest, dass sie sich wohl spontan in einen Thomas aus den ersten Reihen verliebt hatte und so manchen Fan hat aufwachsen sehen (wobei das Durchschnittsalter im E-Werk auch durchaus darauf schließen ließ, dass eine erhebliche Anzahl von Anhängern der ersten Stunde unter den Gästen war).Schließlich nahm Drummer Butch die Song-Wünsche auf, während Steve weiter Fotos schoss und man einigte sich auf „The World Is Not Enough“ als erste Zugabe. Selbst wenn man das Stück vorher nicht kannte, musste beim Hören einfach die Assoziation mit James Bond aufkommen, denn die Nummer bringt schlicht alles mit, was ein 007-Soundtrack haben muss. Und genau das war der Titel ja beim 1999er „Die Welt ist nicht genug“-Streifen. Weiter mit Gefühl und einer etwas derangierten Shirley Manson ging’s bei „Milk“. Entweder hatte die Dame zwischenzeitlich zu sehr dem schottischen Nationalgetränk zugesprochen oder sie hatte Probleme mit ihren In-Ear-Kopfhörern. Auf jeden Fall zeigten sich gesanglich doch einige Diskrepanzen, von denen beim düsteren „#1 Crush“ mit seinen fetten Bässen nichts mehr zu hören war, bevor es mit „When I Grow Up“ mit Vollgas auf die Zielgerade ging. Nach gut zwei Stunden verabschiedeten sich GARBAGE auf diese Weise von ihrer restlos begeisterten Zuschauerschaft und bewiesen, dass sie auch in sieben Jahren ohne GARBAGE nichts verlernt haben. Die alten und neuen Tracks passten hervorragend zusammen und so war’s ein rundum gelungener Abend im E-Werk. Dass es tags darauf – wie von Shirley befürchtet -zu einem Desaster im Berliner Huxley kommen würde, weil’s der letzte Gig in Deutschland sein sollte, glaube ich indes nicht, schließlich haben wir es mit Profis zu tun, die sich immer noch über eine breite Fanbase freuen dürfen.

Setlist GARBAGE
Time Will Destryo Everything (Intro)
Queer
Automatic Systematic Habit
Shut Your Mouth
Why Do You Love Me
Metal Heart
Stupid Girl
Vow
I Hate Love
The Trick Is To Keep Breathing
I Think I’m Paranoid
Special
Blood For Poppies
Cherry Lips (Go Baby Go!)
Battle In Me
Cup of Coffee
Push It
Only Happy When It Rains
You Look So Fine

The World Is Not Enough
Milk
#1 Crush
When I Grow Up

Copyright Fotos: Daniela Vorndran

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