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GARBAGE

151031-Garbage

Ort: Köln – Palladium

Datum: 31.10.2015

„Trick or treat?“ – diese Frage stellte sich mir heute trotz Halloween nicht, denn statt gruseliger Verkleidung und marodierender Kinder-Heerscharen stand bei mir ein Konzert auf dem Programm, das im Übrigen auch einen kleinen Anteil Maskerade mit sich brachte. Zum einen gab’s eine Handvoll Leute im Publikum, die im Anschluss an den Gig wohl noch auf eine Motto-Party wollten, zum anderen hatte auch der Hauptact des Abends hier noch etwas in petto. Der Grund für GARBAGE Besuch in der Domstadt war das 20-jährige Jubiläum ihres selbstbetitelten Debüts, das nicht nur in einer neuen, remasterten Variante mit allen Originaltracks, Remixen und bisher unveröffentlichten Versionen der Albumsongs erhältlich ist, sondern auch im Mittelpunkt der aktuellen Welttournee steht. In Deutschland gab’s nur einen exklusiven Termin in Köln und entsprechend war das Palladium an diesem Samstag auch gut gefüllt. Die zahlreichen unterschiedlichen Auto-Kennzeichen rund um die Mülheimer Veranstaltungshalle ließen derweil vermuten, dass hier und da gleich mal ein Wochenendtrip an den Rhein unternommen worden war. Die Kinder waren womöglich bei Oma und Opa geparkt und schon konnte es zwei Dekaden zurückgehen, als Shirley Manson, Steve Marker, Duke Erikson und Butch Vig mit ihrem Erstling für Furore sorgten und mit Songs wie „Vow“, „Queer“, Stupid Girl“ und „Only Happy When It Rains“ Klassiker schufen und veröffentlichten.

Bevor es diese Lieder allerdings auf die Ohren gab, waren zunächst einmal die DUTCH UNCLES aus Manchester pünktlich um 20.00 Uhr an der Reihe. Facebook nennt als Mitglieder dieser New-Wave/ Alternative-Kapelle die Herren Duncan, Robin, Andy und Peter; die Stage wurde zusätzlich noch von zwei weiteren Musikern bevölkert und gemeinsam wurde lebhafter Indie-Art-Pop geboten, der insbesondere vom androgynen Gesang des äußerst bewegungsaffinen Fronters Duncan Wallis geprägt war. Im Februar haben die Jungs, denen in ihrer Heimat sogar ein Burger gewidmet ist, ihren vierten Longplayer „O Shudder“ rausgebracht. Dessen Opener „Babymaking“ eröffnete dann auch den halbstündigen Vortrag der Briten, die sich sehr rhythmusbetont zeigten und mit ihrer Musik an Legenden wie KATE BUSH, FLEETWOOD MAC oder auch HUMAN LEAGUE erinnerten. „Decided Knowledge“ brachte hier und da auch einmal eine ruhige Passage mit, während „Fester“ perlende Klangkaskaden mitsamt Xylofon-Einsatz sein Eigen nannte. Mit „Achamoloon“ stand ein brandneuer Track auf der Setlist, den es von Drums und Percussion getragen nach vorn zog, bevor das verspielte „Flexxin“ vom Silberling „Out of Touch In The Wild“ aus 2013 zum Klatschen animierte und „Upsilon“ mit wabernden Synthieflächen und tanzbaren Klangkaskaden ins Bein ging. Mit „Dressage“, das 2011 auf „Cadenza“ erschienen ist, gaben die Insulaner noch mal richtig Gas und servierten ein eruptives Finale – keine Frage, nicht nur Mr. Wallis ist ein echtes Energiebündel, auch die Musik der holländischen Onkel hatte es in sich und sparte nicht an Power und Drive.

Nun galt es jedoch die Bühne für GARBAGE zu präparieren, wozu auch gehörte, dass um 20.45 Uhr ein riesiger weißer Vorhang die Sicht auf selbige versperrte, was jedoch seinen guten Grund hatte. Eine Viertelstunde später diente der Stoff nämlich zunächst als Projektionsfläche für das „20-Years-Queer-Intro“-Video „Alien Sex Fiend“, ehe die Band ihren ersten Song „Subhuman“ hinter dem Sichtschutz performte und zunächst nur Schatten und Umrisse erkennbar waren. Es sah ganz danach aus, als hätten Miss Manson und ihre Mannen sich mit Tiermasken verkleidet und tatsächlich trug die Band entsprechenden Kopfschmuck – Live-Bassist Eric Avery war beispielsweise mit einer Pandamaske angetan. So etwas kennen wir in Deutschland auch von einem anderen Musiker, doch mit der Teenie-Lala eines CRO hatte die kraftstrotzende GARBAGE-Mucke nun wirklich nichts zu tun! Zum lasziven Kracher „Queer“ sah man dann auch die Gesichter des gesamten Quintetts und zusätzlich auch noch bewegte Bilder auf den Leinwänden im Hintergrund. Das es wenig später irgendwelche technischen Probleme gab, überspielte Shirley äußerst charmant, so wie sie überhaupt sehr gekonnt durch den ganzen Abend führte und natürlich mit ihrem temperamentvollen Gesang uneingeschränkt begeistern konnte. Die Frau gehört einfach auf die Bühne und hatte deshalb ihr Auditorium auch vom ersten Moment an im Griff. Die Anwesenden hatten aber auch wirklich keinen Grund irgendetwas zu bemängeln: es durfte getanzt werden, der Sound war bombastisch, die Lightshow ebenfalls und die Stimmung bestens. So dauerte es auch wahrlich nicht lange, bis Bewegung ins Palladium kam und eine riesige Party gefeiert werden konnte. Nicht nur die passend zum Album pink gefärbte Fronterin schwelgte hier und da in Erinnerungen (die an „The Butterfly Collector“ waren von einem high machenden Alkohol-Mix geprägt), auch die Zuschauer dürften bei so manchem Stück noch mal ihrer Jugend gedacht haben. Währenddessen ging’s mit „Not My Idea“ ab durch die Mitte und auch „Trip My Wire“ ließ es gewaltig krachen, bevor „Milk“ smooth übernahm. Für „My Lover’s Box“ griff die sympathische Frontfrau übrigens selbst zum Sechsaiter und informierte ihre Fans, dass ihr Saiteninstrument den Namen „Pink Pussy“ trage. Darauf jaulten die Gitarren auf das Feinste, wohingegen beim nachfolgenden, getrageneren „Milk“ die Emotionen im Mittelpunkt standen und Nebel über die Stage waberte. Dass Lovesongs bei GARBAGE aber auch alles andere als lieblich klingen können, bewies wenig später „#1 Crush“. Nicht minder energiegeladen zeigte sich das wunderbare „Stupid Girl“ und auch „Dogs New Tricks“ drängte straight nach vorn. Für das eindringliche „A Stroke of Luck“ wurde die Bühne mal wieder in kühles blaues Licht getaucht, um anschließend bunte Farben das opulente „Only Happy When It Rains“ begleiten zu lassen. Hier ging’s nochmals in die Vollen und auch der Aufforderung zum Klatschen beim sich anschließenden „Vow“ kam die Zuschauerschaft gern nach.

Damit markierten GARBAGE, die in Madison/ Wisconsin zuhause sind, nach 90 Minuten das Ende ihrer regulären Show, aber natürlich gab’s nach einem kurzen Abgang noch einen Zugabenblock, der es in sich hatte. Angefangen beim bewegenden VIC-CHESNUTT-Cover „Kick My Ass“, über „Girl Don’t Come“ im High-Energy-Level und „Cherry Lips (Go Baby Go!)“, das der Transgender Community gewidmet war und mit dem GARBAGE ihre eigene Regel, nur Songs vom Erstling (inkl. B-Sides usw.) zu spielen, über den Haufen warfen. Die Nummer wurde jedoch derart begeistert aufgenommen, dass die Kölner ganz offensichtlich mit diesem Verstoß gut leben konnten. Beendet wurde der Abend schließlich nach knapp zwei Stunden Spielzeit mit dem fantastischen „Push It“ und den Versprechen, ein neues Album stehe bereits in den Startlöchern und auch an einer Tour im kommenden Jahr werde bereits gearbeitet. Gute Aussichten für 2016, denn GARBAGE lassen es nach wie vor amtlich krachen und es würde mich wundern, wenn es dem quirligen Quartett an der nötigen Kreativität für erstklassige neue Songs fehlt. Wir sehen und hören uns hoffentlich bald wieder!

Setlist GARBAGE
Alien Sex Fiend (20 Years Queer Video Intro)
Subhuman
Supervixen
Queer
Driving Lesson
As Heaven Is Wide
The Butterfly Collector (THE-JAM-Cover)
Not My Idea
Trip My Wire
Milk
Fix Me Now
My Lover’s Box
Sleep
#1 Crush
Stupid Girl
Dog New Tricks
A Stroke of Luck
Only Happy When It Rains
Vow

Kick My Ass (VIC-CHESNUTT-Cover)
Girl Don’t Come
Cherry Lips (Go Baby Go!)
Push It

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