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GOTTESFINSTERNIS – BLUTZUKKER – CURIOUS

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Ort: Herford - Elfenbein

Datum: 29.01.2005

Als Aufhänger für diesen kalten Abend wählte man den CD-Release der GOTTESFINSTERNIS-Scheibe “Angstschrei“, welcher mal wieder ins Herforder Elfenbein locken sollte. Nachdem die „Konkurrenz“ von HELIUM VOLA wegen Hornscher Ermüdungserscheinungen abgesagt worden war, hoffte ich auf eine etwas regere Beteiligung an diesem Dreierpack, wurde aber bitter enttäuscht. Um 20 30 Uhr präsentierte sich das Elfenbein gähnend leer, lediglich Personal, Veranstalter und Musiker bevölkerten die Lokalität. Und es wurde auch im Verlauf des Abends kaum besser. An der mangelnden Werbung soll es laut Veranstalter Marlon nicht gelegen haben (allerdings fanden sich selbst auf der Elfenbein-Homepage keine Infos). Ob nun die Kälte schuld war oder ganz einfach das Desinteresse gegenüber kleineren Acts, erschließt sich mir nicht wirklich, zumal der Eintrittspreis mit 6, 50 Euro sehr human ausfiel. So trippelten die „Kuriosen“ schon etwas nervös umher, bis klar war, dass man nicht mehr auf Menschenmengen hoffen konnte.

Da CURIOUS als einzige Formation des Abends mit einem Schlagzeug operierten, hatte man sie als Opener eingeplant, um später den Umbau zu erleichtern. Irgendwann war es soweit und die sympathischen Bielefelder kletterten auf die Bühne, welche mit Kerzenleuchtern und Papiersäulen geschmückt war. Wie auch in Gütersloh im vergangenen Jahr verzichtete man zwangsweise auf die etatmäßige Drummerin Suzie und agierte mit einem männlichen Ersatz, der sogar einmal die Double Bass Keule schwang. Im Saal ergab sich ein bizarres Bild: Da Tische und Stühle nicht entfernt worden waren, blieben alle einfach sitzen, sozusagen eine Art Gothic Tanztee mit menschlichen MP3-Playern. Olli und seine Bande ließen sich nicht beirren. Man spielte sich sehr respektabel durch 10 Stücke, welche zum Teil von der „Intimate Stranger“-VÖ stammten, aber auch neue Songs wie „Dark Waters“ wurden präsentiert. Dazu kamen ein paar launige Kommentare des Smithigen Sängers, wie etwa der Hinweis, dass ja der CD-Verkauf an diesem Abend nicht lohne, da ja eh schon jeder eine davon zuhause habe. Und damit lag er sicher zu 99 Prozent recht. Unter den Anwesenden übrigens auch Edelfan Chucky sowie Stefan und Ivi von den SPIRITUAL CRAMPS, welche die Kollegen ein wenig anfeuern wollten. Olli stieg auch ein paar mal die Treppen hinab, um einen (den einzigen!) unschuldigen Tänzer anzusingen und konnte es dabei gerade verhindern, das Mikrokabel aus der Verankerung zu reißen. Natürlich kam auch wieder Marcos Djembe zum Einsatz, so dass man insgesamt einem abwechslungsreichen und soundtechnisch nahezu perfekten Gig beiwohnte. Mehr war an diesem Abend nicht drin.

Danach wurde das Drumkit entfernt und die Kollegen von BLUTZUKKER bekamen den Bühnenplatz zugeteilt. 2 mal Keyboard mit männlicher und weiblicher Bedienung plus Sänger im Cowboyhut bildeten die trionfale Besetzung. Der gute Ben hinter dem Mic versuchte mit einer Form des tanzbar flotten Elektros plus aggressivem Gesang den noch weniger gewordenen Zuschauern einzuheizen, was leider nicht wirklich gelang. Davon abgesehen, dass nicht mal RAMMSTEIN an diesem Abend was gerissen hätten, gefiel mit die Darbietung der Blutsauger live nicht so gut wie noch auf der Remix CD „Sucking Blood is true Addiction“. Zu einförmig der Gesang, zu monoton die Rhythmen. In Verbindung mit einer vollen ekstatischen Halle mag das Ganze aufgehen, hier und heute war eher Gähnen angesagt, trotz teilweiser Verstärkung mit einer (zu leisen) weiblichen Stimme. Allerdings muss man BZ auch zu Gute halten, dass dies der ERSTE Gig in dieser Besetzung überhaupt war, bzw. die erste öffentliche Probe.

Als Headliner fungierten die Ruhrgebietler GOTTESFINSTERNIS, die mir mit ihrem bei Pandailectric erschienenen Debüt „Angstschrei“ sehr viel Respekt abverlangt hatten. Die Herrn Toms Aries (Gesang – klein mit Hut) sowie Daniel Snowwise (Keyboard, 2ter Gesang – groß, kräftig und mit Krähennest auf dem Kopf) prügelten ihre Version von Avantgarde Elektro ohne Umschweife in die gähnende Leere. Im Gegensatz zu den Vorgängern konnte man dabei mit witzigen Ansagen und sehr hörbaren Gesangsstimmen punkten. Die Stücke, die hin und wieder etwas an DAS ICH erinnern, sind lyrisch mit vielen kleinen Boshaftigkeiten gegen unseren Schöpfer aber auch mal George Bush gespickt. Dabei fallen diese durch die treibenden Beats und den rhythmischen Sprechgesang so mitreißend aus, dass Tanzbarkeit garantiert ist. Sogar an diesem vakanten Abend ließen sich ein paar Elektroniker zu Tanzschritten bewegen, das restliche Häuflein applaudierte immerhin höflich zu Tracks wie „Die Schlange“, „Sie marschieren wieder“ oder „Stacheldraht“. Als Höhepunkt wurde gegen 12 Uhr der Veranstalter Marlon vor die Bühne geholt, dem ein Geburtstagsständchen gewidmet wurde. Als Dank revanchierte sich der Mann mit einer Lokalrunde Ramazotti, die an diesem Abend eher günstig ausfiel, aber natürlich dennoch lecker war. Zusätzlich widmete ihm das gotteslästerliche Duo einen brandneuen Track, der sich noch in der Reifephase befindet. Mit dem leicht epochalen „Wir sind die Kinder“ verabschiedeten sich Toms und Daniel, die ihre Sache in meinen Augen sehr gut gemacht haben, auch wenn das kaum einer mitbekommen hat. Nach Mitternacht war ein launig leerer Abend beendet, der immerhin für ein paar Stunden gute Unterhaltung gesorgt hat – beim nächsten Mal aber bitte selber vorbeikommen!

Setlist CURIOUS
Rovers
Time
Interludium: Djembe & Drums
The Silent Voice
Dark Waters
Your Apology
A thousand Sunrises
Disaster
Holy Ground
Thought of Angels

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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