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GREGORIAN

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Ort: Bielefeld – Stadthalle

Datum: 21.02.2013

The Epic Chants-Tour

Kirchliche Themen sind en vogue. Nach hunderten von Jahren tritt erstmals wieder ein Papst von seinem Amt zurück, die Hetzer von Kreuz.net wurden zumindest vorübergehend lahmgelegt und DIE PRIESTER treten im Vorentscheid für den Bundesvision Song Contest an. Da darf der Terrorverlag nicht fehlen und machte sich an diesem kalten Donnerstagabend auf nach Bielefeld, um gregorianischen Mönchsgesängen zu lauschen, allerdings eher vor schöngeistigem denn christlichem Hintergrund. Das Pseudo-Kloster-Kollektiv GREGORIAN ist natürlich auch ein materieller Goldesel, immerhin hat man seit dem ersten Album 1991 mehr als 6 Millionen Tonträger verkauft, der aktuelle Tonträger „Epic Chants“ aus dem Jahre 2012 konnte mal wieder die Top Ten der Charts knacken. Dabei lag dieses Mal der Schwerpunkt auf (sic) epischen Filmscores, die sich natürlich bestens für eine musikalische Umsetzung in Choräle eignen, zudem sind sie allenthalben bekannt und meist Generationen-übergreifend beliebt. Mit Neugier und Vorfreude im Gepäck betraten wir also die Stadthalle zu Bieletown, in der sich bereits eine große Menschenmenge versammelt hatte…

Menschen aller Altersklassen und Schichten freuten sich auf eine erbauliche Erfahrung und nachdem die Zuschauer ihren Platz gefunden hatten (derart Veranstaltung ist natürlich bestuhlt), konnte es auch schon relativ pünktlich kurz nach 20 Uhr losgehen. Der Vorhang fiel und dahinter befand sich zunächst mal „nur“ die Instrumental Sektion. Links ein hübsch anzusehendes weibliches „String Quartett“ plus Pianistin (die russisch-stämmige Eva Mali), rechts Keyboard, Gitarre (Gunther Laudahn) und ein sehr metallisch aussehender Drummer, der sich als BONFIRE Schlagwerker Harry Reischmann entpuppte. Im Hintergrund eine große Leinwand, auf der – ähnlich wie unlängst bei UNHEILIG – ein nettes Filmchen die Ankunft der Mönche darstellte, dazu das „Chariots of Fire“-Thema von VANGELIS. Immer wieder sorgten an diesem Abend selbstgedrehte Einspieler passend zu den jeweiligen Soundtracks für Erheiterung, wenn die Protagonisten bekannte Filmszenen in ihrer eigenen Art und Weise nachspielten. So etwa die berühmte „Titanic-Kuschelsequenz“ an Deck, nur eben mit 2 Kuttenträgern Arm in Arm. Humor besitzen GREGORIAN also, ebenso wie eine fantastische Lichtshow, die in Verbindung mit unzähligen Gimmicks für Unterhaltung sorgte. Da wurde nichts ausgelassen, was man bei aufwendigen Konzertproduktionen erwarten kann. Feuer (sogar das Piano stand einmal in Flammen!), Lasershow, ohrenbetäubende „Explosionen“ – alles an Bord, da standen keineswegs nur ein paar alte „Tattergreise“ auf der Bühne. Mal ganz zu schweigen von der weiblichen Unterstützung, für die zunächst Amelia Brightman verantwortlich zeichnete, die in vielen „rassigen“ Outfits eine gehörige Portion Erotik versprühte. Und die Dame hat definitiv schon mal ein Fitness-Studio von innen gesehen, ihr später präsentiertes „Bäuchlein“ ist/ war aller Ehren wert. Interagiert wurde eher wenig mit dem Auditorium, die 8 „aktuellen“ Gregorianer sind allesamt Engländer, verstanden es aber dennoch bei ihren wenigen Ansagen für Erheiterung zu sorgen. So lobte man die Titanic-Film-Musik, beklagte aber das schlimme Filmmaterial drumherum. Nach bereits 40 Minuten ging man in eine kleinere Pause, angesichts der langen 2ten Hälfte vielleicht eine nicht optimale Einteilung, aber das war nur eine unbedeutende Randnotiz.

Mit dem Thema vom „Paten“ ging es weiter, dazu allerlei Bilder von echten wie Film-Mafiosi im Strudel der Zeit. „Bring me to Life“ (EVANESCENCE) sorgte ebenfalls wie RAMMSTEINs „Engel“ zuvor für einige erstaunlich harte/ gitarrenlastige Momente im Sound, hier gingen die Musiker richtig ab. Respekt. Zum gefühlvollen „Agains all Odds“ trug jeder der Herren einen Spiegel in der Hand, um damit das Licht in die Konzerthalle zu reflektieren, das rein instrumentale „Fluch der Karibik“-Thema wurde dann wieder sehr druckvoll mit trommelnden Mönchen unterlegt. Überhaupt zeigten sich die Künstler sehr vielseitig, so trat nun Pianistin/ Sängerin Eva Mali nach vorne, um mit einer wunderbaren Stimme das italienische „Nella Fantasia“ zu intonieren, ein reinster Gänsehaut-Moment. Nach dem „Letzten Einhorn“ und U2s „In weiter Ferne, so nah“-Stück „Stay“ erhoben sich die Bielefelder erstmals zu Standing Ovations, doch der Auftritt sollte noch lange nicht zu Ende sein.

Es folgte als Opener des ersten Zugabenblocks das Gospelig angehauchte „Hallelujah“, welches zunächst von Laudahn, Reischmann und den „Streicher-Mädels“ alleine angesungen wurde. Nach und nach kamen die Mönchs-Stimmen hinzu, jedoch in diesem Falle mitten aus den Sitzreihen, denn die Sänger hatten sich mitten im Publikum positioniert. Ein schöner Einfall. Auch James Bond („Live and let die)- und Notting Hill-Anhänger sollten noch auf ihre Kosten kommen. Der ELVIS COSTELLO-Song „She“ (ursprünglich von CHARLES AZNAVOUR aufgenommen) sorgte für heimelig-romantische Momente und wurde allen Frauen, Müttern, Geliebten, weiblichen Wesen etc. im Saal gewidmet. Dazu gab es im Hintergrund Bilder der Mönche in trauter Zweisamkeit mit ihren jeweiligen weiblichen Vertrauten zu sehen – wem hier nicht warm ums Herz wurde, war definitiv fehl am Platze. Damit ging es ein weiteres Mal unter viel Beifall in eine kurze Unterbrechung, nach welcher die letzten beiden Stücke die mittlerweile gut 2-stündige Darbietung perfekt abrundeten. Ein Konfettiregen und eine Tanzdarbietung der GREGORIANs, die mich an die „Ritter der Kokosnuss“ erinnerte, beendeten das Spektakel, kaum einen hielt es zum Schluss noch auf den Sitzen.

Fazit: Eine perfekt choreographierte Show mit erwartungsgemäß tollen Stimmen und einer schönen Symbiose aus Musik und Film. Das Ganze Generationen-übergreifend und mit einem Augenzwinkern serviert und von spielfreudigen Musikern in Szene gesetzt. Chapeau GREGORIAN, ich war sehr positiv überrascht. Leider trübte die nachfolgende „Verlängerung im Parkhaus“ die Laune wieder ein wenig, doch damit muss man in der Stadthalle halt immer rechnen.

Setlist (ohne Gewähr)
Part 1
Chariots of Fire (VANGELIS)
Conquest of Paradise (VANGELIS )
The Sound of Silence (PAUL SIMON AND GARFUNKEL)
The Rose (BETTE MIDDLER)
Streets of Philadelphia (BRUCE SPRINGSTEEN)
Now We are Free
Who Wants to Live Forever (QUEEN/ BRIAN MAY)
Engel (RAMMSTEIN)
O Fortuna (CARL ORFF)

Part 2
Godfather Theme
Bring Me to Life (EVANESCENCE)
Against All Odds (PHIL COLLINS)
Both Sides Now (JONI MITCHELL)
Nella Fantasia
He’s A Pirate (KLAUS BADELT/ HANS ZIMMER)
My Heart Will Go On (CELINE DION )
Kiss From a Rose (SEAL)
Piano Interlude (incl. solo 1st. Violin)
Last Unicorn (AMERICA)
Stay (U2 )

Hallelujah
Kashmir (LED ZEPPELIN)
Live and Let Die (PAUL MCCARTNEY & WINGS )
She (ELVIS COSTELLO/ CHARLES AZNAVOUR)

World Without End (GREGORIAN)
Sky and Sand (PAUL KALKBRENNER )

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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