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HEINZ STRUNK

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Ort: Bielefeld – Skala

Datum: 20.02.2015

HEINZ STRUNK hat ein neues Buch rausgebracht: „Das Strunk-Prinzip“, eine Sammlung von Kolumnen, die in den vergangenen drei Jahren im Satiremagazin Titanic erschienen sind. Da war es natürlich wieder an der Zeit, das Köfferchen zu packen und auf Lesereise zu gehen. Doch Heinzer wollte dieses Mal nicht einfach nur ganz altmodisch Texte vorlesen, nein, wozu hat er denn fast zeitgleich auch noch die Platte „Sie nannten ihn Dreirad“ in die Läden gebracht? Eigentlich wollte der 53-jährige ja nur neue Songs für FRAKTUS, seine fiktive Band mit den beiden STUDIO-BRAUN-Kollegen ROCKO SCHAMONI und JACQUES PALMINGER schreiben, aber es blieb noch genügend Material für einen Solo-Longplayer und eine multimediale Show nach dem Motto „weg von der verschnarchten Lesung, hin zum Power-Dingsbumms“ übrig.

Deshalb kann sich der Motivationstrainer Jürgen Höller jetzt auch warm anziehen, denn das Strunk-Prinzip ist natürlich die angesagte Mental-Coaching-Methode! Entsprechend wurden gleich zu Beginn des Abends in der ausverkauften Skala die zahlreichen Besucher mit einer Stimme aus dem Off und entsprechenden „Tsjakkaa!“-Parolen eingenordet, ehe der Meister persönlich die Bühne betrat. „Aufnehmen, bewerten, handeln“ war alsbald seine erste musikalische Aufforderung, der sogleich die Strunk-eigene Benotung des eigenen Tuns als wahlweise peinlich oder unsympathisch folgte. Der Mann nahm sich also glücklicherweise selbst nicht wirklich ernst und zog stattdessen in bewährter Manier durch den Kakao, was im gerade vor die Flinte kam. Da durfte eine kurze, mit Anglizismen gespickte Werbeveranstaltung für sein geschmackvolles Beinkleid ebenso wenig fehlen, wie ein Seitenhieb auf den bereits erwähnten Höller, bevor es an die Themen ging, die den modernen Städter wirklich interessieren: Kriminalität, Senioren, Tiere, Ernährung, die Landbevölkerung und Fernsehköche. Mathias Halfpape aka Jürgen Dose aka HEINZ STRUNK hat zu allem eine Meinung und verbindet Unterhaltung mit Information und sogar Spiritualität, denn nach der „offenen Verwandlung“ vom wehrlosen Einbruchsopfer in den eiskalten Täter (mit Baseball-Cap, Kappu und Augenbinde) war es Zeit für den Vortrag eines etwas komplizierten, aber selbstverständlich hochwirksamen Mantras, das immer wieder eingestreut wurde. „Opa L’amour“ (Alternativtitel: „Grandpa In Love“ räumte mit Querflöten-Unterstützung mit dem Vorurteil auf, Senioren hätten keine Sexualität mehr und beim Referat über die Gewinner und Verlierer in der Tierwelt kristallisierte sich doch sehr schnell heraus, dass Pferde bei Herrn Strunk nicht besonders gut gelitten sind. Weiterhin gab es in seiner Kindheit zwei Dackel, die ihn immer noch bis in die Träume verfolgen und mit dem Song „Dackelblut“ bedacht wurden.

Mit dieser Sprechgesang-Nummer wurde das Publikum nach den ersten 45 Minuten zunächst einmal in die Pause geschickt, bevor eine knappe halbe Stunde später das große ROGER-WHITTAKER-Schifferklavier-Medley (aus zwei Songs bestehend) zu Herzen ging. Strunk nur ein seelenloser Gag-Roboter? Mitnichten! Das bewies nicht nur die Musikauswahl, sondern auch ein Blick in sein persönliches Fotoalbum, das allerlei Schnappschüsse, Zeichnungen und Bandfotos enthielt. Abstruse Illustrationen seiner Kolumnen waren dabei, Pics seiner Bühnenrollen, von der Elektro-Pop-Erfindung FRAKTUS, STUDIO BRAUN und auch ein Wahlkampfplakat der PARTEI zeigte er, doch mit Polit-Kollegen hat Heinz sich überworfen; kurz nach den Bürgerschaftswahlen in seiner Heimatstadt Hamburg will er nunmehr der FDP zu neuer Stärke verhelfen… Dank des multimedialen Ansatzes folgte noch ein Werbespot für „Smirkey“, den ersten krümelfreien Autofahrerkeks, den Torsten Bage und Bernd Wand von FRAKTUS in den Himmel lobten. Die Spezerei möge jedoch schnell verzehrt werden, denn „Langsame Esser“ mag der Hauptprotagonist des Abends gar nicht, wie er auf musikalischem Wege bekannte. Dafür hat er ein Herz für die Bauern, die den Tag mit Korn zum Frühstück beginnen und sich am Wochenende auch mal einen Strohrum gönnen, während sie ihre Lieblingsmucke Fantasy Metal hören. Nicht so gut ist der Entertainer, Autor, Musiker und Schauspieler allerdings auf Fernsehköche zu sprechen, da kann er dann auch schon mal in Rage kommen und ausfällig werden, doch als Entschuldigung für diesen Fauxpas bei „Kleiner geiler Fernsehkoch“, setzte er umgehend mit „Alarmstufe Rahmstufe“ nach und entlarvte Veganer als Mörder, denn auch Pflanzen leiden, wenn sie geerntet und zubereitet werden! „Rien ne va plus“ hieß es daraufhin abschließend nach knapp zwei Stunden, doch einen kleinen Nachschlag hatte HEINZ STRUNK noch für seine begeisterten Fans, die noch seinen großen Hit „Computerfreak“ serviert bekamen. Außerdem stand noch eine alte Nummer auf dem Programm, die 1986 gezwungenermaßen auf dem Programm der Hochzeitskapelle TIFFANYS stand. Leser des Romans „Fleisch ist mein Gemüse“ werden sich erinnern, dass Heinzer jahrelang mit dieser Combo durch die Gegend getingelt ist und da musste auch schon mal ein Loblied auf „Mariacron“ gesungen werden, wenn der Harburger Schützenkönig das so wollte.

Blieb noch ein Ausblick auf kommende Projekte, denn im April kommt der Film „3 Eier im Glas“ mit HEINZ STRUNK in der Rolle des versoffenen Musiklehrers Kiesel in die österreichischen Kinos (eine erneute Zusammenarbeit mit Dirk Stermann und Christoph Grissemann, vgl. „Immer nie am Meer“), im August erscheint zum 20-jährigen Dienstjubiläum ein dickes STUDIO-BRAUN-Buch und im Oktober soll es ein neues FRAKTUS-Album geben. Für das kommende Jahr hat Heinzer zudem ein weiteres Sachbuch versprochen, das den Titel „Noch sieht man nichts“ tragen und sich dem Thema Diäten widmen soll. Auch neue Kolumnen sind in Sicht: „Heinz Strunks Intimschatulle“ lautet hier der vielversprechende Titel. Man darf also gespannt sein, was in den kommenden Monaten vom hanseatischen Anarchohumoristen und seinen langjährigen Kollegen noch zu erwarten ist. Für diesen Freitagabend darf zumindest festgehalten werden, dass der Mann seine Zuhörerschaft mit seinen skurril überspitzten Thesen und absurden Statements erneut bestens unterhalten hat, was auch die harten Bierbänke schnell vergessen machte.

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