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HIGHFIELD 2012

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Ort: Störmthaler See bei Leipzig/ Großpösna

Datum: 17.08.2012 - 19.08.2012

Highfield 2012 – Das heißeste Festival des Jahres

Zum 15. Highfield-Festival reisten rund 20 000 Fans aus ganz Deutschland an, um auf dem größten ostdeutschen Indie-Event ordentlich zu feiern. Wer allerdings die besten Plätze auf dem Zeltplatz wollte, musste bereits am Vorabend anwesend sein. 47 Bands standen an drei Tagen auf der Bühne und boten ein Spektakel mit mehr als 45 Stunden Live-Musik. Trotz Hitzerekord, Schweiß und Staub ließen sich die Fans nicht davon abhalten, vor der Green- und Blue Stage abzurocken. Ohne Probleme und Wartezeiten erreichten wir Freitagabend den VIP-Zeltplatz. Von diesem aus hatten wir einen perfekten Ausblick auf die Green Stage. Auf dem Festival-Gelände herrschte bereits ein reges Treiben: Ob beim Bungee-Jumping, an dem sich auch noch nach 23 Uhr Mutige 60 Meter in die Tiefe stürzten oder an den Kicker-Tischen, sowie am Piercing-Stand und natürlich an den Getränkeständen. Auch die Sponsoren waren zahlreich vertreten. So gab es von Marlboro eine Raucherlounge mit Spielen und einem tollen Ausblick über das Gelände. Sony bot Karaoke und einen Handyverleih an. Groß war auch der Ansturm bei den funkelnden Duschkabinen von Axe. Dort war es möglich, sich bei Temperaturen von über 30 Grad zu erfrischen. Suzuki hatte einen Strand mit Liegestühlen und kleinen Schwimmbassins aufgebaut. Daher konnte man sich ab und zu eine kleine Pause zwischen den einzelnen Acts gönnen und einfach das tolle Wetter genießen. Ein super Angebot bei den fast subtropischen Temperaturen war die Wasserstelle mit gratis Trinkwasser für alle Festival-Besucher. Dort konnte man jederzeit seine Tetra-Packs mit dem frischen Nass auffüllen. Aber nun zu unseren Musik-Highlights dieser drei Festival-Tage…

TAG 1

KRAFTKLUB

Leider verpassten wir aus beruflichen Gründen den Opener des Highfield-Festivals 2012. TIMID TIGER hatten sich um 15:30 Uhr auf der Green Stage präsentiert. Schade, hätten wir doch gerne ein paar Klänge aus ihrem aktuellen Album „The Streets Are Back“ gehört. So startete unser persönlicher musikalischer Auftakt um 18:45 Uhr mit der Indie-Rap-Band KRAFTKLUB. Heutzutage kommt man wohl kaum um die fünf Jungs aus Chemnitz herum. In Leipzig präsentierten sie sich sehr rockig. Sie trugen graue Skinny Jeans mit roten Hosenträgern, dazu weiße T-Shirts sowie Sonnenbrillen. Sie gaben ihre Ohrwürmer mit viel Energie dem tanzenden, springenden und singenden Publikum zum Besten. Sie begeisterten mit Hits aus ihrem aktuellen Debüt-Album „K“. „Zu jung“, „Ich will nicht nach Berlin“ und „Songs für Liam“ durften natürlich nicht fehlen. Ebenso dabei war „Karl-Marx-Stadt“. Dieser soll, welch Überraschung, besonders gut bei den ostdeutschen Fans angekommen sein. Bei „Randale“, ein eher älteres Stück, forderte Sänger Felix Brummel die Zuhörer dazu auf, in die Hocke zu gehen. Alsdann wurde gemeinsam gesprungen. Als Belohnung gab es von KRAFTKLUB Wasserflaschen, auch Herr Brummel selbst erfrischte sich mit dem kühlen Nass. Dies hatte er sich auch verdient, denn er zappelte immer fleißig von rechts nach links hin und her. Den Abschluss bildeten die ersten Klänge ihrer aktuellen Single „Kein Liebeslied“, eine eher ruhige Nummer. Doch dann wurde überraschenderweise das Tanzlied „Scheissindie Disco“ performt. Frontman Felix suchte dabei die Nähe zum Publikum, stieg auf den Wellenbrecher vor dem Pressegraben und wurde lautstark von den Fans gefeiert. Außerdem nahm er noch seine Sonnenbrille ab, „Das ist viel persönlicher!“. KRAFTKLUB suchen aktuell das beste Publikum. Wir haben auf jeden Fall unser Bestes gegeben, um bei diesem Ranking ganz oben mit zu mischen. Aber bei 25 Festival-Auftritten ist die Konkurrenz groß.

THE SHINS

Nach diesem überaus kraftvollen Act ging es von der Blue Stage rüber zur Green. Hier spielten die eher ruhigen THE SHINS. Eine Indie-Pop-Gruppe aus Amerika. Hier in Deutschland bekannt u.a. durch den Soundtrack zum Film „Garden State“ Wir genossen die faszinierenden Klänge aus der riesigen Synthesizer-Anlage auf dem VIP-Zeltplatz und stellten fest, dass sich nach der Verabschiedung von KRAFTKLUB das Feld vor der Green Stage gut gefüllt hatte.

THE WOMBATS

Um 20:45 Uhr stießen wir auf THE WOMBATS. Auch wenn es noch nicht ganz dunkel war – Wombats (australische Beuteltiere) sind nachtaktive Lebewesen -, rockten sie von der ersten Sekunde an. Seit über neun Jahren liefern die drei Boys aus Liverpool Indie-Hymen mit coolen Gitarrenrhythmen und kleinen Elektro-Ausflügen. Das überzeugt nicht nur die Fans in England, sondern auch bei uns, wie wir beim Highfield feststellen konnten. Nicht nur wir waren begeistert: Das Auditorium sang lautstark bei „Is This Christman“ mit sowie bei den Singles aus ihrem aktuellen Album „The Wombats Proudly Present: This Modern Glitch“. Diese Scheibe aus dem Jahre 2011 klingt poppiger als in der Vergangenheit und der Sound zeugt von noch mehr Synthesizern. Einfach nur tanzbare Musik! Diesen Sound nutzten die Festivalzuhörer aus und es wurde im Licht der Abendsonne zu den Hits „Techno-Fan”, „Jump Into The Fog”, „Anti-D”, „Our Perfect Disease” oder „1966” getanzt und geklatscht.

BONAPARTE

Nach den „braven Jungs von Nebenan“ ging es weiter auf die Blue Stage. Hier erwartete uns eine total verrückte Combo namens BONAPARTE. Ich wusste, auf was ich mich da eingelassen hatte, hatte ich sie doch vor ein paar Jahren auf dem Melt! erleben dürfen, nicht so meine Kollegin. BONAPARTE – das sind acht Musiker aus acht verschiedenen Ländern und so sind ihre Auftritte sehr individuell und ebenso multi-kulti. BONAPARTE lieferten 60 Minuten lang eine freakige Show ab. Das Publikum schaute mit großen Augen und aufgerissenen Mündern dabei zu, wie eine Frau mit riesiger Perücke wild herum tanzte, wie Frauen topless kämpften, wie Männer mit Monitoren auf den Köpfen herumsprangen, wie eine Frau mit Schläuchen im Mund einen heißen Tanz hinlegte und wie ein Lampenschirm auf einem Kontrabass spielte. Wir durften eine Kopie des Kult-Videos „Rock DJ“ von ROBBIE WILLIAMS miterleben und noch viele weitere Spektakel. Man fühlte sich wie in einer Mischung aus einem Zirkuszelt-Ü18, einem Gruselkabinett oder auch wie in einer Freakshow mit erotischen Tanzeinlagen. Nicht immer findet Tobias Jundt, Kopf der Band, gut, was seine Kollegen auf der Bühne präsentieren. Ob er mit diesem Auftritt zufrieden war, wissen wir nicht. Wir wissen nur, es war eine außergewöhnliche Darbietung und teilweise hatte man das Gefühl, die Musik steht bei dieser Band eher im Hintergrund. Trotzdem soll erwähnt werden, „Sorry We Are Open“ heißt ihr aktuelles Album, seit Mitte August auf dem Markt.

SPORTFREUNDE STILLER

Headliner am Freitagabend waren die SPORTFREUNDE STILLER, die von Mitternacht bis 01:30 Uhr auf der Green Stage agierten. Mit Vorfreude warteten die Anwesenden auf die drei sympathischen Jungs aus München, denn es ist ja schon eine Weile her, dass sie musikalisch von sich hören ließen – Das letzte Studioalbum erschien 2007 („La Bum“). Beim Highfield präsentierten sie sich ganz groß, auf einer stark erhöhten Bühne, wo jeder der Jungs sein eigenes Podest bekam. Begleitet wurden sie von einem kleinen Orchester bestehend aus Streich- und Blasinstrumenten. In den nächsten 90 Minuten spielte die Indie-Rock-Truppe Klassiker aus guten alte Zeiten, wie „Ein Kompliment“, „Ich, Roque“, „Fast wie von selbst“, „Geht´s dir da genauso“, „Wunderbaren Jahre“, „Wellenreiten“ oder „Heimatlied“. Die Jungs waren nett anzusehen und das Musikvolk, das ihnen „zu Füßen stand“ erfreute sich. Zum Ende des Auftritts gab es ein Statement zu der russischen Provo-Combo PUSSY RIOT, nicht das letzte Mal an diesem Wochenende. Während die „Sportis“ ihre Show ablieferten, wurde auf der Bühne nebenan zu oberbayerischem Techno oder doch Ska, egal man weiß es nicht, getanzt, geschunkelte und sich in einer Polonaise auf dem Festivalgelände fortwärst bewegt. LABRASSBANDA waren für dieses Spektakel verantwortlich. Wir ließen uns vom Headliner treiben und verpassten dadurch ihre Show, die ausnehmend unterhaltsam gewesen sein soll. Dann eben das nächste Mal!

Nach den Konzerten war die Zeit reif für das Disko-Zelt. Dort wollten wir noch das Tanzbein schwingen. Doch leider war der DJ nicht so gut drauf, was viele andere Festival-Besucher wohl auch dachten, denn die Tanzfläche war verhältnismäßig leer oder man wollte sich seine Kräfte für die BEATSTEAKS bewahren, Headliner des Folgetages.

TAG 2

Wir wurden gegen 9 Uhr musikalisch von unseren „netten Nachbarn“ geweckt, auch auf dem VIP-Zeltplatz ist man vor solchen Überfällen nicht gewappnet. Aber egal, vier Stunden Schlaf müssen genügen. Viel länger hätten wir es ohnehin nicht im Zelt ausgehalten, denn der Himmel war wieder blau und die Sonne strahlte in unsere müden Augen. Natürlich stand zu Beginn eine Erfrischung im Störmthaler See auf dem Plan. Dies dachten sich auch andere Festival-Besucher und so bildete sich eine größere Menschentraube vor dem Eingang der Badestelle, denn nur 500 Menschen hatten dort Platz.

WHITE RABBITS

WHITE RABBITS hieß unser erster Act an unserem zweiten Highfield-Tag. Diese Band war uns bis dato unbekannt und wird es leider auch bleiben. Das Sextett aus den USA schaffte es nicht, uns am frühen Nachmittag von seinem Indie-Pop zu überzeugen. Vielleicht war es auch noch zu früh für die Jungs. Sie gaben wohl nicht alles auf ihren zwei Schlagzeugen und die drei Männerstimmen waren noch nicht geölt. Auch dröhnte der Bass für unsere Ohren noch viel zu laut, so dass wir das Weite suchten und bei den AXE-Duschen stehen blieben, um uns das dortige „Spektakel“ anzuschauen.

DISPATCH

Von der Blue Stage wieder rüber zur Green Stage. Dort erwartete uns DISPATCH, eine weitere Indie-Formation aus den Staaten, die eher selten in Europa anzutreffen ist. Ihr Besuch beim Highfield war ihr erster Auftritt auf einem deutschen Festival. Wie cool ist das denn – und wir waren dabei! Stilistisch lässt sich ihre Musik als eine Mischung aus Singer/ Songwriter, Rock, Reggae, Folk und Funk beschreiben. Um kurz vor 17 Uhr wurden wir freundlich von Frontmann Chad Urmstone (mit wilder Frisur) begrüßt. DISPATCH spielte auch gleich zu Beginn „Here We Go“, ein guter Einstieg wie ich finde und „Out Loud“ durfte auch nicht fehlen. Alle drei Bandmitglieder legten sich richtig ins Zeug und sangen motiviert in ihre Mikrophone. Der eher chillige Sound passte perfekt in die einbrechende Abendstimmung. Die Ohren und Augen der Zuhörer konnten sich bei dieser Musik noch mal richtig vor der einbrechenden langen Musiknacht entspannen, wobei es zeitweise auf der Bühne auch rockte. Es kam zu Solo-Einlagen von Bass, Gitarre und Schlagzeug. Die drei Jungs gaben alles, um uns von sich zu überzeugen: Wir durften einen wild tanzenden und springenden Bassisten erleben, einen glücklichen Drummer, der sich am Ende der 45-minütigen Show herzlichste beim Publikum bedankte und Chad teilte uns noch eine freudige Nachricht mit: „We are back in January!“. „Circles Around The Sun“ heißt ihr aktuelles Album, seit Mitte August in gut sortierten Plattenläden zu finden und vielleicht findet man es auch demnächst in meinem CD-Regal, so sehr haben mich die sympathischen Jungs aus Boston überzeugt.

H-BLOCKX

Eine halbe Stunde später wurde es um einiges rockiger und wilder auf der Green Stage. H-BLOCKX, die Wegbereiter des deutschen Crossover waren am Start. Die wartenden Gäste wurden mit einer Ballade von LIONEL RICHIE begrüßt. Doch das war nur die Ruhe vor dem Sturm. „Sind hier, um uns allen richtig den Arsch aufzureißen!“, dass hieß so viel wie „wir sollen mitklatschen, mitsingen und mitspringen.“ Die vier „älteren Herren“ aus dem westfälischen Münster, die einiges an Musikerfahrung aufzuweisen haben, brachten das Highfield zum Rocken! „ Wo seid ihr Highfield?“ wurden wir gefragt oder „Ist das alles?“. Kopfnicken sollten wir und „dep-dep-dep“ singen. Sie machten einfach nur eine gute Stimmung und zur Ballade „Little Girl“ stellten die Westfalen fest, dass die hübschesten Frauen aus Sachsen auf dem Highfield wären. Leider können wir dies nicht bestätigen. Aber man war ja auch hier, um gute live-Musik zu hören. „Move“, Hi Hello“, „Risin’ High“ sorgten für Stimmung sowie das Einspielen von bekannten Melodien aus Funk und Fernsehen. Man kann die H-BLOCKX auch nach all den Jahren nur weiter empfehlen, sie machen einfach nur eine geile Stimmung und laden zum Pogen und Moshen ein!

BOSSE

Um 18:55 Uhr wurde unser deutscher Abend auf der Blue Stage von BOSSE eingeläutet. BOSSE, der nette junge Mann von nebenan, wirkte total normal und persönlich. Von der ersten bis zur letzten Sekunde sorgte er für sympathische Unterhaltung! Und er kam ziemlich schnell ins Schwitzen, genau wie das anwesende Volk, als es mittels „Roboterbeine“ zum Tanzen aufgefordert wurde, „Denn es ist ein Tanzlied!“, so BOSSE. Bei „3 Millionen“ wurde es noch wilder, Alex Bosse stellte sich mitten in das textsichere Publikum und alle sangen: „Dein Arzt hat gesagt es ist okay, aber es tut weh…“. Nach dieser Aktion war Alex nun komplett durchgeschwitzt und meldet sich mit den Worten auf der Bühne zurück: „Der dicke alte Mann will singen!“. Es geht weiter mit „Sommer lang“. Hier waren wir gefragt und sollten den Chorus lautstark mitsingen und bei „Du federst“ wurde geklatscht. Den Abschluss bildete „Frankfurt/ Oder“. Wir hatten es geschafft, BOSSE war einfach nur total erschöpft, sein Shirt tropfte. Er hatte alles gegeben! Alex bedankte sich bei uns für den schönen warmen Tag, sonst wären seine Gigs immer verregnet. BOSSE gaben uns noch mit auf den Weg, dass man an einem neuen Album arbeite (VÖ wahrscheinlich im Frühjahr 2013) – wie schön zu hören.

Setlist BOSSE
Metropole
Roboterbeine
3 Millionen
Sommerlang
Eines Tages weckst du mich auf
Weit weg
Du federst
Eine Schlacht
Frankfurt/ Oder

JUPITER JONES

Es blieb deutsch. Mit JUPITER JONES ging es nach 30-minütiger Pause weiter. JUPITER JONES gelang der endgültige Durchbruch bekanntlich mit ihrem Radio-Hit „Still“, auch ich wartete sehnlichst auf diesen Song und war sehr gespannt. Doch leider enttäuschte die Band mich ein wenig, denn Sänger Nicholas Müller verstand man textlich relativ schlecht. Vielleicht lag es auch daran, dass wir gerade von Alex Bosse akustisch so verwöhnt worden waren, oder dass ihm Balladen einfach besser stehen. „Still“ holte bei diesem Auftritt für mich dann alles wieder raus. Letztendlich boten Nicholas und die restlichen drei Herren eine gute Show und Herr Müller überzeugte dann doch mit seiner rauen aber schönen Stimme. „Auf das Leben – Es darf getanzt werden!“, forderte er uns auf. Auch er freute sich sehr hier zu sein, „ohne Scheiß“, so seine Worte. „Für immer sein“ durfte natürlich nicht fehlen. Dies ist das allererste Lied der vierköpfigen Punk-Rock-Band aus der Eifel. Den äußerlich auffälligen Gitarrist Sascha Eigner traf ich dann Stunden später tanzend im Disco-Zelt.

KETTCAR

Mit ihrem starken Live-Sound boten die fünf Jungs aus Hamburg jede Menge tanzbare und rockige Songs. Aber auch besinnliche und ruhige Lieder waren im Repertoire der Indie-Rock-Veteranen. Einmal mehr bewiesen sie, dass sie neben der textlichen auch auf der musikalischen Seite das Steuer fest in der Hand haben. Die Zwischenansagen der Jungs aus dem Norden waren gewohnt schlicht, charmant, fast schon schüchtern aber sehr authentisch. Der Bühnenhintergrund war mit dem Cover von „Zwischen den Runden“ groß geschmückt. Die folgenden 60 Minuten bestanden aus einem guten Mix aus neuen und alten Songs: „Deiche“, „48 Stunden“, “Balkon gegenüber“, „Graceland“, „Money Left To Burn“, „Der apokalyptische Reiter und das besorgte Pferd“ oder „Academy“ wurden zum Besten gegeben. Im Zusammenhang mit den aktuellen Ereignissen der „Pussy Riots“ widmete Sänger Marcus Wiebusch ihnen das Lied „RIP“ indem es heißt: „Wenn das der Frieden ist, musst Du den Krieg nicht noch erfinden“. Mit dem Kuschellied „Balu“ erfreuten sich ganz besonders die Frauen. Nicht ohne Grund wurde der Song in die Mitte der Playlist gesetzt, um einen vorzeitigen Stimmungsabfall zu vermeiden. Nach dem ausgewogenen Streifzug gab es zum Abschluss die KETTCAR–Kult–Hymne „Landungsbrücken“.

Unser deutscher Abend endete mit den ersten Klängen von FRITTENBUDE. Sie präsentierten sich in dunklem Licht und mit menschengroßen Kuscheltieren auf der Bühne. Getrieben vom Headliner des Tages zogen wir rüber zu Green Stage. Auf dieser Bühne spielten in den letzten Stunden ME FIRST & THE GIMME GIMMES, BROILER sowie die amerikanische Rockband SOCIAL DISTRORTION.

BEATSTEAKS

Das Highlight am Samstag, nein des gesamten Highfield-Festivals waren dann die BEATSTEAKS aus Berlin. Endlich, um Mitternacht war es soweit! Wie zu erwarten rockten die spielwütigen, hochenergetischen und mitreißenden Herren das komplette Festivalgelände. Die sympathisch-lässigen Berliner sorgten für meterhohe Dreckwolken, die sich über das tanzwütige Menschenmeer ausbreiteten und gewannen im Handumdrehen die Herzen der Zuschauer. Bei Klassikern wie „Jane Became Insane“ oder „Cut Off The Top“ vom Album „Limbo Messiah” ebenso wie bei „Hand in Hand” oder „Summer” (von der „Living Targets“-VÖ) war rastete die Masse aus und sprang im Takt der Musik. Natürlich durften die „Boombox–Songs“ wie „Automatic“ oder „Milk & Honey“ nicht fehlen. Besonders laut wurde es bei der Soloeinlage vom Gitarristen Bernd Kurtzke: „Frieda und die Bomben“ – eine hervorragende TURBOSTAAT-Kooperation. Einige Fans waren so begeistert von der Alternative-Rock-Punk-Band, dass sie ein bengalisches Feuer inmitten des Publikums zündeten. Sänger Arnim Teutoburg weiß zu animieren und versteht es, die Fans zu unterhalten. Zwei glückliche Mädels hatte er auf die Bühne geholt, um mit Ihnen gemeinsam zu tanzen, dabei machten alle Beteiligen eine gute Figur. Genauso forderte er alle Jungs auf, ihre Mädels auf die Schultern zu nehmen. Entspannt und lässig plauderte er mit dem Publikum und war vom Störmthaler See sehr angetan. Die Band wollte vor ihrem Auftritt ins kühle Nass springen und sich bei den heißen Temperaturen abkühlen. Aber da hatten sie nicht mit der äußerst aufmerksamen Leipziger Wasserwacht gerechnet. Baden war nur an bestimmten Stellen möglich und daran mussten sich auch die BEATSTEAKS halten… aber kein Problem für die coolen Jungs. Im Anschluss gab es noch einen kleinen Zugabeblock, unter anderem „Sabotage“ von den BEASTIE BOYS, der dem verstorbenen Bandmitglied Adam Yauch gewidmet war. Ebenfalls schon klassisch beim Highfield-Festival: Zu „Let Me In“ hockte sich das wahrscheinlich gesamte Auditorium hin, um im entscheidenden Moment hochzuspringen und auszuflippen. Die eingangsformulierte Ansage: „Euer Arsch gehört für die nächsten 90 Minuten uns!“ hatte sich somit erfüllt, nicht ohne Grund bezeichnet man die BEATSTEAKS als eine der besten deutschen Live Acts.

Nachdem uns Arnim ordentlich eingeheizt hatte, chillten wir mit Musik und Wein und netten Nachbarn vor den Zelten. Um 04:00 Uhr morgens machten wir uns noch auf den Weg zum Disco-Zelt dort tobte immer noch der Bär und noch immer war eine Menschentraube vor dem Eingang anzutreffen. Aber wir hatten ja unseren „coolen guy“ aus Liverpool dabei und so ging es durch einen Seiteneingang ganz easy rein (Vielen Dank dafür). Im Zelt angekommen herrschte beste Tanzstimmung, auch lud die Musikauswahl dazu ein.

TAG 3

Wieder viel zu wenig Schlaf! Wieder viel zu „nette Nachbarn“, die uns dieses Mal bis 09:30 Uhr schlafen ließen und wieder eigentlich viel zu heiß, aber wir wollen ja nicht meckern. Alles ist super!

ALBERTA CROSS

Wir verschrieben uns heute komplett der Green Stage – auf der Blue Stage ging es uns viel zu „laut“ her. Auf dem Plan standen unter anderem POLAR BEAR CLUB und AGNOSTIC FRONT, die ja bekanntlich nicht zimperlich musizieren. Aber nun zur Green Stage: Um 14:30 Uhr startete unser letzter Festival-Tag mit der amerikanischen Folk/ Bluesrock-Band namens ALBERTA CROSS. Hier noch ein Geheimtipp und nur als Import erhältlich. Meine vorherigen Recherchen im Netz überzeugten mich derart, diese Combo live erleben zu wollen. Wir wurden nicht enttäuscht! Auch wenn es um diese Zeit und bei steigender Hitze das Publikumsfeld noch sehr leer war, erlebten wir 30 Minuten herrlich beschwingte Musik, gepaart mit melancholischem Gesang. Gleich beim ersten Lied riss die Saite von Frontmann, Gitarrist und Sänger Petter Ericson Stakee. Doch dadurch ließ sich der junge Mann nicht beirren. Er und seine weiteren vier Bandmitglieder spielten unter anderem „ Money For The Weekend“ und „Magnolia“ (vom letzten Album „Songs Of Patience“ aus dem Jahre 2011). Dieser Song ist ein musikalischer Sommer, melancholisch folkig aber einnehmend hymnisch, passend für diesen Tag. „Lay Down” wurde ebenso zum Besten gegeben, dies ist ihre aktuelle Single und sie klingt ein wenig nach OASIS und RYAN ADAMS, wobei der Sänger an Jonny Depp erinnert: Auch er trug einen Hut und schwarzen Kajal unter den Augen. Trotz allem sind die 5 von ALBERTA CROSS individuell und sehr cool und erfrischend wie ich finde. Daumen hoch für diese Nachmittagsgruppe beim Highfield.

KILIANS

Weiter ging es mit den KILIANS. Diese doch recht bekannte deutsche Band präsentierte sich wie immer voller Energie. Vor allem Frontman Simon den Hartog sprang wild umher, schüttelte Kopf und Körper, joggte über die Bühne, sprang und präsentierte nach Herzenslust seinen wilden Tanzstil und kam dabei mächtig ins Schwitzen. Seine Bekleidung bestand dabei nur aus roten Shorts und einem Achsel- Shirt. Denn heute sollte der heißeste Tag 2012 werden und wir waren auf dem heißesten Festival und erlebten die heißeste Band, wie uns Simon verriet. Auch wir sollten ins Schwitzen kommen und fleißig mittanzen „Hometown“ animierte uns dazu. Seit ein paar Tagen ist ihr neues Album „Lines You Should Not Cross” in den Läden – daraus wurde uns taufrisch „Not Today“ präsentiert. Es war wieder eine erfrischende Wohltat, die KILIANS live zu erleben. Dann bis zum nächsten Mal!

THE SUBWAYS

Die britische Indie-Rock-Formation THE SUBWAYS ist eine wahre Familienband: Zwei Brüder als und Drummer und Sänger und die mittlerweile Ex-Freundin des Letztgenannten als Bassistin. Dass dies funktionieren kann, zeigten die drei auch wieder beim diesjährigen Highfield-Festival. Sie spielen seit 2003 immer noch in Urbesetzung. Alle stehen mit vollem Herzen hinter der Band, was sich musikalisch durch und durch positiv auf ihre Musik auswirkt. Um 16:45 Uhr betraten sie gut gelaunt und voller Tatendrang mit dem Song „Oh Yeah“ die Bühne. Der Sound war klar, laut und richtig gut. Energiegeladen ging es weiter mit „Holiday“, „Alright“ sowie „Kiss Kiss Bang Bang“ und „We Don’t Need Money To Have A Good Time“. Sie hatten und dabei sichtlich Spaß. Bei “Rock´n‘Roll Queen“ intonierten THE SUBWAYS den Refrain einfach mal auf Deutsch und ließen die Massen mitsingen. Aufgrund der brennenden Temperaturen hatte es Sänger Billy nicht lange ausgehalten, und musste sein T- Shirt ausziehen, sehr zur Freude der weiblichen Fans… Äußerst aufmerksam dachte er auch an das Publikum und warf deshalb mehrere Wasserflaschen in die tobende und schwitzende Menge, leider nicht bis zu uns. Mal war es ein Meer von Stimmen aus dem Publikum, das andere Mal spontane Interaktion mit dem Auditorium, was den Auftritt zu einer richtigen Party machte. Die Fans rannten wild im Kreis und man konnte Polonaisen hüpfender Fans durchs Publikum beobachten. Natürlich durfte der Höhepunkt, das Stagediving von Billy nicht fehlen. Nach 45 Minuten mussten sie sich leider schon verabschieden. Mit den Worten „You are amazing!“ bedankten sie sich bei den Fans. Die sympathischen THE SUBWAYS hatten bei uns einen bleibenden Eindruck hinterlassen und vermittelten eine unheimliche Lebensfreude!

CASPER

Und wieder ein deutscher Künstler auf dem Highfield: CASPER hatte um 18 Uhr geladen und seiner Einladung folgten viele Tausend Menschen. Auch wir bewegten uns in der Abendsonne und unter einer Staubwolke zu den Beats von CASPER. Der Herr ist bekanntermaßen eine Art „Indie Rappe“r aus Bielefeld mit sensationeller Reibeisenstimme. Ihm machte die Hitze der Scheinwerfer sowie der Abendsonne und die riesige Staubwolke vor der Bühne allerdings ganz schön zu schaffen. Nur wenn es ihm irgendwie möglich war, holte er tief Luft und erfrischte sich mit einer Wasserflasche und er forderte „Hitzefrei!“. Doch er zog tapfer und voller Energie seine Show durch und zog das Highfield-Publikum in seinen Bann. Er sprang von rechts nach links, sprang Richtung Sonne, schleuderte sein Mikrophon hin und her und sorgte dafür, dass die Staubwelle immer größer wurde: Bei „eins – zwei – drei – vier“ hieß es „Ausrasten!“. Er stellte uns seinen Hip-Hop-Tanz vor, dieser war ganz einfach: Kopfnicken und Hände in die Höhe. Bei „Mittelfinger hoch“ wollte er kontextsituativ unsere beiden Mittelfinger sehen. Außerdem präsentierte er uns noch eine unglaubliche Rap-Einlage, die sich an Geschwindigkeit überschlug. Mit „XOXO“ zog er in seinen Bann, ein Hit seines gleichnamigen Albums. Bei „In deinen Armen“ durften sich alle mal für einen kurzen Augenblick ausruhen. Das Publikum war sehr angetan von CASPER und auch sehr textsicher. Den krönenden Abschluss machte, wie sollte es auch anders sein „Alles ist perfekt“. Hier tanzte Frontman Felix von KRAFTKLUB mit CASPER mit. Felix hatten wir zuvor im Publikum mit entdeckt. Benjamin Griffey ist wirklich ein Ausnahmekünstler in meinen Augen.

Bei WITHIN TEMPATION legten wir eine Pause ein, einfach nicht unsere musikalische Baustelle. Bei THE BLACK KEYS pausierten wir immer noch. Außerdem musste ja alles wieder gepackt werden, so schnell vergehen drei Tage. Den Highfield-Abschluss bildeten PLACEBO.

PLACEBO

Nun war es soweit, die letzte Band an diesem Wochenende betrat die Bühne. Viele Gerüchte gab es, ob PLACEBO heute überhaupt spielen würden, da Sänger Brian Molko kurz zuvor über körperliche Beschwerden geklagt habe. Aber wieder erholt stand Brian schwarz gekleidet im gleißenden Scheinwerferkegel, ein wenig „alt“ sah er dennoch aus, der 39-jährige Frontmann mit der markanten Stimme. „Every You, Every Me“ aus dem Soundtrack von „Eiskalte Engel“ war der dritte Titel des Abends. Ab diesem Punkt hatte er die Menge gewonnen und die Band musste im Grunde genommen nicht mehr tun, als ihre Hits zu spielen. Leider kommunizierte die Band dann auch nur wenig mit den Fans (was aber üblich ist bei den Herren). PLACEBO boten trotzdem eine gute musikalische Mischung aus melancholischen und rockigen Songs wie „The Bitter End“, „Special Needs“ oder „Slave To The Worth“. Es folgten „For What It’s Worth“, „I Know“ und „Song To Say Goodbye”. Bei einzelnen Titeln wurde die Band von einer doch recht „ernsten“ Violinen-Spielerin begleitet. Zudem sehr schön anzusehen war die mit fünf riesigen LED- Leinwänden bestückte Bühne, die eine tolle Lichtshow hergab. Die Fans jubelten, tanzten und sangen lauthals mit. Einem Mädel wurde es dabei offensichtlich so heiß, dass sie oberkörperfrei auf den Schultern eines Freundes weiter feierte. Nach knapp 60 Minuten sollte die Show vorbei sein. Doch nicht mit uns! Es wurde nach Zugabe gefordert und PLACEBO liefen sich feiern! Leider erlebten wir das finale Ende nicht mehr, denn die Uhr hatte bereits zur Mitternacht geschlagen und für uns war das das Zeichen zum Aufbruch.

Fazit kurz & knapp: Wieder drei tolle und verdammt heiße Tage erlebt! Bis zum nächsten Jahr…

Copyright Fotos: Melanie Berger

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