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HIM – THE RASMUS – NEGATIVE

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Ort: Hannover - AWD Hall

Datum: 14.02.2006

Valentinstag und die dreifache finnische Schmachtladung! Könnte es an einem nasskalten Dienstagabend ein verlockenderes Angebot geben? So sammelte ich nach und nach alle Terrorschäfchen auf, um gegen 20 Uhr an der zentral gelegenen AWD Hall einzutreffen. Eine schmucke, kompakte Halle, deren Fassungsvermögen nicht ganz ausgenutzt wurde, ca. 3000 bis 3500 Skandi-Fans gaben aber einen sehr guten Rahmen. Außerdem wurde der Gourmet im Foyer mit einem besonderen Gericht verwöhnt: Bratcurry! Die neue niedersächsische Spezialität…

NEGATIVE standen bereits seit einigen Minuten auf der Bühne, und sogleich wurde klar, dass Licht und Sound bombastisch ausfielen, schon jetzt beim ersten Support. Wobei es sich ja hier eigentlich fast um eine Tripple-Headliner-Tour handelte, womit der Eintrittspreis von 40 Euro schon gedeckt war. Zeit sich kurz umzuschauen: Im vorderen Drittel befand sich eher die weibliche Teeny-Kreisch-Fraktion, es waren aber auch genügend Metaller sowie echte und falsche Grufties am Start. Christus, Antti, Jay, Larry, Snack und natürlich Shouter Jonne wirbelten auf der Bühne herum wie alte Hasen, das war Glam Goth par excellence. Mal klang es ein wenig wie SENTENCED, dann kam wieder mehr die Vorliebe für MÖTLEY CRÜE oder GUNS `N` ROSES zum Vorschein, passend hierzu Larry als Quasi-Slash-Kopie. Natürlich stand Jonne zur Freude der weiblichen Fans schon bald oben ohne da, während er in sein „geschmücktes“ Mikro hauchte bzw. schrie. Man merkt NEGATIVE einfach die Spielfreude und die Lust auf Interaktion mit den Zuschauern an, die schon jetzt sehr gut abgingen, die Fäuste reckten und Passagen mitsangen. Dazu ist jeder einzelne Musiker auf seine Weise perfekt gestylt, hier ist besonders „Christus“ mit seiner pinken Gitarre zu nennen. Die Songs stammten ausnahmslos vom Deutschland-Debüt „Sweet & Deceitful“, wie etwa die Single „The Moment of our Love“ (als Rausschmeißer), „Frozen to loose it all“ oder die nächste Auskopplung „In my Heaven“. Besonders nett die mehrminütigen „Let’s Fuck“-Chöre mit dem entsprechend bepinselten Amp zur Bestätigung. Nach gut 35 Minuten war der „Spuk“ schon wieder vorbei, und wir konnten jetzt noch nicht wissen, dass wir bereits den Höhepunkt des Konzerts erlebt hatten.

Nach einer relativ kurzen Umbauphase waren dann THE RASMUS mit einem neuen Drumkit zur Stelle, die Uhr zeigte ungefähr 20 50 Uhr an. Eero, Pauli, Aki und natürlich der kleingewachsene Fronter Lauri Ylonen nahmen ihre Plätze ein und gaben eine Stunde lang eine Kostprobe ihrer Musik, die ich mal als Pop-Gothrock bezeichnen möchte. Das soll keine Wertung sein, der Megaseller „Dead Letters“ gefiel mir damals außergewöhnlich gut, leider haben sie damit ihren persönlichen Zenit wohl schon erreicht. Das aktuelle Werk „Hide from the Sun“ wirkt (für viele) nämlich ein wenig unausgereift und seicht, die richtigen Höhepunkte fehlen irgendwie. Dennoch war ich natürlich wie alle anderen auch gespannt auf die Darbietung des Quartetts, welches ich schon mal im Bielefelder Ringlokschuppen gesehen hatte. Während Lauri wieder mit Mütze und Feder in Erscheinung trat, wurde Gitarrist Pauli an der linken Seite ständig mit einer Windmaschine bearbeitet, was beizeiten recht putzig war. Ansonsten hielten sich die Musiker mit Ausnahme ihres Sängers bewegungstechnisch zurück, spielten ihr Set technisch aber sehr ordentlich herunter. Zur Setlist gehörten etwa in gleichen Teilen Songs der beiden bereits angesprochenen letzten Veröffentlichungen wie „Shot“, „Guilty“, „Sail away“ oder der „Funeral Song“, bei dem Herr Ylonen dann auch mal zum Saiteninstrument griff. Während dieser Phase wurde es ein wenig ruhig in der AWD Hall, dafür packte man zum Ende die bekannten Singles aus: „First Day of my Life“, „No Fear“ und zum Abschluss natürlich die Hymne schlechthin – „In the Shadows“ – brachten dann noch mal ordentlich Stimmung in den Laden. Ein durchaus gelungener Gig, wenngleich man nicht ganz die Energie von NEGATIVE freisetzen konnte, mal sehen, wohin der Weg von THE RASMUS in Zukunft führt…

Jetzt wurde es wieder umtriebig auf den Bühnenbrettern, und schnell wurde ersichtlich, dass bei HIM geklotzt und nicht gekleckert werden sollte. Ein riesiges Drumkit auf der linken Seite und 4 ebenso groß dimensionierte Kronleuchter vor dem „Love Metal“-Backdrop sorgten in Verbindung mit der wirklich hervorragend choreographierten Lightshow für einen optischen Leckerbissen. Leider wurde schnell deutlich, dass die musikalische Leistung heuer nicht mithalten würde, was allerdings nicht am Können der Instrumentalisten lag. Ville selbst war es, der eine sagen wir mal etwas eigenwillige Gesangsleistung zum Besten gab. Vorab sei erwähnt, dass er wohl erkältet gewesen ist (Kommentar dazu: „Ich rauche einfach ein bisschen weniger und lasse den Whiskey weg!“), doch war das sicher nur die halbe Wahrheit. Nahm man zuerst noch an, es könnte am Mischer gelegen haben, wurde es im Verlauf des Sets nämlich immer deutlicher: Herr Valo wirkte unkonzentriert und irgendwie merkwürdig abwesend. Manchmal erkannte man eigentlich bekannte Songs gar erst im Refrain („Poison Girl“), was allerdings der jüngeren Fanfront ganz vorne nichts auszumachen schien. Ich würde mal behaupten, es war eine Mischung aus gewollter Lässigkeit, Alkohol und Langeweile, die den bemützten Fronter zu dieser „Leistung“ trieb. Er säuselte, grölte, hauchte in Micro, oft drehte es sich auch mit dem Rücken zum Publikum oder ließ abrupt abbrechen, um die Fans seine Arbeit verrichten zu lassen, was auch ganz gut klappte. Ich meine, ich habe HIM nicht zum ersten Mal gesehen, und der absolute Gesangsgott ist der gute Herr live nie, aber dieses Mal war es manchmal schon etwas Over-the-top. Man hatte auch das Gefühl, dass seine Mitmusiker, die allesamt schon optisch eine Nebenrolle am Rand spielten, nicht ganz sicher waren, wie sich der Abend entwickeln würde. Bezeichnend auch das doppelte Lob von Ville an Gitarristen Lindström für ein imaginäres Gitarrensolo. Wobei die Band um „Evil Mike“ und „Gus Lipstick“ richtig klasse aufspielte, keine Frage. Die Songauswahl wusste ebenfalls zu gefallen, zu nennen wären hier Tracks wie „Wicked Game“, „Join me“, „Soul on Fire“, „Right here in my arms“ oder „Your Sweet 666“. Natürlich gab es auch neueres Material von der „Dark Light“ auf die Ohren, z.B. die Single „Wings of a Butterfly“ gleich zu Beginn. Je nach Schwierigkeitsgrad kamen die Stücke vokaltechnisch dann mal charmant trashig, mal schräg verhauen rüber, einen gewissen Unterhaltungsfaktor hatte das sicherlich. Einige im hinteren Bereich verließen die Halle aber auch bereits vorzeitig, wir warteten noch das letzte reguläre Stück „The Sacrament“ ab, wo zusätzlich die beiden Fronter der Vorgruppen partizipierten, was sich bei dem Line Up ja anbot. Dann war auch für uns Schluss mit Love Metal und einem unterhaltsamen Abend, der nicht ganz erwartungsgemäß endete und die Frage aufwirft, wie ernst es “His Infernal Majesty“ mit seiner Ankündigung meinte, wieder zurück in Papas Sexgeschäft zu kehren…

Setlist NEGATIVE
L.A. Feeding Fire
Frozen to lose it all
My My/ Hey Hey (Out of the blue) (NEIL YOUNG-Cover)
Locked in the Dark Side
In my Heaven
Until you’re mine
The Moment of our Love

Setlist HIM
Wings of a Butterfly
Right here in my arms
Soul on Fire
Wicked Game
Under the Rose
Join me
It’s all Tears (Drown in this Love)
Killing Loneliness
Razorblade Kiss
In Joy and Sorrow
Your Sweet 666
Vampire Heart
Poison Girl
The Sacrament

Buried Alive by Love
The Funeral of Hearts
Solitary Man
Black Sabbath (Black Sabbath Cover)

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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