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HORROR CIRCUS

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Ort: Osnabrück - Platz an der Halle Gartlage

Datum: 27.06.2013

„Er will doch nur spielen“

Seit gestern gastiert der Horror Circus in Osnabrück und nachdem man die Stadt großzügig und flächendeckend mit Freikarten und Rabattaktionen bedacht hatte, standen bereits kurz nach 19 Uhr die Gäste der Premiere vor der Kasse in einer langen Schlange. Auffallend war, dass es sich um ein überwiegend jugendliches Publikum zwischen 16 und 25 Jahren handelte und man nur wenige ältere Semester ausmachen konnte. Um die Wartezeit sowohl an der Kasse als auch im Foyer zu verkürzen, schlichen Zombies und allerlei gruselige und untote Gestalten durch die Reihen und erschreckten mit Vorliebe junge Damen. Auffällig vor allem eine Gruppe junger Mädels, die während der ca. 30 minütigen Wartezeit 3 oder 4mal laut loskreischten, weil ein blauer Zombie sich immer wieder in die Gruppe mogelte.

Nachdem man durch einen mit Spinnweben und mehr oder minder professionellen Erschreckern bestückten Tunnel gegangen war, erreichte man endlich die Manege des Grauens, ein Zirkuszelt, dessen Ränge sich nach und nach füllten, das aber auch zu Beginn der Vorstellung nicht ganz ausverkauft war. Begrüßt wurde das Publikum von einem blutverschmierten Direktor mit einem Unterarm als Mikrofon, der die nun folgende zweistündige Show (mit einer ca. halbstündigen Pause in der Mitte) eröffnete. Geboten wurde ein buntes Programm typischer Zirkusnummern, die aber allesamt von Horrorgestalten durchgeführt wurden. So balancierte z.B. Tibo auf einem Brett auf Rollen, Jason rannte mehrfach mit seiner Kettensäge durch die Manege und vor ihm flüchtete eine Seiltänzerin auf ein „Hochseil“. Zudem gab es verschiedene Jonglage-Nummern, die allesamt solide gemacht waren, aber nicht wirklich zu begeistern wussten. Das junge Publikum spendete dennoch großen Applaus und sorgte für etwas Stimmung.

Insgesamt lebte die ganze Show von dem Horrorthema, was allein für einen Zirkus jedoch etwas wenig wäre. Herausragender waren da schon die Nummer dreier Farbiger an einer Stange (was mit Horror dann aber auch weniger zu tun hatte), die Artistik auf dem Todesrad und eine Artistin an einem von der Decke hängendem Seil. Wirklich herausstechend waren letztendlich nur die beiden Auftritte des aus dem Fernsehen (RTL, was sonst) bekannten Freaks „Crazy White Sean“, der seine Schmerzunempfindlichkeit unter Beweis stellte, indem er sich zunächst eine Bierdose an den Kopf schlug (gähn, das kriegt man bei jeder AIRBOURNE-Show vom Sänger geboten), dann aber richtig durchdrehte, sich Magazinseiten an den Kopf tackerte, seinen Körper mit Spritzen durchbohrte, einen Böller in seinem Hintern zündete und eine Flasche Rotwein mit einem durch die Nase gesteckten Korkenzieher öffnete. Teilweise mit einem doch recht deftigen Ekelfalktor bei dem das zarter besaitete Publikum gern einmal laut loskreischte.

So hangelte man sich durch einen recht bunten und unterhaltsamen Abend, nach dem aber leider die Erkenntnis bleibt, dass die gut erzeugte Grusel-Atmosphäre allein für einen wirklich guten Zirkus am Ende doch nicht ganz reichte. Wahre Horrorfans kamen durch die anwesenden Gestalten und die musikalische Untermalung der Show mit Soundtracks bekannter Horrorfilme und Musik von Bands wie RAMMSTEIN aber sicher auf ihre Kosten. Immerhin eine ältere Dame hielt es am Ende nicht mehr auf ihrem Sitz und sie stieg auf die Bühne, um dem Freak 2 rote Rosen zu überreichen. Dieser hatte natürlich keine bessere Verwendung als sich eine davon gleich durch die Nase zu stecken … wenn auch ohne Dornen.

Copyright Fotos: Karsten Rzehak

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