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HOWARD JONES

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Ort: Zeche Bochum

Datum: 18.06.2006

Manch ein Wunsch geht nie in Erfüllung, andere mit Jahrzehnten Verspätung. Was hätte ich 1984 dafür gegeben, mal in einem intimen Rahmen HOWARD JONES zu lauschen? Der Geldbeutel war klein, den Führerschein durfte ich erst Jahre später machen und um 22 Uhr war Zapfenstreich. Und nun hat es doch noch geklappt. Nach 22 Jahren spielt HOWARD JONES wieder in der Bochumer Zeche (die dieses Jahr ihr 25-jähriges Jubiläum feiert) und ca. 150 Die-Hard-Fans vornehmlich Ü30 sind trotz des lauen Sommerabends und WM gekommen, einer Ikone ihrer Jugend zu huldigen. Auch wenn wir in diesen Breitengraden nicht mehr so viel davon mitbekommen haben, HOWARD JONES hat nie aufgehört, Musik zu machen. Mehrfach hat er seinen Stil verändert, zwischenzeitlich auch mal verschiedene Bands um sich geschart und vor allen Dingen in den Staaten weiterhin Erfolge gefeiert. Für die nun laufende Deutschland-Tour hieß es „Back to the roots“, hatte er sich doch mit einem Elektro-Set angekündigt

Außer den entsprechenden Jahren mehr auf dem Buckel hatte er sich eigentlich gar nicht so viel verändert. Immer noch wasserstoffblond und passend dazu ganz in weiß gekleidet betritt Howard (sehr arbeitnehmerfreundlich) um 19.20 Uhr mit „Conditioning“ die Bühne, nachdem Kollege Robin Boult an der Gitarre schon mit einem kleinen Intro begonnen hatte. In der Bühnenmitte ist all sein Equipment im Kreis aufgebaut, so dass Herr Jones hier und da auch mal mit dem Rücken zum Publikum agiert, sich ansonsten aber mit einem Headset ausgestattet sehr frei auf der Bühne bewegt und seine Keys im Vordergrund aus allen erdenklichen Positionen spielt. Ihm rechts zur Seite schon erwähnt Robin an diversen Gitarren, links hinten am Live-Mix-Desk Howards „dritte Hand“ Robbie Bronniman. Doch, und das sei schon an dieser Stelle erwähnt, während bei etlichen Kollegen seiner Zunft heutzutage der Großteil aus der Konserve zugespielt wird, ist hier 98 Prozent Handarbeit und für diese Tastenvirtuosität wird Howard auch von seinen Fans verehrt. Etwas deplatziert dürfte er sich daher am Abend vorher auf dem „80er-Festival“ (zusammen mit BAD BOYS BLUE, LIMAHL SANDRA und ALPHAVILLE, siehe Bericht) in der Dortmunder Westfalenhalle gefühlt haben. Obwohl auch heute Abend direkt gewippt, mitgesungen und –geklatscht wurde, HOWARD JONES zum Partyhecht zu machen, hieße wahrlich die Talente eines Vollblutmusikers zu verkennen. Mit „Revolution of a heart“ stellte er den Titelsong seines aktuellen Albums vor, das in diesen Tagen in Deutschland erscheinen wird. Auch „Just look at you now“ ist auf diesem Album zu finden. Beide Stücke beweisen, dass HOWARD JONES nicht in den 80ern stecken geblieben ist und auch heute noch zeitlos schöne Musik zwischen modernem Elektro und flockigem Dancefloor kreiert, und vom Publikum wird dies auch entsprechend goutiert. Mit „Like to get to know you well“ folgt der erste große, alte Hit (vom 1987er Album „Dream into action“), der durch die Stromgitarre einige neue Impulse bekam. Mit „Hunt the self“ und „Pearl in the shell“ geht es noch weiter zurück in die Vergangenheit, jedoch frisch und bei weitem nicht angegraut dargeboten. Nun stimmt Robin auf seiner Gitarre das Bond-Thema an und mit ordentlich Volldampf bekommen wir „You know I love you“ dargeboten. Mit „Life in one day“ hat man den nächsten Klassiker im Gepäck und zu groovigen Reggaeklängen und Pianoeinlage lassen sich die Anwesenden nicht lange zu Mitsingspielchen bitten. Howard präsentiert sich die ganze Zeit über als charmanter Gastgeber und angesichts der Tatsache, dass er in den Staaten vor massig viel mehr Publikum auftritt, absolut allürenfrei, natürlich und voller Spielfreude. Es folgt nun eine „olle (aber tolle) Kamelle“ nach der anderen: „New song“ und natürlich „What is love“. Deshalb sind die meisten wohl gekommen und feiern ihr Idol längst vergangener Tage ab. Ich selbst bemerke auch, das Langzeitgedächtnis vergisst nicht so schnell und längst verschollen geglaubte Liedzeilen finden den Weg auf meine Lippen zurück.

Nach einer Stunde verabschiedet sich Howard, doch das können seine Fans so nicht hinnehmen (und würde wohl auch kaum den stolzen Ticket-Preis von 32 Euro rechtfertigen). Herr Jones lässt sich aber nicht lange bitten und legt mit „Hide and seek“ den nächsten Kracher hinterher. Für die nächsten Titel nimmt er am Piano Platz, Robin hockt sich mit Akustik-Gitarre dazu und wir bekommen noch „No one is to blame“ und „Tomorrow is now“ (aus 1998) geboten. Mit „Things can only get better“ kehrt er zu seinen Synthesizern zurück und beweist mit einer flotten Latino-Einlage einmal mehr, dass er zu den ganz Großen an den Tasten gehört und spontan von Jazz bis Prog, von Pop bis Noise bei jeder Band einspringen könnte. Die Uhr geht auf 21 Uhr zu, als die Jungs nochmals die Bühne verlassen, doch die Meute verlangt anhaltend weiter nach einer Zugabe und so werden wir mit einem Wunsch aus dem Publikum „Someone you need“ (wieder als Akustik-Set) und „Everlasting love“ mit kleiner „Twist and shout“ Einlage nach jeder Menge Deja-Vus in den warmen Sommerabend entlassen.

Setlist
Conditioning
Revolution of the heart
Like to get to know you well
Hunt the self
Pearl in the shell
You know I love you
Life in one day
New song
What is love

Hide and seek
No one is to blame
Tomorrow is now
Things can only get better

Someone you need
Everlasting love

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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