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HURRICANE 2007 – TAG 1

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Ort: Scheeßel - Eichenring

Datum: 22.06.2007

Lt. Kalender liegt der Sommeranfang gerade mal einen Tag zurück, dem Wettergott scheint das aber niemand gesagt zu haben, bereits die komplette Woche über galt das Interesse den Vorhersagen für Scheeßel, in der Hoffnung, dass trockenes und angenehm warmes Wetter prognostiziert würde. Schließlich sollte hier bereits zum elften Mal das Hurricane stattfinden und nachdem das Festival im vergangenen Jahr aufgrund eines sehr realen Hurricanes vorzeitig beendet werden musste, wünschten wir uns ein etwas gemäßigteres Klima. Leider konnten die Wetterfrösche mit dergleichen nicht dienen, also hieß es Gummistiefel und Friesennerz einpacken und darauf hoffen, dass das Zelt dicht bliebe. Zumindest in der Heimat schien sogar morgens die Sonne, also ging’s frohen Mutes und in Erwartung dreier musikreicher Tage Richtung Norden, wo die Kleinstadt Scheeßel ihre alljährliche Bevölkerungsexplosion erleben sollte. Etwa 55.000 Hartgesottene hatten in diesem Jahr ihr Ticket für den Eichenring gelöst, für diese große Zahl Musikbegeisterter hatte man das Gelände noch vergrößert und auch die Open-Air-Bühnen weiter auseinander platziert, um Soundüberschneidungen wie im vergangenen Jahr zu vermeiden. Außerdem gab es erstmals einen „zentralen“ Grillplatz, an dem ein Fleischer auch gleich für das nötige Grillgut sorgte, und auch die sanitären Anlagen haben eine Optimierung erfahren.

Nach einer recht unkomplizierten Anreise und dem flotten Zeltaufbau stand eine erste Erkundigung der veränderten Location an. Die Hauptbühne, die Green Stage, hatte ihre Heimat wieder an der Stirnseite des Eichenrings gefunden, rechts davon war das Oval geöffnet worden und Platz geschaffen für die Blue Stage und das Coca-Cola Soundwave Tent. Auch der Bazar hatte sich wieder innerhalb des Festivalgeländes angesiedelt, ganz abgesehen von den zahlreichen Fress- und Getränkebuden, der Versorgung mit Speis und Trank stand einmal mehr nichts im Wege, auch für die Entsorgung waren umfangreiche Vorkehrungen getroffen worden. Wer zwischendurch eine Gelegenheit zum Sitzen brauchte, konnte dies in einer Art offenem Bierzelt tun, nicht verkehrt, schließlich sah es in diesem Jahr nicht so aus als könne man sich mal eben ins trockene Gras legen.

Um 16.00 Uhr hatte sich bereits eine ansehnliche Menschentraube an den Einlässen gebildet (auch hier gab es Neuerungen, der Nordeingang wurde vergrößert und ein zusätzlicher Eingang im Osten geschaffen). Ganz offensichtlich waren die Leute heiß auf die Bands und wollten Party machen, was nicht wenige schon am Vorabend im Moonbooty!-Zelt zur Konservenmusik getan haben werden. Pünktlich um 16.15 Uhr starteten an der Blue Stage STATE RADIO aus Boston/ Massachusetts anfangs noch vor relativ leeren Rängen, ganz einfach, weil die Eingänge noch nicht geöffnet waren. Innerhalb von Minuten füllte es sich jedoch und beim dritten Song „Man In The Hall“ von der Scheibe „Us Against The Crown“ war der erste Wellenbrecher bereits voll. Die Musik zwischen Rock und Reggae war bestens zum Tanzen und Abfeiern geeignet, dabei verbinden Chad Strokes (Lead Vocals, Guitars), Chuck Fay (Bass, Vocals) und Mike Najarian (Drums, Vocals) mit ihrer Gute-Laune-Musik durchaus auch einen politischen Anspruch, der sich in ihren Texten ausdrückt und u.a. auch in ihrem Bemühen, bei den US-Präsidentschaftswahlen ihre Konzerte zu nutzen, um die Zuschauer zum Wählen zu animieren. Der bunte Mix aus Rock, Reggae, Ska und einer Prise Punk gefiel zweifelsohne, es wurde getanzt und mitgeklatscht, da machte es auch nichts, dass leichter Regen einsetzte, nur das plötzliche Ende, weil der Strom ausfiel, war etwas schade, dabei freute sich STATE RADIO-Gründer Chad doch vor der größten Zuschauerzahl in der Bandgeschichte spielen zu können, aber beim Schwesterfestival Southside wird er samstags sicher ähnliche Massen vorgefunden haben.

Mich zog es jetzt erst derweil zur Green Stage, wo die Damen von MCQUEEN auf der großen Bühne eröffnen durften. Als das Quartett zu einem etwas seltsamen Intro irgendwo zwischen Kinderlied und Marschmusik ihren Aktionsort für die kommenden 30 Minuten mit Beschlag belegten, war im Auditorium nicht ganz so viel los wie bei den Vorgängern auf der Blue Stage, aber auch hier wurde eifrig mitgetanzt und dem rotzigen Sound der britischen All-Girl-Band gelauscht. Anfang des Jahres ist das Debütalbum „Break The Silence“ des vorlauten Quartettes erschienen, das die Mädels fast komplett zu Gehör brachten. In der UK-Live-Szene haben sich die Mädels aus Brighton bereits einen Namen gemacht und schon gemeinsam mit JULIETTE AND THE LICKS, den FOO FIGHTERS, den TOWERS OF LONDON und den KAIZER CHIEFS gerockt. Den hart rockenden Alternative-Sound mit punkig angehauchten Gitarrenriffs und modernen Speed-Rock-Klängen der Ladies Leah Dours (voc.), Cat de Casanoves (guit.), Hayley Cramer (dr.), Gina Collins (bass) kann ich mir noch einen Tacken besser abends in einem verrauchten Club als nachmittags auf der riesigen Hurricane-Bühne vorstellen. Wobei die Vier ordentliche Frauen-Power präsentierten und von ein paar Zuschauern gar als die weibliche Antwort auf RAGE AGAINST THE MACHINE tituliert wurden.

Zurück zur blauen Bühne, wo es umgehend mit der Indie-Rockband THE RAKES aus dem Vereinigten Königreich weiterging, wie bereits das schwarze Backdrop verriet. Der eingängige, flotte Beat des Quintetts fand gleich Anklang bei den Anwesenden, die auch gern den gymnastischen Übungen des Sängers Alan Donohoe folgten. Dieser hatte sich wohl die Stewardessen-Einweisung bezüglich der verschiedenen Rettungswege zum Vorbild seiner Armbewegungen genommen, welche vom Auditorium eifrig nachgemacht wurden. Musikalisch boten THE RAKES feinstes britisches Gitarrengeschrammel von ihrer neuen Langrille „Ten New Messages“. Genannt seien „Suspecious Eyes“ oder die knochige Rocknummer mit New Wave-Einflüssen „We Danced Together“, die in der Heimat auch als Single ausgekoppelt wurde. Vom 2005er Debüt „Capture/ Release“ waren „Strasbourg“ und 22 Grand Job“ vertreten, die sowohl in der Musikwelt als auch vor Ort für Furore sorgten. Trotz wieder stärker werdendem Regen herrschte vor und auf der Bühne beste Stimmung.

Für mich war es an der Zeit, eine kleine Pause einzulegen, schließlich mussten die Kräfte für drei Tage reichen und so ging es zum Zelt zurück, um mit Beginn meines persönlichen Abendprogramms wieder an der Green Stage zu sein. Um 19.30 Uhr waren dort SNOW PATROL gesetzt, die uns mit sanften Klängen in die langsam einsetzende Dämmerung begleiteten. Die Herren aus Glasgow (Schottland) und Belfast (Nordirland) bewegen sich zwischen Alternative und Britpop und setzen dabei auf schöne und eingängige Melodien. Spätestens seit ihre Songs in den US-Serien „Emergency Room“ („Open Your Eyes“) und „Grey’s Atatomy“ („Chasing Cars“) zu hören waren, erfreuen sich SNOW PATROL weltweiter Bekanntheit. Ein Übriges tat der Titelsong „Signal Fire“ zum dritten Teil der „Spider Man“-Trilogie. Natürlich durften diese Tracks auch in Scheeßel nicht fehlen und wurden von den Fans lauthals mitgesungen. Höflich wie er ist, entschuldigte sich Fronter und Chef-Songwriter Gary Lightbody für den nun wieder einsetzenden Regen, so richtig gestört haben die Tropfen bei der fantastischen Musik aber niemanden. Möglicherweise hat der ein oder andere auch Schutz unter dem Schirm des noch unbekannten Nachbarn gesucht, zum Kuscheln eignen sich die SNOW PATROL-Stücke ja nun wirklich bestens. Ein sehr gefühlvoller, fast hymnischer Opener für meinen Freitag Abend, doch der Sound sollte sich schnell ändern…

…denn nebenan erwarteten uns JET aus dem fernen Australien und die Herrschaften halten nichts von Schmusenummern. Ganz in der Tradition ihrer musikalischen Stammväter AC/DC lassen es die Brüder Nic und Chris Chester nebst der Herren Mark Wilson und Cameron Muncey ordentlich krachen. Entsprechend erklang zu Beginn lautes Sirenengeheul, bevor es von JET richtig was auf die Mütze gab. Bereits mit dem zweiten Titel „Are You Gonna Be My Girl“ hatten die Aussies ihr Publikum fest im Griff und es gab Arschrock erster Güte. Egal ob Kracher wie „Take It Or Leave It“, „Bring It On Back“ oder “Cold Hard Bitch” – es wurde gerockt was das Zeug hielt. Und dafür bieten die beiden Langplayer “Get Born” (2003) und “Shine On” (2006) der Jungs aus Melbourne jede Menge Möglichkeiten. Der brachiale Sound knallte einem geradezu entgegen, fette Drums trafen auf jaulende Gitarren, Nics Stimme wurde bisweilen durch den Verzerrer gejagt, das war Rock ’N’ Roll wie es sich gehört! In nächster Zukunft werden JET noch als Support der STONES und der RED HOT CHILLI PEPPERS fungieren und dort den Puls der Zuschauer sicher genauso noch oben jagen wie sie es beim Hurricane getan haben.

Jetzt aber wieder ganz schnell rüber zur Green Stage. Bereits 2004 war es mir nicht vergönnt, DIE FANTASTISCHEN VIER in voller Länge beim Hurricane zu genießen und auch in diesen Jahr hatten die Jungs nicht auf mich gewartet. Nun gut, insgesamt hielten sich diese unvermeidlichen Überschneidungen ja in Grenzen und manchmal muss man einfach Prioritäten setzen. Begrüßt wurde ich von Thomas D., Smudo, Michi Beck und And. Ypsilon, die natürlich auch wieder Live-Verstärkung mitgebracht hatten, mit „Mehr Nehmen“ vom aktuellen Album „Fornika“, das gefolgt wurde vom „Krieger“, der durch Videoeinspieler begleitet wurde. Diese eher ruhige Nummer ist zweifelsohne immer wieder ein Gänsehaut-Garant! Mit einem Mix aus BEASTIE BOYS-Cover und FANTA 4-Songs stellte sich die Kapelle ihrem Publikum vor und Thomas D. präsentierte seinen durchtrainierten Oberkörper, während der Rest der Truppe die schwarzen Klamotten anbehielt. Zu „Was geht“ hieß es dann „Die Heide hüpft“! So richtig stand wohl keiner mehr still, genauso wie zu „Mit freundlichen Grüßen“ kaum jemand nicht mitsingen musste. „Tag am Meer“ beendete das reguläre Set mit sanften Meeresrauschen, welches das sagenumwobene und groß angekündigte „Gerät“ in Smudos Händen produzierte. Ohne Frage ein toller Song, doch so einfach konnten die FANTAS natürlich nicht verschwinden, deshalb folgten mit „Troy“ und „Populär“ noch zwei Zugaben der Stuttgarter, die selbstverständlich von den Fans kräftig abgefeiert wurden.

Nach deutschem Hip Hop standen erneut ein paar Briten auf dem Programm der von mir heute favorisierten Blue Stage. THE GOOD, THE BAD & THE QUEEN ist keinesfalls der Titel eines englischen Spagetti-Western, vielmehr verbergen sich hinter diesem Namen Damon Albarn (BLUR, GORILLAZ), der Ex-CLASH-Bassist Paul Simonon, Simon Tong, früher bei THE VERVE an den sechs Saiten, und der mittlerweile 66-jährige Toni Allen (FELA KUTI) an der Schießbude. Uns erwartete eine höchst atmosphärische, angenehm surreale Melange aus Versatzstücken englischer und weltläufiger Popkultur. Zur Live-Unterstützung hatten die Herrschaften außerdem noch ein weibliches Streicher-Quartett und einen Keyboarder mitgebracht. Im Hintergrund der Stage prangte ein Backdrop mit einer unbekannten Säulen-Architektur, passend zur geheimnisumwitterten Musik der Briten. Den Anfang machten jedoch die Streicherinnen, bevor die männliche Besetzung in schwarzen Anzügen und teilweise mit Hut bzw. Zylinder bekleidet loslegten. Die Truppe spielte das komplette diesjährige Debütalbum, das überwiegend ruhiger Natur ist, zwischendrin gab es beispielsweise mit „Kingdom of Doom“ jedoch auch mal was zum Tanzen. Getragen wurde das Ganze besonders von Damons unverwechselbaren Stimme, die gelegentlich bis ins Falsett stieg. Neben den Streichersätzen sorgten die Keys neben intensivem Pianospiel für einen herrlich versponnenen Klangteppich, dem zu lauschen eine wahre Wonne war. Auch eine Harmonika kam zwischenzeitlich wie. bei „The Bunting Song“ zum Einsatz, während „Green Fields“ altertümlichen Jahrmarktflair verströmte. Seine Deutschkenntnisse bewies Mr. Albarn nicht nur bei seiner Verabschiedung, auch zwischendurch warf er mal ein paar deutsche Brocken ein, so auch bei der Ansage eines gewichtigen Gesangsgastes beim letzten Song, der Herr, der äußerlich ein wenig Rapper-Appeal mitbrachte, verströmte etwas Reggae-Ambiente, dann verabschiedeten sich THE GOOD, THE BAD & THE QUEEN von ihrem begeisterten Publikum.

Den Freitag Abend wollte ich wie viele andere auch mit den QUEENS OF THE STONE AGE beschließen, so dass es pickepackevoll an der Blue Stage war, als das kalifornische Quintett loslegte. Allerdings war der krachende Stoner-Rock wohl nicht nach jedermanns Geschmack oder die Müdigkeit übermannte doch den ein oder anderen, in jedem Fall stellte sich nach einiger Zeit doch ein gewisser Exodus ein. Die QOTSA-Mucke ist auch keine ganz leichte Kost, neben durchaus eingängigen Songs machen die Amis eher sperrige Sachen, die sich nicht unbedingt beim ersten unbedarften Hören erschließen. Ich war jedoch gespannt auf die Umsetzung der brandneuen Scheibe „Era Vulgaris“, die eben erst in die Plattenläden gekommen ist und freute mich natürlich auch auf die alten Sachen der Kalifornier, die in diesem Jahr ihr zehnjähriges Bestehen feiern können. Und die wurden so richtig abgefeiert. Egal ob „Little Sister“ vom 2005er-Longplayer „Lullabies To Paralyze“, das kongeniale “No One Knows”, 2002 auf “Songs For The Deaf” erschienen „“Feel Good Hit Of The Summer” (übrigens ausschließlich eine Aufzählung von Drogen), “The Lost Art of Keeping A Secret” oder “Monster In The Parasol”, allesamt auf dem “Rated R”-Album von 2000 verewigt, die Knaben um Sänger, Gitarrist und Mastermind Josh Homme ließen es gewaltig krachen am Eichenring. Da passten die mir noch unbekannten neuen Songs ebenso gut rein. Und werden sich demnächst auch in meinem CD-Player zu hören sein. Wunderbare 80 Minuten mit typischen QOTSA Schrammelgitarren, knochentrockenen Drums und dem unverwechselbaren Gesang des Herrn Homme, der bis in Falsett-Höhen vordringt. Schade nur, dass die Alternative-/Stoner-Rocker nicht die volle angesetzte Zeit bis 2.00 Uhr gespielt haben, hörenswertes Material wäre doch noch zur Genüge da gewesen und begeisterte Fans ebenfalls.

Nicht da waren übrigens BROMHEAD JACKET aus Sheffield/ UK, die wegen des Sturms bei Schwesterfestival Southside dort keine Auftrittsmöglichkeit hatten und dann das Hurricane auch gleich gecancelt hatten. Tragischerweise wurde beim Southside während eines heftigen Sturms mit Windstärken bis 11 am Donnerstag ein Sanitäter getötet, der sich vor dem Unwetter in seinen Einsatzwagen geflüchtet hatte. Dieser wurde von einer Zeltstange der umstürzenden Zeltbühne getroffen und verletzte den Sani tödlich. Ein ebenfalls im Wagen sitzender Kollege befindet sich im Krankenhaus. Ihre Betroffenheit drückten Veranstalter, Künstler, Helfer und das Publikum am Sonntag mit einer Gedenkminute aus. Auch ein Spendenkonto für die Hinterbliebenen und den verletzten Sanitäter wurden eingerichtet.
Indes nahm der Freitag Abend in Scheeßel ein ruhiges Ende und auch ich verfügte mich in die Waagerechte, um für den zweiten Tag fit zu sein.

Copyright Fotos: Markus Roy

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