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HURRICANE 2011 – TAG 1

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Ort: Scheeßel – Eichenring

Datum: 17.06.2011

Das Hurricane stand in seiner 15. Auflage vor der Tür und wie meistens stellte sich die bange Frage, was das norddeutsche Wetter wohl machen würde. Vielleicht hätten die Festivalmacher den Wettergott nicht unbedingt in der Weise herausfordern sollen, dem Ganzen gleich noch den Namen eines Wirbelsturms zu verpassen, doch nach einem heftigen Guss am Donnerstag (am dem immerhin schon 20.000 Besucher den Campingground rund um den Eichenring okkupiert hatten), blieb er erste Tag weitestgehend trocken, so dass am Abend bereits eine imposante Staubwolke über dem Areal lag.

Wer an diesem Freitag nach Scheeßel gekommen war, um harte Rocklänge zu hören, wird vermutlich die Red Stage aufgesucht haben. Selbige befand sich in einem großen weißen (was bei manchen Festivaljüngern für Verwirrung sorgte) Zelt und wurde u.a. von der Hardcore-Kapelle SICK OF IT ALL, den Metalcorern PARKWAY DRIVE und den HC-Punks von COMEBACK KID bespielt, ehe um 1.00 Uhr SUM 41 den Reigen mit flotten Pop-Punk beschlossen.

JUPITER JONES

Mich zog es derweil nur einmal ins Zirkusrund, als JUPITER JONES dem Festivalpublikum ihre Aufwartung machten. Auf der Hinfahrt flankierte ihr Smashhit „Still“ noch die NDR2-Verkehrsnachrichten – die Indie-Punks sind mit dieser wirklich wunderbaren Nummer offensichtlich auch im Mainstream-Radio angekommen und dürfen von sich behaupten, mit dem Lied den meistgespielten Radiosong im April 2011 abgeliefert zu haben. Was ja nun definitiv nicht ihr Schaden ist und natürlich durfte der Song auch beim mit 70.000 Besuchern ausverkauften Hurricane nicht fehlen und wurde eifrig mitgesungen. Als Neuerung gab es an der Red Stage in diesem Jahr erstmals auch eine Open-Air-Leinwand, auf der das Geschehen aus dem Zelt übertragen wurde, so dass sich niemand wirklich ärgern musste, wenn er keinen Platz mehr innerhalb der Venue gefunden hatte. So hatten einige wohl auch draußen Stellung bezogen, denn ein bisschen Platz wäre indoor schon noch gewesen, wo JUPITER JONES bereits zum Soundcheck begeistert begrüßt wurden. Entsprechend gab es dann auch kaum noch ein Halten, als es tatsächlich nach einem kurzen „Hallo“ von Sänger und Gitarrist Nicolas Müller mit „Hey! Menetekel“ energiegeladen losging. An diesem Energielevel sollte sich in den kommenden 45 Minuten auch nichts mehr ändern, wenngleich JUPITER JONES mit besagtem Top-Ten-Hit „Still“ auch mal ruhige Töne anschlugen. Für mich das erste Highlight des Festivals, dem natürlich noch einige folgten. Zunächst sorgten jedoch JJ dafür, dass es nicht langweilig wurde und luden zum Tanzen ein. Flott und mit viel Punkattitüde wurde „Auf das Leben“ gesungen und gespielt, nachdem die Jungs aus der Eifel mit „Immer für immer“ ihre Midlife-Crisis überwunden hatten, die sie mit 29 Jahren ereilt hatte. „Eine Landjugend“ dürfte in der Tat für viele im Auditorium Teil der eigenen Identität sein und auch die Städter, die den Weg in die platte Nordheide gefunden hatten, wussten den knackigen Abschluss zu würdigen.

Setlist JUPITER JONES
Hey! Menetekel
Im Januar, im Schlaf
Wir sind ja schließlich nicht Metallica
Immer für immer
Das Jahr in dem ich schlief
Still
Kopf hoch und Arsch in den Sattel
Auf das Leben
Eine Landjugend?

YOAV

Den Festivalauftakt bestritt ebenfalls eine Band im Zelt, doch zog ich statt LETLIVE einen Herrn vor, der auf der Blue Stage um 15.40 Uhr den diesjährigen Indie-Ballermann eröffnete. Wer kurz vorher einen Blick auf die Bühne geworfen hatte, mag gedacht haben, dass sich hier kurzfristig gar nichts tun würde, da weder ein Drumkit noch sonst großartig Technik zu sehen war. YOAV reicht für seine Performance ein Mikro, seine Akustikgitarre und ganz wichtig seine Beatbox und schon kann es losgehen. So dann auch geschehen. Der Herr mit Wurzeln in Israel und Südafrika bot einen vergleichsweise soften Einstieg in den Konzertmarathon, wenngleich der Freitag abgesehen vom Geballer auf der Red Stage eh unter elektronischen Sternen stand. Auf jeden fall ließ YOAV schon bald die Füße wippen und auch „Adore Adore“ gefiel mit einem coolen Einstieg, um dann langsam auf Touren zu kommen. Mit „Where Is My Mind“ hatte der Gute ein Cover meines geliebten PIXIES-Songs im Programm, der kaum wiederzuerkennen war. In der YOAV-Interpretation kam die Nummer deutlich ruhiger und versponnener daher und konnte die Qualität des Originals zwar nicht erreichen, war aber trotzdem nett anzuhören. Beim frickeligen „Beautiful Lie“ lief die Beat-Box alsbald auf Hochtouren, schon interessant, wenn sich auf Fußdruck die Rhythmus- und Tastenfraktion zuschalten lässt. Erspart auf jeden Fall Ärger mit der Begleitband und hält die Kosten auf Tour niedrig. Ganz wie es ich für ein Lied mit diesem Titel gehört, ging das finale „We All Are Dancing“ fix ins Bein und beendete kurzweilig die erste dreiviertel Stunde.

TWIN ATLANTIC

Als nächstes hatte ich Alternative-Power-Pop auf meinem Zettel, der auf der Green Stage von TWIN ATLANTIC zelebriert wurde. Es gab leicht verdauliche Kost, die recht unspektakulär daherkam, aber durchaus zum Tanzen einlud. Leider wurde der Sound vom Wind ein bisschen weggetragen, so wie der Sound überhaupt ziemlich vom Standort abhängig war und an den Seitenflügeln dazu neigte, etwas auszufransen. Das tat der Feierlaune der Anwesenden jedoch keinen Abbruch und so wurde nicht nur zu „You’re Turning Into John Wayne“ ausgelassen getanzt. Die 2007 in Glasgow/Schottland gegründeten TWIN ATLANTIC waren übrigens ohne ihren Stamm-Schlagzeuger Craig Neale vor Ort, da dieser erkrankt war und von einer Aushilfe ersetzt wurde, die ihren Job hinter der Schießbude ordentlich erledigt hat. Gute Besserung!

PORTUGAL. THE MAN

Zurück zur Blue Stage, wo PORTUGAL. THE MAN aus Alaska schon losgelegt hatten. Die Herrschaften schrammelten und groovten, was das Zeug hielt. Nicht selten changierte die Mucke Richtung Reggae-Feeling, daneben gab es aber auch waschechten Indie und eingängige Tanznummern wie „60 Years“, aber eben auch vertrackte Soundgebilde, die fließend ineinander übergingen und sich mit dancefloortauglichen Hooks abwechselten. Die Herrschaften mögen es halt seit nunmehr sieben Jahren gern etwas krude und schienen damit durchaus den Geschmack der Anwesenden getroffen zu haben, die sich bereits zu relativ früher Stunde zahlreich vor der Bühne eingefunden hatten.

KASHMIR

Jetzt hieß es zügig zur Green Stage zu wechseln, wo bereits KASHMIR im vollen Gange waren. Mein erster Track war „Mouthful of Wasps“, mit dem die bärtigen Herren direkt zum Tanze aufforderten. In diesem Sinne ging’s auch mit „Surfing The Warm Industry“ weiter – eine wirklich gelungene Nummer, die nach dem Bekunden von Gründungsmitglied, Sänger und Gitarrist Kasper Eistrup von deutschem Krautrock der Siebziger beeinflusst ist. Einen Song übers Reisen hatten die seit satten 20 Jahren aktiven Dänen mit „Still Boy“ von ihrem 2010er Album „Trespassers“ im Gepäck. Mit viel schönem Gitarrengefrickel, jeder Menge Gefühl und berührenden Melodien setzten die Indie-Rocker ihre musikalische Reise fort und waren definitiv mein Freitags-Höhepunkt auf der Hauptbühne, die bei KASHMIR mit einem Gewirr aus dreidimensionalen Pfeilen dekoriert war.

GLASVEGAS

Auf der zweiten Open-Air-Stage ließen unzählige Leuchtmittel, die den Schriftzug GLASVEGAS ergaben, keinen Zweifel daran, welche Combo als nächstes auf dem Programm stand. Die ebenfalls aus Glasgow stammende Truppe enterte die Bühne mit etwas Verspätung und startete mit emotionalem Alternative. Das Bühnenoutfit von Sänger James Allan bestach derweil mit einer strahlend weißen Optik, die bei der Jacke sogar noch mit viel Glanz und Glitzer getoppt wurde. Neben modischer Extravaganz neigte James stimmlich ein wenig zur Melodramatik, wie sich bei „You“ zeigte. Leider blieben die lieblichen Melodien der Schotten etwas nichtssagend, da stach eine verquere Nummer wie „Go Square Go“, die schließlich auch mal Gas gab, schon heraus. In Bewegung kamen nicht nur die Zuschauer bei „Lots Sometimes“, das zunächst a cappella startete, bevor schließlich die Instrumente dazu stießen, auch die unzähligen Lämpchen des GLASVEGAS-Schriftzuges gingen in flackernden Disco-Betrieb, ehe es mit „Daddy’s Gone“ vom selbstbetitelten Debüt aus 2008 mitsamt Orgelklängen zum dramatischen Finale kam.

ELBOW

Nebenan waren ELBOW bereits warm gelaufen und mixten ruhige und lebendige Songs zu einem unterhaltsamen Ganzen. Die Band aus Manchester hatte zu diesem Zweck sogar Streicher mit nach Scheeßel gebracht und scheute sich auch nicht, ihr Publikum mit den holländischen Fans zu vergleichen, die bei den „Wohoho“-Gesängen von „Grounds For Divorce“ deutlich lauter gewesen sein sollen. Das ließ das Auditorium natürlich nicht auf sich sitzen und bewies, dass es durchaus laut werden konnte, wenn es denn richtig gefordert wurde. Im April haben der charismatische Fronter Guy Garvey und seine Mitstreiter, die auch schon auf 21 gemeinsame Dienstjahre in Gründungsformation zurückblicken können, ihre fünfte Studioplatte in die Läden gebracht und natürlich durfte auch Material von diesem Longplayer namens „Build A Rocket Boys!“ nicht fehlen. Außerdem präsentierte Guy mit „Mirrorball“ nach eigenem Bekunden den perfekten Song, um dem geliebten Menschen, mit dem man/ frau das Hurricane besuchte, einen Heiratsantrag zu machen. Genau genommen, war für diesen Zweck jeder der extrem emotionalen Songs aus der ELBOW-Schmiede geeignet. Was Garveys samtige Stimme allein nicht schaffte, erledigten die Streicher, auch wenn bei „Open Arms“ schon mal ein wenig Jahrmarkt-Flair aufkam. Spätestens beim abschließenden „One Day Like This“ gab’s den großen Gefühls-Overkill – heftig gerockt wurde an diesem Freitag halt eigentlich nur auf der Red Stage.

JIMMY EAT WORLD

Okay, JIMMY EAT WORLD waren auch ganz gut dabei. Die hatten inzwischen die Blue Stage mit Beschlag belegt und verbreiteten vor vollen Rängen mit ihrem seit 1993 zelebrierten Pop-Punk gute Laune. Neben zahlreichen Band-Klassiker wie „Lucky Denver Mint“ vom 1999er „Clarity“ oder auch „Let It Happen“ vom 2007er „Chase This Light“ hatten die Jungs aus Ami-Land auch neuen Stuff über den Großen Teich gebracht. Etwa „My Best Theory“ und „Coffee & Cigarettes“, die beide im letzten Jahr auf der „Invented“ erschienen sind. Mit dem temporeichen „Pain“ („Futures“ – 2004) war für mich nach 25 Minuten allerdings schon wieder Schluss mit dem ausgelassenen Tanzen, denn auf der Hauptbühne erwarteten mich PORTISHEAD.

PORTISHEAD

Auf der Green Stage war um 21.40 Uhr nämlich ein ganz anderer Sound gefragt. PORTISHEAD schickten sich dort an, für 75 Minuten den Eichenring mit sphärischen Klängen zu umwabern. Gleichzeitig gab es das erste Mal an diesem Freitag weiblichen Gesang zu hören. Zuständig war für diesen Part Beth Gibbons, die von den Kollegen Geoff Barrow (Arrangements) und Adrian Utley (Gitarre & Moog-Synthesizer) unterstützt wurde. Daneben war natürlich auch die Live-Kapelle angetreten, die sich aus Andy Smith (DJ), Clive Deamer (Schlagzeug und Percussion), John Baggot (Keyboards) und Jim Barr (Bass) zusammensetzte. Auf dem Zettel haben PORTISHEAD seit nunmehr 18 Jahren Trip-Hop und Avantgarde. Musik, die eigentlich beim Hurricane eher zu später Stunde auf der Blue Stage zu hören ist, jetzt aber mitsamt einer multimedialen Light- und Videoshow auf der Hauptbühne zum Tragen kam. Den Anfang machte der Song „Silence“, ehe zu „Mysterons“ die Bühne in blaues Licht getaucht wurde und es ruhiges Elektro-Gefrickel und Gescratche auf die Ohren gab. In diesem Stil ging es überwiegend in stillen Fahrwassern weiter. Etwa mit „Sour Times“ vom 1994er Erstling „Dummy“, das zur Standard-Chill-Out-Beschallung einer jeden guten Bar zählen dürfte. Die gute Beth sah in ihrem T-Shirt ein bisschen verfroren aus, wie sie da bei „Magic Doors“ zu vertrackten Piano-Akkorden sang und beim minimalistischen Sound von „Wandering Star“ in opernhaften Gesang verfiel. Zu den Stakkatodrums und elektronischen Störgeräuschen von „Machine Gun“ (2008 auf „Third“ veröffentlicht) konnte man sich allerdings auch kaum warm tanzen und auch „Over“, das 1997 auf dem selbstbetitelten Album des Trios erschienen ist, ging es sehr getragen weiter. „Give Me A Reason To Love You“ dürfte wieder einer breiteren Masse bekannt gewesen sein und mit „Chase The Tears“ kam schließlich sogar etwas mehr Drive in den Vortrag, der auch mit den flotten Beats von „It’s A Fire“ endete, nachdem „Roads“ zu verhaltenen Trip-Hop-Klängen ein virtuelles Feierwerk gezündet hatte.

Setlist PORTISHEAD (ohne Gewähr)
Silence
Mysterons
The Rip
Sour Times
Magic Doors
Wandering Star
Machine Gun
Over
Give Me A Reason To Love You
Chase The Tears
Cowboys
?
Roads
It’s A Fire

SUEDE

Wären OASIS und BLUR nicht gekommen, gälten SUEDE jetzt vielleicht als DIE Band des Britpops. Auf jeden Fall sind Brett Anderson (Gesang) und Mat Osman (Bass), die seit der Bandgründung 1988 bei SUEDE spielen, ganz wesentliche Wegbereiter des Britpops, auch wenn es um die mittlerweile fünfköpfige Gruppe inzwischen deutlich ruhiger geworden ist. Vielleicht konnten auch viele der jüngeren Festivalbesucher mit dem Namen nicht so wahnsinnig viel anfangen, auf jeden Fall war es vergleichsweise übersichtlich an der Blue Stage, wo SUEDE sich als Bühnenbild eine riesige, unterschiedlich farbig beleuchtete Raffgardine in den Hintergrund gehängt hatten. So was gab’s in der Vergangenheit sicher in dem einen oder anderen elterlichen Schlafzimmer und in die Vergangenheit ging’s auch bei den Briten, die über 75 Minuten mit den Zuschauern einen flotten Ausflug in die guten alten Zeiten des Britpops unternahmen. Schwungvoll startete die Reise mit „She“, ehe der exaltierte Brett nicht nur bei „Trash“ wie ein Flummy über die Stage hüpfte. Rhythmusbetont und mit Rumms schloss sich „Filmstar“ an – überhaupt stand das Thema Tanzen ganz oben auf der Agenda, wenngleich wie bei „By The Sea“ zu melodramatischen Pianoklängen auch große Emotionen nicht außen vor blieben. Mit „The Drowner“ gaben SUEDE wieder Gas und das vereinzelt Regentropfen fielen, störte auch bei den fetten Gitarrenwänden vom sehr tanzbaren „Killing of A Flash Boy“ und dem druckvollen „Can’t Get Enough“ niemanden. Mit „Everything Will Flow“ zeigten die Herren wieder Gefühl, bevor auf der Zielgeraden erneut treibender Britpop dominierte. So ließen SUEDE bei „New Generation“ ihre Langäxte wirkungsvoll von der Leine, um nach dem gitarrenorientierten „Beautiful Ones“ ohne ein weiteres Wort im Off zu verschwinden. Sie hatten dann jedoch ein Einsehen mit ihren Fans und kehrten für „Saturday Night“ auf die Bühne zurück, um ihren Gig mit einer Nummer fürs Herz zu beenden.

Setlist SUEDE
She
Trash
Filmstar
Animal Nitrate
We Are The Pigs
By The Sea
The Drowner
Killing of A Flash Boy
Can’t Get Enough
Everything Will Flow
So Young
?
The Wild Ones
New Generation
Beautiful Ones

Saturday Night

ARCADE FIRE

Währenddessen sorgten ARCADE FIRE auf der Green Stage für Lichtgewitter und ließen es mit großem Gefolge ordentlich krachen. Für mich war’s nur eine kurze Stippvisite, die mit „Neighborhood #1 (Tunnels)“ begann, ehe „We Used To Wait“ ins Bein ging. Auch „Neighborhood #3 (Power Out)“ war bestens zum rhythmischen Workout geeignet, ebenso wie das druckvolle „Rebellion (Lies)“. Die Zugaben „Wake Up“ und „Sprawl II (Mountains Beyond Mountains)“ haben ich nur noch mit halbem Ohr mitbekommen, weil schon die nächste Band rief, aber wie immer haben die Kanadier, die es inzwischen auch schon seit 2002 als ARCADE FIRE gibt, ein fulminantes Baroque-Pop-Ereignis abgeliefert. Wie üblich hat die Kapelle um das Ehepaar Win Butler (Gesang, Piano, Gitarre, Bass)und Régine Chassagne (Gesang, Schlagzeug, Piano, Keyboard, Akkordeon, Xylophon, Drehleier), deren weitere Mitglieder Richard Parry (Keyboard, Gitarre, Akkordeon, Xylophon), Tim Kingsbury (Bass & Gitarre), Will Butler (Bass & Xylofon), Sarah Neufeld (Violine), Marika Anthony-Shaw (ebenfalls Violine) und Jeremy Gara (Schlagzeug) sind, Indie, Art-Rock und Folk mit eben dem barocken Element versehen, mit dem ARCADE FIRE inzwischen große Bekanntheit und auch kommerziellen Erfolg erlangt haben.

THE CHEMICAL BROTHERS

Bereits 2008 sorgten die CHEMICAL BROTHERS beim Hurricane für Begeisterungsstürme, ein Umstand der sich auch heuer wiederholte, woran in gewohnter Weise nicht nur die Musik, sondern auch die fulminante Videoshow einen großen Anteil hatte. Auf der blauen Bühne agierten währenddessen die beiden Herren, die seit Mitte der Neunziger als CHEMICAL BROTHERS firmieren, an den Rechnern und jagten ihren unverwechselbaren Sound durch die Boxen und das passende optische Begleitmaterial auf die Leinwände. Tom Rowlands und Ed Simons hatten sich mal wieder nicht lumpen lassen und alles aufgefahren, was ihre Diskografie an Highlights zu bieten hat, womit selbstverständlich insbesondere „Hey Boy, Hey Girl“ und „Galvanize“ nicht fehlen durften. Unterstrichen wurde die Ausnahmestellung der CHEMICAL BROTHERS durch die absolut gigantische Show der Elektrotüftler, die einmal mehr einfach nur sehenswert war. Da fegten grüne Lichtkaskaden über die Leinwände, die von tanzenden „Ampelmännchen“ in rot und grün abgelöst wurden, während bei „Horse Power“ Laserblitze in den Nachthimmel geschickt wurden und die Videowalls den Blick auf stilisierte Pferdeleiber frei gaben. Virtuelle Funken schlugen dem Beobachter entgegen und unzählige Käfer krabbelten über die Screens, ehe Roboter die Macht über die Leinwände übernahmen und diverse Architektur-Studien für Abwechslung sorgten. Aus verschieden farbigen Punkten formten sich langsam Figuren auf den Videowalls, die bei „Superflash“ zu Glühbirnen wurden, um schließlich an Polizisten und Hubschrauber abzugeben, die „Galvanize“ optisch untermalten, mit dem dann um 2.00 Uhr für den ersten Tag Schluss war mit der Live-Beschallung.

Dass es gegen Ende des letzten Open-Air-Gigs leicht anfing zu regnen, war nicht weiter dramatisch. Auch wenn die Tropfen im Anschluss mehr wurden, ließ sich damit gut leben. Schließlich war es im After-Show-Partyzelt warm und trocken und auch die eigenen Stoffbehausungen dürften ausreichend Schutz vor dem nass-kalten Gruß geboten haben, den Petrus den Indie-Jüngern nach Scheeßel geschickt hatte. Angesichts des Umstandes, dass meine Stimme schon wieder Mucken machte, entschied ich mich, Vernunft walten zu lassen und zog mich in meine Texel-II-Gemächer zurück, immerhin lagen ja auch noch zwei vollgepackte Festivaltage vor mir…

Copyright Fotos: FKP SCORPIO

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