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HURRICANE 2012 – TAG 2

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Ort: Scheeßel – Eichenring

Datum: 23.06.2012

„Die Nacht war kurz, ich stehe früh auf“ sollte THEES UHLMANN später am Tag singen und damit traf er zumindest bei mir genau ins Schwarze. Zwar war ich vergleichsweise früh in meiner Stoff-Behausung, doch hatte ich die Rechnung ohne die Suzuki-Aftershow-Party gemacht, die gefühlt direkt neben meinem Zelt stattfand und bis ca. 7.00 Uhr morgens dauerte. Um 8.00 Uhr kam dann der ultimative „Guten Morgen“-Rama-Werbung-Weckruf (übrigens seinerzeit von NANA MOUSKOURI gesungen) aus der Nachbarschaft und damit war die Nacht endgültig vorbei. Aber immerhin schien bereits die Sonne und der blaue Himmel verhieß einen regenfreien Tag. Zudem gab’s auch noch warmes Wasser in den Duschen und die Aussicht auf jede Menge erstklassige Bands, was konnte ich mir da mehr wünschen?

THE FLOOR IS MADE OF LAVA

Für mich begann der zweite Festivaltag um 13.00 Uhr vor der Red Stage, die von den vier THE-FLOOR-IS-MADE-OF-LAVA-Mannen in Beschlag genommen wurde. Die Dänen ließen es gleich amtlich krachen und vertrieben alsbald eventuelle Ermüdungserscheinungen ihrer Zuschauerschaft. Dem Sänger schmeckte zur mittäglichen Stunde ganz offensichtlich schon das deutsche Bier und mit dem Becks im Anschlag fiel im sogleich auf, dass die Dänen und Deutschen zwei Gemeinsamkeiten haben: Bier und Würstchen. Beides könnte für viele Hurricane-Besucher an diesem Wochenende zu den Hauptnahrungsmitteln gehört haben, natürlich neben jeder Menge Musik, die im Falle der Nordlichter absolut überzeugend ausgefallen war. Übrigens waren THE FLOOR IS MADE OF LAVA auch ganz nach dem Geschmack der Graben-Security, die anders als die meisten ihrer Kollegen nicht nur mit unbeweglicher Miene ihre Muskeln spielen ließen, sondern bei Gefallen auch richtig mitgingen und sogar das Publikum zum Mitmachen animierten.

WILLY MOON

Auch der nächste Kandidat war für die rote Bühne annonciert und hörte auf den Namen WILLY MOON. Die Zuschauerränge waren auch um 14.00 Uhr noch recht überschaubar, dafür schien die Sonne, als zunächst nach und nach die Instrumentalfraktion an den Saiten und Tasten in Position ging. Fehlte noch der namensgebende Herr Moon, der sich für sein Auditorium in Schale geworfen hatte und im edlen Zwirn auf die Stage gesprungen kam. Einen leicht hyperaktiven Eindruck machte WILLY MOON schon, aber auf eine sehr sympathische Art, mit dem der 21-jährige Neuseeländer mit aktuellem Wohnsitz in London, seine Zuhörer sogleich für sich gewinnen konnte. Stilistisch griff der Jungspund, der gerade mal eine einzige Single namens „I Wanna Be Your Man“ draußen hat, auf alles zurück, was irgendwie vor 1965 angesagt war und verbrämte selbiges auf äußerst zeitgemäße Weise. Eine kruder, jedoch mitreißender Mix, der es in sich hatte. Da kam es auch schon mal zum spontanen Rockabilly-Circle-Pit und auch die Zugaberufe waren keine große Überraschung, nachdem WILLY MOON ziemlich sang- und klanglos im Off verschwunden war. Seine Deutschkenntnisse könnte er übrigens in Berlin erworben haben, dort hat Willy nämlich (neben Valencia und Morokko) auch schon gelebt.

Setlist WILLY MOON
Shakin’
She Loves Me
Company
Railroad ?
I Put A Spell On You
Yeah Yeah
I Wanna Be Your Man
My Girl

BAND OF SKULLS

Jetzt aber ganz schnell zur Hauptbühne rüber, um noch den letzten Rest des Auftritts der BAND OF SKULLS zu erleben. Hier ging es nicht ganz so abgedreht, aber nicht weniger hörenswert zur Sache. Geboten wurde feinster Alternative mit viel Drive und weiblichem Gesang. Im Fall von „Light of The Morning“ kam das fette Geschwurbel auch mal ein wenig bluesig daher, bevor die Briten bei ihrem finalen „Death By Diamonds And Pearls“ noch mal richtig zulangten. Davon hätte ich gern noch mehr gesehen, aber diese Überschneidungen sind bei vier Bühnen nun einmal nicht zu verhindern und so muss man gelegentlich Kompromisse eingehen, aber es hat ja auch niemand gesagt, dass das Leben ein Ponyhof ist. Nicht mal beim Hurricane.

EVERLAUNCH

Auf der Blue Stage durften sich EVERLAUNCH zumindest nicht über eine lange Anreise beschweren, denn der Fünfer kommt aus dem benachbarten Rotenburg an der Wümme und sollte somit den kürzesten Weg zum Hurricane gehabt haben. 2006 hatten die Indie-Rocker ihr erstes Mal am Eichenring und konnten in der Zwischenzeit ihre Fanbase deutlich vergrößern. Daran dürfte auch ihr aktuelles zweites Album beteiligt gewesen sein, dem das Quintett ganz selbstbewusst den Titel „Number One“ gegeben hat. Auf dem Zettel hatten die Niedersachsen eingängigen Indie-Rock, mit dem sie durchaus bei ihrem Publikum zu überzeugen wussten. Bisweilen wurde es wie bei „Fray Your Senses“ vom bereits erwähnten Longplayer auch mal recht gefühlvoll, überwiegend ging’s aber eher schwungvoll zur Sache. Etwa beim Track „Hurricane“, bei dem es nach einem verhaltenen Piano-Start schon bald wieder ans Eingemachte ging. Wie beim ersten EVERLAUNCH-Gig beim Hurricane auch heute auf der Setlist: „Setting Sun“, das einen netten Abschluss der Show lieferte, auch wenn zum Schluss die Boxen ausfielen und nur noch das Schlagzeug zu hören war. Entweder liefen die Band-Monitore noch und EVERLAUNCH haben davon überhaupt nichts mitbekommen oder es war ihnen völlig egal. Auf jeden Fall haben sie unbeirrt weiter gespielt und so noch ein paar Sympathiepunkte kassiert.

THE COMPUTERS

Für mich ging es jetzt ins weiße Zelt, das in erster Linie den Electro-Acts vorbehalten war. Tatsächlich konnte man beim Bandnamen THE COMPUTERS auch auf die Idee kommen, es mit einer Truppe Knöpfchendreher zu tun zu haben, doch davon sind die Briten weit entfernt. Wie üblich war das Quintett ganz in weiß gekleidet und wie üblich dauerte es auch nur ein paar Minuten, bis es Sänger und Gitarrist Alex auf der Stage zu eng wurde und er zunächst in Richtung Publikum strebte und später auf den Boxen rumturnte. Der kleine Schreihals war wieder voll in seinem Element und dürfte mit seinen Aktionen der Schrecken der Security gewesen sein. Um wieder von den Boxen runterzukommen, brauchte er dann auch ein bisschen Hilfe – immerhin schleppt er ja auch immer seinen Mikroständer und meistens auch noch seiner Krachlatte mit sich rum. Die übrigen vier Kollegen in Weiß (live werden Schlagzeuger Aiden sowie Sunny und Nic an den Langäxten von einem Keyboarder unterstützt) gaben ebenfalls ordentlich Gas, da war es keine Frage, dass bei der rasanten Vorlage auch der gewünschte Circle Pit zu „I’ve Got What It Takes“ kein Problem darstellte. Bei „Music Is Dead“ war Alex dann selbst mitten im Auditorium und dirigierte sozusagen das Tanzgeschehen vor der Bühne, während er beim finalen „Please Drink Resonsibly“ von ein paar starken Männern gehalten, auf der Grabenbegrenzung stehend die letzten energiegeladenen Schreie zur wahnwitzigen THE-COMPUTERS-Mixtur aus Garage, Punk, Hardcore, Grunge und Post-Irgendwas ans zurecht begeisterte Publikum schickte.

Setlist THE COMPUTERS (ohne Gewähr)
Where Do I Fit In?
Lovers Lovers Lovers
Group Identity
Teenage Tourette’s Camp
Blood Is Thicker
Rhythm Revue
I’ve Got What It Takes
Music Is Dead
Please Drink Responsibly

EAGLES OF DEATH METAL

Ein paar Minuten vor der Zeit enterten die EAGLES OF DEATH METAL die Green Stage und machten sich schon mal mit den Gegebenheiten vertraut, bis es mit dem Opener „I Only Want You“ direkt was auf die Zwölf gab und es vor der Bühne ein Heer der überdimensionalen, magentaroten und aufblasbaren Telekom-Handschuhe zu bestaunen gab. Die Kapelle um den Fronter und bekennenden Schnauzbartträger Jesse „The Devil“ Hughes zelebrierte feinsten Stoner- / Garage Rock, der handwerklich tiptop war und gekrönt wurde von der Show des selbsternannten Teufels, der frisch den Siebzigern entsprungen schien und es liebte, mit seinem weiblichen Publikum zu flirten. Dass die vermeintliche Dame auch mal ein Kerl sein könnte, störte den Mann, der EODM 1998 mit Josh Homme (QUEENS OF THE STONE AGE) an den Drums aus der Taufe gehoben, nicht weiter. Jesse zog seine Show ab (da wurde dann vor „Don’t Speak (I Came To Make A Bang!)“ schon mal zunächst in aller Ruhe der Bart und dann das Haupthaar gekämmt) und servierte dazu knackigen Arschrock, der keine Wünsche offen ließ. Es durfte ausgelassen getanzt werden und auch die Singspielchen, die mit den „Ladies“ und „Boys“ zu „Cherry Cola“ veranstaltet wurden, klappten gut. Entsprechend wurden Stomper wie „So Easy“ ebenso abgefeiert wie das knackige „Bad Dream Mama“, das etwas ruhigere, aber sehr rhythmusbetonte „Now I’m A Fool“ oder die zackige Granate „I Want You So Hard (Bad Boys Blues)“. Derweil wurde der Poser-Song „Whorehoppin’ (Shit, Goddam)“ lauthals mitgesungen und nicht nur der Ausdruckstanz von Mr. Hughes zu „Speaking in Tongues“ mit viel Applaus bedacht.

THEES UHLMANN

Für mich wurde es wiederum Zeit für einen Stellungswechsel und so beeilte ich mich, an die blaue Bühne zu kommen, wo es ziemlich voll geworden war. Der Grund dafür heiß THEES UHLMANN und war mit seiner Kapelle TOMTE schon mehr als einmal beim Hurricane. Als Solist (natürlich mit Bandverstärkung) war es an diesem Samstag für ihn ein Debüt, doch ist der Mitbegründer des Kultlabels Grand Hotel van Cleef in Indie-Kreisen natürlich kein Unbekannter und sein selbstbetitelter Erstling marschierte im vergangenen Jahr mal eben bis auf Platz 4 der Albumcharts, da war es ebenfalls keine Frage, dass viele Besucher eben auch diesen Auftritt sehen wollten. Wie üblich starteten Thees an der Mundharmonika und Julia Hügel am elektrischen Klavier das Set mit dem Song „Römer am Ende Roms“, zu dem nach und nach auch die übrige Band, bestehend aus Hubertus Steiner am Bass, Markus Perner an der Schießbude sowie Nikolai Potthoff und Tobias Kuhn an den Gitarren, ihre Arbeitsplätze einnahm. Die aktuelle Single-Auskopplung „Das Mädchen von Kasse 2“ war allen gewidmet, die beim Hurricane arbeiten mussten, bevor sich das Publikum bei „Vom Delta bis zur Quelle“ textsicher zeigte. Herr Uhlmann hatte offensichtlich großen Spaß daran, vor so einem riesigen Auditorium stehen zu dürfen, das sich auch noch tatsächlich mit seiner Musik beschäftigt hatte und schickte gleich einmal eine Geschichte in die Runde, wie er als „beidseitiges Pädagogenkind“ seinen Eltern mit 14 verkündet hatte, ab sofort Heavy-Metal-Fan zu sein und lange Haare tragen zu wollen. Herausgekommen ist aus der daraus resultierenden Diskussion übrigens eine Vokuhila-Frisur und die Erkenntnis, dass das Dorf, in dem man aufwächst, irgendwie immer in einem bleibt: „Lat: 53.7 Lon: 9.1167“, besser bekannt als „Hier komm’ ich her, hier bin ich geboren“! Im Anschluss machte „Sommer in der Stadt“ mit seinem tollen Refrain Lust auf warme Großstadt-Abende und der Hurricane-Gefangenenchor trat bei „Zum Laichen und sterben ziehen die Fische den Fluss hinauf“ (Position 8 für Hamburg beim Bundesvision Song Contest 2011) in Aktion. Mein absoluter Höhepunkt war einmal mehr „& Jay-Z singt uns ein Lied“, für dessen Studiofassung CASPER einen Rap übernommen hat. Und wie recht hat Thees, wenn er sagt, dass er in einer Welt, in der CASPER mehr Platten verkauft, als BUSHIDO und SIDO zusammen, die Hoffnung noch nicht aufgibt. Auf der „XOXO“ von CASPER war Thees übrigens auch mit von der Partie. Genauer gesagt beim Titeltrack, der als nächstes auf dem Programm stand und ebenfalls aus tausenden Kehlen intoniert wurde. Blieben noch die „Toten auf dem Rücksitz“, die der Band und Crew verehrt wurden. Für mich war die knappe Stunde THEES UHLMANN erneut viel zu schnell vorbei, aber es gab ja noch jede Menge Musik zu hören.

Setlist THEES UHLMANN
Römer am Ende Roms
Das Mädchen von Kasse 2
Vom Delta bis zur Quelle
Lat: 53.7 Lon: 9.11667 (Hier komm ich her, hier bin ich geboren)
Sommer in der Stadt
Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf
Die Nacht war kurz (ich stehe früh auf)
17 Worte
& Jay-Z singt uns ein Lied
XOXO (CASPER-Cover)
Die Toten auf dem Rücksitz

MADSEN

Zum Beispiel MADSEN, die auf der Hauptbühne schon in der zweiten Halbzeit angekommen waren. Bereits am Donnerstag hatten die Kapelle aus dem Wendland, die aus den Brüdern Johannes (Gitarre), Sebastian (Gesang) und Sascha (Schlagzeug) Madsen sowie Bassist Niko Maurer und live zusätzlich einer Keyboarderin besteht, als Überraschungsgast auf dem Campingplatz gespielt, wo der Platz ziemlich schnell ziemlich knapp geworden sein soll. Auch vor der Green Stage war jetzt um kurz vor 19.00 Uhr gut was los, als „Goodbye Logik“ vom gleichnamigen 2006er Longplayer zum Besten gegeben wurde. Am 17. August kommt das neue Album „Wo es beginnt“ in die Plattenläden und das Appetithäppchen „Lass die Musik an“ weckte tatsächlich den Hunger auf die neuen Songs. Natürlich wurden aber auch die alten Nummern wie „Mein Herz bleibt hier“, Nachtbaden“ oder „Die Perfektion“ ohne Wenn und Aber abgefeiert. MADSEN sind ohne Zweifel eine erstklassige Festivalband, die es versteht, Stimmung zu machen und das Publikum in ihren Bann zu ziehen.

FLORENCE AND THE MACHINE

Zurück an die Blue Stage, wo bereits eine Harfe und ein Keyboard in Stellung gebracht worden waren. Diese Instrumente waren unverzichtbare Zutaten für den folgenden Gig von FLORENCE AND THE MACHINE. Natürlich gehörten zum Equipment auch Gitarre, Bass und Drums – nicht zu vergessen der Gesang, für den Florence Welch in ihrer unnachahmlichen Art verantwortlich zeichnete. Schon das wallende Gewand, in dem sie vor ihr Publikum trat, passte zum Sound der Londonerin, die mit dem kraftvollen „Only If For A Night“ und ätherischen Vocals startete. „What The Water Gave Me“, das im letzten Jahr auf dem zweiten Silberling „Ceremonials“ erschienen ist, nahm Tempo auf und präsentierte sich rhythmusbetont. In diesem Sinne schloss sich auch „Between Two Lungs“ („Lungs“ – VÖ 2009) an. Für „Rabbit Heart (Raise It Up)“ vom gleichen Longplayer bat Miss Welch um die Mitarbeit ihrer Zuschauer und forderte die Anwesenden auf, sich gegenseitig auf die Schultern zu nehmen – egal ob man sich liebte, mochte oder gerade kennengelernt hatte. Der Aufforderung kamen einige nach und so konnte es flott und mit einer Florence, die über die Stage hüpfte, weitergehen. Auch bei „Never Let Me Go“ und „Shake It Out“ dominierten der fast schon opernhafte Gesang und die verträumten Harfenklänge, die dem Mix aus Indie, Folk, Rock, Pop und Soul einen besonderen Flair verliehen. Inzwischen war es 19.45 Uhr geworden und ich entschied mich, meine Aufmerksamkeit gerecht zwischen FLORENCE AND THE MACHINE und WOLFMOTHER aufzuteilen und marschierte wieder zur Green Stage.

WOLFMOTHER

Die Australier waren bereits in vollem Gange und hauten fette Seventies-Sounds raus, die stark an Kapellen wie LED ZEPPELIN, BLACK SABBATH, DEEP PURPLE und natürlich die Vorbilder einer jeden australischen Band, AC/DC, erinnerten. Mit ihren Stakkato-Rhythmen, wie sie beispielsweise bei „New Moon Rising“ offerierte, erweckten Andrew Stockdale (Gesang & Gitarre), Aiden Nemeth (Gitarre), Will Rockwell-Scott (Schlagzeug) und Ian Peres (Bass & Keys) die Siebziger wieder zu neuem Leben. Auch optisch sah der Vierer aus, als sei er direkt aus diesem Jahrzehnt auf die Bühne des Hurricanes gebeamt worden. Bleibt noch zu erwähnen, dass Mr. Stockdale, der WOLFMOTHER 2000 gegründet hat, zudem gesanglich nicht unerheblich an Robert Plant erinnerte, was nicht nur beim gehörig knallenden „Woman“ für Assoziationen mit LED ZEPPELIN sorgte. Das „White Unicorn“ kam derweil erst langsam in Fahrt und gefiel mit jeder Menge Geschrammel und Gefrickel, für insbesondere die doppelhalsige Langaxt von Kollege Nemeth verantwortlich zeichnete. Überhaupt wurde reichlich und gut gefrickelt und die Saiteninstrumente zum Jaulen gebracht, wobei auch die Orgel gern und oft zu hören war. Wenn Ian nicht in die Tasten oder Stahlsaiten griff, blies er auch schon mal die Mundharmonika, ehe der wunderbar scheppernde Sound mit dem Knaller „Joker & The Thief“ seinen Höhepunkt fand.

NOEL GALLAGHER’S HIGH FLIGHING BIRDS

Auf der Blue Stage war der um 20.45 Uhr immer noch sonnenbebrillte NOEL GALLAGHER bereits mit seinen HIGH FLIGHING BIRDS zugange, als ich mich in Position gebracht hatte. Nachdem sich OASIS 2009 getrennt hatten, gehen die Gallagher-Brüder jetzt ja getrennte Wege. Liam macht mit den verbliebenen OASIS-Members unter der Firmierung BEADY EYE weiter, während sein Bruder NOEL GALLAGHER’S HIGH FLIGHING BIRDS ins Leben gerufen hat. Beide sind dem Brit-Pop treu geblieben, wobei Noel insgesamt wohl der etwas erfolgreichere von beiden ist. In Scheeßel zeigte sich der exzentrische Musiker, der insbesondere mit seinem Bruder im Dauer-Clinch lag, engagiert und lammfromm, scheint ganz so, als sei der Break genau das Richtige für ihn gewesen. Wie man die Leute mit Musik in seinen Bann zieht, hat Noel mit OASIS oft genug zelebriert, entsprechend klappte es auch am Eichenring. Schließlich waren fünf der 13 gespielten Titel ja sowieso OASIS-Nummern, von denen die beiden Hits „Little By Little“ und „Don’t Look Back In Anger“ das Finale bildeten. Vorher hatte es eine sehr tanzbare und abwechslungsreiche Lehrstunde in Sachen Brit-Pop gegeben, die Spaß machte und mit den verschiedenen Tempi spielte. Häufig begannen die Songs eher ruhig, um im Laufe des Vortrages wie bei „If I Had A Gun…“ zum wahren Stomper zu wachsen. Anders „What A Life“, das von Beginn an Gas gab und zum Tanzen einlud. „Broken Arrow“ gefiel mit Volldampf und emotionalen Gesang, bevor es mit dem OASIS-Cover „Half The World Away“ beschwingt und mit „(Stranded On) The Wrong Beach“ knackig weiter ging. Einzig das abrupte Ende des einstündigen Konzertes war ein bisschen schade.

Setlist NOEL GALLAGHER’S HIGH FLIGHING BIRDS (ohne Gewähr)
(It’s Good) To Be Free (OASIS-Cover)
Everybody’s on The Run
Dream On
If I Had A Gun…
The Death of You And Me
(I Wanna Live in a Dream in My) Record Machine
AKA… What A Life!
Talk Tonight (OASIS-Cover)
AKA… Broken Arrow
Half The World Away (OASIS-Cover)
(Stranded On) The Wrong Beach
Little By Little (OASIS-Cover)
Don’t Look Back In Anger (OASIS-Cover)

RISE AGAINST

Aber eigentlich hatte ich ja eh keine Zeit mehr, denn auf der Hauptbühne rockten bereits seit ungefähr einer halben Stunde RISE AGAINST aus Chicago/ Illinois. Auf die Ohren gab’s krachenden Punk/ Hardcore, der es in sich hatte und im Falle von „Re-Education (Through Labour)“ auch kräftig mitgeklatscht wurde, während im Bühnenhintergrund in verschiedenen Farben ein „RISE-Schriftzug erstrahlte. „Blood To Bleed“ blieb etwas getragener als sein Vorgänger, bevor es mit dem fantastischen „Satellite“ bis auf kurze Slo-Mo-Passagen wieder mit Hochgeschwindigkeit zur Sache ging. Die anfänglichen Gitarren von „Prayer For The Refugee“ erinnerten derweil ein wenig an PLACEBO, weitere Ähnlichkeiten waren bei der extrem treibenden Nummer mit den Alternative Rockern jedoch nicht auszumachen. Mit „Swing Life Away“ gab’s eine kleine gefühlvolle Auszeit, die das Publikum zum Arme schwenken und Wunderkerzen abbrennen nutze, ehe beim blitzschnellen „Give It All“ wieder Stakkatoklatschen angesagt war. Sänger Tim McIlrath, der RISE AGAINST 1999 gemeinsam mit Bassist Joe Principe unter dem Namen TRANSISTOR REVOLT gegründet hat, legte bei dieser Gelegenheit seine Krachlatte zur Seite. Vorher gab’s schon bei „Make It Stop (September’s Children)“ reichlich Gelegenheit zum Mitgrölen und auch „Midnight Hands“ legte noch mal zur vollen Breitseite und sehr präsenten Langäxten an. Für das knackige Punkrock-Finale hatte sich das Quartett „Savior“ aufgespart, zu dem die Crowd noch einmal steil ging.

Setlist RISE AGAINST (ab 21.45 Uhr)
Re-Education (Through Labour)
Blood To Bleed
Satellite
Prayer For The Refugee
Swing Life Away
Make It Stop (September’s Children)
Give It All
Midnight Hands
Savior

MUMFORD & SONS

Dass Folk-Rock seit einiger Zeit so angesagt ist, liegt zu einem großen Teil an einem Briten namens Marcus Mumford. Der hat sich keinesfalls mit seinen Söhnen zusammengetan, sondern mit „Country“ Winston Marshall (Banjo & Dobro), Ben Lovett (Keys & Akkordeon) und Ted Dwane (Kontrabasss). Seit 2007 machen die Londoner gemeinsame Sache und konnten innerhalb eines Jahres so viel Popularität sammeln, dass sie 2008 beim Glastonbury Festival auftreten durften und sich ihre Fanbase mehr und mehr vergrößerte. Die 2009 erschienene Langrille „Sigh No More“ wurde rund um den Globus zum Verkaufsschlager und Folk war nicht länger ein Nische für bärtige Zausel mittleren Alters mit einer Vorliebe für Guinness. MUMFORD & SONS sind weder alt noch bärtige Zausel, aber von einer Musik beseelt, die einfach zu Herzen geht. So starteten die Herrschaften mit „Lover’s Eyes“ zunächst verhalten und mit mehrstimmigem Gesang, um es dann mit Bläsern und Streichern ordentlich krachen zu lassen. Gleich mit dem sich anschließenden „Little Lion Man“ stand einer der Hits der Combo auf der Setlist, für den Marcus allerdings nicht selbst die Saiten schlagen konnte, da er sich die Hand gebrochen hatte und deshalb einen Ersatz-Gitarristen vorstellte. Bei „Winter Winds“ wurde es irisch-melancholisch, während „White Blank Page“ anfangs nur sparsam instrumentiert daher kam, um später gern auch mal Tempo zuzulegen. Bei „Timshel“ überwogen die Americana-Klänge, die fast ausschließlich gesanglich produziert wurden. Ein wenig Gitarre im Hintergrund – mehr brauchte es gar nicht. Mr. Mumford freute sich im Anschluss, dass sein Publikum so andächtig und respektvoll zuhörte – ein Umstand, den er wohl in erster Linie in Deutschland erlebt. Von der für September angekündigten neuen Platte gab’s das melancholische „Below My Feet“ zu hören, ehe „Roll Away Your Stone“ ins Bein ging. Die Nummer im Hochgeschwindigkeits-Folk-Modus war als Dank für die vielen Leute gedacht, die statt BLINK-182 lieber MUMFORD AND SONS lauschten. Selbige bekamen mit „Lover of The Night“ eine kleine Hymne und beim getragenen „Thistle & Weeds“ einen opulenten Orchester-Start zu hören. Ein weiteres neues Stück war das ruhige „Ghosts That We Knew“ mit seinen wundervollen Streichern, bevor mit „Awake My Soul“ Country auf dem Zettel stand. Pianogeklimper eröffnete „Dust Bowl Dance“ und das neue „Whispers of The Dark“ legte einen sehr atmosphärischen Start hin., bevor Ted ein Geburtstagsständchen gebracht wurde. Der Bassist hatte zwar gar nicht Geburtstag, aber dieser Fake stand im Zusammenhang mit dem einzigen deutschen Satz, den MUMFORD & SONS beherrschen und deshalb wird bei jedem Konzert in Deutschland zusammen mit dem Publikum für Ted gesungen. Als Entschädigung für diese lässliche Lüge gab’s mit dem fantastischen „The Cave“ noch einmal Gelegenheit zum Tanzen.

Setlist MUMFORD & SONS
Lover’s Eye
Little Lion Man
Winter Winds
White Blank Page
Timshel
Below My Feet
Roll Away Your Stone
Lover of The Light
Thistle & Weeds
Ghosts That We Knew
Awake My Soul
Dust Bowl Dance
Whispers of The Dark
The Cave

JUSTICE LIVE

Getanzt werden durfte auch bei JUSTICE, dem französischen Elektro-Duo bestehend aus Gaspard Augé und Xavier de Rosnay. Die große, leuchtende Kreuz-Installation, die über der Blue Stage schwebte, kündigte die beiden Knöpfchendreher, deren Sound durchaus gitarrenlastig daherkommt, bereits an, doch mussten die Anwesenden ca. zehn Minuten länger warten als angekündigt, bis es mit „Genesis“ tatsächlich losgehen konnte. Das Ganze klang zunächst ein wenig wie der Soundtrack für eine Sechziger-Jahre-Science-Fiction-Serie, erwies sich dann jedoch bald als sehr einnehmend und mit seinen massiven Soundwänden sehr tanzbar. „Tanzbar“ war allerdings auch das Stichwort an der Red Stage, wo um 1.00 Uhr noch GARBAGE erwartet wurden, weshalb ich den Franzmännern bereits nach 15 Minuten einen Korb gab und mit vielen anderen gemeinsam zum dritten Spielort pilgerte.

GARBAGE

In den letzten Jahren war ruhig geworden um GARBAGE, doch im Mai haben sich die Engländer um Sängerin Shirley Manson mit ihrer fünften Langrille „Not Your Kind of People“ zurückgemeldet und angesichts der Chart-Positionierungen (Deutschland #15, UK #10, USA #13) darf man wohl davon ausgehen, dass Schlagzeuger Butch Vig, der Gitarrist und Keyboarder Duke Erikson, der zweite Mann an der Langaxt Steve Marker und eben Sängerin Shirley Manson, die zudem vom nicht offiziell zur Band gehörenden Bassisten Daniel Shulman begleitet werden, von den Fans vermisst wurden. Eine ähnliches Bild zeigte sich auch an der roten Bühne, wo trotz der späten Stunde viele Festivaljünger auf die Alternative-Rocker warteten, die pünktlich um 1.00 Uhr mit dem knackigen „Automatic Systematic Habit“ vom neuen Album ihre treibende Show begannen. Die Herren – inzwischen alle deutlich in den Fünfzigern angekommen – versprühten nicht unbedingt Rockstar-Flair, aber dafür haben sie ja ihre agile Fronterin, die kaum die Beine still halten konnte. Ähnlich ging es jedoch auch dem Publikum, das natürlich besonders bei den alten Klassikern in Bewegung geriet. Etwa beim coolen „I Think I’m Paranoid“, das es als nächstes auf die Mütze gab. Mit „Why Do You Love Me“ schlugen die Briten, die seit 19 Jahren als GARBAGE firmieren, härtere Töne an, ehe „Queer“ leicht unterkühlt in die Vollen ging, während die Bühne in lilafarbenes Licht getaucht war. Beschwingt und mit knackigen Gitarrenhooks schloss sich „Shut Your Mouth“ an, bevor zu den Lichtblitzen, die den Klassiker „Stupid Girl“ vom selbstbetitelten Debüt aus 1995 begleiteten, ausgelassen getanzt wurde. Bassbetont reihte sich „#1 Crush“ in die Setlist ein und auch das druckvolle „Control“ vom aktuellen Silberling wusste zu gefallen. Für die GARBAGE-Hardcore-Fans hatte Shirley nach eigenem Bekunden „Cherry Lips (Go Baby Go!)“ auf dem Zettel. Mit dem gut gelaunten„Push It“ und dem Kracher „Only Happy When It Rains“ endete die energiegeladene GARBAGE-Rückkehr schließlich um 2.00 Uhr und auch meine Energiespeicher konnten bei dieser Gelegenheit neu gefüllt werden.

Setlist GARBAGE
Automatic Systematic Habit
I Think I’m Paranoid
Blood For Poppies
Why Do You Love Me
Queer
Shut Your Mouth
Stupid Girl
#1 Crush
Control
Cherry Lips (Go Baby Go!)
?
Push It
Only Happy When It Rains

Nichts desto trotz war für mich an dieser Stelle die Zeit fürs Nachtlager gekommen. Noch war ich ja der Meinung, auch den dritten Tag bei trockener Witterung vor den drei Open-Air-Bühnen tolle Live-Musik ohne Ende erleben zu können, aber es sollte ganz anders kommen und ich weiß nicht, ob dafür nicht womöglich sogar Frau Manson zur Verantwortung gezogen werden könnte. Schließlich ist sie nur glücklich, wenn’s regnet und wer weiß, wie gut ihr Draht zum Wettergott ist…

Copyright Fotos: Pressefotos/ FKP Scorpio

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