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HURRICANE 2013 – TAG 1

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Ort: Scheeßel – Eichenring

Datum: 21.06.2013

Ok, im Vergleich zu den Überschwemmungen in Bayern und an der Elbe waren die ergiebigen Regenfälle, die Scheeßel in den vergangenen Tagen heimgesucht haben, ein Witz. Trotzdem waren auch hier nahezu 90.000 Menschen der nassen Macht ausgeliefert. Wer sich jetzt denkt, dass der kleine Ort in der Nordheide doch gar nicht so viele Einwohner hat, liegt goldrichtig, aber ausgerechnet zum ausverkauften Hurricane musste Petrus es noch mal über mehrere Tage wie aus Kübeln regnen lassen. In der Folge wurde sogar in den Verkehrsnachrichten dazu aufgefordert, am Donnerstag besser noch nicht anzureisen und schon gar keine Zelte aufzubauen (zeitgleich gab es auch noch eine Unwetterwarnung), während am Freitag die Anreise per Zug propagiert wurde, da die vorgesehenen Parkflächen total aufgeweicht waren und nicht im geplanten Umfang genutzt werden konnten.

Vielleicht hätte ich auch mit den Öffis fahren sollen, dann hätte ich zumindest nicht schon nach wenigen Kilometern auf der Autobahn im Stau gestanden. Ich glaube, länger habe ich noch nie für die 200 km von Osnabrück bis zum Hurricane gebraucht; aber als ich auf den letzten Kilometern noch einmal eine gute Stunde mehr oder weniger stehend verbrachte, war ich eigentlich sogar ganz froh, nicht auf dem Festivalgelände zu sein, denn es regnete immer wieder heftig und ich konnte mir lebhaft vorstellen, wie das Gelände bereits zu diesem frühen Zeitpunkt aussah. Vermutlich gab es auch im gesamten Landkreis Rotenburg/ Wümme keine Hackschnitzel mehr zu kaufen, weil bereits sämtliche Bestände auf dem Festivalgelände verarbeitet worden waren. Immerhin kam ich mit meinem Auto noch problemlos auf den Parkplatz (der eine Wiese war), was bei anderen Fahrzeugen vor mir schon ganz anders aussah. Letztlich stand ich dann um 18.00 Uhr tatsächlich das erste Mal „endgültig“ vor einer Bühne und dass auf selbiger RON POPE stand, hatte ehrlich gesagt weniger damit zu tun, dass ich den Herrn unbedingt sehen wollte, sondern war dem Umstand geschuldet, dass der Ami mit seiner Kapelle im trockenen Zelt spielte, als es draußen wieder zu gallern begann. Zuvor hatte ich die Ohren schon ein wenig von BOYSETSFIRE und THE DEVIL WEARS PRADA frei pusten lassen, aber ich wollte den Festivalauftakt doch lieber mit einer guten Portion Mädchenmusik begehen.

RON POPE

Und diesbezüglich war RON POPE eindeutig mein Mann. Das hatte sich auch das (Überraschung) überwiegend weibliche Publikum gedacht, das gleich einmal ordentlich mitklatschte, als Ron beim ersten Track in die Tasten griff bzw. den Schellenkranz schwang. Auch mit dem Sechssaiter war der Singer/ Songwriter in den kurzen Hosen vertraut und schon bald folgte auf eine stadiontaugliche Hymne alsbald eine herzzerreißende Ballade. So waren die meisten Stücke am Ende auch eher ruhig, jedoch gleichzeitig sehr melodiös. Gelegentlich lag auch schon mal ein wenig Pathos in der Luft, den Damen gefiel’s und vermutlich hätte die eine oder andere ihren „free hug“ gern bei dem bald 30-jährigen Musiker eingefordert, der mit seiner dreiköpfigen Band nach Scheeßel gekommen war und nicht nur weibliches Gekreische, sondern auch tosenden Applaus nach seinen 40 Minuten ernten konnte. Als erste Aufwärmübung schon mal eine gute Sache. Derjenige, der für die Optik in dem weißen Zelt zuständig war, wird vermutlich mal im Osnabrücker Hyde Park gewesen sein; zumindest hängen dort von der Decke ähnliche Objekte herab, wie dies im Zirkusrund am Eichenring der Fall war. Und ursprünglich stand ja auch am Fürstenauer Weg ein Zirkuszelt, das den „Park“ nach seinem Umzug von der Rheiner Landstr. über Jahre beherbergte. Mal ganz davon abgesehen, dass die bekannte Kultdisse in der Vergangenheit zu Jubiläen schon ein Karussell vor der Tür stehen hatte und beim Hurricane in diesem Jahr erstmals ein Riesenrad seine Kreise zog. Aber das nur am Rande.

TEGAN AND SARA

Weiter ging’s an der Blue Stage, wo Tegan Rain und Sara Kiersten Quin um 19.00 Uhr vor einer überschaubaren Kulisse ihr Set begannen. Die Zwillingsschwestern machen bereits seit ihrem 15. Lebensjahr Musik und firmieren unter ihren Rufnamen TEGAN AND SARA. In Indie-Kreisen sind die Kanadierinnen keine Unbekannten, mussten allerdings gegen GOGOL BRODELLO anspielen, die auf dem Hurricane einfach die besseren Spaß-Karten hatten. Dabei legten auch die 32-jährigen mit viel Schwung los und luden gleichfalls zum Tanzen ein – nur halt nicht ganz so ungestüm wie die Kollegen auf der Main Stage. Bei den Schwestern dominierten dann wie bei „Back In Your Head“ eher Piano-Sounds, aber auch die Gitarrenfraktion war gefragt (im Übrigen war man natürlich auch mitsamt Kapelle angereist) und so wurde durchaus mit viel Schmackes und Rhythmus agiert. Am Ende stand mit „Now I’m All Messed Up“ sogar noch etwas auf dem Programm, was ein wenig nach hallendem Kirchengemäuer klang, sich schließlich jedoch in melodiöses Wohlgefallen auflöste. Für mich war’s das nach etwa einer halben Stunde Spielzeit, da ein weiterer Stellungswechsel auf dem Programm stand.

THE HIVES

Schließlich wollte ich ja hören, was Hurricane-Veteran und Großmaul „Howlin’“ Pelle Almqvist heuer zu vermelden hatte und so viel sei schon mal verraten: er hatte einiges zu sagen. Zunächst gab es jedoch ein Intro auf der Hauptbühne zu hören, bevor es mit „Come On!“ ab durch die Mitte ging. THE HIVES sind bekannt dafür, dass ihre Bühnenkleidung stets in den Farben Schwarz und Weiß gehalten ist. Dieser Tradition sind die Herrschaften treu geblieben und präsentierten sich in mexikanisch anmutenden schwarzen Anzügen mit weißen Stickereien. Passenderweise war an diesem Freitag gerade Midsommar, den man natürlich bestens mit ein paar echten Schweden feiern konnte. Gesagt – getan und entsprechend ging die wilde Fahrt mit „So Right Ahead“ weiter. Einzig der Sound war nicht so prickelnd und letztlich hätte der Herr Fronter auch ein bisschen weniger reden dürfen. Gut und schön, dass er sich zum Präsidenten erklären lassen wollte (ob man in Skandinavien mitbekommen hat, dass wir in den Vergangenheit mit der Besetzung dieses Postens etwas Schwierigkeiten hatten?), insgesamt war’s für die schmalen 60 Minuten für meinen Geschmack einfach ein Hauch zu viel Show, wobei eine Auditoriumsbespaßung wie das gemeinsame Hinsetzen und Aufspringen, die zum Klassiker „Hate To Say I Told You So“ zelebriert wurde, selbstredend ebenso wenig bei einem HIVES-Gig fehlen darf wie das berühmte „Walk Idiot Walk“. Überhaupt waren die fünf Schwedenhäppchen musikalisch über jeden Zweifel erhaben und Herr Almqvist spricht unsere Sprache wahrlich nicht schlecht, aber diesbezüglich wäre für mich weniger einfach mehr gewesen. Was außerdem auch für die Besucherströme galt, die irgendwie der Meinung gewesen sein müssen, dass dort wo ich stand, der Durchgang war – egal wo ich stand…

Setlist THE HIVES
Come On!
Main Offender
Go Right Ahead
These Spectacles Reveal The Nostalgics
Wait A Minute
Two-Timing Touch And Broken Bones
Take Back The Boys
Die All Right
Won’t Be Long
Walk Idiot Walk
Hate To Say I Told You So
Insane
Tick Tick Boom

THE NATIONAL

Von solchen (Luxus-)Problemen blieb ich an der Blue Stage verschont, wo als nächstes THE NATIONAL anstanden. Um es kurz zu machen: mein Highlight des Tages! Nicht nur, dass der Sound hier deutlich besser war, auch die Combo aus New York wusste mich uneingeschränkt zu überzeugen. Ganz vorne weg Sänger Matt Berninger, der mit einem kraftvollen Bariton und sehr sympathischem Auftreten (in Gummistiefeln) gefiel; und auch die vier Kollegen, die um zwei Bläser ergänzt wurden, begeisterten nicht nur mich. Den Anfang machte „Squalor Victoria“ vom 2007er Album „Boxer“ und damit war es dann auch zumindest um mich geschehen. Die außergewöhnlichen Arrangements der Indie-Kapelle zogen die Zuhörer einfach in ihren Bann – unterstrichen wurde das Ganze noch von diversen Animationen, die auf der großen Leinwand im Bühnenhintergrund gezeigt wurden. Davon bekam zwar die Graben-Security nichts mit, aber offensichtlich ließ auch diese Herren die Mucke der 1999 ins Leben gerufenen Band nicht kalt, denn wie so häufig beim Hurricane tanzte zumindest eine Sicherheitskraft mit, wofür sich Matt auch gleich bedankte. Wenig später kam „Afraid of Everyone“ langsam aber gewaltig, während das rhythmusbetonte „Abel“ mit Schreigesang begann, um dann mit „This Is The Last Time“ zunächst wieder einen Gang zurückzuschalten. Im Laufe des Vortrages nahm auch diese Nummer wieder Fahrt auf und wurde vom knackigen „Graceless“ abgelöst, nachdem Mr. Berninger die ersten Klamotten in Empfang nehmen konnte, die THE NATIONAL bislang auf die Bühne geworfen wurden. Sexy Dessous waren das nicht gerade, aber was zählt ist ja die Geste…Als Dankeschön gab’s direkt mal ein Bier für einen Glücklichen im Publikum und für alle das hymnische „Fake Empire“, bei dem Trompete und Posaune noch einmal in den Mittelpunkt rückten. Zu „Mr. November“ zeigte sich sogar der Himmel von seiner besten Seite und schickte einen Regenbogen, während der Fronter ein Bad in der Menge nahm, um schließlich zurück auf der Stage mit den Kollegen und „Terrible Love“ ein großartiges Finale abzuliefern.

Setlist THE NATIONAL
Squalor Victoria
Don’t Swallow The Cap
Bloodbuzz Ohio
Mistaken For Strangers
Sea of Love
Demons
Afraid of Everyone
Conversation 16
Abel
This Is The Last Time
Graceless
Fake Empire
Mr. November
Terrible Love

BILLY TALENT

Da hatten es BILLY TALENT schwer, diesen Gig noch zu toppen. Allerdings hatten sie auch nicht besonders viel Zeit dafür (zumindest um mich zu überzeugen), da ich erst gegen 21.35 Uhr der Kanadier ansichtig wurde, die bereits seit etwa 21.00 Uhr die Green Stage bespielt haben dürften. Mit meinem Eintreffen skandierten die Alternative-Punk-Rocker gerade für irgendwen ein Geburtstagsständchen, ehe mit „Surrender“ ein lieb gewonnener Evergreen vom zweiten Album aus 2007 auf der Setlist stand. Mit Highspeed schloss sich „Runnin’ Across The Tracks“ an und den BEATSTEAKS verehrten Benjamin Kowalewicz und Anhang gleich darauf das knackige „Diamond On A Landmine“. Auch All-Time-Lieblinge wie „Try Honesty“, „Devil On My Shoulder“, „Fallen Leaves“, „Surprise Surprise“ und „Red Flag“ wurden natürlich noch energiegeladen performt. Einzig der Sound ließ immer noch zu wünschen übrig – ein Umstand, der sich bis zum Headliner RAMMSTEIN noch ändern sollte – warum klappte das nicht von Anfang an?

Setlist BILLY TALENT (ohne Gewähr)
Red Flag
Viking Death March
The Ex
This Suffering
Love Was Still Around
Stand Up And Run
Rusted From The Rain
Saint Veronika
Surrender
Runnin’ Across The Tracks
Diamond On A Landmine
Man Alive!
This Is How It Goes
Try Honesty
Devil On My Shoulder
Devil In A Midnight Mass
Surprise Surprise
Fallen Leaves

PORTISHEAD

Zunächst ging’s jedoch noch einmal an die blaue Bühne, wo PORTISHEAD bereits mit ihrer Show begonnen hatten. Der Opener „Silence“ fand alsbald ein recht abruptes Ende, während sich das folgende „Nylon Smile“ rhythmusbetont und von Beth Gibbons’ sphärischem Gesang dominiert zeigte. Dazu gab’s einmal mehr verschiedene bewegte Bilder auf den Leinwänden zu sehen, während das getragene „Mysterons“ vermittels Technik klanglich so etwas Ähnliches wie eine singende Säge zu Gehör brachte. Eindringlich schloss sich „The Rip“ an, dessen Trip-Hops-Sounds langsam Fahrt aufnahmen. Tanzbar wurde es mit dem Klassiker „Sour Times“, zu dem in violettes Licht getauchte Nebelschwaden über die Stage zogen, was in der einsetzenden Dunkelheit zu nett anzusehenden Effekten führte. Im weiteren lieferten die alten Hasen, die bereits seit 22 Jahren gemeinsame Sache machen, auch diverse Störgeräusche („Machine Gun“) und psychedelische Klangmuster, die an wirre Traumwelten erinnerten („Over“) ab, bevor das fantastische „Glory Box (Give Me A Reason To Love You)“ meinen Zwischenstopp bei den Briten eine halbe Stunde vor der Zeit beendete.

RAMMSTEIN

Der Grund dafür ist in Berlin ansässig und trägt (absehen vom zweiten „M“) den Namen einer amerikanischen Airbase in Rheinland-Pfalz. Die Rede ist natürlich von RAMMSTEIN, deren Bühnenshow allenthalben mit großer Spannung erwartet wurde. Was kam, waren die bekannten brachialen NDH-Sounds und natürlich jede Menge Feuer. Gleich zu Beginn schlugen imposante Funkenregen in die Luft, um dann den Blick auf Frontmann Till Lindemann zu lenken, der im rosaroten Plüschjäckchen seinen Arbeitsplatz für die kommenden 90 Minuten betrat und ein lautes „Ich tu dir weh“ skandierte. Eigentlich sind die alten Flammenwerfer ja ganz Liebe, aber mit dem Böse-Buben-Image lässt sich vortrefflich Geld verdienen und letztlich hat keine andere Band beim diesjährigen Hurricane so sehr polarisiert wie RAMMSTEIN. Angefangen bei lobenden Worten für die imposante Pyro-Show (tatsächlich wüsste ich nicht, wo im Musikbusiness so viel angesteckt wird, wie bei den Hauptstädtern und der „Feuerball“, der von der Bühne zum FOH und wieder zurück schoss, war zweifellos auch für routinierte Konzertgänger sehenswert), über die Frage, wie man mit einer so überschaubaren Anzahl von stilistischen Variationen derartigen kommerziellen Erfolg haben kann und schließlich auch ernsthaften Überlegungen, welche schlimmen Dinge bei den Bandmitgliedern in der Kindheit passiert sein müssen, die jetzt aufgearbeitet werden, reichten die Diskussionsbeiträge im Anschluss. Mein persönlicher Eindruck ist, dass die Herrschaften einfach gern provozieren und das kann man bei einem Song wie „Mein Teil“, bei dem Lindemann mit einer vermeintlich blutgetränkten Schürze kannibalische Allmachtsfantasien mit seinem Keyboarder Christian „Flake“ Lorenz zum Besten gab, wobei Letztgenannter angetan mit einem güldenen Anzug in einem überdimensionalen Kochtopf auf Rädern Platz nah, natürlich vortrefflich. Als Ausgleich schlossen sich mit „Ohne Dich“ versöhnliche Streicher an und auch sonst blieb die Nummer vergleichsweise getragen, während „Du riechst so gut“ eindeutig zum Tanzen einlud. Mit „Benzin“ wurde es dann jedoch wieder gehörig „böse“ und auch mit den folgenden Tracks schlugen RAMMSTEIN mit ihrem „Tanzmetall“ noch einmal ordentlich Alarm. „Ich will“, welches das Ende des regulären Sets markierte, fand kräftige Unterstützung in den Akklamationen der Zuschauer, von denen sich die Kapelle um 0.15 mit einem kurzen Dankeschön verabschiedete. Das war’s selbstverständlich noch nicht, Flake und Till brachten begleitet von roten Nebelschwaden eine Piano-Version von „Mein Herz“ zum Vortrag, bevor für „Sonne“ wieder die gesamte Mannschaft zurückkehrte und erneut eine volle Breitseite angesagt war. Konnte man sich zuvor zumindest denken, was so mancher Funkenflug oder auch der Wasserschwall bei „Bück Dich“ für eine phallische Bedeutung haben sollte, war dies beim abschließenden „Pussy“ nicht zu übersehen. Till Lindemann thronte auf einem überdimensionalen Penis und spritze irgendwann dann auch mal ab – auf das sich die Green Stage zumindest in den vorderen Reihen in eine riesige Schaumparty verwandelte. Dann noch ein letzter Kniefall vor dem geneigten Publikum und verschwunden waren die viel gescholtenen Brandstifter und Schwerenöter, die mich vor allem erheitert haben.

Setlist RAMMSTEIN
Ich tu dir weh
Wollt ihr das Bett in Flammen sehen?
Keine Lust
Sehnsucht
Asche zu Asche
Feuer frei!
Mein Teil
Ohne dich
Wiener Blut
Du riechst so gut
Benzin
Links 2-3-4
Du hast
Bück dich (RAMMSTEIN-Intro)
Ich will

Mein Herz brennt (Piano Version)
Sonne
Pussy

SIGUR RÓS

Als stilistischen Gegenpol habe ich mir dann noch schnell einen sphärischen Sound-Overkill bei SIGUR RÓS abgeholt. Wenn man dem kalten Atlantik trotzen muss, entwickelt sich derartige Ambient-Mucke möglicherweise als Schutzmechanismus gegenüber der unwirtlichen Natur. In der Tat haben die Musiker (es müssten acht an der Zahl gewesen sein) verwobene Klanglandschaften entstehen lassen, die selbstredend auch eine entsprechende optische Untermalung erhalten hatten. Ob man nun gerade weiblichen oder männlichen Gesang hörte, war dabei nicht klar zu erkennen, es wird aber wohl die ätherische Stimme von Jón Þór „Jónsi“ Birgisson, die da am Eichenring in falsettartige Höhen geschraubt wurde und sich auch schon mal der isländischen Sprache bediente. Eruptive Klangbilder setzten ebenso viel Energie frei wie leise Passagen und verzauberten die Menge ebenso wie mich.

Nach einer knappen Stunde nahm ich jedoch vorzeitig von den Isländern Abschied, allerdings nicht, weil mir der Vortrag nicht gefallen hätte, sondern schlicht und ergreifend, weil ich ins Bett musste. Erstmals befand sich dieses nicht in einem Zelt in der Nähe, sondern in einem Low-Budget-Hotel in 40 km Entfernung. Da ich noch nicht wusste, ob mein kleiner Franzose denn wohl überhaupt von der Stelle zu bewegen sein würde, machte ich mich deshalb vor dem großen Infield-Exodus auf den Weg und ich muss gestehen, dass ich angesichts der ungemütlichen Witterung (immerhin war es dann ja doch wenigstens trocken geblieben) froh war, nicht in eine klamme Stoffbehausung krabbeln zu müssen, sondern zumindest so etwas ähnliches wie Luxus erwarten durfte – ist ja immer eine Frage der Sichtweise. Ok, ein kuscheliges Liebesnest hatte ich mir da nicht ausgesucht, aber ich höre ja eh schon die Kritiker, die mit mir schimpfen, wie man nach einem Festivaltag im Matsch denn ins Hotel fahren kann. Man kann, wenn Frau will :)

Copyright Fotos: Karen Brandt

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