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IN EXTREMO – KRIEGER

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Ort: Bielefeld - Ringlokschuppen

Datum: 12.12.2006

Noch vor einer Woche hatte ich den Micha beim CRADLE OF FILTH-Konzert in seiner Heimatstadt Köln „ertappt“, nun stattete er uns mit den anderen Mannen von IN EXTREMO einen Gegenbesuch ab. Muss ihm wohl gefallen haben im Ringlokschuppen vor ca. 15 Monaten, damals mit den Slowenen von NAIO SSAION im Schlepptau. Von denen hat man danach eher weniger vernommen, doch das soll kein schlechtes Omen für den aktuellen Support sein, der da auf den Namen KRIEGER hört.

Eigentlich dachte ich ja, die Hoch-Zeit für die martialisch-germanischen Ein-Wort-Bands à la WEISSGLUT, RINDERWAHNSINN oder RICHTHOFEN sei schon länger vorbei, doch im schönen Dresden gedeiht diese 4 Mann Combo um Sänger/ Gitarrist Thomas Baumgärtel, welche bereits kurz nach 8 Uhr auf dem verkürzten Teil der riesigen Bühne ihre Aufwartung machte. Der Laden war natürlich schon gut gefüllt, gut 1000 Anwesende (überwiegend männlich, überwiegend älter) waren neugierig auf die Qualitäten des Supports. Der legte auch gleich spielfreudig los, eine Mischung aus Neuer Deutscher Härte und Deutschrock (ein wenig SCHWEISSER-like) erreichte unsere Ohren. Die Herren sind aktuell dabei, ihr Debüt soundtechnisch einzutüten, von daher ist das Material natürlich weitgehend unbekannt, aber man kann auf ihrer MySpace-Seite in Tracks wie „Zurück nach Haus“, „Wenn du mich küsst“ oder „Heimat“ hineinhören. Letztgenanntes Stück überzeugte nicht gerade mit intelligenten Lyrics, von der Aussage mal ganz abgesehen. Etwas verwirrend auch die vereinzelt eingesetzten Kopfstimmen Parts in den Refrains, die mich ob ihrer Qualität ein wenig in Ratlosigkeit versetzten. In den vorderen Reihen gingen die Leute gut mit, als Anheizer haben die Ostdeutschen ihre Sache ganz akzeptabel gemacht, aber innovativ oder gar außergewöhnlich klingt anders. Man wird sich noch ein gutes Stück steigern müssen, um im Konzert der Großen mitspielen zu können.

Doch schon wenige Minuten später konzentrierte sich alles auf den Headliner, der gerade erst eine launige Best of zum Zehnjährigen Rock-Jubiläum auf den Markt gebracht hat. Zunächst tauchte nur „Das Letzte Einhorn“ aus der Dunkelheit auf, um mit dem „Spielmann“ die nun folgenden 2 Stunden einzuleiten. Mit einem lauten Knall fiel der Vorhang und die mittlerweile 1500 Augenpaare blickten erwartungsfreudig auf das altbekannte Seefahrer Backdrop inklusive Querschnittsschiff, in dessen Mitte Drummer „Morgenstern“ seinen Platz fand. Die anderen Herren Musiker waren natürlich auch alle am Start und zusammen mit dem Publikum intonierte man alsbald weiter im Set, inklusive kleiner Eierkneifeinlage von Herrn Rhein bei einem seiner Bläser. Der charismatische Fronter mit Reibeisenstimme erklärte den Anwesenden, er habe mal in einem Lokschuppen gelernt und fühle sich von daher sehr heimisch in der Bielefelder Location. So heimisch, dass alsbald die Klamotten fielen und der tätowierte Sänger oben ohne da stand. Für den nun folgenden Old School Hit „Ai Vis Lo Lop“ praktizierte er an der Cister (gitarrenähnliches Instrument), während im Hintergrund eine fette Double Bass den Takt angab. Wir waren hier schließlich nicht auf einem Kindergeburtstag. Auch einer der vielen Feuereffekte kam zum Einsatz und ließ insbesondere den vorderen Reihen das Herz warm werden. Nach „Küss mich“ kam dann beim „Wessebronner Gebet“ Dr. Pymontes Harfe zum Einsatz und Rheini hatte sich in ein mittelalterliches „Plundergewand mit Kapuze“ gewandet. Darauf folgte das ganz spezielle Zeichen, welches natürlich nur einen Titel einleiten konnte – den „Erdbeermund“. Die erste Überraschung in der Setlist war ein gänzlich neues Stück, welches Besitzer der Best of schon gekannt haben dürften: „Kein Sturm hält uns auf“ hat das Zeug dazu, ein weiterer Hit in der extremistischen Diskographie zu werden. Eingängig, zwingend und mit einem guten Refrain ausgestattet. Dazu gab es eine Tröteneinlage und ein brennendes Kreuz im Hintergrund. Mit Effekten wurde hier und heute also nicht gespart, besonders überraschend der Abschuss einer Rakete aus dem Auditorium nach vorne auf die Bühne beim wunderbaren „Wind“. Es folgte beim asiatisch angehauchten „Singapur“ der erste Crowdsurfer, und als dann der „Spielmannsfluch“ mit lautem Donnerhall angestimmt wurde, gab es kaum noch ein Halten der sonst so trägen Ostwestfalen. Weitere Besonderheiten des Sets: Zum nach langer Zeit wieder ausgegrabenen „Hiemali Tempore“ bot man eine Jongliereinlage feil und der silbern glitzernde Konfettiregen zu „Horizont“ sorgte für eine fast romantisch-andächtige Stimmung. Da musste es natürlich wieder etwas rauer werden und was bot sich da besser an als die „Raue See“, inklusive aufgezogener Takelage im Hintergrund und Matrosenanzug fürs Einhorn. Der wies im Folgenden darauf hin, dass man nicht zu aggressiv miteinander umgehen solle, im vorderen Teil des Pits war es doch schon ein wenig ruppig geworden… oder ausgelassen, je nach Sichtweise. Witzig auch die „Der Kleine Trompeter“-FDJ-Einlage kurz vor Ende des regulären Sets, welches durch die allseits bekannte Single „Liam“ sowie „Herr Mannelig“ feierlich abgerundet wurde.

Noch während die Herren ihren Abgang praktizierten, wurden schon heftigste Zugabe-Rufe laut, so dass man mit dem erneuten Einmarsch nicht lange auf sich warten ließ. „Poc Vecem“ mit Pymonte am Trumscheit und einem schönen Funkenregen läutete die Verlängerung ein, welche durch „Rotes Haar“ old schoolig fortgeführt wurde. Hier stellte der Kapitän dann auch noch mal explizit die Crew „hinter den Kulissen“ vor, die für die eindruckvolle Pyrotechnik verantwortlich zeichnete. Der Song mit seinen dynamischen Parts wurde in Bielefeld geradezu zelebriert! Doch eine weitere Verlängerung war natürlich vonnöten, eingeleitet von einer eindrucksvollen Feuerdrumstick Einlage, welche in das abschließende „Villemann og Magnhild“ integriert wurde. Nach über 2 Stunden leidenschaftlich vorgetragener Musik bei besten Licht- und Soundverhältnissen (höchstens ein klein wenig zu laut) hatten IN EXTREMO mal wieder eindrucksvoll bewiesen, dass der Blick auch weiterhin nach vorne in Richtung einer erfolgreichen Zukunft gerichtet ist.

Setlist KRIEGER (ohne Gewähr!)
Intro
Wenn du mich küsst
Kein Schloss
Zurück nach Haus
Krieger
Degen
Das Meer und ich
Heimat

Setlist IN EXTREMO
Spielmann
Nur ihr allein
Macht und Dummheit
Ai Vis Lo Lop
Küss mich
Wessebronner Gebet
Erdbeermund
Kein Sturm hält uns auf
Wind
Singapur
Spielmannsfluch
Ave Maria
Omnia Sol Temperat
Hiemali Tempore
Horizont
Alte Liebe
Vollmond
Raue See
Rasend Herz
Krummavisur
Liam
Herr Mannelig

Poc Vecem
Rotes Haar

Villemann og Magnhild

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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