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IN EXTREMO – MR. IRISH BASTARD

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Ort: Hamburg - Sporthalle

Datum: 22.12.2012

Nicht nur der Winter mit Schnee und Kälte suchte Hamburg kurz vor Weihnachten heim, sondern auch die glorreichen Sieben mit ihrer Mischung aus modernem Rock gepaart mit mittelalterlichen Klängen. Die Rede ist von IN EXTREMO, die mit ihrer Zusatztour „IN EXTREMO LIVE“ im Dezember in einigen Städten Deutschlands aufspielten. In Hamburg bot sich die letzte Möglichkeit, sie live zu erleben, da für die Band 2013 die Arbeit an neuem Material im Vordergrund stehen wird. Zurzeit ist nur bekannt, dass sich IN EXTREMO beim Full Metal Cruise die Seeluft um die Nase wehen lassen werden.

Doch bevor INEX an diesem Abend die Bretter der Alsterdorfer Sporthalle betraten, hatten MR. IRISH BASTARD die Aufgabe, der überdimensionierten Sporthalle Stimmung einzuhauchen. Die Halle war bereits gut besucht und gestärkt durch Bratwurst, Crêpes und Fischbrötchen konnten sich die Hamburger zu irischer Folk-Punk-Musik warmlaufen. Die Combo, instrumental bestehend aus Tin Whistle, Akkordeon, Banjo, Gitarre, Bass und Schlagzeug, startete ihr Set mit „This world“. Ab dem dritten Stück brach das Eis und das Publikum begann Arme schwenkend dem Takt zu folgen. Bereits zum darauffolgenden Song ließen sich die Hamburger zu Sprechchören hinreißen. Sogar der Wechsel zwischen Männern und Frauen gelang der Menge. Es folgte „ I smell blood“, der die musikalische Ausrichtung der Münsteraner zwischen Punk und Folk an diesem Abend am besten repräsentierte. Zu dem Trinkerlied „Last Pints“ klatschte der Großteil des Publikums nicht nur mit erhobenen Armen mit, sondern grölte den Refrain „Last Pints on me“ aus bereits gut befeuchteten Kehlen mit. Merkwürdig bis nicht gelungen die Einspielung von MC Hammer in diesem Stück. Mit „Bite the dust“ endete der Gig der Münsteraner. Genretypisch bedingt fehlte den sieben Songs der Band innerhalb und untereinander die musikalische Vielfalt. Dennoch haben MR IRISH BASTARD mit ihrem irischen Vorprogramm das Publikum gut unterhalten, auch wenn nur einige Refrains bei mir haften blieben. Mit Sicherheit hätte in einer kleineren und stimmungsvolleren Location die Band ihr Potential besser entfalten können.

Nach dem Auftritt der Vorband ging das Hallenlicht an, Raucher strömten ins Freie und ein Tannenbaum wurde auf der Bühne abgestellt. Da stand er nun verloren im blauen Licht und konnte dem Publikum ein Schmunzeln und Jubeln abgewinnen, jedoch schaffte es sein weihnachtlicher Glanz nicht von der Hässlichkeit der Halle abzulenken. Befürchtungen, dass auch der Auftritt von IN EXTREMO darunter leiden würde, bestätigten sich nicht, da die Bühnenpräsenz der Band die Räumlichkeiten besser ausfüllte als beim Support. Die Pyroeffekte trugen dazu bei, wobei IN EX Dank der Entertainerqualitäten vom Letzten Einhorn und der Spielfreude der Band auch ohne jene einen Abend bestreiten können. Der Auftritt des „Headliners“ begann mit einem Reim, eingesprochen vom Letzten Einhorn und Feuerpfeile schossen in Richtung Bühne. Die Barden eröffneten mit „Wind“ von dem Album „Sünder ohne Zügel“ das Programm. Zu „Zigeunerskat“ setzten die Feuerfontänen vor der Bühne synchron zu den HoHo-Rufen ein und das Schlagzeug von Specki T spuckte kleine Fontänen. Unterstützt wurde das Ganze lauthals durch die „Antwort“ von Seiten des Publikums. Auch zu „Sängerkrieg“ wurde an Pyroeffekten nicht gespart und die Fontänen verbreiteten etwas Wärme in der Halle. Leider war diese insgesamt zu groß und hätte noch mehr Zuschauer aufnehmen können, so dass sich an den Seiten und nach Hinten hin das Publikum ausdünnte und man dort etwas allein und verloren wie der Tannenbaum rumstand. Die Ansage zu „Sängerkrieg“ nutze das Einhorn als Gelegenheit, um klarzustellen, dass die Idee mit dem Weihnachtsbaum nicht von IN EX stammen würde und selbiger bei der nächst passenden Gelegenheit entfernt wird. Was auch kurzerhand später geschah.

Den gesamten Abend über erwies sich das Publikum als textsicher und sangesstark. Besonders beeindruckte die Sangesleistung zu dem wohl längsten Refrain „Komm schließ die Augen…“ („Vollmond“). So wurde zu Beginn des Stückes Dr. Pymonte an der Harfe nur vom dem Publikumschor begleiten, bis nach und nach erst die Gitarre und das Schlagzeug einsetzten. Obwohl die Besucher doch eher der älteren Fraktion angehörten, war dies dennoch kein Grund, die Lautstärke dermaßen hoch zu pegeln. Wer bis dato noch ein gutes Hörvermögen besaß, der lief Gefahr, es durch die extreme Lautstärke in der Sporthalle einzubüßen. Es dauerte an diesem Abend eine Weile, bis sich für das Letzte Einhorn das Rätsel um die Person mit der Fahne löste. Es handelte sich um den Bierverkäufer, der mit Fahne und Licht sich seinen Weg durch die Menschenmenge von rechts nach links und umgekehrt bahnte. Der Verkäufer ignorierte dann jedoch die Aufforderung vom Einhorn, eine Lage Bier nach oben zur Bühne zu bringen… das war vielleicht auch besser so, da ein Großteil der Musiker krank war. Zu „Zauberspruch VII“ prostete das Einhorn dem Publikum mit einem Becher Tee zu und forderte den längsten und lautesten Applaus für die Crew ein, den es je gegeben hatte. Neben dem Highlight „Herr Mannelig“, bei dem Einhorn zur Cister griff und Flex, Yellow und Pymonte mit ihren Instrumenten im Reigen tanzten, konnte das Publikum zu den weiteren Hits wie „Horizont“ und dem gälischen Stück „Liam“ die Sieben feiern. Mit „Singapur“ wurden die Zuhörer weg von Schnee und Winter an die weißen Strände entführt, auch wenn es in HH zurzeit mehr regnet als schneit.

Zu „In diesem Licht“ erhob sich ein Händemeer aus den Reihen. Passend zum Titel schossen gleißende Feuerfontänen vor der Bühne hoch. Silbernen Feuerregen hingegen gab es bei „Unsichtbar“ und währenddessen konnte man Dr. Pymonte am Hackbrett beobachten. Bevor IN EX „Siehst Du das Licht“ zum Besten gaben, zeigte das Einhorn bei der Suche nach einem Geburtstagskind wieder Herz und Schnauze. Zur Freude der Band meldet sich diesmal kein Mann aus dem Publikum, sondern Elisabeth mit ihren frischen 28 Jahren. Neben Applaus von der Menge gab es für Elisabeth den versprochenen Drink und ein Fahrrad, welches Pymonte in Berlin zerschrottet hatte. Nachdem die Dame von der Band verabschiedet worden war, erklang die unverwechselbare raue Stimme des Letzten Einhorns zu „Ave Maria“, dem Song der wie Arsch auf Eimer zu Weihnachten passt (Anmerkung: hierbei handelt es sich um ein Zitat vom Einhorn). Er zeigte bei diesem Titel seine Vielfältigkeit als Sänger, in dem er zwischen lauten und leisen Passagen hin zu Sprechgesang wechselte. Geprägt wurde dieses ruhige Stück auch durch die ausgedehnten Solopassagen von Harfe und den Dudelsäcken. Danach schnellte die Stimmung bei „Frei zu sein“ wieder auf 100 % und die Hamburger konnten abermals ihre Mitsingqualitäten unter Beweis stellen.

Die Ansage, dass IN EX nun fast am Ende des Abends angekommen wären, wurde mit Buhrufen quittiert, aber als die ersten Töne von „Erbeermund“ erklangen, war die Ansage vergessen und die Menge hüpfte wieder zu den Klängen. Nach diesem Stück verließ die Band die Bühne, um kurze Zeit später mit ihrem Zugabenset erneut loszulegen. Als erstes erklang „Viva la vida“, der Song, der laut Einhorn bei einer Kneipentour auf der Reeperbahn entstanden sein soll. Sei dies der Grund oder die Tatsache, dass fast allen das besungene Gefühl bekannt, ist sangen hier die Fans lauthals mit. Wer nicht mitsang, konnte Yellow Pfeiffer an der Nykelharpa und Flex an der Drehleier lauschen. Das Stück endete mit dem Mundharmonikaspiel vom Letzten Einhorn. Als weitere Zugabe folgte „Mein rasend Herz“ und bei „Gold“ war die Bühne in gelbes Licht getaucht und goldener Schnipselregen ergoss sich über die Band. Mit einem Knall am Ende des Stücks ging auch ein Goldregen über das Publikum nieder. Alleine dieser Effekt hatte die Alsterdorfer Sporthalle als Location gerechtfertigt. Nach dem die Musiker ihre Instrumente von Gold befreit und das Einhorn den Zuschauern ein schönes Fest und alles Gute für das neue Jahr gewünscht hatte, stimmte man „Villeman Og Magnhild“ an. Nicht nur die Sackpfeifen hatten eine langen Solopart auch der Lange gab ein Gitarrensoli, umringt von Flex und Pfeiffer, zum Besten. Die Feuerfontänen blitzten synchron zur Musik auf und mit einem lauten Knall, der die Menge erschreckte endet das Stück. Die Sieben sammelte sich erst für eine letzte Verbeugung am Bühnenrand und im Anschluss wurde dann noch ein Erinnerungsfoto mit dem Publikum im Hintergrund gemacht. Das Hallenlicht ging an und die Hamburger traten ihren Weg nach Hause an, wobei sie die Goldschnipsel mit hinaus ins Freie trugen und aus den Autos drangen IN EXTREMO noch eine Weile in die Hamburger Nacht.

Setlist IN EXTREMO
Wind
Zigeunerskat
Sängerkrieg
Herr Mannelig
Rauhe See
Singapur
Unsichtbar
Siehst Du das Licht
Vollmond
Ave Maria
Frei zu sein
Zauberspruch No. VII
Liam
Horizont
In diesem Licht
Erdbeermund

Viva la Vida
Mein rasend Herz
Gold
Villeman Og Magnhild

Copyright Fotos: Sandra Dürkop

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