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IN EXTREMO – NAIO SSAION

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Ort: Bielefeld - Ringlokschuppen

Datum: 25.09.2005

Die IN EXTREMO-Kogge zu Gast im Bielefelder Ringlokschuppen: Anlass genug für ein Interview und natürlich auch für einen Konzertbericht, denn gerade live gehören die Mittelaltermetaller mit zum besten, was deutsche Tonkunst zu bieten hat. Früh genug machten wir uns auf den Weg, denn wir hatten am Nachmittag mitbekommen, dass der Special Guest bereits um 20 Uhr auf die Bretter sollte. Lange Zeit war überhaupt nicht bekannt, wer denn nun nach beispielsweise EXILIA diese Ehre erhalten sollte, am Ende war es dann eine noch vollkommen unbekannte slowenische Formation: NAIO SSAION!

Wer denn nun rätselt, was das bedeuten könnte, dem sei gesagt, dass es sich hier lediglich um einen Kunstbegriff handelt. Die bereits über 1000 Anwesenden im großen Saal waren jedenfalls neugierig, was denn nun der Support optisch und musikalisch bringen würde, vertraut mit dem Songmaterial konnte allerdings wirklich niemand sein. Die 6 Musiker haben in Slowenien bereits ein Album mit dem Titel „Numedia“ am Start, welches allerdings ausverkauft ist und für Europa erst vor Kurzem auf Englisch neu eingespielt wurde. Damit gehen sie in dieser Hinsicht den gleichen Weg wie die deutlich bekannteren Landsmänner SIDDHARTA. Wo diese allerdings ihr westeuropäisches Heil in einer nicht überragend besuchten Headlinertour gesucht haben, versuchen sich N S (Scheiß Abkürzung) an eine große Truppe anzuhängen. Scheint mir der bessere Weg zu sein, und das neue Label Napalm verfügt anscheinend über genug Kohle für den Slot. Jedenfalls bekamen die stylish gekleideten Musiker immerhin gut 40 Minuten Zeit für ihren Auftritt, den sie insgesamt auch recht zufriedenstellend nutzten. Die GUANO APES plus Fiedel, so in etwas kann man das beschreiben, was sich da abspielte. Frau Barbara Jedovnicky ähnelte der guten Sandra Nasic von Statur und Körperbau doch sehr, auch die Posen kamen durchaus ähnlich rüber. Stimmlich bot sie eine gute Leistung, allerdings sollte sie die Ansagen nicht so herausschreien, denn außer „Germany“ hat man so gut wie kein Wort verstanden. Wesentlich abgedrehter war Teufelsgeiger Rok Kolar: „The Rok“ tänzelte in leicht spastischen (sorry) Bewegungen über die Bühne, und man hatte mehrfach Angst, er würde gleich im Fotograben landen. Spieltechnisch konnte der Dreadlock-Paganini überzeugen und trug ein Instrumental auch mal ganz alleine. Die Zuschauer wurden von Stück zu Stück wärmer mit der Truppe, klatschten und bewegten sich schließlich sogar recht enthusiastisch, der Boden für den Headliner war angewärmt. Ich frage mich trotzdem, woher auf einmal all diese slowenischen Acts kommen…

Eine gute halbe Stunde und 2 Daiquiris später kündigte das sich verdunkelnde Licht die Ankunft der „Extremisten“ an. Das Bühnenbild wirkte überaus beeindruckend mit der Seitenansicht eines Piratenschiffs und dem entsprechenden Backdrop (schon beim Amphi mit dabei). Das Schlagzeug mit Herrn Morgenstern dahinter war hoch oben auf dem Deck aufgebaut, während die „Leichtmatrosen“ mit der Darbietung begannen. „Raue See“ läutete das Spektakel ein, und nach wenigen Sekunden befand sich Kapitän „Das Letzte Einhorn“ hinter seinem Steuerrad. Dieses sollte eigentlich nach allen Seiten Funken sprühen, versagte aber leider seinen Dienst. Ein schlechtes Omen? Nein, alte Seebären stecken so was weg, und alle weiteren Pyroeffekte des Abends klappten dann auch vorzüglich. Schon beim dritten Song (die aktuelle Single „Horizont“) stand der Herr Klabautermann oben ohne da, so dass auch die reichlich vorhandene Damenwelt nun was zum Schauen hatte. Es entwickelte sich eine mitreißende Seefahrt mit vielen bekannten Anlegestellen, wobei der Schwerpunkt nicht so sehr auf die Mittelalterstücke gelegt wurde. Dennoch wurde natürlich genug „geblasen“ und dem Schiffstanz gehuldigt. Einmal kam die Harfe des Dr. Pymonte zum Einsatz, einmal wurde auf dem Oberdeck ein großer Kessel bearbeitet. Dazwischen immer wieder Michas unterhaltsame Ansagen: Z.B. musste er einen männlichen Bewunderer mit seiner Absage an die gleichgeschlechtliche Liebe enttäuschen (sieht man von Tante Pymonte ab;-) Wie der Sänger bereits im Interview angedeutet hatte, nerven ihn einige Aufdringlichkeiten der Fans anscheinend doch etwas. Er ließ sich daher auch zur Aussage hinreißen: “Die in den hinteren Reihen bekommen das ja gar nicht mit: Hier vorne steht eine Frau, die ruft bei jedem Song 30 Mal MICHA. Weißt du, es ist schön, dass du meinen Namen kennst, aber jetzt lass mich bitte in Ruhe. Sonst muss ich dich abfüllen, damit du ihn wieder vergisst!” Um dann hinterher das nächste Stück anzusagen. Er “entschuldigte” sich bei der Dame allerdings mit Handschlag und Augenzwinkern, ganz so hart ist der Frontmann der Mittelaltermetaller dann doch nicht.

Als das Einhorn dann den Ringlok-Getränke-Knecht mit seinem tragbaren Biertablett durch die Reihen wandern sah, wurde natürlich spontan eine Bordrunde eingefordert, die dann auch schnellstmöglich erfüllt wurde. Dennoch kam es hier und da zu kleineren stillen Pausen zwischen den Songs, wir sind ja in OWL, da hat das nichts zu bedeuten. Der Campino-Lookalike wunderte sich dennoch und erkundigte sich bei den Leuten weiter oben bzw. weiter hinten nach dem Befinden. Eine kleine Parodie auf stillstehende, Arme verschränkende Antifans war auch dabei, mit der abschließenden Bemerkung „Entschuldigung, dass wir leben“. Das Programm enthielt jedenfalls einen Hit nach dem anderen wie „Küss mich“, „Mein rasend Herz“, „Ave Maria“ oder auch „Wind“, mit „Vänner och Frände“ befand sich sogar ein extrem seltenes Stück in der Setlist.

Als sich so langsam das Ende abzeichnete, wurde es – auch typisch Ostwestfalen – noch mal deutlich lebhafter in der mit gut 1.500 Zuschauern sehr gut gefüllten Halle. Mit 2 mal 2 Zugaben (inkl. dem „Erdbeermund“), einer fetten Pyrowand zum Schluss und einigen netten Danksagungen der Musikanten gingen dann 2 sehr unterhaltsame Stunden zu Ende. Niemand dürfte sein Kommen bereut haben, der auch nur annähernd mit den Seemännern sympathisiert, daran änderte auch die deutsche Basketballniederlage auf der rückwärtigen Grossbildleinwand nichts mehr. Denn wisse: Alte Piraten riechen immer den Braten!

Setlist IN EXTREMO (ohne Gewähr)
Raue See
Spielmannsfluch
Horizont
Vänner och Frände
Küss mich
Macht & Dummheit
Ave Maria
Omnia sol temperat
Wessebronner Gebet
Mein Rasend Herz
Wind
Singapur
Captus est
Dödet
Liam
Palästinalied
Nur ihr allein
Vollmond
Poc Vecem
Spielmann

Erdbeermund
Herr Mandalig

???
Villemann

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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