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INA MÜLLER

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Ort: Osnabrück – OsnabrückHalle

Datum: 12.02.2012

Im Dezember habe ich INA MÜLLER noch gemeinsam mit rund 15.000 Hamburgern in der (zweimal) ausverkauften O2 World gesehen; da war die OsnabrückHalle mit ihren 2000 Besuchern heute fast schon eine intime Veranstaltung. Dass dieses Konzert überhaupt stattfinden konnte, war vermutlich der Arzneimittelindustrie zu verdanken, denn die quirlige Sängerin hatte nach eigenem Bekunden die „Rüsselseuche“ und Fieber. Als gelernte PTA wusste die 46-jährige aber natürlich zumindest kurzfristig einen grippalen Infekt in Schach zu halten und stellte über 2 ½ Stunden vor ausverkauftem Haus beeindruckend unter Beweis, dass sie sich von solchen Unpässlichkeiten keinesfalls aus der Bahn werfen lässt.

Stattdessen präsentierte sich die Bauerstochter mit der frechen Schnauze gewohnt sympathisch und ließ es sich nicht nehmen, auch ein wenig mit den Fotografen zu schwatzen und einen Blick aufs Publikum zu werfen. Dort erwischte es in der ersten Reihe Elektriker Olaf aus Wehrendorf, der auch nach 23 Jahre immer noch glücklich verheiratet ist und ganz Gentleman Ina in ihren High Heels nicht nur mit den Treppenstufen am Bühnenrand half, sondern im späteren Verlauf auch bewies, dass „eine Nummer auf dem Piano schieben“ nicht unbedingt einen sexuellen Hintergrund haben muss. Wenn sie nicht aus dem Nähkästchen plauderte, machte Frau Müller natürlich gemeinsam mit ihrer siebenköpfigen Begleitband Musik, wobei der Schwerpunkt eindeutig auf den Songs des aktuellen Longplayers „Das wär’ dein Lied gewesen“ lagen. So gab’s für „Mit Mitte 20“ bereits tosenden Beifall und zweifellos hat Ina recht, wenn sie sagt, dass Männer alterstechnisch irgendwo zwischen „dürfen schon Auto fahren und sollten nicht mehr Auto fahren“ liegen sollten. Auch von ihrer erfolgreichen Langrille mit plattdeutschen Liedern „Die Schallplatte – nied opleggt“ aus 2009 hatte sie zwei gefühlvolle Nummern in petto und wusste zu berichten, dass Mama Müller nicht nur als menschliches Facebook fungiert und das hübsche Töchterchen bei Besuchen im heimischen Köhlen auf den neuesten Stand bringt, was im Dorf los ist, sondern bereits den Teenager Ina mit Sprüchen wie „Wer abends saufen kann, kann morgens auch arbeiten!“ nervte. Dabei weiß doch jeder, dass das totaler Blödsinn ist, schließlich kann man ja auch nicht fliegen, nur weil man am Abend zuvor gevögelt hat – sagte der verschnupfte Lockenkopf auf dem Flügel sitzend und am Tee nippend. Um einen kessen Spruch war das NDR-Zugpferd („Inas Nacht“) sowieso nie verlegen. Zurückblickend fragte sie sich beispielsweise, weshalb sie eigentlich nicht Landwirtschaftsministerin geworden sei; ab morgens 7.00 Uhr auf der Grünen Woche saufen, wäre doch genau ihr Ding! Den Herren gab sie derweil mit auf den Weg, keine Nacktfotos ins Netz zu stellen, wenn „die Glocken länger sind als das Seil“ und begeisterte mit ebenso stimmungsvollen („Fremdgehen“) wie treibenden („Brittpop“) Tracks. Nur von „Gleichberechtigung“ hält Ina nichts, wenn die bedeutet, dass eine junge Dame den Flieger lenkt oder die Hüft-OP übernehmen soll. Musikalisch wurde das Thema rhythmusbetont umgesetzt und auch an der visuellen Untermalung wurde nicht gespart. Bisweilen gab’s auf der riesigen LED-Wand im Hintergrund sogar bunte Bilder zu sehen, aber das Hauptaugenmerk des Auditoriums lag natürlich auf INA MÜLLER, die zu „Auf halber Strecke“ (vom ersten Solo-Album „Weiblich. Ledig, 40“ aus 2006) erneut in den Zuschauerraum spurtete. Nahtlos wurde aus dem Lied der Gospel „Oh Happy Day“, zu dem die Entertainerin ihre Fans nach vorne bat und die Osnabrücker von den Sitzen riss. Inzwischen befand man sich auf der Zielgeraden und es wurde weniger geschnackt und mehr gesungen. Auf dem Programm standen flotte Klassiker wie „Dumm kickt gut“ oder auch „Mark (vom 2008er „Liebe macht taub“), ehe der Titeltrack „Das wär’ dein Lied gewesen“ nach allen Regeln der Kunst abgefeiert wurde. In der gebotenen Ausführlichkeit und mit dem geschickt eingebauten „Let Me Entertain You“ von ROBBIE WILLIAMS (und einigen weiteren geklauten Musikhäppchen) ließ es der Achter auf der Stage noch einmal so richtig krachen und jeder erhielt noch einmal Gelegenheit, sein Können solo unter Beweis zu stellen. Wie im Fluge waren 140 Minuten vergangen und schon stand das große Finale an. Dafür entschwand die Müller auf ihrer Showtreppe hinter der LED-Wand und erschien wenig später barfuß und im weißen Bademantel wieder auf der Bildfläche. Eine tolle Performance des gesamten Teams, die mit lang anhaltendem Applaus bedacht wurde.

Im Zugabenblock stand nunmehr eigentlich „Lieber Orangenhaut“ auf dem Zettel, aber Ina entdeckte direkt vor der Bühne die neunjährige Lotta, die ob der späten Stunde natürlich direkt auf die Stage gebeten wurde und erklären musste, warum sie denn noch nicht im Bett lag. Lotta ist ein großer INA-MÜLLER-Fan und da hatte Mama mal eine Ausnahme gemacht und Ina sang gleich noch mal gemeinsam mit der Kleinen den Refrain von „Das wär’ dein Lied gewesen“ – wenn da man nicht ein riesiger Traum in Erfüllung ging! Mit Schwung hüpfte Frau Müller derweil auf den Flügel – von wegen das Alter macht sich bemerkbar und die alten Knochen wollen nicht mehr so! Abgesehen von der Rüsselseuche ist INA MÜLLER topfit und legte mit „Drei Männer her“ auf dem Flügel stehend noch mal richtig los.

Es war einmal mehr ein toller Abend mit der begnadeten Sängerin und ihrer fantastischen Band. Hätte sie es nicht erwähnt, wäre ihre gesundheitliche Angeschlagenheit gar nicht weiter aufgefallen. Die Stimme wurde schon mal gar nicht geschont – ob man INA MÜLLER lieber sabbeln oder singen hört, sei dabei dahin gestellt – und auch an der Dauer des Konzertes mit satten 150 Minuten gab es definitiv nichts zu meckern. Außerdem hat Frau Müller versprochen, wieder nach Osnabrück zu kommen, da bleibt mir doch nur, ihr gute Besserung zu wünschen und mich auf den nächsten Gig zu freuen.

Setlist
Paparazzia
Ja, ich will
Mit Mitte 20
Fast drüber weg
Die Nummer
Nees in Wind
Mama
Podkarsten
Fremdgehen
Brittpop
Gleichberechtigung
Ich ziehe aus
Auf halber Strecke
Dumm kickt gut
Mark
Das wär’ dein Lied gewesen

Lieber Orangenhaut
Drei Männer her

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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