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JAHCOUSTIX – SEBASTIAN STURM

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Ort: Osnabrück - Rosenhof

Datum: 03.02.2007

Irgendwie hatte ich an verschiedenen Stellen im Internet unterschiedliche Anfangs- und Öffnungszeiten gelesen und mich entschlossen, pünktlich zur frühesten Anfangszeit beim Rosenhof zu sein. Das rächte sich, denn so stand ich ca. eine halbe Stunde im Hemd vor geschlossener Tür, die sich endlich um 19.30 Uhr öffnete. Der Sheriff, Veranstalter des jährlich stattfindenden Bersenbrücker Reggae Jam, hatte bereits zum zweiten Mal (nach dem MONO & NIKITAMAN-Konzert zwei Wochen zuvor) zu einem Reggae-Jam Special geladen – ca. 250-300 Leute waren der Einladung gefolgt und strömten nun in den Rosenhof.

Überpünktlich betrat dann SEBASTIAN STURM die Bühne. Ich bin immer wieder positiv überrascht, wie stark sich das Publikum bei Reggae-Konzerten vom sonst so sturen Osnabrücker Charakter unterscheidet. Sobald der erste Ton erklang, stürmten alle vor die Bühne und fingen an zu tanzen. Dieses einzig und allein auf Drogen zurückzuführen, wäre vielleicht ein bisschen zu einfach und bestimmt nicht ganz richtig, wenn auch an diesem Abend wieder ein leicht süßlicher Geruch in der Luft hing. Noch größeren Anteil an der Tanzfreudigkeit des Publikums hatte sicherlich die JIN JIN Band, eine der dienstältesten Reggae-Backing Bands in Deutschland, die bereits seit 1990 existiert und sich 2005 mit SEBASTIAN STURM zusammengeschlossen hat. Und nicht zuletzt natürlich an STURM selber, der mit seinen gerade 26 Jahren eine recht beachtliche Debüt-CD mit dem Titel „This Change Is Nice“ veröffentlicht hat, die er auch heute Abend vorzustellen gedachte. Optisch und musikalisch waren sofort große Ähnlichkeiten mit einem gewissen BOB MARLEY (von dem Herrn wird wohl jeder schon gehört haben) zu erkennen, jedoch mit soviel Eigenständigkeit, dass die Songs nie geklaut wirkten. SEBASTIAN STURM präsentierte Roots-Reggae mit kritischen Texten und konnte mit einer leicht knarzigen Stimme durchweg überzeugen. Ich denke, er wird sich innerhalb kürzester Zeit in die mittlerweile nicht nur durch GENTLEMAN und Co. sehr starke deutsche 1. Reggae-Liga spielen können. An diesem Abend konnte er leider nur einen kleinen Teil seiner Songs präsentieren, da aufgrund einer im Anschluss stattfindenden Gay-Party um 22.30 Uhr Schluss sein musste. Nachdem SEBASTIAN STURM unter großem Applaus von der Bühne ging und kollektive Zugabe-Rufe laut wurden, betrat der Sheriff die Bühne und lud alle zur After-Show-Akustik-Party in sein Gasthaus Kingston in Bersenbrück ein, wo sowohl SEBASTIAN STURM als auch JAHCOUSTIX später weiter feiern wollten.

Dann enterten DUBIOS NEIGHBARHOOD, die Backing Band von Dominik Haas, wie JAHCOUSTIX mit bürgerlichem Namen heißt, die Bühne und begannen das Set mit einem Medley, an dessen Ende dann auch JAHCOUSTIX unter lautem Jubel auf die Bühne kam, sein Mikro ergriff und … nix passierte. Da streikten die Batterien im Funkmikro und mussten fix ausgetauscht werden, während die Band weiterspielte und JAHCOUSTIX das machte, was er immer zu machen scheint: Er grinste und tanzte. Dieser Mann ist ein echtes Phänomen, wenn jemandem die Sonne sprichwörtlich aus dem Arsch scheint, dann ihm. Mit seiner guten Laune war es für das Publikum einfach nur eine Freude ihm zuzuschauen und selber gutgelaunt mitzutanzen. Außer seiner Ausstrahlung hatte JAHCOUSTIX aber auch einen Haufen sauguter Reggaesongs im Repertoire. Selbst wenn man die Songs nicht kannte (und ich war sicher einer der ganz wenigen, die nur einen Teil der Stücke kannten), konnte man die eingängigen Refrains nach einmaligen Hören mitsingen. Die starken Titel brauchten natürlich neben einem guten Sänger auch gute Musiker, die sie spielen und die hat der Deutsche mit DUBIOS NEIGHBORHOOD aus München definitiv gefunden. Die Rhythmusfraktion war stark und der Gitarrist traute sich sogar Soli beim Reggae zu spielen. Erstaunlich, wie leicht und abgezockt die Songs gespielt wurden und wie spielend man teilweise improvisierte. Etwa in der Mitte des Sets spielte JAHCOUSTIX mit „Wellenreiter“ seinen einzigen deutschsprachigen Song dieses Abends, der vom Publikum komplett mitgesungen wurde. Als der Mann dann zum Zugabenteil zunächst alleine auf die Bühne kam und ankündigte, er spiele nun einen Blues, den man sich in Ruhe sitzend anhören könne, setzte sich doch tatsächlich alles auf den Boden und sorgte dafür, dass das Grinsen des sichtlich gleichermaßen erstaunten, wie vielleicht sogar ein bisschen gerührten JAHCOUSTIX noch ein Stück breiter wurde.

Ein alles in allem wirklich sehr gelungener Abend, der die lange Wartezeit bis zum nächsten Reggae-Jam ein kleines bisschen verkürzen konnte. Nachdem von Künstlern wie z.B. GENTLEMAN oder SEEED der Weg für den Reggae in Deutschland geebnet worden ist, gehören SEBASTIAN STURM sowie auch JAHCOUSTIX zu einer neuen Generation deutscher Reggae-Künstler, die in Zukunft noch (mehr) von sich reden machen werden.

Copyright Fotos: Karsten Rzehak

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