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JAMES BLUNT – JAMIE LAWSON

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Ort: Halle (Westf.) - Gerry Weber Stadion

Datum: 24.10.2017

Die Tage werden kürzer, die Stimmung melancholischer. Was könnte da eine bessere musikalische Untermalung sein als Herr JAMES BLUNT höchstpersönlich, der nach gut 3 Jahren abermals seinen Weg ins Gerry Weber Stadion fand? War ich damals noch ein wenig skeptisch ob seiner Qualitäten, ging ich nun mit Vorfreude an die Sache heran – und mit mir 3600 weitere Zuschauer in der bestuhlten Location. Ein Umstand, den ich mir im Grunde nicht erklären kann, standen die Fans doch eh gefühlte 95 Prozent der Zeit auf den Füßen. Nachdem wir unser Presseplätzchen am lauschigen linken Bühnenrand eingenommen hatten, war es zunächst an der Zeit für den Opener, passenderweise ein weiterer englischer Singer/ Songwriter mittleren Alters…

JAMIE LAWSON und seine Gitarre, mehr brauchte es nicht, um die Anwesenden auf Betriebstemperatur zu bringen. Der Herr ist aber auch kein Unbekannter mehr, so kletterte beispielsweise sein selbstbetiteltes Album auf Platz 1 in UK, und auch hierzulande sollte zumindest die Single „Wasn’t expecting that“ bekannt sein. Dieser Song wurde bereits mehrfach veröffentlicht und bedeutete gleichsam den Durchbruch für den sympathischen Herrn, der aktuell als Signing des ungleich berühmteren ED SHEERAN firmiert. War ich anfangs noch ein wenig in Sorge, ob Jamie das weite Rund würde in Wallung bringen können, erwies sich das im Laufe der Zeit als unbegründet. Mit seiner charismatischen Stimme, den verschmitzten Ansagen und simpel-mitreißenden Songs erntete er immer mehr Anerkennung der Ostwestfalen. Die ließen sich sogar auf Mitsing-Spielchen bei „A Little Mercy“ ein und machten den Dienstag zum Freitag, wie Herr Lawson es „eingefordert“ hatte. Mit „The Last Spark“ konkurriere er mit dem Headliner um den Titel „Traurigster Song“, erklärte der Brite, und ich würde den Ausgang mal als „unentschieden“ bezeichnen. Nach seinem bereits eingangs erwähnten kleinen Hit und einer insgesamt sehr ordentlichen Spielzeit von gut 45 Minuten räumte JL das Feld, und er hatte definitiv überzeugt…

Ein großartiger Umbau war nicht vonnöten, und so konnte es kurz nach 20 Uhr auch schon mit dem Hauptact weitergehen. JAMES BLUNT stürmte mit 4-köpfigem Gefolge zu „Heart To Heart“ die Bühne, und es wurde schnell deutlich, dass seine Ausrichtung noch ein wenig rockiger geworden ist. Schon zu erkennen an seinen vollkommen unprätentiösen Klamotten. Auch die Lightshow war angenehm zurückgefahren und zweckdienlich, einziges „Gimmick“ an diesem Abend: Die riesige Leinwand im Hintergrund, auf der zu jedem Song passende Videos, Animationen etc. zu sehen waren. Sehr stimmungsvoll und gelungen, aber nicht vom Wesentlichen ablenkend. Bereits beim zweiten Song „I’ll take everything“ fand James den Weg ans rechts positionierte Klavier, zu dem er immer mal wieder zurückkehrte im Laufe des gut 100-minütigen Sets. Dies war natürlich gespickt mit Hits, was nach 5 Studioalben auch nicht weiter verwunderlich ist. Hinsichtlich der Charterfolge und Verkäufe muss man allerdings einen Rückgang konstatieren in seiner Diskographie, das aktuelle Werk „The Afterlove“ konnte weder in Deutschland noch in seiner Heimat die Top 5 knacken und auch der Absatz ging deutlich zurück. Allerdings auch ein Ausdruck des Umbruchs in der Musikindustrie allgemein und wahrlich kein Zeichen für Qualität.

Herr Blunt gab sich aufgeräumt und redselig. In angenehm hemdsärmeliger Art und Weise erzählte er immer wieder kleine Anekdoten zu den Songs, so wäre seine Tour in Amiland quasi nur der Testballon für die „ungleich wichtigeren“ europäischen Zuschauer gewesen. Die US-Besucher als „guinea pigs“ quasi… Auch hätte er über den großen Teich nicht verraten, dass „Someone Singing A-long“ ein Anti-Trump-Lied sei, das wäre ihm dort auch zu gefährlich gewesen… Die meisten Titel behandeln allerdings eher Zwischenmenschliches, die allseits bekannten „Goodbye My Lover“ oder „You’re Beautiful“ stehen exemplarisch hierfür. Allerdings scheint Mr. Blunt etwas „Stalker-Blut“ in sich zu tragen, denn er erwähnte gleich an 2 Stellen, dass Songs von eigentlich vergebenen Frauen handeln. Böser Bursche…, der zudem auch noch dem Alkohol zu frönen scheint, siehe den neuen Titel „Bartender“. Aber Ironie beiseite, James spielte ganz einfach perfekt mit dem Image des „Good Guys“ und konnte so Männlein wie Weiblein an diesem Abend für sich einnehmen. Das aktuell im Radio rauf und runter laufende „OK“, eine Kollaboration mit dem gebürtig aus Osnabrück stammenden DJ ROBIN SCHULZ, konnte dann mit seinem etwas atypischen Dance-Sound einen weiteren Höhepunkt setzen, bevor „Same Mistake“ den Schlusspunkt unter dem Hauptteil markierte.

Damit war das Finale Furioso natürlich noch nicht erreicht, die Zugabe enthielt 4 weitere Tracks aus unterschiedlichen Schaffenszeiten, inkl. dem abschließenden „Bonfire Heart“, und auch ein Handy-Lichtermeer in der Arena kam noch mal zum Einsatz. Heutzutage ja fast schon Standard. So endete kurz vor 22 Uhr ein absolut rundes Konzert-Event 2er bestens harmonierender Künstler, die mit gefühlvoller Musik, handwerklichem Können und ihrer sympathischen Art fernab jeglichen Star-Gehabes überzeugen konnten. Ein musikalischer Brexit würde ganz schön weh tun, das wurde an diesem Abend mehr als deutlich…

Tracklist JAMES BLUNT
Heart to Heart
I’ll Take Everything
Wisemen
Heartbeat
Someone Singing Along
Lose My Number
Carry You Home
Postcards
Make Me Better
Goodbye My Lover
Time of Our Lives
High
You’re Beautiful
Bartender
OK (Robin Schulz)
Same Mistake

Don’t Give Me Those Eyes
Stay the Night
1973
Bonfire Heart

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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