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JENNIFER ROSTOCK – MARATHONMANN

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Ort: Oberhausen – Turbinenhalle

Datum: 07.02.2014

Was gibt es Schöneres, als eine lange, arbeitsreiche Woche mit einem Konzert abzuschließen – vor allem, wenn einem sowohl musikalischer wie optischer Genuss versprochen wird. JENNIFER ROSTOCK um die charismatische Frau Weist haben sich längst in der bundesdeutschen Musikszene etabliert. Ihr neuestes Werk „Schlaflos“ konnte immerhin Platz 2 in den Charts erreichen, nach den Positionen 3 und 4 für die Vorgängerwerke. Beim nächsten Mal steht also mathematisch gesehen eine Nummer 1 ins Haus. Doch an diesem ungemütlichen Freitag Abend stand zunächst eine Fahrt ins Ruhrgebiet an, die Turbinenhalle zu Oberhausen liegt nicht ganz um die Ecke und eine schwere Erkältung hatten wir immer noch in den Kleidern. Letztendlich problemlos erreichten wir den 1909 errichteten Industriekomplex, der schon lange nur noch für Veranstaltungen aller Art genutzt wird. Der kleinen Schlange vor dem Einlass trotzend gelangten wir schnell ins Innere und ebenso schnell wurde klar, dass es voll werden würde. Das letzte Mal hatte ich die Jennifers im Osnabrücker Rosenhof gesehen, der Publikumsandrang hatte sich seitdem mehr als verdoppelt. Über 2300 Anwesende sollen es schließlich gewesen sein, das Gros adoleszente Mädels in den besten 1er Jahren. Erwartungsgemäß waren Tattoos, Piercings und schräge Outfits an der Tagesordnung – was mich zu der Überlegung brachte, ob ich mittlerweile spießig geworden bin in Anbetracht der Tatsache, dass das hier alles meine Töchter sein könnten. Aber ich entschied mich dafür, mich der Musik zu widmen und wie üblich stand noch ein Opener an, der die junge Kundschaft ordentlich warm rütteln sollte.

MARATHONMANN aus München waren mir promotechnisch bereits nahegelegt worden, als interessanter Newcomer und als vergleichsweise softes Singing bei Century Media. Musikalisch war dies allerdings meine erste Begegnung mit den 4 Herren aus dem Süden, die seit 2011 existieren und so etwas wie Post Hardcore spielen sollen. Nun tu ich mich mit dem Begriff „Post“ grundsätzlich schwer, letztendlich fanden sich sowohl corige wie rockige Elemente in den deutsch intonierten Songs der Hipster-Jungs, die bei den Mädels zumindest optisch punkten sollten. Für manche war das Geschehen auf der Bühne allerdings etwas zu hart, gerade in meiner direkten Umgebung konnte die Film-affine Band (Dustin Hoffman 1976 anyone?) keine Begeisterungsstürme ernten. Was weiter vorne durchaus anders aussah und Engagement konnte man den Marathonmännern eh nicht absprechen. Man kommunizierte schon recht selbstbewusst mit der Meute und präsentierte dabei Songs wie den Titeltrack der Debüt EP „Die Stadt gehört den Besten“, mit dem man bereits einen Achtungserfolg einheimsen konnte. Die Kommunikation mit dem Haupt Act scheint auch bestens zu funktionieren, so kamen Schlagzeuger Baku und Basser Christoph von JR auf die Bühne, damit Marcel Konhäuser ein wenig dem Crowdsurfing frönen konnte. Mir gefiel der Sound durchaus, wenngleich Songs wie „Alles auf Null“ ein wenig gleichförmig klangen, vielleicht muss ich mich aber auch mal auf Konserve mit dem Quartett beschäftigen. Nach relativ kurzen 35 Minuten war der Marathon dann aber auch schon wieder vorbei und die Münchener dürften den einen oder anderen neuen (weiblichen) Fan ihr Eigen nennen…

Doch jetzt wurde es langsam Zeit, durchzudrehen, kurz nach 21 Uhr verdunkelte sich die Bühne und schon begann ein Ohrenbetäubendes Kreischen, das zwar keine TOKIO HOTEL-Dimensionen erreichte, aber dennoch mehr als beachtlich war. Zunächst war nur das leuchtende Werkzeug von Drummer Baku zu sehen, bevor dann Frau Weist oben auf einer kleinen Empore zum Vorschein kam. Wenig überraschend fiel dann ihr Outfit auch wieder sehr sexy aus – so denn man auf zugemalte und zugetackerte Frauen steht. Besonders auffällig die ins beste Licht gerückten „neuen“ (für mich zumindest) Brüste der Sängerin, die sich Jennifer gegönnt hat. Schick, sorgt sicher auch für besseres Klangvolumina. Mit „Phantombild“ von der neuen, sehr gelungenen Scheibe startete mal alsbald durch, gefolgt vom älteren „Es tut wieder weh“ und der aktuellen Single „K.B.A.G.“ (Kein Bock aber Gästeliste – soll ich mich da jetzt angesprochen fühlen?). Nicht zu vergessen natürlich die erste Trinkeinlage, die bei JENNIFER ROSTOCK obligatorisch ist. An diesem Abend wurden vom „Diener“ Mexikaner gereicht, welche die Sängerin mit dem üblichen „Zicke Zacke…“-Gebrüll exte. Da gibt es schon einige Konzert-Traditionen bei dieser vergleichsweise noch jungen Band. So etwa, wenn im Zuschauerraum die Kleidungsstücke zu „Du willst mir an die Wäsche“ rotiert werden. Oder auch Fans auf der Bühne, in diesem Fall 2 Menschen, die sich gesangstechnisch zu „Feuer“ duellieren sollten. Der etwas schüchterne Ben und die blau-haarige Robin, die mit ordentlicher Extrovertiertheit auftrumpfte, das Duell aber verlor, was wohl eher am Geschlechterverhältnis in der Turbinenhalle lag. Ein weiterer Höhepunkt war der immer wieder gern genommene Heiratsantrag auf der Bühne: Ein gewisser Björn rief seine Angebetete Nicole Baumann (oder so ähnlich) nach oben und konnte sie mit einigen blumigen Worten von seinem Ansinnen überzeugen. Was die gute Frau Weist über alle Maßen rührte, wenngleich sie persönlich nicht so aufs Heiraten stünde… Dazu wieder allerhand markige Sprüche („Wenn Eure Klöten größer sind als eure Brüste, dann könnt ihr Euch auch untenrum ausziehen“), wilde Bewegungen, Knutschereien mit der Rest-Band aber eben auch sehr gute Musik und ausgezeichneter Gesang. Mittlerweile hat man so viele gute Songs an der Hand, dass man auf Füller komplett verzichten kann, und „Schlaflos“ präsentiert auch ein paar neue Facetten, wie etwa das komplex-atmosphärische „Ein Schmerz und eine Kehle“ beweist. Dazwischen noch eine putzige Cover Version von MILEY CYRUS’ „Wrecking Ball“, bei der Jennifer betonte, dass sie nur das Lied aber nicht ihre Kollegin möge. Wobei da ja gewisse Parallelen in Punkto sexueller „Aggressivität“ nicht von der Hand zu weisen sind. Beim abschließenden „Es war nicht alles schlecht“ kam dann noch ein kleiner Pogo Pit zum Einsatz, bevor das erste Mal an diesem Abend die Lichter ausgingen.

Doch es dauerte erwartungsgemäß nicht lange und die Verlängerung konnte beginnen, inkl. der bekannten Gassenhauer „Kopf oder Zahl“ und „Mein Mikrofon“, wie alles zuvor aus Hunderten Kehlen mitgesungen. Im hinteren Bereich, in dem wir uns mittlerweile aufhielten, waren auch ältere Semester, Metaller und eine Gothic Dame in schwarzer Spitze zugegen. JENNIFER ROSTOCK sorgen also für Szene-Integration. Vor allem aber sorgte die Truppe für einen sehr unterhaltsamen Abend, der die Müdigkeit aus den Kleidern schüttelte. Mit Musik und Gestus hat man sich inzwischen eine ganz eigene Nische geschaffen, die sicherlich noch wachstumsfähig ist. Während drinnen so langsam die Lichter ausgingen, warteten auf dem Parkplatz bereits eine Unmenge Taxen plus ein paar Eltern auf ihre rebellischen Sprösslinge, während wir uns ohne Chauffeur auf die Reise in die Nacht machten…

Setlist JENNIFER ROSTOCK (ohne Gewähr)
Intro 
Phantombild 
Es tut wieder weh 
K.B.A.G. 
Ich kann nicht mehr 
Echolot 
Der Kapitän 
Ein Schmerz und eine Kehle 
Nichts tät ich lieber 
Tauben aus Porzellan 
Feuer 
Der blinde Passagier 
Du willst mir an die Wäsche 
Himalaya 
Das Schiff versinkt 
Wrecking Ball (Miley Cyrus Cover)
Du nimmst mir die Angst 
Es war nicht alles schlecht 

Zeitspiel 
Kopf oder Zahl 
Mein Mikrofon 

Schlaflos 

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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