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JIMMY EAT WORLD – RIVAL SCHOOLS

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Ort: Osnabrück - Hyde Park

Datum: 09.06.2008

Am vergangenen Wochenende rockten JIMMY EAT WORLD noch vor mehreren 10.000 Leuten beim jeweils ausverkauften Rock am Ring/ Rock im Park. Daneben nutzen die Amis ihren Aufenthalt in good old Germany allerdings auch für drei Clubkonzerte, von denen eines im altehrwürdigen Hyde Park in Osnabrück stattfand. Mit von der Partie waren RIVAL SCHOOLS, die auch bereits auf den genannten Open Airs für Furore gesorgt hatten.

RIVAL SCHOOLS-Fronter Walter Schreifels verbindet mehr als ein gemeinsamer Auftritt mit OLLI SCHULZ in der Kleinen Freiheit mit der Hasestadt. Wie er uns wissen ließ, ist sein Großvater gleichen Namens in Osnabrück geboren und da schaut der Wahl-Berliner wohl gern mal, was sich in der Stadt so tut. Uns sollte das nur recht sein, so kamen wir in den Genuss eines RIVAL-SCHOOLS-Reunion-Gigs mit alten und neuen Songs. Nach der Auflösung 2003 hat Walter, der zuvor bei Hardcore-Bands wie YOUTH OF TODAY, GORILLA BISCUITS und QUICKSAND aktiv war, in diesem Jahr das Original-Line-Up wieder zusammen getrommelt und so standen die Herren Walter Schreifels (Gesang & Gitarre), Sammy Siegler (Schlagzeug), Cache Tolman (Bass) und Ian Love (Gitarre) um 21.00 Uhr auf der Bühne und starteten mit einem melodisch-treibenden Song, bevor es mit derbem Geknüppel weiter ging. Dabei sahen vor allem Walter und ganz besonders Ian (ein bärtiges, bebrilltes kleines Moppelchen im gestreiften Poloshirt) gar nicht nach wilden Punkrockern aus, aber bekanntlich sind stille Wasser ja tief und entsprechend wurde das Publikum nicht enttäuscht. Mit „Paranoid Detectives“ folgte das erste neue Stück des Abends, welches sich sehr eingängig zeigte. „Good Things“ darf wohl als knackiger Klassiker bezeichnet werden, der viel Drive mitbrachte, während mit „Sophia Loren“ eine neue rhythmische Dampfwalze durch den Park rollte. Zum ruhigen, aber doch druckvollen „Undercovers On“ passte Walters kratzige Stimme perfekt und auch der folgende neue Track übers Surfen brachte mit seinen musikalischen Wellenbrechern das Thema hervorragend rüber. Fette Gitarrenwände begleiteten „Switch“ und auch die beiden abschließenden, ebenfalls brandneuen Songs lieferten noch mal das volle Hardcore-Programm. Ruhiger sind RIVAL SCHOOLS auf jeden Fall nicht geworden, verlernt haben sie auch nichts, man darf gespannt sein auf das zu erwartende Album. Ob die Erwartungen eines leicht hysterischen Mädels in der ersten Reihe erfüllt wurden, vermag ich nicht zu sagen. Die Arme hatte 45 Minuten lang vergeblich versucht, die Security davon zu überzeugen, einen Zettel an irgendjemanden auf der Stage weiterzugeben und auch ihr Wurfversuch scheiterte ob des breiten Grabens kläglich.

Eine gute halbe Stunde war nun Zeit, ein bisschen Luft zu schnappen, viel Sauerstoff gab es im metallischen Zirkuszelt auch wirklich nicht, was evt. auch die leichte Lethargie der Mittzwanziger bei RIVAL SCHOOLS erklärte. Bei saunagleichen Temperaturen hieß es, die Kräfte einzuteilen und mit „Big Casino“ vom aktuellen Album „Chase This Light“ legten sowohl JIMMY EAT WORLD als auch die Osnabrücker gutgelaunt los. Während im Hintergrund auf einem schwarzen Backdrop das weiße JIW-Emblem prangte, gab’s in Front zur fetten Lighshow die ebenso fetten Drums von „Sweetness“, das 2001 auf „Bleed American“ erschienen ist. Der Longplayer wurde übrigens nach den Anschlägen vom 11.September in „Jimmy Eat World“ umbenannt, was beim rasanten „Crush“ vom 199er „Clarity“ nicht nötig war. Mit „Work“ und „Always Be“ schlossen sich zwei sehr melodiöse Titel neueren Datums an und auch das kuschelige „Dizzy“ war „Chase This Light“ entnommen. Mit dem krachenden „Blister“ ging’s wieder fast zehn Jahre zurück in der Band-History. Immerhin gibt es JIMMY EAT WORLD, die als METALLICA-Coverkapelle in ihrer örtlichen Highschool in Mesa/ Arizona angefangen haben, bereits seit 1993. Übrigens zeichnet für den Namen der Combo des Sängers jüngerer Bruder Ed verantwortlich, der im Alter von acht Jahren aufgrund einer Auseinandersetzung mit seinem Bruder Jim Adkins ein Bild malte und es „Jimmy Eat World“ nannte. Als Gitarrist Tom Linton das Bild sah, war er von dem (grammatikalisch falschen) Schriftzug so angetan, dass er vorschlug, die Band danach zu benennen. Doch das ist inzwischen schon Geschichte, entscheidender war das Geschehen auf der Stage und hier wurde kräftig gerockt, was sich mühelos aufs Auditorium übertrug. Dabei halfen das eingängige „Here It Goes“, genauso wie „Disintegration“, das langsam aber sicher in die Gehörgänge kroch. Sehr geil das punktgenaue „Get It Faster“ mit seiner härteren, sehr rhythmischen Gangart, bevor es mit „Let It Happen“ eine flotte Hookline gab. „Carry You“ bewies bassbetont seine Qualitäten als Stadionhymne, dann bescherten Hammer-Gitarrenriffs bei „23“ echten Gänsehautsound. Begeistert wurde „Bleed American“ aufgenommen. Zweifelsohne gehört die Nummer zu den Highlights der JIW-Diskografie und wurde entsprechend lauthals mitgesungen, während Drummer Zach Lind Druck machte und die Langäxte in stoischem Gleichtakt antworteten. Inzwischen hatte sich der Hyde Park in einen wahren Hexenkessel verwandelt, was sich keinesfalls nur auf die Temperaturen bezog. Immerhin zollten die starken Männer, die im Graben für Ordnung sorgten, den allgemeinen Flüssigkeitsverlusten Rechnung und verteilten beim letzten Stück Wasser an die verschwitzten Fans.

Die Stimmung kühlte in der kurzen Pause bis zur ersten Zugabe nicht im Geringsten ab und JIMMY EAT WORLD sorgten mit dem melancholischen „Hear You Me“ für aufflammende Feuerzeuge und wogende Arme, dann durfte zu „Futures“ wieder gerockt werden. Unbestrittener Höhepunkt war nach einem Applaus für RIVAL SCHOOLS und dem kurz angespielten „Beautiful People“ zu Ehren der Fans der JEW-Hit „The Middle“, wodurch noch mal sämtliche Kraftreserven der Zuschauer aktiviert wurden.

So endete kurz vor Mitternacht ein fantastisches Indierock-/ Emo-Konzert. Fragt sich nur, warum den Jungs der ganz große Durchbruch bislang nicht gelungen ist. Immerhin zählten sie beim Rock in Park in Nürnberg zu den Abräumern und auch die gut 1.000 Leute in Osnabrück, die entsprechend der KFZ-Kennzeichen bis zu 150 km weit gefahren waren, zeigten sich rundum zufrieden.

Setlist JIMMY EAT WORLD
Big Casino
Sweetness
Crush
Work
Always Be
Dizzy
Blister
Here It Goes
A Praise Chorus
Disintegration
Get It Faster
Let It Happen
Carry You
23
Lucky Denver Mint
Bleed American
Pain

Hear You Me
Futures
The Middle

1 Kommentar

  1. Jonas von der Au sagt:

    Chase this light heißt das Album von Jimmy Eat World ;)

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