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JOACHIM DEUTSCHLAND

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Ort: Köln - Underground

Datum: 28.04.2007

Köln an einem heißen Tag

Als ich um ca. 19:20, also pünktlich vor dem angekündigten Einlass, am Underground eintraf saßen auch schon 17 Leute im dazugehörigen Biergarten und schienen auf das Konzert von JOACHIM DEUTSCHLAND samt Band zu warten. Leider blieb uns allen der Einlass vorerst verwährt. Auch wer um 20:00 Uhr zur Kasse ging, kam relativ enttäuscht wieder zurück. So zog sich das Raus und Rein (irgendwann kamen immerhin alle mit Stempel wieder heraus), bis ich um kurz vor 9 entschloss, hinein zu gehen und zu sehen, was passiert. Drinnen standen wir immerhin zu zweit vor einer schwach erleuchteten, ca. 40cm hohen Bühne. Zu zweit waren wir auch, als JOACHIM DEUTSCHLAND himself dann die Bühne betrat. Als seine Band und er (insgesamt waren sie zu fünft, auch wenn er von einem Trio sprach) startklar waren, waren es schon 5 Zuschauer, aber er brachte einen lockeren Spruch über die „zahlreich erschienenen Gäste“ und legte los, wodurch sich der Raum dann nach und nach mit schätzungsweise 40-50 Leuten füllte. Die Band rockte gleich mit „Kopf hoch“ und „Haare“ richtig los, worauf zwei ganz neue Songs folgten: „Grosses Lob“ und „Schreibtisch“, welches er seinen Kritikern widmet (also auch mir?!?). Schreibtisch deshalb, weil seine Kritiker ihn viel zu gerne in eine ihrer vielen Schubladen stecken würden, wie er erklärte. Ich werde also versuchen, all meine Schubladen für den Augenblick zu vergessen…

Obwohl im Publikum die Forderung „Kuscheln!“ laut wurde, vertröstete Joachim eifrig und rockte weiter – mit Erfolg. Die „Menge“ tobte, tanzte, grölte mit, ließ sich mitreißen und genoss die Nähe und Offenheit, die JD, wie er von seinen Bandkollegen genannt wird, dem Publikum zukommen ließ. Als er seine Gitarre neu justieren musste, da er diese leicht verrockt hatte, stimmte ein junger Herr im Zuschauerraum „Du hast die Haare schön“ an, alle gingen mit, auch Deutschlands Musiker, die klatschten, trommelten, die Basedrum traten, und schließlich er selbst mit seiner Gitarre, als diese fertig gestimmt war. Die Stimmung war heiß – kochend heiß – und ansteckend. Wer hätte gedacht, dass so wenige Leute so eine Stimmung bringen können? Für mich eine völlig neue Erfahrung.

Das Konzert hatte mehr zu bieten als nur Musik. Deutschland machte Ansagen, wies auf seine Homepage und seine MySpace-Seite hin, auf der immer wieder neue Songs vorgestellt werden, und kündigte sein neues Album „Liebe auf den ersten Blick“ für den Herbst dieses Jahres an. Er suche noch nach einer Plattenfirma, erklärte er, wolle aber im Mai ins Studio gehen um zu produzieren, mit eben diesen Künstlern, die ihn nun auf seinen Konzerten begleiten. Er ging auf Gespräche mit seinem Publikum ein, ließ sich mit seinen Fans fotografieren und bezog sie in die Entscheidung über die folgenden Stücke ein. Er brachte mit „Natalie Good“ das einzige englischsprachige Stück in der Show unter, das, angeleitet von seiner vorherigen Ansage, ordentlich betanzt wurde.

Das letzte Stück sollte „Marie“ sein, JOACHIM DEUTSCHLAND gab alles und zertrümmerte schlussendlich seine E-Gitarre, worüber er selbst ein wenig überrascht wirkte. Die Band ging von der Bühne, wurde aber durch laute Zugabe-Rufe zurückgeholt. „Leute, ich hab keine Gitarre mehr, ich kann nicht weiter machen“ argumentierte der Sohn bekannter Jazzkünstler und begann im Flüsterton ein Gespräch mit dem Veranstalter, da anschließend noch der übliche Discobetrieb stattfinden sollte. Was auch immer er ihm gesagt hat: Es wirkte. Er packte seine Akustik-Gitarre aus und spielte, nur von der Djembe begleitet ein Stück nach dem anderen, wobei er ausnahmslos jeden Wunsch aus dem Publikum aufnahm. „Die Stoibers“, „In Wahrheit“, „Balkon“ und andere brachte er sehr gefühlvoll und noch näher am Publikum rüber, während seine anderen Musiker das Zusammenspiel von ihm und dem Publikum betrachteten, ihre Pause genossen oder alles mit einer Digicam festhielten. Die Zuschauer drängten sich an die Bühne, sangen jede Zeile mit, sogen jedes seiner Worte in sich auf. Als Joachim dann doch irgendwann von der Bühne ging, mischte er sich noch unter seine Fans, ließ sich fotografieren und zeigte sich als „Star zum Anfassen“. Für mich war es leider Zeit, mich mit der Deutschen Bahn auf den Heimweg zu machen, auch wenn ich gerne geblieben wäre.

Dies war wohl das persönlichste, intimste, ergreifendste Konzert, an dem ich bisher teilhaben durfte. Es war ein absolutes Erlebnis, spannend von der ersten bis zur letzten Sekunde, spontan und absolut publikumsbezogen. Schade für all diejenigen, die nicht da waren – ihr habt was verpasst! Großes Lob also an JD und seine Crew, ihr habt das Haus gerockt!

Copyright Fotos: Christine Drogt

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