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JOACHIM WITT – LEICHTMATROSE

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Ort: Bochum – Matrix

Datum: 17.05.2014

Wenn man zugunsten eines Konzertes auf den deutschen Clásico im Pokalfinale verzichtet, muss musikalisch schon etwas Besonderes im Anmarsch sein. Und JOACHIM WITT erfüllt dieses Kriterium zweifellos, der Herr der seit über 40 Jahren im Geschäft ist und sich in dieser Zeit immer wieder neu definiert hat, war mir bis dato bühnentechnisch noch nie über den Weg gelaufen. Addiert man dazu noch einen überaus interessanten Opener, war der Weg in die Bochumer Matrix natürlich ein Selbstläufer. Nach einer reibungslosen Fahrt bei (endlich) schönstem Mai-Sonnenschein erreichten wir kurz vor avisiertem Konzertbeginn um 19 30 die altehrwürdige Matrix, die bereits ordentlich gefüllt war. Sehr zum Leidwesen des Fotografen, denn wie bei dieser Location üblich, war es nur noch schwer bis unmöglich, zum Graben vorzustoßen. Ergo betrachteten wir den Auftritt des Münsteraners Andreas Stitz aus dem ersten Drittel heraus, der mit 2 Mitstreitern an Gitarre (Hilton Theissen) und Keyboard (Thomas Fest, stilecht mit Rettungsring ausgestattet) an den Start ging. 2009 konnte mich das Debüt-Werk „Gestrandet“ in seinen Bann ziehen. Die Kombination aus intelligenten Texten und einschmeichelndem Electro Pop fand einige Anhänger, was auch zu einem Gig auf dem M’era Luna führte. Danach wurde es etwas ruhiger um den Westfalen, doch sehr zur Freude meiner Einer gab es kurz vor Tourbeginn neues Material auf die Ohren, eine EP names „Jonny fand bei den Sternen sein Glück (anders sein)“ (mag hier jemand Simmel?) mit immerhin 3 neuen Stücken, ein Album soll in Bälde folgen. Andreas im aufgeknöpften Sakko wirkte ein wenig aufgeregt, obwohl die Tour sich ja bereits dem Ende neigte, doch gerade diese leichte Nervosität wirkte überaus charmant – und sein Gesang ist eh über jeden Zweifel erhaben. Zu den 7 Stücken der Setlist zählten 2 ältere Songs (u.a. die geniale Magersuchthymne „Sexi ist tot“) sowie die komplette neue EP und eine so interessante wie räumlich passende Cover Version von GRÖNEMEYERs „Ich hab dich bloß geliebt“, die allerdings kaum jemand zu erkennen schien. Leider kam es bei „Hier drüben im Graben“ nicht wie auf Tonträger zum Duett mit WITT, obwohl dies ja nun problemlos möglich gewesen wäre. Dafür durfte der LEICHTMATROSE sogar eine lautstark geforderte Zugabe feilbieten, ein weiterer kleiner „Klassiker“ vom Erstling namens „Herztransplantation“. Zwar schienen nicht alle Anwesenden etwas mit den hintergründig-pathetischen Electro Chansons anfangen zu können, doch dem Gros des Publikums dürfte der Dreier sehr positiv in Erinnerung geblieben sein. Hoffentlich demnächst auch mal auf Headliner Tour.

Setlist LEICHTMATROSE
Der einsame Astronaut
Dalai Lama 
Sexi Ist Tot 
Ich hab dich bloß geliebt (HERBERT GRÖNEMEYER Cover)
Reingelegt 
Jonny fand bei den Sternen sein Glück (Anders sein) 
Hier drüben im Graben 

Herztransplantation

Nach einer relativ kurzen Umbaupause, sämtliche Materialien waren bereits auf der Bühne, ging es mit dem „Großmeister der Emotionen“ zügig weiter. JOACHIM WITT konnte auch mit dem unlängst veröffentlichten neuen Werk „Neumond“ wieder an alte Erfolge anknüpfen und immerhin die Top Ten entern. Kein Wunder, dass sich die Matrix nun gut gefüllt präsentierte. Das Gros dabei eher ältere, eher „schwarz“ angehauchte Gestalten, was in Anbetracht des aktuellen Sounds nicht wundert, der sich ungefähr zwischen UNHEILIG und EISBRECHER positioniert. In seiner Backing Band fanden sich ein Gitarrist namens Sascha, der Drummer Carsten Klick sowie Keyboarder Daniel Hassbecker (Sohn von SILLY-Gitarrist Uwe Hassbecker!), der Meister selber trat wie eine Art düsterer Zeremonienmeister gewandet auf, mit halblangem grauen Haar erinnerte er optisch ein wenig an den aktuell angesagten „Supergeilen“ Friedrich Liechtenstein. Doch ein Herr WITT braucht keine Vergleiche. Vor einem Backdrop mit seinem Konterfeit gab es zunächst als Block 8 Titel seiner neuen Scheibe zum Besten, die den Anwesenden durchaus gut bekannt waren. Darunter die treibenden „Ohne Dich“ und die Single „Mein Herz“. Die Ansagen des Herren wirkten überaus launig und die teils recht schräge Interaktion mit den Zuschauern nahe an der Parodie. So wurde mehrfach mit dem Alter kokettiert und auch einige Zoten liefen vom Stapel. Andererseits konnte Joachim auch perfekt in Richtung „Ernsthaftigkeit“ wechseln, so dass der Mensch hinter der Musik schwer greifbar war – was aber zu den teils auch sehr eigenwilligen Texten passt. Nachdem der Gute die Bühne kurz verlassen hatte, jammte die Band ein wenig vor sich hin, Sascha ergriff eine Akustikklampfe und mit „Gloria“ startete Witt die Zeitreise in die Vergangenheit. Nun größtenteils auf einem Hocker sitzend aber keineswegs undynamisch präsentierte er 5 bekannte Perlen seiner langen Diskographie, die er meistenteils mit kleinen Anekdoten einleitete. So erzählte er kurz, wie es zur Coverversion von SILLYs „Batallion D’amour“ und der Zusammenarbeit mit PETER HEPPNER beim seinem großen Comeback „Die Flut“ gekommen war. Gleichsam der letzte Track der regulären Setlist. Hier hätte ich mir wieder sehr gut eine Zusammenarbeit mit dem LEICHTMATROSEn vorstellen können, Andreas hätte mit seinem Timbre sicher einen guten Heppner-Ersatz abgegeben. Aber auch so wurde die Stimmung immer besser, es wurde geklatscht, getanzt und mitgesungen, so gut es in der engen Location nur möglich war…

Es folgte das übliche Prozedere: Abgang – Dunkelheit – Zugaberufe – vielumjubelte Rückkehr. Das treibende „Supergestört und Superversaut“, die Hymne aller RTL2-Zuschauer, brachte groovende NDH-Klänge ins Spiel, bevor das „Eisenherz“ zu schlagen begann. Wir erfuhren auch, dass ein Fan diesen Titel zu seiner Hochzeit aufgelegt hatte, was inhaltlich eher nicht so viel Sinn macht. Auch begrüßte Joachim die Mutter seines Kindes, eine Dame namens Petra, im Publikum, leider gab sie sich (mir) nicht zu erkennen. Schlussendlich kam natürlich das, was kommen musste. WITT ergriff zum ersten Mal an diesem Abend selbst eine Klampfe und begann mit seinem Alltime Classic, den jeder über 40-jährige in Deutschland im Schlaf mitsingen kann. „Der goldener Reiter“ hat auch nach all den Jahren kein Patina angesetzt. Im Gegenteil: Die Matrix begann zu beben und wirklich jeder sang aus voller Kehle mit. Das waren tatsächlich fast magische Momente. Aber auch solche müssen irgendwann enden, doch zum Glück gab es noch eine weitere Verlängerung. Das ebenfalls „uralte“ „Tri Tra Trullala (Herbergsvater)“ bildete den krönenden Höhepunkt. Musikalisch fast schon Prog Rock spielten sich die Herren Musiker hier fast in einen Rausch, während der Grandseigneur der NDW den reichlich abstrusen Text dabei zum Besten gab. Ganz großes Kino.

22 30 war dann pünktlich Schluss und auch wenn JOACHIM WITT auf Tonträger nicht immer nur Volltreffer gelingen – live war das Ganze sehr unterhaltsam, perfekt umgesetzt und homogen klingend – der vielen Stilbrüche zum Trotz. Wer hat noch mal das Pokalfinale gewonnen? …

Setlist JOACHIM WITT
Aufstehen 
Die Erde brennt 
Mein Herz 
Es regnet in mir 
Bis ans Ende der Zeit 
Ohne dich 
Spät 
Dein Lied 
Gloria 
Königreich 
Das geht tief 
Batallion D’amour (SILLY COVER)
Die Flut 

Supergestört und superversaut 
Eisenherz 
Goldener Reiter 

Tri Tra Trullala (Herbergsvater) 

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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