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JOHANNES OERDING – SEBO

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Ort: Osnabrück – Rosenhof

Datum: 16.03.2013

Gestern noch in seiner Geburtsstadt Münster, zog es JOHANNES OERDING an diesem Samstag mal wieder an den zweiten Schauplatz der Verhandlungen zum Westfälischen Frieden. Nun war natürlich nicht das Osnabrücker Rathaus Ziel seiner Reise, sondern der Rosenhof, wo der Musiker zuletzt im November 2011 auf der Bühne gestanden hatte. Damals war er mit seiner zweiten Platte „Boxer“ unterwegs, heuer war der dritte Silberling „Für immer ab jetzt“ Teil des Reisegepäcks (auch wenn die CD zumindest nach dem Gig am Merch ausverkauft war). Die vor neun Wochen erschienene Platte ist bis auf #4 der Charts durchmarschiert und so war es kein Wunder, dass das ehemalige Kino am Rosenplatz aus allen Nähten platzte. Anders als vor zwei Jahren, war das Publikum aber nicht mehr nahezu ausschließlich weiblich, sondern die Geschlechter einigermaßen paritätisch verteilt. Auch wenn der eine oder andere Herr dann doch den Eindruck machte, als sei er nicht ganz freiwillig vor Ort…

Bei den drei Typen, die um 19.45 Uhr die Stage enterten, sah das allerdings ganz anders aus: SEBÓ und seine Mitstreiter an der Gitarre und den Percussions freuten sich offensichtlich über das nahezu 1000-köpfige Auditorium, das aufmerksam den Singer-Songwriter-Vortrag des Hamburgers verfolgte. Die Songs wurden von den Osnabrückern artig beklatscht und es war nicht zu übersehen, dass die Leute (vor und auf der Bühne) mit dem festen Willen gekommen waren, Spaß zu haben. Deshalb war die sonst häufig übliche norddeutsche Zurückhaltung auch kein Thema und schon bald wurde der soulige Gesang des Hanseaten von einem vielstimmigen Chor begleitet, der auch am Applaus nicht sparte, bevor mit dem Titeltrack „So weit so gut“ von der vor einen Monat veröffentlichten EP erneut etwas ruhigere Töne angeschlagen wurden. Mit viel Gefühl und Rhythmus beendete das Trio nach einer halben Stunde den Support, der übrigens zustande gekommen ist, nachdem SEBÓ JOHANNES OERDING bei Inas Nacht kennengelernt hatte.

INA MÜLLER und JOHANNES OERDING – ein Thema, das ganze Klatschspalten füllt, seitdem bekannt ist, dass die Sängerin und Moderatorin mit dem 16 Jahre jüngeren Mann liiert ist. Dieses Rauschen im Blätterwald hat sicherlich auch zu einem Popularitätsschub des Musikers beigetragen, doch bringt er selbst nicht weniger ausgeprägte Entertainerqualitäten wie seine Freundin mit der frechen Schnauze mit. Mal ganz abgesehen davon, dass er noch gar nichts gesagt hatte, als es nach einer rekordverdächtig kurzen Umbaupause von etwa fünf Minuten, mit „Nicht genug“ vom jüngsten Studiowerk los ging und die gesamte Zuschauerschaft (zumindest der weibliche Teil) bereits an seinen Lippen hin. Mit dem druckvollen Song übers Touren und Mucken lieferte Oerding den perfekten Auftakt in den Konzertabend, der ebenso wie das folgende „Wenn es einen Gott gibt“ vom 2009er Debüt „Erste Wahl“ textsicher mitgesungen wurde, ehe die Kapelle die Gelegenheit nutze, dass sich so viele Fotografen im Graben tummelten und ein paar Gruppenfotos schießen ließ. Dann verkündete Johannes für die „Ersttäter“, Oerding-Konzerte seien siebenstündige Orte der Begegnung, die auch als Single-Börsen fungierten und ein Massen-Händeschütteln verordnete. Immerhin versprach er auf der Hochzeit zu spielen, wenn sich ein Paar bei seinem Gig kennenlernen sollte. Weiter ging’s mit „Erste Wahl“ und viel Schmackes, bevor „Reparier’n“ sich im Ohr festsetzte. Dass 31-jährige wie mit „Die Tage werden anders sein“ bereits übers Älterwerden singen, mag auf den ersten Blick befremdlich wirken, aber Bassmann Robin Engelhardt ist gerade Vater geworden und garantiert werden seine Tage daheim jetzt anders sein. Zwischendurch stimmte Oerding bei dieser Nummer noch den „Reckoning Song“ von ASAF AVIDAN an, um sich nach dem ausgiebigen Kreischen seiner Fans zu freuen, nicht TOKIO HOTEL zu sein. Tatsächlich hielten sich die hysterischen Anfälle der holden Weiblichkeit in Grenzen und wenn der Kreislauf in Einzelfällen nicht mehr mitspielen wollte, lag dies in erster Linie an den tropischen Temperaturen in der Venue, wo mit „Wo wir sind ist oben“ eine große Party gefeiert wurde, ehe das getragene „Magneten“ Zeit zum Durchatmen bot und die Bühne zur schönen Singleauskopplung „Einfach nur weg“ in blaues Licht getaucht wurde. Für das beschwingte „Sommer“ legte der blonde Fronter mit dem verschmitzten Grinsen seine Wanderklampfe für einen Moment an die Seite, um im Graben auf Tuchfühlung mit seinen Fans zu gehen. „Traurig aber wahr“ swingte mitsamt gesanglich improvisiertem Trompetenspiel, für das natürlich der Chef himself verantwortlich war. Dem schloss sich mit dem stimmungsvollen „Die dunklen Jahre“ ein weiteres feines Liedchen an. Derweil wurde zum dramatischen „Jemanden wie dich“ die Stage rot ausgeleuchtet und Robin wechselte vom Stahlsaiter an die Tasten, um beim knackigen „Morgen“ vom zweiten Longplayer wieder den Tieftöner zu bearbeiten. Verbunden war das Stück mit einer Bandvorstellung. Alte Bekannte waren für die meisten Anwesenden der Gitarrist Moritz Stahl, Tastenmann Kai Lindner und natürlich der bereits genannte Robin Engelhardt am Bass. Neu auf der Stage war Drummer Jost Nickel, der jedoch bereits bei den Aufnahmen zum Erstling mit von der Partie war und einem größeren Publikum als Schlagzeuger von JAN DELAY bekannt sein könnte. Erneut sprang Johannes in den Graben, um von dort seine Fans zu dirigieren, die wie er mit dem Verstummen der Musik für einen Moment bewegungslos verharrten – ganz so als hätte jemand eine Pause-Taste für den gesamten Rosenhof gedrückt. Mit einem Moonwalk des Hauptprotagonisten schloss sich ein Eighties-Medley (inklusive Johannes’ Ausflug in die Menge) an, das sicherlich der Sturm-und-Drang-Zeit der meisten Anwesenden entsprach, wie auch die damit verbundene Altersabfrage des Publikums ergab. In diesem Zusammenhang ließ der gute Johannes verlauten, 47 sei ja genau sein Alter, was nur auf die Lebensjahre seiner Herzdame gemünzt sein konnte. Wahrlich, der Unterhaltungswert der Show war „Erste Klasse“ und Herr Oerding versteht sein Handwerk, egal ob der Vortrag ruhig und gefühlsbetont wie bei „Nichts geht mehr“ oder schwungvoll a la „Und wenn die Welt“ vonstatten geht. Andächtig lauschte das Auditorium auch „Für immer ab jetzt“ und sang selbstverständlich auch wieder voller Inbrunst und mit absoluter Textsicherheit mit, bevor nach zwei Stunden mit „Zurück“ der letzte Song des regulären Sets auf dem Zettel stand. Irgendwie kam die Ankündigung, im Herbst für weitere Konzerte nach Bielefeld und Hamm zurückzukehren, nicht sooo gut an. Wie es schien, wollen die Fans ihren Helden im Rosenhof sehen, weshalb der Musiker auch versprach, an den Ort des heutigen Geschehens zurück zu kehren.

Das tat er nach einem kurzen Abgang ins Off auch für die erste Zugabe „Schlaflos“, die er mit seinem akustischen Sechssaiter allein bestritt. Für das finale „Engel“ versammelte sich die gesamte Truppe erneut im Scheinwerferlicht. Nach einem leisen Einstand gab die Band hier noch einmal ordentlich Gas, um die Zuschauer schließlich nach 135 Minuten Spielzeit in die kühle Nacht zu entlassen. JOHANNES OERDING und seine Mannen haben ihren Fans ohne Zweifel einen gelungenen Abend beschert und perfekte Unterhaltung abgeliefert. Die Band und ihr Frontmann strahlten eine enorme Spielfreude aus, die das Publikum vom ersten Moment an gepackt hat. Ich bin mir sicher, dass sich viele der heute Anwesenden auch am 23. November im Bielefelder Ringlokschuppen wieder einfinden werden. Was sind schon 50 Kilometer bei der Aussicht auf eine solche Wiederholung? Die strahlenden Gesichter sprachen in jedem Fall Bände und wenn Herr Oerding es einrichten kann, zusätzlich auch noch in Osnabrück vorbei zu schauen – umso besser. Garantiert wird auch bei dieser Gelegenheit der Rosenhof rappelvoll sein. Johannes hat ja nicht ohne Grund bereits darüber nachgedacht, ob er nicht zwei Gigs in dieser Konzertstätte ansetzen sollte. Die Zustimmung seiner heutigen Gäste hat er dafür allemal!

Setlist JOHANNES OERDING
Nicht genug
Wenn es einen Gott gibt
Erste Wahl
Reparier’n
Die Tage werden anders sein
Wo wir sind ist oben
Magneten
Einfach nur weg
Sommer
Traurig aber wahr
Die dunklen Jahre
Jemanden wie dich
Morgen
Erste Klasse
Nichts geht mehr
Und wenn die Welt
Für immer ab jetzt
Zurück

Schlaflos
Engel

Copyright Fotos: Holger Ebert

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