Terrorverlag > Blog > BRIGADE ROSSE, CHARLES LINDBERGH N.E.V., COSMIC HULA RADIATORS, DADA POGROM, DEUTSCHE ANARCHISTEN TAUMELN BENOMMEN EINEN SCHRITT ZUR SEITE > KERNKRACH FESTIVAL 2010

Konzert Filter

KERNKRACH FESTIVAL 2010

101106-Kernkrach-2010.jpg

Ort: Fulda - Café Panama

Datum: 06.11.2010

Nachdem es 2009 leider ausgefallen war, fand im November 2010 endlich wieder ein KERNKRACH–Festival statt. Ein absolutes Novum war dabei dieses Mal sicherlich die neue Location – das Café Panama in Fulda, das sich im Laufe der Veranstaltung als wahrer Glücksgriff offenbaren sollte.

Nachdem wir am späten Nachmittag unser Hotel in Fulda bezogen hatten, machten wir uns auf den Weg zum Ort des Geschehens. Nach einem knapp 20minütigen Fußmarsch, entdeckten wir schließlich den etwas versteckten Zugang zum Café Panama. Um zum Eingang zu gelangen, durchquerten wir eine überdachte Zufahrt zu einem parkplatzähnlichen Hof, an dem auch der Eingang zum Festival lag. Da der Soundcheck noch in den letzten Atemzügen lag, nutzen wir die Zeit bis zum Beginn der ersten Band, uns erst einmal in den, für uns neuen Gefilden umzusehen. Vom Eingang über den Konzertraum kamen wir in eine kleine Kneipe, wo sich bereits zahlreiche Gäste eingefunden hatten, Smalltalk hielten, ein Bierchen schlürften bzw. die dort aufgebauten Schallplatten- und Merchandising-Stände inspizierten. Gegen 19:30 betrat schließlich der Veranstalter den Raum und bat die Gäste, sich im kleinen Konzertsaal einzufinden, da die erste Band nun starten würde.

BRIGADE ROSSE

Schnell füllte sich der kleine Raum, bis schließlich ca. 35 Personen ihren Platz gefunden hatten (im Laufe des Festivals wurden es kontinuierlich mehr – vielleicht 150 Leute? ). Sodann betraten auch die beiden Musiker die Bühne. Dass BRIGADE ROSSE ihre Identität nicht bekannt geben möchten, war mir bereits bekannt und deswegen brannte in mir die Frage, wie man das bei so einem Anlass umsetzen könnte. Die Idee war genauso einfach wie genial. Man hatte sich komplett um den Kopf bandagiert – ja genauso, wie man das von dem Unsichtbaren oder der Mumie aus alten Gruselfilmen kennt. Musikalisch wurde treibender Minimal Electro mit deutschen Texten geboten, der von Anfang an zum Tanzen anregte. Jeder Song wurde mit Applaus bedacht und die schwierige Aufgabe des Openers perfekt gemeistert. Trotz Zugaberufen aus dem Publikum, verließen die Beiden nach acht Songs leider die Bühne – aber das Programm musste ja weitergehen.

Setlist BRIGADE ROSSE
Das Gefühl
Leute in der Nacht
Weltgeist
24 Stunden
Brennendes Eis
Alles auf Koma
Psychotop
Interzone BRD

DEUTSCHE ANARCHISTEN TAUMELN BENOMMEN EINEN SCHRITT ZUR SEITE

Obwohl es im Musikkosmos eine nicht mehr zählbare Menge an Bands gibt, schaffen es doch immer mal wieder Vertreter dieser Zunft, schon mit einem absolut originellen Namen für Interesse zu sorgen. Nach einer kurzen Umbaupause, die wir nutzten um eine Maurerbrause zu uns zu nehmen, betrat schließlich der Veranstalter mit einem Fernseher (!) als Helm die Bühne, um DEUTSCHE ANARCHISTEN TAUMELN BENOMMEN EINEN SCHRITT ZUR SEITE anzukündigen. Ähnlich skurril war auch die Kopfbedeckung eines Bandmembers: ein zum Helm mit Sehschlitz umfunktionierter Eimer. Bei den folgenden 13 Stücken konnten die Jungs mit Ihrem experimentellen Sound und intelligenten Texten erfolgreich beweisen, dass hinter dem interessanten Namen auch tatsächlich interessante Musik steckt. Neben dem gelungenen musikalischen Konzept wurden auch immer mal wieder kleine Gimmicks, wie eine Bohrmaschine bei „Liebe im Kraftraum“ oder ein, mit einer Handkreissäge bespielter Bass bei „Teil meiner Stadt“, in die Show eingearbeitet. Nach 13 Tracks war dann wieder Zeit für eine kleine Umbaupause.

Setlist DEUTSCHE ANARCHISTEN TAUMELN BENOMMEN EINEN SCHRITT ZUR SEITE
E Quale Vi Vivas
Hunger Hunger Liebe Liebe
Explosion
Arbeiter
Liebe im Kraftraum
Friedensritter
Love Me Kill Me
Geheimnis
Teil meiner Stadt
Zwischen Himmel und Erde
Das letzte Mal
Stunde Null
Wäre heute morgen und gestern jetzt

CHARLES LINDBERGH N.E.V.

Während der Hinfahrt nach Fulda hatte ich bereits gehofft, dass auch dieses Jahr beim Kernkrach wieder ein Überraschungsauftritt von Haiko Herdens coolem Projekt stattfinden würde. Zumal ich gerade einige Tage zuvor mal wieder eins seiner Nebenprojekte THE EVASION ON STAKE gehört hatte. Und tatsächlich – sein Verkaufsstand wurde justament für kurze Zeit geschlossen, das kleine, niedliche, aber fleißige Keyboard unter den Arm geschnallt und die Bühne geentert. Mittlerweile waren immer mehr Leute im Café angekommen und gegen 21:40 Uhr konnte es weitergehen. Die wunderbar einfachen, melodischen, mit viel Herzblut vorgetragenen Songs kamen auch diese Jahr spürbar gut bei den Fans an. Neben einer Coverversion von den TORNADOS und dem genialen „Plastic Punx“, durfte natürlich auch nicht der kleine Hit „Auf in den Kampf“ fehlen. Nach einem passenden Weihnachtsstück gab es dann mit „Body Bulding“ auch noch eine wohlverdiente Zugabe zu hören. Das Projekt mit den nostalgischen Keyboardklängen ist immer wieder ein Genuss und erinnert an alte Zeiten. Für mich auf jeden Fall eines der, zugegebenermaßen zahlreichen, Highlights des Festivals.

Setlist CHARLES LINDBERGH N.E.V.
Telstar (Coverversion – THE TORNADOS)
Nix los
Plastic Punx
Auf in den Kampf
Weihnachtsmann
Body Building

DADA POGROM

Bereits um 22:20 Uhr ging es auf der Bühne weiter mit dem Duo DADA POGROM. Die Band war mir zuvor überhaupt nicht bekannt, schaffte es aber binnen kürzester Zeit, nicht nur mich in ihren Bann zu ziehen. Schon beim ersten Track fiel der sehr kraftvolle Sound auf, der mit starken Beats zum Tanzen zwang. Leider gab es zu Beginn ein paar Mikrofonprobleme, die aber durch die Musik abgefedert wurden und der Stimmung keinen Abbruch taten. Nach einer kleinen Aufwärmphase lief dann auch hier alles glatt und die Sängerin mit dem blonden Schopf bot Vocodervox par Excellence. Wie bei allen Bands und Acts des Abends wirkten auch diese beiden Künstler super sympathisch und unterstrichen den familiären Charakter der Veranstaltung. Ein absoluter Treffer war für mich der Song „Happy Happy Happy“, der bereits als Single veröffentlicht worden ist und sofort ins Ohr geht.

Setlist DADA POGROM
Intro
Die Stadt
K1
K2
K3 Vocoder love
K4 Intro
K4
K5
K6 Creep
K7 Saubre Luft durch Kernkraft
Happy Happy Happy
K12 Flugvallarbygggingunnar í nótt
I am the Army
K8 Piraten
K9 Tief in der Nacht
K10 Vorbestraft

COSMIC HULA RADIATORS

Nach einer langen Tanzorgie hatte man die Pause für ein weiteres Bier und den Erwerb von Vinyl, CDs und T-Shirts genutzt. Kurz nach Mitternacht begann nun das große Finale des diesjährigen KERNKRACHs. Zum besseren Sehen positionierte ich mich in der Nähe der Bühne. Es näherte sich mir ein Astronaut – dieser drückte mir seinen Fotoapparat mit der Bitte, einige Bilder beim Auftritt zu machen in die Hand und verschwand auf die Bühne, die wiederum von weiteren Weltraummännern betreten wurde. Mmmhhh – dachte ich, der kam Dir doch irgendwie bekannt vor. Beim nochmaligen Betrachten der Musiker wurde es mir dann endlich klar. Alle Bandmitglieder sind sonst unter dem Namen EPIC DREAMS zusammen und mit dem Sänger hatte ich mich schon öfters auf Konzerten und sogar am selben Abend (freilich da noch ohne Kostüm) unterhalten. Von diesem Nebenprojekt hatte ich noch gar nichts gewusst und um so gespannter wurde ich. Nach einem Intro begann die unterhaltsame Weltraumshow mit spacigen Klängen und treibenden Rhythmen. Neben zahlreichen eigenen Songs wurden mit „Das Model“ und „Fred vom Jupiter“ auch passende Coverversionen geboten. Sehr stimmungsvoll auch ein kleines selbstgebautes Raumschiff auf der Bühne, das zwischenzeitlich auch mal ins Publikum wanderte oder kleine Laserpistolen-Einlagen. In ewiger Erinnerung wird der krönende Abschluß bleiben, bei dem der Sänger in besonders „appetitlicher“ Weise ein Marmeladenbrot verspeiste.

Setlist COSMIC HULA RADIATORS
Intro Cosmic Hula Radiators 
Das Glück 
Das Model 
Disco Disco (3,2,1, Rakete) 
Herzmaschine 
Landeanflug 
Neuer Standard 
Planetoiden 
Planquadrat 
Drücke die AN-Taste 
Auf wiedersehen 
 
Solarsturm 
Fred vom Jupiter 
Erdbeermarmeladenbrot 

Gegen halb zwei war schließlich auch das letzte Konzert des Abends vorbei und die meisten Besucher fanden sich in der kleinen Kneipe ein, um noch ausgiebig zu feiern und den ein oder anderen Talk mit den Künstlern zu halten. Doch irgendwann wurden auch wir müde und machten uns auf den Weg durch eine Nacht voller Regen zum Hotel.

Fazit: Das KERNKRACH Festival ist meiner Meinung nach eine der besten Veranstaltungen des Jahres. Amphi, M’era Luna etc. sind zwar auch immer wieder schön, aber keines dieser Festivals kann mit so einer derart intimen und familiären Atmosphäre aufwarten. Absoluter Respekt gebührt den Veranstaltern, den Tontechnikern, dem Thekenpersonal, den Locationbetreibern und weiteren Helfern, die den Abend in allen Belangen perfekt gestaltet hatten. Beim Kernkrach stimmte einfach alles: Nette Leute, durchweg gute und interessante Bands und eine Top-Stimmung in einer tollen Location. Für mich steht jetzt schon fest, dass ich auch das nächste KERNKRACH (wenn es denn hoffentlich stattfindet) besuchen werde. Mehr davon!!!

Copyright Fotos: Jörg Rambow

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Alle markierten Felder (*) müssen ausgefüllt werden.

Mehr zu BRIGADE ROSSE auf terrorverlag.com

Mehr zu CHARLES LINDBERGH N.E.V. auf terrorverlag.com

Mehr zu COSMIC HULA RADIATORS auf terrorverlag.com

Mehr zu DADA POGROM auf terrorverlag.com

Mehr zu DEUTSCHE ANARCHISTEN TAUMELN BENOMMEN EINEN SCHRITT ZUR SEITE auf terrorverlag.com