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KILLSWITCH ENGAGE – TWELVE TRIBES – ALL THAT REMAINS

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Ort: Herford - Club X

Datum: 27.01.2005

Ja, da kann man nicht meckern: Für ein Vier-Band-Package wurden dem Freund harter Kost im Vorverkauf gerade einmal rund 14 Euro abgenommen. Und das wo man doch heutzutage bei weniger bekannten Bands normalerweise schon ne Ecke mehr blechen muss. O.K., die eingeplanten JOHNNY TRUANT mussten kurz vor Tourstart absagen, aber das dürfte bei dem Headliner wohl kaum einen interessiert haben. So machte man sich an dem verschneiten und vereisten Januar-Tag doch gerne auf in Richtung Nachbarstadt.

Schon beim Konzert der H-BLOCKX war deutlich zu merken, dass bei der Konzert-Orga im neuen “X” nun einiges besser läuft, als noch im Vorgänger-Laden. So gingen auch diesmal pünktlich die Türen auf und um Punkt 20:30 stand die erste Band auf den Brettern. Die Aufgabe des Openers übernahmen die Metalcorer von ALL THAT REMAINS. In unseren Landen noch relativ unbekannt konnte sich das Quintett aus Massachusetts in den USA schon einen guten Namen machen. Dies liegt vor allem an den Songs von ihrem zweiten Album “This Darkened Heart”, welches im übrigen von KILLSWITCHs Adam D. produziert wurde. Und der Großteil ihres Set bestand auch Tracks von eben dem erwähnten. Zwar war der Sound bei den ersten zwei/ drei Songs alles andere als optimal (Gitarren zu leise, Drums zu laut), doch das besserte sich ab ca. der Mitte des Sets merklich. So knallten die Kollegen Stücke wie “The deepest Gray” und “Passion” tight und solide in die Menge, die diese mit wohlwollendem Applaus und fleißigem in die Höhe recken der “Pommesgabel” honorierte. Augenfang der Band war neben Sänger Philipp Labonte der langhaarige Lead-Gitarrist, der nicht nur einen ordentlichen Metaleinschlag mitbrachte, sondern von seiner Spielweise und seinem Erscheinungsbild auch locker zu den Power-Metallern von SAVATAGE gepasst hätte. Nach gut 30 Min. hatten es die Amis dann auch geschafft, doch genauso, wie der nun antretende Shouter von TWELVE TRIBES sollte Phil Labonte später noch in Erscheinung treten.

Nach einer kurzen Umbaupause (alle Acts spielten über ein Drumkit) war nun die Band um den gerade erwähnten Sänger an der Reihe. TWELVE TRIBES hatten im Vorfeld ca. gleich viele gute wie auch schlechte Kritiken erhalten. So war ich gespannt, was man den schon zahlreich anwesenden Fans nun vorsetzen würde. Schon beim Betreten der Bühne wurde klar, dass diese Band so einigen Leutchen mehr ein Begriff war als der Opener. So ging die Meute schon vom ersten Song an mehr mit und es bildete sich sogar ein kleiner Moshpit. Hauptakteur war ganz klar Sänger Adam Jackson, der seine mächtigen Dreads immer kräftig durch die Gegend schwang und mit seiner Haarpracht eh jeden Reggae-Fan neidisch machen dürfte. Genretechnisch gehen die Metaller aus Dayton, Ohio, um einiges straighter zu Werke als die zwei anderen Bands des Abends. So zockt der Fünfer modernen Thrash Metal mit relativ wenigen HC-Einschlägen. Das Set bestand ausschließlich aus Songs des aktuellen Albums “The Rebirth of Tragedy”. Das Debüt “As Feather to Flowers and Petals to Wings” und die darauf folgende EP wurden leider komplett außen vor gelassen. Auch diesmal wurde der Sound nach den ersten zwei/ drei Songs besser, was darauf schließen lässt, dass der Ton-Mensch den Klang wohl jedes mal erst wieder neu einpegeln musste. Besonders für den Video-Song “Venus Complex” und das komplexe “Backburner” konnten sich TT sehr positive Reaktionen erspielen. Ein Problem dieser Combo ist allerdings, dass ihren sehr komplexen und tight dargebotenen Kreationen des öfteren eine Mitmosh-Passage, ein Ohrwurm-Refrain oder ein knackiges Solo fehlt, um damit vor allem live für mehr Stimmung zu sorgen. Eine sehr mutige Aktion brachte Rasta-Mann Adam noch am Ende des 40 Min.-Sets. So sprang der stattliche und stimmgewaltige Frontmann schwungvoll über den Fotograben in die Menge, welche zwar gut mitging, aber bei weitem noch nicht so euphorisch war, dass man die Gefahr auf den Hallenboden zu rasseln, hätte ausschließen können. Doch der gute Mann überlebte seinen Stunt unbeschadet und sollte später am Abend nochmals die Bühne entern, um Howard von KSE stimmkräftig zu unterstützen.

Nach einer nochmals kurzen Umbaupause kam dann der Headliner auf die Bühne. Im Vorfeld hatte mir Basser Mike schon verraten, dass man die Stimmprobleme von Sänger Howard wohl im Griff habe und damit einer guten Show nichts im Wege stehe. Leider kündigte er aber auch an, dass man keinen Song vom gerade wiederveröffentlichten Debüt zum Besten geben würde. Los ging’s auch gleich mit einem meiner persönlichen Lieblingssongs: “A Bid Farewell”. Meine Befürchtung war ja auch, dass die meist jüngeren Fans evtl. nur wegen der Hits “My last Serenade” und “Rose of Sharyn” angetreten waren, doch diese wurde gleich weggewischt. Denn schon beim Opener wurde der Refrain lauthals mitgesungen und so ging es bei eigentlich allen cleanen Passagen der Songs vom aktuellen Album. Gesanglich brachte Kraftprotz Howard ein solide Leistung. Vor allem die Shouts kamen um einiges brutaler und energischer als auf Platte und auch die cleanen Passagen bewältigte der dunkelhäutige Glatzkopf souverän, wenn auch nicht perfekt. Aber bei anspruchsvollen Parts, wie z.B. beim Titelstück des aktuellen Werks kann man auch nicht erwarten, dass jeder Ton auch während der Live-Action optimal sitzt. Und dafür brachte der imposante Frontmann eine wirklich überzeugende Leistung, die keinerlei Rückschlüsse auf stimmliche Probleme ziehen ließ. Regelrecht hyperaktiv präsentierte sich Bandchef/ Gitarrist Adam D., der während des gesamten Sets reichlich Spaß hatte und unablässig über die Bretter wuselte, im Slalom durch die Bandkollegen stürmte, auch mal die Gitarre weglegte und bäuchlings über die Bühne robbte und beim finalen “World Ablaze” mal eben einen Ausflug AUF die Theke machte. Zudem wäre der gute fast erschlagen worden. Denn bei “Hope is…” enterten Phil von ALL THAT REMAINS und der Gitarrist von TWELVE TRIBES die Bühne, um tatkräftig beim Singen zu helfen. Dabei saß der eine dem anderen zwischenzeitlich auf den Schultern und landete beim uneleganten Abstieg direkt auf eben dem Lead-Gitarristen des Headliners. Trotz der Action auf der Bühne feuerte die Band äußerst fett und tight einen Knaller-Song nach dem nächsten in die richtig ordentlich abgehenden (schätzungsweise 800 – 900) Fans. Wie schon zu Beginn erwähnt, beschränkte man sich da zum größten Teil auf Songs vom Erfolgsalbum “The End of Heartache”, wobei natürlich vor allem “Life to Lifeless” und der Übersong “My last Serenade” vom Vorgänger “Alive or just breathing” auch nicht fehlen durften.

O.K., die 55 Min. Spielzeit waren vielleicht etwas mager. Aber da sollte man mal auf größere Bands schauen, die zum Teil über fünf Alben am Start haben, dennoch nur 60 – 70 Min. spielen und dabei weder so gut und tight geschweige denn so motiviert sind, wie die Formationen des heutigen Abends. Und das ganze zu einem mehr als fairen Preis, was auch die letzten Beschwerden verstummen lassen sollte. So konnte sich wirklich jeder zufrieden auf den Heimweg durch die eisige Nacht machen. TWEVLE TRIBES wird man in naher Zukunft zusammen mit den 36 CRAZYFISTS nochmals im X zu Gesicht bekommen. Und hoffentlich besuchen uns die fünf sympathischen Amis von KSE auch bald wieder.

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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